6ABX08 Die Geister, die ich rief (deutsches Transkript)

Aus Spookyverse
Copygif.gif Die Charaktere, Handlungen, Zitate usw., die im folgenden Transkript Erwähnung finden sind © Chris Carter/1013/Fox Entertainment und (in der deutschen Fassung) Cinephon Synchron/ProSieben, sofern es nicht dabei um eine Übersetzung des englischen Transkripts handelt. Diese Abschrift ist ohne explizite Erlaubnis von den Rechtehaltern von Fans für Fans als Hommage an Akte X erstellt worden und dürfen nur nicht-kommerziell verwendet werden. Und dienen zur Zugänglichmachung zugunsten behinderter Menschen sowie zur Verwendung als Zitat. Wir verfolgen keinerlei finanzielle Absichten. Die Texte selbst sind Eigentum des jeweiligen Autors.

Anmerkung von CayceP: Dies hier ist eine Übersetzung des Originals, keine Abschrift der deutschen Episode.



6ABX08 Die Geister, die ich rief
Die Wahrheit ist irgendwo da draußen

Heiligabend
Irgendwo in Maryland


Nacht. Vor einem gespenstischen alten Herrenhaus. Im Autoradio laufen Weihnachtslieder. Wir hören Bing Crosbys Version von "Have Yourself A Merry Little Christmas". Wir sehen, dass die Musik aus Mulders Autoradio stammt. Scully hält in ihrem Wagen neben Mulders. Sie kurbeln beide ihre Fenster herunter.

BING CROSBY: Have yourself a merry little Christmas / let yourself be light / From now on, our troubles will be out of sight … (Hab ein frohes kleines Weihnachtsfest / Lasst es dir gut gehen / Von nun an sind unsere Probleme außer Sichtweite)

Mulder ist froh, Scully zu sehen.

MULDER: Ich hatte fast schon die Hoffnung aufgeben ...

SCULLY: Tut mir leid. Die Schlangen an der Kasse waren schlimmer als der Berufsverkehr auf der I-95. Wenn ich "Stille Nacht" noch einmal gehört hätte, hätte ich angefangen, Geiseln zu nehmen. Was machen wir hier eigentlich?

MULDER: Observierung.

SCULLY: An Heiligabend?

MULDER: Das ist ein wichtiges Datum.

SCULLY: Kein Scherz.

MULDER: Wichtig für den Grund, warum wir hier sind. Warum stellst du nicht dein Auto ab und ich erzähle dir die Details.

SCULLY: Mulder, ich muss noch Geschenke verpacken. Es ist der Abend vor Weihnachten.

BING CROSBY: Here we are … (Hier sind wir …)

Mulder schaut in den Kofferraum von Scullys Auto, wo eine Reihe von ordentlich verpackten Geschenken liegen.

MULDER: Oh.

BING CROSBY: Happy golden days of yore … (Glückliche goldene Tage von einst …)

Scully kurbelt ihr Fenster hoch, steigt aus ihrem Auto aus und in Mulders.

SCULLY: Schieß los. Erzähle mir die Details.

MULDER: Falls du noch Weihnachtssachen zu erledigen hast, möchte ich nicht ... du weißt schon ...

SCULLY: Mulder, ich bin den ganzen Weg hierhergefahren. Dann kann ich auch genauso gut erfahren, wofür. Oder?

MULDER: Ich dachte nur, dass du etwas ... neugieriger wärst.

SCULLY: Wer wohnt in diesem Haus?

MULDER: Niemand.

SCULLY: Wen sollen wir dann observieren?

MULDER: Die früheren Bewohner.

SCULLY: Die sind zurückgekommen?

MULDER: Das ist die Geschichte.

SCULLY: Ich verstehe. Das dunkle, gotische Herrenhaus, der, äh, allgegenwärtige kriechende Nebel, der sich durch das Dickicht des Gestrüpps zieht. Moment - ist das ein Hund, den ich da draußen im Moor bellen höre?

MULDER: Nein. Eigentlich war das ein Wind, den ich streichen ließ.

SCULLY: Mulder, sage mir bitte, dass du mich nicht an Heiligabend hierher gerufen hast, um mit dir auf Geisterjagd zu gehen.

MULDER: Technisch gesehen heißen sie Erscheinungen.

SCULLY: Mulder, nenne es, wie du willst. Ich habe Weihnachtsstimmung zu verbreiten. Ich habe um 6 Uhr morgens einen Familienappell unter dem Baum.

Mulder verriegelt die Tür auf ihrer Wagenseite.

MULDER: Ich werde mich kurzfassen. Ich werde dir nur die Details erzählen.

SCULLY: In Ordnung.

MULDER: Weihnachten, 1917. Es war eine Zeit der dunklen, dunklen Verzweiflung. Amerikanische Soldaten starben in einem vom Krieg zerrissenen Europa in einer grässlichen Geschwindigkeit, während zu Hause ein tödlicher Grippevirus Jung und Alt gleichermaßen angriff. Tragödien standen vor jeder Haustür, während sich bei jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind eine schleichende Hoffnungslosigkeit einstellte. Es war eine Zeit der dunklen, dunklen Verzweiflung.

SCULLY: Das hattest du bereits gesagt.

MULDER: Aber hier in der Larkspur Lane 1501 kam die Tragödie zu einem Liebespaar, das sich in die Quere kam, nicht durch Krieg oder Pestilenz - nicht durch den Stiefelabsatz oder den Bombenschützen - sondern durch ihre eigene unschuldige Hand.

SCULLY: Fahr fort.

MULDER: Sein Name war Maurice. Er war ein ... ein grüblerischer, aber heldenhafter junger Mann, geliebt von Lyda, einer erhabenen Schönheit, die von einem Licht erfüllt war, das ihr zu folgen schien, wohin sie auch ging. Sie wurden mit zwei vom Himmel herabgestiegenen Engeln verglichen, die die Götter nicht vor den Schrecken schützen vermochten, die diese kalte, graue Erde heimsuchten.

SCULLY: Und was ist mit ihnen passiert?

MULDER: Getrieben von einer tragischen Trennungsangst schlossen sie einen Liebespakt, um die Ewigkeit miteinander zu verbringen und kein einziges kostbares Weihnachtsfest getrennt zu verbringen.

SCULLY: Sie haben sich umgebracht?

MULDER: Und ihre Geister spuken jeden Heiligabend in diesem Haus.

Scully lacht.

MULDER: Ich habe mir gerade selbst eine Gänsehaut verursacht.

SCULLY: Es ist eine gute Geschichte, Mulder, und sehr gut erzählt. Aber ich glaube sie nicht.

MULDER: Du glaubst nicht an Geister?

SCULLY: Das überrascht dich?

MULDER: Nun ja ... Ja. Ich dachte, jeder glaubt an Geister.

SCULLY: Mulder, wenn es eine andere Nacht wäre, würde ich mich vielleicht von dir überreden lassen, aber die Säle sind geschmückt und ich muss los.

Scully steigt aus dem Auto aus und geht zu ihrem Wagen. Mulder steigt ebenfalls aus und macht sich auf den Weg zum Haus.

MULDER: Schöne Grüße an die Familie.

SCULLY: Was machst du da? Mulder, musst du nicht irgendwo sein?

MULDER: Ich will nur mal nachsehen.

Scully murmelt vor sich hin.

SCULLY: Ich werde es nicht tun. Mein Neujahrsvorsatz.

Scully überprüft ihre Taschen. Keine Autoschlüssel. Sie sieht in Mulders Auto nach. Keine Schlüssel. Sie sieht in ihrem Auto nach. Keine Schlüssel.


Die Tür knarrt, als Mulder das Haus betritt. Er schaltet seine Taschenlampe ein und leuchtet im Foyer herum. Donner grollt, als Scully ihm ins Haus folgt.

SCULLY: Mulder!

MULDER: Hast du deine Meinung geändert?

SCULLY: Hast du meine Autoschlüssel genommen?

MULDER: Nein.

SCULLY: Komm schon, Mulder. Mach keine Scherze.

MULDER: Warum sollte ich deine Autoschlüssel nehmen?

SCULLY: Vielleicht hast du sie, äh ... vielleicht hast du sie aus Versehen mitgenommen.

MULDER: Vielleicht war es ein Geist.

Sie schauen beide auf das Klopfgeräusch über ihnen, dann auf die Uhr im Foyer. Das Geräusch des Windes ist zu hören.

MULDER: Das ist ein kalter Wind.

SCULLY: Oben muss ein Fenster offen sein. Weißt du, der Wetterbericht hat vorhergesagt, dass es eine 80-prozentige Chance auf Regen gibt, vielleicht sogar eine ... vielleicht sogar eine weiße Weihnacht.

Es donnert. Die Haustür schlägt zu. Scully rennt zur Tür und versucht, sie zu öffnen. Sie rührt sich nicht.

MULDER: Ich glaube, die Geister sind unter uns.

SCULLY: Mulder, höre auf, mich zu erschrecken und hilf mir, diese Türen zu öffnen.

MULDER: Es hört sich an, als ob da oben jemand herumläuft.

Oben klopft es weiter.

MULDER: Da. Hast du das gehört?

SCULLY: Mulder, ich muss jetzt wirklich los.

MULDER: Es gibt nichts, wovor du Angst haben müsstest.

SCULLY: Ich habe keine Angst, verstanden?

MULDER: Geister sind wohlwollende Wesen.

Das Geräusch von klirrenden Ketten ist von oben zu hören.

MULDER: Meistens.

SCULLY: Du machst mir keine Angst, Mulder.

Scully schaut auf ihre Uhr. 11:03 Uhr. Sie schaut auf die Uhr im Gang. Sie zeigt ebenfalls 11:03. (Der Hersteller der Uhr ist J. Cameron & Son, Kilmarnock, eine echte schottische Firma aus dem 19. Jahrhundert, aber auch eine nette Anspielung auf James Cameron, den Regisseur.)

SCULLY: Versteh doch, ich muss jetzt wirklich nach Hause.

Mulder geht die Treppe hinauf und lässt Scully allein. Blitze zucken und zeigen ihr die Silhouette einer Gestalt neben dem Fenster. Als der Blitz erneut aufblitzt, ist die Gestalt verschwunden. Scully folgt Mulder.

SCULLY: Mulder ...

MULDER: Psst! Was war das?

Das Klopfen hört auf.

SCULLY: Das sind Tricks, die einem der Verstand spielt. Es sind eingefleischte Klischees aus tausend verschiedenen Horrorfilmen. Wenn wir ein Geräusch hören, bekommen wir eine Gänsehaut. Wir sehen einen Schatten und wir erlauben uns, uns etwas vorzustellen, was eine ansonsten rationale Person von vornherein ausschließen würde. Die ganze ... Mulder ...?

Sie schaltet ihre Taschenlampe ein und folgt ihm in den zweiten Stock.

SCULLY: Die ganze Idee eines wohlwollenden Wesens passt perfekt zu dem, was ich sage. Dass ein Geist sich materialisieren oder zurückkehren würde, nur um sich zu zeigen, ist albern und lächerlich. Ich meine, was es wirklich zeigt, ist, wie albern und lächerlich wir geworden sind, wenn wir an solche Dinge glauben. Ich meine, dass ... dass wir alle Naturgesetze über den Körper ignorieren können ...

Mulder versucht, eine verschlossene Tür öffnen.

SCULLY: ...dass-dass wir diese Geister in ihren eigenen schäbigen Kleidern, mit den gleichen alten Haarschnitten und Frisuren sehen, die niemals altern, niemals ... niemals auf der Suche nach einer angenehmeren Umgebung - das sagt eigentlich mehr über die Lebenden aus als über die Toten.

Mulder versucht eine weitere verschlossene Tür zu öffnen.

MULDER: Mm-hmm.

SCULLY: Ich meine, Mulder, man braucht keinen Hochschulabschluss in Psychologie, um die ... die unbewussten Sehnsüchte zu verstehen, die diese Vorstellungen befriedigen. Du weißt schon, die Sehnsucht nach Unsterblichkeit, die Hoffnung, dass es etwas jenseits dieser sterblichen Hülle gibt ...

Mulder probiert es bei einer weiteren Tür, die ebenfalls verschlossen ist.

SCULLY: … dass wir nie lange ohne unsere Lieben sein werden. Ich meine, das sind mächtige, mächtige Sehnsüchte. Ich meine, sie sind die Essenz dessen, was uns menschlich macht. Eigentlich der Inbegriff von Weihnachten.

Beide drehen sich um, als eine Tür knarrt und sich von selbst leicht öffnet. In dem Raum dahinter brennt Licht.

MULDER: Sage mir, dass du keine Angst hast.

SCULLY: Also gut. Ich habe Angst ... aber es ist eine irrationale Angst.

Scully holt ein paar Mal tief Luft, dann geht sie auf die leicht geöffnete Tür zu. Mulder bleibt, wo er ist.

MULDER: Ich halte dir den Rücken frei.

Scully flüstert eine Antwort.

SCULLY: Ich danke dir.

Scully stößt die Tür auf und sieht hinein.

SCULLY: Mulder, ist es dir in den Sinn gekommen, dass es hier keine Geister gibt, sondern dass tatsächlich noch jemand in diesem Haus leben könnte?

MULDER: Hier wohnt niemand.

SCULLY: Aber als du und ich draußen im Auto saßen, war kein Licht an. Und sieh dir das an.

Mulder und Scully betreten eine elegante zweistöckige Bibliothek aus der Jahrhundertwende. Eine Leiter führt hinunter in die untere Etage. Die Möbel sind mit weißem Laken bedeckt. Ein Kronleuchter. Tolle Cembalomusik.

MULDER: Das muss eine Art Spannungsspitze gewesen sein.

SCULLY: Mulder, hast du auch zufällig bemerkt, dass die Uhr unten genau richtig geht?

MULDER: Tut sie das?

SCULLY: Und wie erklärst du dir das?

Sie deutet auf einen rauchenden Kamin. Sie steigen die Leiter zur unteren Etage hinunter und gehen zum Kamin.

SCULLY: Dieses Feuer ist gerade erloschen.

MULDER: Ja.

SCULLY: Schau nicht so enttäuscht.

MULDER: Warum sollte jemand in einem verfluchten Haus leben wollen?

SCULLY: Mulder, es reicht nicht aus, dass es spukt? Muss es auch noch verflucht sein?

MULDER: Jedes Paar, das jemals hier gewohnt hat, hat ein tragisches Ende gefunden. Drei Doppelmorde in den letzten 80 Jahren. Alle an Heiligabend.

Die Lichter flackern und gehen aus. Von oben hört man das Zuschlagen einer Tür und ein Klopfen.

MULDER: Oha ... Da ist wieder dieses Geräusch.

Sie sehen auf die klappernden Dielen hinunter. Mulder schiebt die Möbel aus dem Weg und legt sein Ohr auf den Boden. Scully versucht, eine Tür zu öffnen, die verschlossen ist. Dann schaut sie nach oben und bemerkt, dass die Leiter zur oberen Etage der Bibliothek verschwunden.

SCULLY: Mulder?

Scully dreht sich wieder zu Mulder um, der aufgestanden ist und die Taschenlampe unter sein Kinn hält, in der klassischen "Erschreck deine kleine Schwester/Freundin zu Tode"-Pose. Es funktioniert. Scully dreht sich um und schreit auf, und er schreit sie ebenfalls an.

SCULLY: Das ist nicht lustig!

Mulder gluckst.

MULDER: Ich glaube, da ist ein Versteck unter den Dielen.

SCULLY: Was willst du tun?

MULDER: Da könnte jemand darunter gefangen sein.

SCULLY: Mulder, lass das.

MULDER: Ich muss ihn befreien.

SCULLY: Nicht jetzt.

MULDER: Hey, du hast doch eine Waffe, oder? Rational gesehen, warst du schon in viel gefährlicheren Situationen. (Anmerkung: Hmm … wie viel kann eine Pistole bei Geistern schon ausrichten. Schwaches Argument, Mulder)

Mulder fängt an, die Bodenbretter mit dem Feuerhaken aufzuhebeln. Er legt einen sehr toten Mann frei.

MULDER: Ich hatte halb recht.

SCULLY: Oh, mein Gott.

Mulder reißt weiter Bretter hoch und legt eine weitere Leiche frei.

MULDER: Hey, Scully ... Sieh dir das an.

SCULLY: Es ist eine Frau.

Scully leuchtet mit ihrer Taschenlampe auf die beiden stark verwesten Leichen. Die Frau scheint eine Schusswunde in ihrem Bauch zu haben, der Mann eine Wunde in seiner Brust.

SCULLY: Mulder, es sieht so aus, als wären sie erschossen worden.

MULDER: Ja.

SCULLY: Weißt du, was seltsam ist?

MULDER: Was?

SCULLY: Mulder, sie trägt die gleiche Kleidung wie ich.

Scully und die weibliche Leiche tragen beide eine weiße Bluse und eine schwarze Anzugjacke.

MULDER: Wie peinlich.

SCULLY: Ja, nun, weißt du was? Er trägt deine Kleidung.

Mulder sieht nach, was er anhat - weißes T-Shirt und Lederjacke.

MULDER: Oh ... Scully ...

SCULLY: Das sind wir.

Sie fliehen aus dem Zimmer und landen wieder in ... der Bibliothek. Sie gehen zurück, stehen in der Tür und schauen sich nacheinander die Räume an. Tolle Blitzlichtsequenz, sie leuchten in entgegengesetzte Richtungen, dann aneinander vorbei.

MULDER: Hey, Scully ...

SCULLY: Das ist derselbe Raum.

Sie versuchen es noch einmal und betreten erneut die Bibliothek. Sie sehen immer noch die toten Körper.

MULDER: In Ordnung. Ich fange an ... das zu verstehen.

SCULLY: Du gehst durch diese Tür und ich ...

MULDER: Ich sollte dort rauskommen ... durch diese Tür.

SCULLY: Richtig.

Mulder geht zum anderen Ende des Raumes und geht wieder in die Bibliothek. Scully wartet darauf, dass er durch die Tür neben ihr kommt, aber er tut es nicht. Sie sind getrennt.

SCULLY: Mulder!

MULDER: Scully!

Die Türen schlagen zwischen ihnen zu. Mulder geht zu der Tür, die sich gerade geschlossen hat. Er gelangt durch sie wieder in die Bibliothek. Der Raum ist jedoch leer.

MULDER: Scully!

Mulder hämmert gegen die Tür und versucht, mit Scully Kontakt aufzunehmen.

MULDER: Hey, Scully. Scully, kannst du mich hören?

Mulder schießt das Schloss der Tür auf und öffnet sie, nur um feststellen zu müssen, dass der Eingang zugemauert ist. Er dreht sich um und sieht Maurice, einen älteren Mann, der einen Hut trägt, im Raum stehen.

MAURICE: Hey!

Mulder dreht sich um und richtet seine Waffe und seine Taschenlampe auf den Mann.

MULDER: Wer sind Sie?

MAURICE: Das ist eine Frage, die ich stellen sollte, da dies mein Haus ist, in dem Sie stehen.

Maurice schaltet das Licht ein.

MAURICE: Das ist doch nicht einer dieser Einbrüche, bei denen die Bewohner überfallen werden, oder?

MULDER: Nein.

MAURICE: Gut. Möchten Sie, dass ich Ihnen die Tür zeige?

MULDER: Das ist sehr lustig.

MAURICE: Ich habe keinen Scherz gemacht.

MULDER: Haben Sie sich die Tür angesehen?

MAURICE: Aha, ich sehe sie mir gerade an.

MULDER: Sagen Sie mir, was Sie sehen.

MAURICE: Ich sehe eine Tür, bei der das Schloss weggeschossen wurde. Werden Sie dafür bezahlen?

MULDER: Das ist eine Tür mit einer Backsteinmauer dahinter.

MAURICE: In Ordnung, sicher.

MULDER: Sie spielen mir einen Streich.

MAURICE: Falls ja, dann tut es mir leid, aber ich kenne keine Streiche.

MULDER: Ja? Das ist doch schon ein Streich, oder nicht? Seit wir hier sind, haben Sie uns schon Streiche gespielt.

MAURICE: Soll ich annehmen, dass wir nicht allein sind?

Mulder gluckst.

MULDER: Ah, das ist sehr lustig, wenn es von einem Geist kommt.

Maurice lacht.

MAURICE: Ja, oh ... die Waffe hat mich zuerst ein wenig verwirrt. Sie sind ein Geisterjäger, hm? Und Sie denken, dass ich ein Geist bin, hm? Ich habe schon viele seltsame Leute mit seltsamer Ausrüstung hierherkommen sehen, aber ich glaube, Sie sind der Erste, den ich mit einer Waffe gesehen habe.

MULDER: Seltsame Leute?

MAURICE: Mm-hmm.

MULDER: Wie die Leute unter den Bodenbrett ...

Mulder dreht sich um und leuchtet mit seinem Licht auf den Boden, aber die Leichen sind verschwunden, der Boden ist unversehrt.

MULDER: Wie haben Sie das gemacht?

MAURICE: Ich habe nichts getan.

MULDER: Hier waren Leichen - Leichen, die unter den Dielen versteckt waren.

MAURICE: Warum setzen Sie sich nicht, mein Sohn.


Kurze Zeit später. Mulder sitzt, sein Gesicht in seinen Händen vergraben.

MAURICE: Trinken Sie? Nehmen Sie Drogen?

MULDER: Nein.

MAURICE: Sind Sie high?

MULDER: Nein.

MAURICE: Sind Sie von dem Drang besessen, jeden dazu zu bringen, Ihnen zu glauben?

Mulder blickt überrascht zu ihm auf.

MAURICE: Ich bin auf dem Gebiet der geistigen Gesundheit tätig. Ich spezialisiere mich auf Störungen und Manien, die mit pathologischem Verhalten im Zusammenhang mit dem Paranormalen zu tun haben.

MULDER: Wow. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt.

MAURICE: Ich habe mich auf das spezialisiert, was ich als Seelenschürfer bezeichne - eine achsenübergreifende Klassifizierung, die ich durch umfangreiche Interaktion mit Besuchern wie Ihnen kodifiziert habe. Ich habe festgestellt, dass Sie alle ziemlich genau in die gleiche Kategorie fallen.

MULDER: Und welche Kategorie ist das?

MAURICE: "Narzisstischer, übereifriger, selbstgerechter Egomane."

MULDER: Das ist eine Kategorie?

MAURICE: Sie halten sich wohlgesinnterweise für zielstrebig, aber Sie neigen zu zwanghaftem Verhalten, Arbeitssucht und Antisozialismus. Ein fruchtbares Feld für den Abstieg in den totalen Wahnsinn.

MULDER: Ich glaube nicht, dass das genau auf mich zutrifft.

MAURICE: Ach, wirklich? Mit einer Waffe in meinem Haus herumfuchteln? Hm? Wie ein Verrückter sich wegen einer imaginären Backsteinmauer aufregen?

Mulder schaut hinüber zu ... der Backsteinmauer in der Tür.

MAURICE: Sie haben sich wahrscheinlich eingeredet, dass Sie Außerirdische gesehen haben. Wissen Sie, warum Sie glauben, die Dinge zu sehen, die Sie sehen?

MULDER: Weil ich sie gesehen habe?

MAURICE: Weil Sie ein einsamer Mann sind. Ein einsamer Mann, der paramasturbatorischen Illusionen nachjagt, von denen Sie glauben, dass sie Ihrem Leben Sinn und Bedeutung verleihen und die Sie aufgrund Ihrer erbärmlichen sozialen Fehlanpassung nirgendwo anders finden können. Wahrscheinlich halten Sie sich für leidenschaftlich, ernsthaft und unverstanden. Liege ich da richtig?

MULDER: "Paramasturbatorisch"?

MAURICE: Die meisten Leute würden eher ihre Finger in eine Steckdose stecken, als eine Minute mit Ihnen zu verbringen.

MULDER: In Ordnung, jetzt, äh ... halten Sie sich einfach mal zurück.

MAURICE: Sie verbringen jedes Weihnachten auf diese Weise ... Allein?

MULDER: Ich bin nicht allein.

MAURICE: Noch mehr Selbsttäuschung.

MULDER: Nein, ich bin mit meiner Partnerin hergekommen. Sie ist irgendwo im Haus.

MAURICE: Hinter einer Backsteinmauer?

Mulder lächelt und nickt.

MAURICE: Wie haben Sie sie dazu gebracht, mit Ihnen zu kommen? Haben Sie ihre Autoschlüssel gestohlen?

Mulder Lächeln erstirbt. Ertappt.

MAURICE: Sie wissen, warum Sie es tun - hören Sie sich endlos ihre dröhnenden Rationalisierungen an. Weil Sie Angst haben. Angst vor der Einsamkeit. Habe ich recht?

MULDER: Ich möchte nur meine Partnerin finden.

MAURICE: Gut ... das ist leicht. Ein Kinderspiel.

Maurice steht auf und geht zur Tür, von der Mulder das Schloss weggeschossen hat. Er geht hindurch und dreht sich wieder zu Mulder um.

MAURICE: Backsteinmauer ...

Er deutet auf den Türrahmen.

MAURICE: ... Oder Backsteinmauer?

Er deutet auf seinen Kopf.

MAURICE: Nur zu, ändern Sie Ihr Leben.

Mulder steht auf und beginnt, durch die nun freie Tür zu gehen. Er rennt gegen eine unsichtbare Wand, die wir schnell wieder als Backsteinmauer wahrnehmen. Maurice ist jetzt außer Sichtweite. Mulder dreht sich um und sieht die nun dunkle Bibliothek, die schnell auf Scullys Version der Bibliothek umschwenkt.

SCULLY: Mulder?

Scully weicht von der verschlossenen Tür zurück, dreht sich um und schreit auf, als sie Lyda sieht - eine ältere Frau in einem langen weißen Morgenmantel. Lyda schreit zurück. Scully versucht verzweifelt, ihre Waffe aus dem Halfter auf ihrem Rücken zu ziehen, aber sie zittert so sehr, dass sie die Waffe nicht richtig greifen kann.

LYDA: Nein, nein, bitte, ich werde Ihnen nicht wehtun.

SCULLY: Ich bin Bundesagentin! Ich bin bewaffnet.

Lyda macht ein paar Lichter an.

LYDA: Sie sind was?

Scully zieht endlich ihre Waffe.

SCULLY: Ich bin bewaffnet.

LYDA: Sie sagten ...

Scullys Hand zittert.

SCULLY: Ich bin bewaffnet.

LYDA: ... Sie sind Bundesagentin?

SCULLY: Bitte, ich bin ein wenig nervös. Kommen Sie nicht näher. Mein Name ist Special Agent Dana Scully. Und, äh, ich kann ... Ich kann Ihnen meinen Ausweis zeigen.

LYDA: Meine Güte, ich ... Ich dachte, Sie wären ein Geist.

SCULLY: Ich kann Ihnen versichern, dass ich das nicht bin. Ich, äh, ich bin in diesem Raum hängengeblieben, weil ich meinen Partner gesucht habe.

LYDA: Oh, der schlaksige Kerl mit dem markanten Profil.

Sie deutet in Richtung ihrer Nase.

SCULLY: Sie haben ihn gesehen?

LYDA: Mit Ihnen im Foyer. Ich dachte, er sei auch ein Geist.

SCULLY: Oh ... Das waren Sie.

LYDA: Ich schlafwandle manchmal. Ich dachte, ich hätte es vielleicht geträumt. Aber dann waren Sie wieder da.

Scully schnappt nach Luft.

SCULLY: Es tut mir leid ... es tut mir leid. Ich wollte Sie nicht erschrecken. Ich, äh ... Es ist nur so, dass wir Leichen gefunden haben.

LYDA: Leichen? Wo denn?

SCULLY: Genau ...

Der Boden ist unversehrt.

LYDA: Sie sehen aus, als hätten Sie einen Geist gesehen. Es gibt Geister in diesem Haus, wissen Sie.

Scully hebt wieder ihre Waffe.

SCULLY: Wer sind Sie?

LYDA: Ich wohne hier, wenn’s recht ist.

SCULLY: Wo ist mein Partner?

LYDA: Warum zielen Sie mit der Waffe auf mich?

SCULLY: Da lagen doch Leichen unter dem Boden!

Lyda kichert.

LYDA: Ich denke, vielleicht haben Ihnen die Geister einen Streich gespielt.

SCULLY: Ich glaube nicht an Geister.

Scully eilt zur Tür und öffnet sie - und stößt auf eine Ziegelwand. Sie schließt die Tür schnell wieder.

LYDA: Was machen Sie dann hier?

SCULLY: Es geht um meinen Partner.

LYDA: Glaubt er an Geister?

SCULLY: Ja.

LYDA: Oh, Sie armes Kind. Sie müssen ein furchtbar armseliges Leben haben. Ihren Weihnachtsabend mit ihm zu verbringen. Herumlaufen und Dingen nachjagen, an die Sie nicht einmal glauben.

SCULLY: Kommen Sie nicht näher.

Lyda geht weiter auf sie zu.

LYDA: Ich kann es in Ihrem Gesicht sehen ... Die Angst ... Die widersprüchlichen Sehnsüchte ... Ein unbewusstes Verlangen, Erfüllung durch einen anderen zu finden. Intimität durch Co-Abhängigkeit.

SCULLY: Was?

LYDA: Vielleicht verdrängen Sie die Wahrheit darüber, warum Sie wirklich hier sind, und geben vor, dass Sie aus Pflichtgefühl oder Loyalität tun - unfähig, Ihr schmutziges kleines Geheimnis zuzugeben: Ihre einzige Freude im Leben ist es, ihm zu beweisen, dass er falsch liegt.

SCULLY: Sie kennen mich nicht. Und Sie leben nicht hier! Dies ist nicht Ihr Haus!

LYDA: Kaum zu glauben, so wie ich behandelt werde.

SCULLY: Aber warum sind dann alle Möbel abgedeckt?

LYDA: Wir lassen gerade das Haus streichen.

SCULLY: Und wo ist dann Ihr Weihnachtsbaum?!

LYDA: Wir sind Juden. Buh! (Anmerkung: Die orthodoxe Juden feiern anstatt des christlichen Weihnachten das Chanukka-Fest. Üblicherweise wird dabei kein Weihnachtsbaum aufgestellt, auch wenn der Brauch mittlerweile bei vielen säkularen jüdischen Familien Einzug gefunden hat und als Weihnukka begangen wird.)

Scully dreht sich um, während Maurice den Raum betritt.

SCULLY: Bleiben Sie genau dort stehen. Zwingen Sie mich nicht, Sie zu erschießen. Bleiben Sie, wo Sie sind.

MAURICE: Wir ziehen die wirklich an, nicht wahr?

Lyda gluckst.

SCULLY: Wo ist Mulder?

MAURICE: Mulder? Ist das sein Name?

SCULLY: Wo ist er?

MAURICE: Er wird gleich kommen.

SCULLY: Gehen Sie da rüber.

Maurice und Lyda sehen Scully nur an. Sie versucht, autoritär zu klingen.

SCULLY: Sie beide, bewegen Sie sich. Gehen Sie da rüber. Gehen Sie da rüber!

Maurice und Lyda stellen sich gemeinsam in die Mitte des Raumes.

MAURICE: Das verstößt gegen unsere Bürgerrechte. Ich habe Freunde bei der ACLU (Anmerkung: die American Civil Liberties Union, eine US-amerikanische Nichtregierungsorganisation, die sich für Bürgerrechte einsetzt).

SCULLY: Nehmen Sie die Hände hoch.

Sie tun es. Lydas Robe klafft dabei auseinander - sie hat ein riesiges Einschussloch in ihrem Bauch. Scully starrt sie an, dann geht sie zu Maurice hinüber und lüftet dessen Hut von seinem Kopf. Ein Schussloch geht durch seinen Schädel. Die Kamera schwenkt, um zu zeigen, wie sie durch das Loch schaut, dann fällt Scully in Ohnmacht. Lyda und Maurice nehmen ihre Hände wieder herunter.

MAURICE: Siehst du, wozu wir gegriffen haben? Gimmicks und billige Tricks. Wir waren mal so gut darin.

LYDA: Früher hatten wir Jahre, um sie in den Wahnsinn zu treiben. Jetzt haben wir nur noch eine Nacht.

Lyda hat ihre Robe wieder geschlossen und den Gürtel um sich gewickelt, Maurice hat seinen Hut wieder aufgesetzt.

MAURICE: Dieser populär-psychologische Ansatz ist Mist. Das macht sie nur wütend. Wann haben wir das letzte Mal jemanden wirklich heimgesucht?

LYDA: Wann hatten wir das letzte Mal einen guten Doppelmord? Nicht, seit das Haus zum Abriss freigegeben wurde.

MAURICE: Das ist peinlich ... Amateur-Kinderkram.

LYDA: Versteh doch, wenn wir unseren Ruf ruinieren, werden sie uns aus der Touristenliteratur streichen. Letztes Jahr ist nicht mal jemand gekommen.

MAURICE: Oh, warum hast du ausgerechnet Weihnachten ausgewählt? Warum nicht Halloween?

Lyda packt ihn am Revers.

LYDA: Wer ist denn an Halloween von Hoffnungslosigkeit und Sinnlosigkeit erfüllt? Weihnachten ist nur einmal im Jahr.

MAURICE: Du hast recht. Die beiden sehen wirklich ziemlich unglücklich aus. Wir müssen ihnen zeigen, wie einsam Weihnachten sein kann.

LYDA: Das ist der alte Geist des Weihnachtsfestes.

Sie küssen sich und beginnen zu kichern.


Mulders Version der Bibliothek. Mit der Taschenlampe im Mund zieht sich Mulder mühsam in die obere Etage der Bibliothek hinauf. Lyda beobachtet ihn von der unteren Ebene aus. Gerade als er sich über die Kante gezogen hat, betritt Lyda die obere Etage.

LYDA: Sind Sie Agent Mulder?

MULDER: Wer sind Sie denn?

LYDA: Warum benutzen Sie meinen Sessel als Leiter?

MULDER: Ich versuche, aus diesem Raum herauszukommen.

LYDA: Sie versuchen, zu verschwinden?

MULDER: Entschuldigen Sie mich.

LYDA: Nein, nein. Sie können nicht auf diese Weise aussteigen.

Mulder zögert, dann stupst er sie an der Schulter an. Sie ist real. Er stößt sie gegen die Wand.

LYDA: Rüpel!

MULDER: Schabracke.

Mulder öffnet die Tür und sieht sich mit einer weiteren Mauer konfrontiert.

LYDA: Ich weiß nicht, wen Sie hier als Schabracke bezeichnen, aber ich mag es nicht, wenn man mich bedrängt oder beschimpft. Schon gar nicht zu dieser Stunde.

Lydas Stimme kommt jetzt aus einer anderen Richtung, als sie die Leiter hinunterklettert, die auf mysteriöse Weise wieder aufgetaucht ist.

MULDER: Sie sind ein Geist.

LYDA: Oh, noch mehr Beleidigungen!

Mulder klettert ebenfalls die Leiter hinunter.

MULDER: Was ist aus dem Liebespaar geworden?

LYDA: Oh, lassen Sie mich Ihnen sagen, dass die Romantik das erste ist, was verschwindet.

Mulder erkennt, wer sie ist.

MULDER: Sie sind es. Sie sind Lyda, und das war Maurice. Aber Sie sind gealtert.

LYDA: Ich hoffe, Ihre Partnerin findet Sie viel charmanter als ich.

Sie tänzelt zum Bücherregal.

LYDA: Schauen wir mal. Wo ist es?

Lyda murmelt, als die Bücher von selbst aus dem Bücherregal herausgezogen und wieder hineingeschoben werden. Mulder ist fasziniert.

LYDA: Nein, nein, nein, nein ...

Sie murmelt weiter.

LYDA: ...da ist es.

Sie wählt ein Buch aus - "The Ghosts Who Stole Christmas" (Die Geister, die Weihnachten stahlen) von R. Grimes.

LYDA: Ich war auch einmal jung und schön, genau wie Ihre Partnerin.

Sie geht hinüber und setzt sich auf einen Sessel, um in dem Buch zu blättern.

LYDA: Juhu! Sehen Sie uns an. Maurice war so gut aussehend.

Das Feuer lodert im Kamin auf.

LYDA: Er hatte keinen Bauch.

Sie reicht Mulder das Buch, in dem ein attraktives Paar abgebildet ist - Kapitelüberschrift - Tale of the Star Crossed Lovers. ("Das Märchen von dem Untergang geweihtem Liebenden", Die Phrase spielt auf das Stück Romeo und Julia von William Shakespeare an, die im Prolog des Stücks so beschrieben werden. Es bezieht sich auf alle Liebenden, deren Liebe zueinander in einer Tragödie endet.)

LYDA: Ich hoffe, Sie versprechen sich keine großen Vorteile von all dem hier.

MULDER: Wovon all dem all hier?

LYDA: Ich nehme an, Sie sind mit ähnlichen falschen Vorstellungen hergekommen.

MULDER: Wir sind hierhergekommen, um nach Ihnen zu suchen.

LYDA: Ach, ja? Sie sind nicht hierhergekommen, um für die Ewigkeit zusammen zu sein?

Mulder gluckst.

MULDER: Nein.

LYDA: Weil Sie voller Verzweiflung und wehmütiger Weihnachtsmelancholie erfüllt sind?

MULDER: Wieso?

Lyda seufzt.

LYDA: Dann war es vielleicht Ihre Partnerin.

Mulder verschränkt seine Arme vor der Brust.

MULDER: Was ist mit ihr?

LYDA: Sie wussten doch, dass es in diesem Haus spukt?

MULDER: Ja.

LYDA: Vielleicht hätten Sie beide Ihre wahren Gefühle besprechen sollen, bevor Sie hierherkamen. Ich spreche aus Erfahrung.

MULDER: Aus welcher Erfahrung?

LYDA: Ich werde mich nicht auf die Semantik einlassen. Bei einem erweiterten Suizid geht es um Vertrauen.

MULDER: Ich dachte, Sie hätten einen Liebespakt geschlossen.

Lyda lacht.

LYDA: Von poetischen Illusionen abgesehen, Mulder, ist das Ergebnis, so ziemlich dasselbe.

Lyda steht auf und öffnet ihre Robe und legt die Schusswunde frei. Mulder ist schockiert.

MULDER: Oh ...!

LYDA: Ich zeige mein Loch nicht einfach jedem.

Er ist ziemlich angewidert.

MULDER: Warum zeigen Sie es mir?

LYDA: Es ist ja nicht so, als ob Sie Weihnachtsbraten essen würden, oder?

MULDER: Oh, Sie versuchen mir zu sagen, dass Scully mich erschießen wird. Scully wird mich nicht erschießen.

LYDA: Wie Sie wollen, aber wenn Sie zuerst schießen, ist der Rest für sie ein Akt des Glaubens.

MULDER: Ich würde sie nicht erschießen.

LYDA: Vielleicht erschießt sie sich selbst.

Mulder antwortet zuversichtlich.

MULDER: Das würde ich nicht zulassen.

LYDA: Die Leichen unter dem Boden - vielleicht war das nur eine Art jungianischer Symbolismus. Oder vielleicht ... gibt es einen geheimen Liebespakt.

Mulder seufzt und lächelt.

MULDER: Wir sind kein Liebespaar.

LYDA: Und das ist keine reine Wissenschaft. Aber Sie sind beide so attraktiv, und wir werden noch viel Zeit haben, das herauszufinden.

Sie hält ihm eine Pistole hin.

LYDA: Nur zu, nehmen Sie sie.

Mulder überprüft schnell sein Holster und stellt fest, dass die Waffe fehlt.

LYDA: Nehmen Sie sie. Betrachten Sie es als das letzte Weihnachten, das Sie allein verbringen werden.

Lyda verschwindet und lässt die Waffe dem überraschten Mulder in die Hand fallen.


Scullys Version der Bibliothek. Scully wacht aus ihrer Ohnmacht auf und sieht sich mit ihrer Waffe und Taschenlampe in der Hand um. Sie versucht eine verschlossene Tür zu öffnen, dann eine andere. Maurice sitzt auf einem der Sessel.

MAURICE: Ich habe sie verschlossen. Zu Ihrem Schutz.

Scully dreht sich um und sieht ihn an. Maurice steht auf.

SCULLY: Bleiben Sie weg von mir. Verstehen, ich möchte, dass Sie mich rauslassen. Ich bin durchaus in der Lage, den Abzug zu betätigen.

MAURICE: Ich bin froh, das zu hören. Es kann gut sein, dass Sie sich gegen Ihren verrückten Partner verteidigen müssen.

SCULLY: Was haben Sie mit ihm gemacht?!

MAURICE: Ich habe ihn vor seinen eigenen verrückten Ideen bewahrt - zumindest für den Moment. Haben Sie eine Ahnung, warum er Sie hierher in dieses Haus gebracht hat?

SCULLY: Sehen Sie, alles, was ich weiß, ist, dass dies nur ein schlechter Traum ist. Das ist alles nur in meinem Kopf.

MAURICE: Und doch sind Sie hier und fuchteln mit einer Waffe herum, als wäre ich Ihr Partner.

Es hämmert an der Tür. Mulder steht vor der Tür.

MULDER: Hey, Scully!

MAURICE: Ist Ihnen klar, wie ernsthaft gestört dieser Mann ist? Wie dunkel und einsam er ist? Wozu er fähig ist?

MULDER: Scully?!

SCULLY: Mulder!

Scully will zur Tür eilen, bleibt aber wegen Maurice stehen.

MAURICE: Wollen Sie Ihre Autoschlüssel?

Maurice lässt ihre Autoschlüssel vor ihr baumeln. Sie starrt sie an.

SCULLY: Woher haben Sie die?

MAURICE: Er kann dieses Weihnachten nirgendwo hin. Und niemanden, zu dem er gehen kann. Hat er zufällig eine Geschichte über einen Liebespakt erwähnt?

SCULLY: Woher haben Sie diese Schlüssel?

MAURICE: Der Mann handelt aus einer unbewussten Sehnsucht heraus. Die tief sitzende Angst, allein zu sein.

Mehr Hämmern an der Tür.

MULDER: Scully ... Scully, bist du da drin?!

SCULLY: Ich bin hier, Mulder!

MULDER: Öffne die Tür, Scully!

Scully nimmt die Autoschlüssel von Maurice.

SCULLY: Öffnen Sie die Tür.

Maurice geht zögernd zur Tür.

MAURICE: Ich habe das schon zu oft in diesem Haus gesehen.

SCULLY: Das glaube ich Ihnen nicht. Öffnen Sie einfach die Tür.

MAURICE: Aber ...

SCULLY: Öffnen Sie die Tür!

Maurice öffnet die Tür und Mulder betritt den Raum mit gezogener Waffe.

MULDER: Wo ist Scully?

SCULLY: Mulder?

Mulder dreht sich zu ihr um und feuert seine Waffe auf sie ab. Mulder, der seine Waffe weiter gezogen hat, geht weiter auf Scully zu. Sie hebt ihre Waffe, schießt aber nicht. Er feuert und zertrümmert dabei einen Spiegel hinter ihr.

SCULLY: Mulder, was tust du?

Er feuert erneut.

SCULLY: Mulder!

MULDER: Es gibt keinen Weg hier raus, Scully. Es gibt keinen Weg nach Hause.

Er feuert.

SCULLY: Mulder, komm schon ... Mulder, komm nicht noch näher. Du machst mir Angst. Nimm die Waffe runter!

MULDER: Du willst mich erschießen?!

SCULLY: Ich werde dich nicht erschießen! Ich will dich nicht erschießen!

Mulder antwortet wahnsinnig.

MULDER: Entweder ich oder du ... du oder ich. Einer von uns muss es tun.

SCULLY: Mulder, versteh doch ... Wir müssen das nicht tun.

MULDER: Oh, doch, das müssen wir.

SCULLY: Wir können von hier verschwinden.

MULDER: Selbst wenn wir das könnten, was würde uns erwarten? Noch mehr Einsamkeit! Und dann 365 weitere Einkaufstage bis zu noch mehr Einsamkeit!

SCULLY: Ich glaube nicht, was du da sagst! Mulder, ich glaube kein einziges Wort davon.

Mulder senkt den Winkel der Waffe und feuert. Scully lässt ihre Waffe sinken und starrt geschockt auf die Schusswunde in ihrem Unterleib. Sie sieht wieder zu Mulder auf, der sich auf die Unterlippe beißt, als hätte er selbst Schmerzen, aber immer noch einen wilden Blick in den Augen hat. Langsam sinkt sie auf den Boden und starrt immer noch zu ihm auf.

MULDER: Frohe Weihnachten, Scully.

Mulder hebt die Waffe an seine eigene Schläfe. Der Kamerawinkel ändert sich und zeigt uns, dass es nicht Mulder, sondern Lyda ist.

LYDA: Und ein frohes neues Jahr.

Maurice geht hinüber und hält Mulder/Lyda davon ab, die Waffe abzufeuern.

MULDER/LYDA: Lasst mich los!

Der Kamerawinkel ändert sich. Wir sehen wieder, dass es Lyda ist. Scully sieht immer noch Mulder.

LYDA: Lass mich los!

SCULLY: Mulder!

LYDA: Lassen mich los ... Lass mich los ...

MULDER/LYDA: Lass mich los!

MULDER: Scully!

Mulder betritt eine andere Version der Bibliothek. Scully liegt blutend auf dem Boden. Er eilt an ihre Seite.

MULDER: Scully?

SCULLY: Mulder ... Bist du das?

MULDER: Was hast du getan?

SCULLY: Ich habe es nicht geglaubt, Mulder.

MULDER: Du hast was nicht geglaubt?

SCULLY: Ich habe nicht geglaubt, dass du es tun würdest ... Dass ich es tun würde ...

Mulder schaut nach unten und sieht, dass sie ihre Waffe auf seine Brust gerichtet hat.

SCULLY: Frohe Weihnachten, Mulder.

Mulder weicht nicht zurück.

MULDER: Was tust du da?

Sie feuert die Waffe ab. Mulder fällt geschockt zurück und blutet aus der Brust.

Lyda, die dort liegt, wo Mulder gerade Scully wahrgenommen hat, kichert fröhlich. Ein alter Plattenspieler beginnt "Have Yourself a Merry Little Christmas" zu spielen.


Scully, die allein auf dem Boden liegt, wälzt sich erschöpft um und beginnt, sich aus dem Zimmer zu schleppen.

MUSIK: Have yourself a merry little Christmas Let yourself be light From now on, your troubles will be out of sight. (Habt ein frohes kleines Weihnachtsfest / Mach es dir leicht / Von nun an sind deine Probleme außer Sichtweite.)

Mulder stolpert schwer blutend die Treppe hinunter.

MUSIK: Have yourself a merry little Christmas / Make the Yuletide gay / From now on, our troubles will be miles away / Here we are, as in olden days … (Habt ein frohes kleines Weihnachtsfest / Macht das Weihnachtsfest fröhlich / Von nun an sind unsere Sorgen meilenweit weg / Hier sind wir, wie in alten Zeiten …)

Mulder erreicht das Foyer, das von einer Blutspur durchzogen ist, und stürzt in den Raum. Er sieht Scully ein paar Meter entfernt, die auf die Eingangstür zu kriecht.

MULDER: Scully?

MUSIK: Happy golden days of yore / Faithful friends who are dear to us / Gather near to us … (Glückliche, goldene Tage von einst / Treue Freunde, die uns lieb sind / Versammelt euch bei uns …)

MULDER: Scully ...

MUSIK: Through the years, we all will be together … (Durch die Jahre hindurch werden wir alle zusammen sein ...)

Scully dreht sich schmerzhaft um und richtet ihre Waffe auf Mulder. Mulder schafft es, seine Waffe auf sie zu richten.

MUSIK: Until then, we'll have … (Bis dahin, werden wir … )

Scully flüstert, als sie die Waffe senkt und zurück auf den Boden sackt.

SCULLY: Ah ... ich werde es nicht schaffen.

Mulder richtet seine Waffe weiter auf sie.

MULDER: Nein, das wirst du nicht ... Nicht ohne mich, das wirst du nicht.

SCULLY: Hast du Angst, Mulder?

Sie schnappt nach Luft.

SCULLY: Das habe ich.

MULDER: Ich auch.

Sie drehen sich beide schmerzhaft um.

MUSIK: Faithful friends who are dear to us / Gather near to us … (Treue Freunde, die uns lieb sind / Versammelt euch in unserer Nähe ...)

MULDER: Daran hättest du denken sollen.

SCULLY: Das hättest du tun sollen.

MULDER: Du hast zuerst auf mich geschossen!

SCULLY: Ich habe nicht auf dich geschossen! Du hast auf mich geschossen.

MUSIK: If the fates allow / Until then we'll have to muddle through somehow … (Wenn das Schicksal es zulässt / Bis dahin müssen wir uns irgendwie durchschlagen … )

Mit dämmernder Erkenntnis steht Mulder auf.

MULDER: Scully ...

SCULLY: Was?

Scully hustet.

MULDER: Steh auf.

SCULLY: Das kann ich nicht.

MULDER: Steh auf ... du bist nicht angeschossen.

Mulder hält sein blutiges Shirt von seinem Bauch weg.

SCULLY: Was?

MULDER: Das ist ein Trick. Das bildest du dir alles nur ein.

Er zieht Scully auf die Beine und hält ihr das blutige Shirt hin. Sie schaut nach unten, dann rennen beide durch die nun unverschlossene Haustür. Draußen angekommen, schauen sie auf ihre nun saubere Oberbekleidung hinunter, dann laufen sie zu ihren Autos und fahren schnell davon.

MUSIK: Faithful friends who are dear to us / Gather near to us once more / Through the years, we all will be together If the fates allow / Hang a shining star upon the highest bough / And have yourself a merry ... little Christmas now. (Treue Freunde, die uns lieb sind, versammeln sich wieder in unserer Nähe / Durch die Jahre hindurch werden wir alle zusammen sein / Wenn das Schicksal es zulässt / Hängt einen leuchtenden Stern an den höchsten Zweig / Und habt selbst nun fröhliche ... kleine Weihnachten.)

Drinnen beginnt die Uhr zwölf zu schlagen. Maurice und Lyda sitzen in der Bibliothek.

LYDA: Hast du das gehört? Es ist Weihnachten.

MAURICE: Eins für die Annalen.

LYDA: Fast hätten wir die beiden erwischt, nicht wahr?

Maurice gluckst.

MAURICE: Fast hätten wir sie gehabt.

LYDA: Zwei so einsame Seelen.

MAURICE: Wir können uns nicht von unseren Fehlern verfolgen lassen.

LYDA: Man fragt sich, wonach sie wirklich hier draußen gesucht haben.

MAURICE: Schwer zu sagen. Die Menschen heutzutage ... Dies ist nur ein weiterer freudloser Tag im Jahr.

LYDA: Nicht für uns.

MAURICE: Nein. Wir haben die Bedeutung von Weihnachten nicht vergessen.

Sie halten sich an den Händen und verschwinden.


Mulders Wohnung etwas später, draußen ist es noch dunkel. Mulder, ist immer noch mit seiner schwarzen Lederjacke bekleidet, sitzt auf seiner Couch und sieht sich eine Schwarz-Weiß-Version von "A Christmas Carol" an. Er sieht ziemlich deprimiert aus.

MR. SCROOGE IM FERNSEHER: Ich verdiene es nicht, so glücklich zu sein. Ich kann es nicht ändern. Ich kann es einfach nicht ändern.

ERZÄHLER IM FILM: Scrooge hielt mehr als nur sein Wort. Er wurde ein so guter Freund, ein so guter Herr und ein so guter Mensch, wie es die gute alte Stadt oder irgendeine andere gute alte Stadt oder Gemeinde in der guten alten Welt je war. Und was Tiny Tim ...

Ein Klopfen ertönt. Er blickt zuerst auf und bemerkt dann, dass es an seiner Wohnungstür ist. Er schaut um die Zimmerecke, schaltet dann den Fernseher aus und öffnet die Tür. Es ist Scully, ebenfalls noch so gekleidet wie zuvor.

SCULLY: Ich, äh ... ich konnte nicht schlafen. Ich war, ähm ...

Sie seufzt.

SCULLY: Darf ich reinkommen?

Mulder legt seinen Arm um ihre Schultern, zieht sie in die Wohnung und schließt die Tür. Sie sind beide erschöpft.

MULDER: Komm rein. Wolltest du nicht die Weihnachtsgeschenke mit deiner Familie auspacken?

SCULLY: Mulder ... Nichts von all dem ist heute Nacht da draußen wirklich passiert. Das war alles nur in unseren Köpfen, richtig?

Mulder ist unsicher, was er sagen soll.

MULDER: Es muss so gewesen sein.

SCULLY: Mmm. Nicht, dass, äh, meine einzige Freude im Leben darin besteht, dir das Gegenteil zu beweisen.

MULDER: Wann hast du mir denn das Gegenteil bewiesen?

SCULLY: Nun ... Warum würdest du mich sonst mit dir da draußen haben wollen?

MULDER: Wolltest du nicht dabei sein?

Scully hat keine Antwort darauf. Sie denken beide darüber nach.

MULDER: Oh, das ist, ähm ... das ist selbstgerecht und ... narzisstisch von mir, das zu sagen, nicht wahr?

SCULLY: Nein, ich meine ... Vielleicht wollte ich wirklich mit dir da draußen sein.

Sie sehen sich einen Moment lang an.

MULDER: Nun, ähm ... Ich weiß, dass wir gesagt haben, dass wir keine Geschenke austauschen würden, aber, ähm ... ich habe dir ... eine Kleinigkeit mitgebracht.

Mit einem schüchternen Lächeln hält er ein kleines, eingepacktes, röhrenförmiges Geschenk hin - etwa so groß wie ein kurzer Papierhandtuchrolleneinsatz.

SCULLY: Mulder ...

MULDER: Frohe Weihnachten.

SCULLY: Nun, ich habe auch eine Kleinigkeit für dich.

Verlegen hält sie ihm ein kleines, rechteckig eingepacktes Geschenk hin - so groß wie ein kleines Buch oder ein Video. Er kichert, als sie die Geschenke des anderen entgegennehmen. Er schüttelt seins, und sie grinst glücklich, dann flitzen sie wie Kinder zur Couch und beginnen, ihre Geschenke zu öffnen, während die Kamera durch den fallenden Schnee aus dem Fenster schwenkt.

BING CROSBY: Have yourself a merry little Christmas now. (Hab ein frohes kleines Weihnachtsfest)

Mitgeschrieben von:[Bearbeiten]

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung von Spookyverse. Durch die Nutzung von Spookyverse erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies speichern.