3X09 Die Autopsie (deutsches Transkript)

Aus Spookyverse
Copygif.gif Die Charaktere, Handlungen, Zitate usw., die im folgenden Transkript Erwähnung finden sind © Chris Carter/1013/Fox Entertainment und (in der deutschen Fassung) Cinephon Synchron/ProSieben, sofern es nicht dabei um eine Übersetzung des englischen Transkripts handelt. Diese Abschrift ist ohne explizite Erlaubnis von den Rechtehaltern von Fans für Fans als Hommage an Akte X erstellt worden und dürfen nur nicht-kommerziell verwendet werden. Und dienen zur Zugänglichmachung zugunsten behinderter Menschen sowie zur Verwendung als Zitat. Wir verfolgen keinerlei finanzielle Absichten. Die Texte selbst sind Eigentum des jeweiligen Autors.


3X09 Die Autopsie
Die Wahrheit ist irgendwo da draußen



KNOXVILLE, TENNESSEE


Bahnübergang, mehrere haltende Autos. Das Signal eines Zuges ertönt, kurz bevor dieser vorbeifährt. Auch eine Gruppe von Kindern ist zu sehen. Aus dem hinteren Teil des Zuges winkt ihnen ein Mann zu. Sie winken glücklich zurück.

Wenig später koppelt derselbe Mann einen Güterwaggon vom Zug ab und gibt dem Schaffner ein Zeichen.

MANN: Alles klar!

Einige Zeit später (mittlerweile ist es dunkel) steht der Waggon an derselben Stelle auf dem Bahnhof. Auf dem Dach befindet sich ein qualmender Schornstein, eine Satellitenschüssel und ein Schild mit der Nummer: "8-2-5-9-4". Zwei Autos fahren vor und vier Japaner steigen aus. Sie werden begrüßt von einem Arzt namens Takeo Ishimaru, der zuvor aus dem Güterwaggon kam. Sie verbeugen sich voreinander. Ishimaru verlässt dann die Szene mit einem der Autos, während die Neuankömmlinge in den Waggon steigen. Im Inneren sieht es steril aus, wie in einem Labor oder OP-Saal. Eine Schiebetür trennt den Eingangsbereich von dem hinteren Teil des Güterwaggons. Die vier Männer haben medizinische Kleidung an und tragen Gasmasken. Sie beginnen etwas zu sezieren. Einer der Männer überprüft die grüne Flüssigkeit, die durch einen Schlauch scheinbar von dem Wesen auf dem OP-Tisch aufgefangen wird. Eine Überwachungs-Kamera filmt die gesamte Prozedur. Plötzlich wird die Eingangstür aufgebrochen. Eine Einheit von schwer bewaffneten Männern mit Gasmasken stürmt den Waggon und sie ballern wild drauflos. Die Ärzte zucken im Kugelhagel und Gläser zerspringen. Das Kommando überprüft noch kurz, ob wirklich alle tot sind. Dann packen sie das Alien in einen Leichensack.


VORSPANN


FBI-HAUPTQUARTIER, WASHINGTON, D.C.


Mulder legt seine Füße auf den Schreibtisch und sieht sich ein Video an, während Scully gerade die Tür öffnet. Er winkt sie ran.

MULDER: Kommen Sie rein.

Scully schließt die Tür und geht zu ihm hinüber.

SCULLY: Was sehen Sie sich da an?

Scully nickt in Richtung Bildschirm.

MULDER: Etwas, das gerade per Post kam.

SCULLY: Das ist ja nicht Ihre übliche Art der Unterhaltung.

Mulder kratzt an seinen Nägeln und lächelt leicht.

SCULLY: Was ist das?

MULDER: Laut Annonce handelt es sich um die Autopsie an einem Außerirdischen. Garantiert authentisch!

Scully schaut wieder auf den Bildschirm. Es ist dieselbe Autopsie, die eingangs in der Episode zu sehen war. Bei dem statischen Bild der Überwachungskamera stehen allerdings die Ärzte im Weg. Es ist nicht zu sehen, wer dort obduziert wird.

SCULLY: Und dafür haben Sie Geld ausgegeben?

MULDER: 29,95 plus Versand.

SCULLY: Mulder, das ist ja noch ein größerer Schwindel als das, was neulich im Fernsehen lief. (im Original: "was sie neulich im FOX-Network ausgestrahlt haben.")

Sie geht näher zum Bildschirm.

SCULLY: Man kann ja nicht mal sehen, was sie obduzieren!

MULDER: Aber es sieht doch authentisch aus.

Er geht ebenfalls näher ran, mit der Fernbedienung in der Hand.

MULDER: Ich meine, das Szenario, ... die Prozedur. Es sieht doch tatsächlich so aus, als würde eine Autopsie durchgeführt, oder?

SCULLY: Ich versteh bloß nicht, warum sie dabei Gasmasken tragen.

MULDER: Nun, vielleicht liegt das an dieser grünen Substanz, die sie aus dem Wesen abzusaugen scheinen.

Er zeigt darauf.

MULDER: Wissen Sie, was das sein könnte?

SCULLY: Olivenöl? Waldmeister-Sirup? Ich nehme an, sie halten es für Blut ...

MULDER: Aber es heißt doch, Außerirdische hätten kein Blut, Scully.

SCULLY: Daher frage ich mich, ob da wirklich ein Außerirdischer obduziert wird.

MULDER: Ja, wo ist der Außerirdische? Und warum werden keine Einzelheiten gezeigt?

SCULLY: Was erwarten Sie denn für 29,95?

MULDER: ... na jedenfalls, die Autopsie neulich im Fernsehen war fake, weil man da versucht hat, zu viel zu zeigen.

SCULLY: Und die hier soll echt sein, weil man genau das nicht tut?

MULDER: Ja, und ... deswegen.

Er drückt die Vorspultaste auf der Fernbedienung. Kurz darauf lässt er das Band wieder in der normalen Geschwindigkeit laufen. Als Nächstes stürmt das Killerkommando den Waggon. Man sieht wie die Ärzte brutal hingerichtet werden. Scully scheint etwas überrascht zu sein.

SCULLY: Wer verkauft denn diese Videos?

MULDER: Ein Typ in Allentown, Pennsylvania. Er behauptet, er hat das nachts mit seiner Satellitenschüssel reingekriegt.

Er geht zurück zu seinem Schreibtisch. Scully ist verwirrt.


ALLENTOWN, PENNSYLVANIA


Mulder und Scully halten in der Einfahrt eines Hauses und steigen aus dem Auto. In der Umgebung ist es relativ ruhig, nur einen Hund hört man bellen. Scully checkt die Vordertür und Mulder nähert sich dem hinteren Teil des Hauses. Am Hintereingang bemerkt einen Aufkleber, auf dem "Rat Tail Productions (Rattenschwanz Produktion) " steht. Er geht die Treppe rauf und klopft an die Tür. Da sie nur angelehnt ist, macht er sie vorsichtig weiter auf. Scully kommt zu ihm.

SCULLY: Die Vordertür ist mit Brettern vernagelt.

MULDER: Die Hintertür ist aufgebrochen worden.

Mulder zieht seine Waffe und zeigt auf den Aufkleber.

MULDER: Die Ratte ist aber noch drin.

Auf ihrem Weg nach innen zieht auch Scully ihre Waffe, während sie durch die Küche gehen. Scully schaut in ein Zimmer mit Videoequipment, während Mulder das andere Ende des Flurs überprüft. Scully geht ins Schlafzimmer. Dort liegt ein Mann, dem ein Bettbezug um den Kopf gewickelt wurde.

SCULLY: Mulder, hier drin.

Mulder und Scully nähern sich dem Körper. Der Mann liegt auf dem Bauch, seine Hände sind auf dem Rücken gefesselt.

SCULLY: Er ist sogar noch warm.

Sie hören eine Tür knallen. Mulder schaut die Treppe hinunter, und sieht einen Mann weglaufen. Mulder rennt ihm durch die Hintertür hinterher.

MULDER: Stehenbleiben, FBI!

Der Japaner springt über den Zaun zum angrenzenden Hof. Mulder jagt ihm hinterher und hat Mühe Schritt zu halten. Der Mann, der eine braune Ledertasche bei sich hat, ist fit und springt über weitere Zäune.

Nacheinander sprinten sie unter der Veranda eines Hauses hindurch. Hinter dem nächsten Zaun bellt den Mann ein Hund gefährlich an. Als der Typ versucht über einen anderen Zaun zu entkommen, kann ihn Mulder packen.

MULDER: Kommen Sie da runter.

Doch der Japaner hat Kampfsport-Skills und tritt Mulder die Waffe aus der Hand. Er tritt noch dreimal nach, so dass Mulder hinter einen Müllcontainer fällt. Dann versucht der Japaner seine Flucht fortzusetzen, doch ein Schuss lässt ihn innehalten. Mulder hatte ihn abgegeben und so eine weggeworfene Flasche zerschossen.

MULDER: Ich gehe nie ohne Zweitwaffe aus dem Haus. (Im Original: Ich war es leid, ständig meine Waffe zu verlieren.)

Notgedrungen springt der Mann wieder nach unten. Mulder nimmt seine Waffe wieder an sich, während er mit seiner zweiten den Angreifer weiter fest im Blick hat.

MULDER: Drehen Sie sich mit dem Gesicht zum Zaun.

Der Mann rührt sich nicht.

MULDER: Sie sollen sich zum Zaun umdrehen!

Weiterhin kaum eine Regung.

MULDER: Wie heißen Sie?

Der Mann sagt etwas auf Japanisch.

MULDER: Können Sie mich nicht verstehen?

Der Japaner wirft Mulder noch mehr unverständliches an den Kopf.

MULDER: Na toll!

Mulder macht eine Bewegung in Richtung seiner Tasche.

MULDER: Geben Sie mir die Tasche.

Als auf eine weitere Aufforderung wieder nichts passiert, nimmt sie sich Mulder einfach.

MULDER: Los, gehen wir.

Wieder steht er einfach nur da. Mulder entsichert seine Waffe.

MULDER: Na los jetzt!

Der Japaner knurrt und scheint auf Japanisch zu fluchen, hebt aber die Hände. Mulder führt ihn weg.


POLIZEIREVIER; ALLENTOWN, PENNSYLVANIA


Während Polizisten und Angestellte herumlaufen und Telefone klingeln, geht Scully den Flur entlang auf Mulder zu. Der steht am Fenster eines Verhörraums. Darin sitzt der soeben verhaftete Japaner.

SCULLY: Also, entweder können die hier keinen einzigen Dolmetscher auftreiben, oder der Dolmetscher scheint sich auf dem Weg hierhin komplett verirrt zu haben. Mehr weiß ich bis jetzt nicht.

MULDER: Kann uns nicht die FBI-Außenstelle weiterhelfen?

SCULLY: Um diese Nachtzeit ist offenbar in ganz Allentown niemand zu erreichen.

MULDER: Oh, sehen Sie sich das an ... da kommt eine Lichtgestalt.

Scully dreht sich um und sieht Skinner. Er sieht auf seinem Weg zu ihnen einer attraktiven Frau hinterher, die gerade abgeführt wird.

SKINNER: Agent Mulder... Scully.

SCULLY: Das ist ja ‘ne Überraschung, Sir.

MULDER: Sie können nicht zufällig ein bisschen Japanisch, oder?

SKINNER: Wär schön, wenn ich's könnte, das würde uns ein paar Peinlichkeiten ersparen.

SCULLY: Was meinen Sie damit?

SKINNER: Ich bin mit einem Bundesanwalt hier, wegen eines kleinen internationalen Schlamassels. Er sagt, Sie hätten hier jemand verhaftet.

MULDER: Einen Mordverdächtigen, ja.

SKINNER: Ich fürchte, Sie müssen ihn freilassen.

MULDER: Was soll das heißen?

SKINNER: Laut dem japanischen diplomatischen Korps ist ihr Mordverdächtiger, ein hochrangiger Diplomat.

Mulder zeigt auf den Verhörraum.

MULDER: Dieser Mann, der hier drin sitzt?

Skinner geht hinüber und schaut durchs Fenster.

SKINNER: Das ist Kazuo Sakurai.

MULDER: Ich konnte seinen Namen nicht verstehen, weil er so beschäftigt damit war, mir dauernd in den Hintern zu treten.

SCULLY: Und was ist mit dem Mordopfer und dem ganzen Papierkram?

SKINNER: Das liegt jetzt nicht mehr in unserer Verantwortung. (längere Pause) Was führt Sie beide denn überhaupt hierher?

Scully seufzt, deutet leicht verlegen auf Mulder und schaut dann weg.

MULDER: Wir verfolgen eine Raubkopie-Sache.

SKINNER: Ich schlage vor, Sie halten sich lieber da raus und fliegen wieder nach Washington, Agent Mulder ... bevor Ihnen jemand die Nase verbiegt.

Skinner geht an ihnen vorbei, nicht ohne Mulder mit seiner breiten Schulter noch etwas anzurempeln. Mulder macht ein leicht höhnisches Gesicht, wie ein Kind, das von seinen Eltern geschimpft wurde. Dann schauen beide Agents zu Sakurai durchs Fenster. Der schaut zurück. Mulder und Scully gehen raus zum Reden.

SCULLY: Also ich weiß nicht, Mulder, irgendetwas stimmt hier nicht. Was hat ein japanischer Diplomat in diesem Haus zu suchen, mit einem toten Mann dessen Kopf in einem Kissenbezug steckt?

MULDER: An der Verbesserung von internationalen Beziehungen war ihm offenbar nicht gelegen.

SCULLY: Was machen wir jetzt, lassen wir die Sache fallen?

MULDER: Nein, ich habe 29,95 bezahlt und dafür kann ich schon ein paar mehr Antworten erwarten, finden Sie nicht?

Mulder öffnet den Kofferraum zum Auto und sucht etwas.

SCULLY: Was haben Sie vor?

MULDER: Ich habe ganz vergessen ein Beweisstück abzugeben, das ich am Tatort gefunden hab.

Er holt die braune Ledertasche heraus, schließt den Kofferraum und sieht nach, was in der Tasche ist. Er gibt Scully einige Zettel und betrachtet Bilder von Schiffen, die sich entlang der Küste bewegen.

SCULLY: Was ist denn das?

MULDER: Die sehen wie Satellitenfotos aus.

Er blättert nochmal die Bilder durch, sie zeigen scheinbar die Bewegungen mehrerer Schiffe, die einen Kanal durchqueren.

MULDER: Was hat er wohl damit gewollt?

SCULLY: Und was wollte er mit einer Liste von UFO-Netzwerk-Mitgliedern aus der Gegend von Allentown, auf der der Name Betsy Hagopian eingekreist ist?

Auf der Liste stehen Namen und Adressen. Mulder sieht sich kurz um.

MULDER: Vielleicht wollte er sie auch in ein Kissen stecken. Wie wäre es, wenn Sie hier bleiben und das morgen mal überprüfen?

SCULLY: Und was tun Sie?

Er packt alles wieder zusammen und steckt es in die Tasche.

MULDER: Ich werde wieder nach Washington zurückfliegen, so wie Skinner befohlen hat und diese Fotos ein paar Freunden von uns zeigen.


BÜRO DER LONE GUNMEN; WASHINGTON, D.C.


Langly betrachtet das Bild unter einer leistungsstarken Lupe, während die anderen zuschauen.

LANGLY: Der Name des Bootes ist die Talapus. Diese deutschen Systeme sind einfach fabelhaft.

MULDER: Soll das heißen, dass die von einem deutschen Satelliten sind?

BYERS: Nein, nur die Optik ist Deutschland. Die Technologie ist vermutlich unsere, aber der Satellit höchstwahrscheinlich ein japanischer.

FROHIKE: Gestartet von Südamerika aus.

MULDER: Das nennt man Weltwirtschaft, hmm?

LANGLY: Woher hast Du die, Mulder?

MULDER: Von einem japanischen Diplomaten.

FROHIKE: Das überrascht mich sehr. Die Japaner sind sehr verschwiegen, was ihre Spionage-Aktivitäten angeht und ihre Geheimdienstunterlagen rücken sie schon gar nicht raus.

Langly macht eine Lampe an und untersucht die Bilder genauer. Mulder geht zu ihm.

MULDER: Und was genau spionieren sie da aus?

BYERS: Die Talapus ist ein Bergungsschiff aus San Diego.

Nun kommen auch Byers und Frohike wieder dazu. Langly beginnt, das Bild unter einer normalen Lupe zu betrachten.

BYERS: Die haben nach einem japanischen U-Boot gesucht, das im Zweiten Weltkrieg gesunken ist. Und dieses U-Boot hatte angeblich eine Ladung Goldbarren an Bord.

MULDER: Haben sie's gefunden?

LANGLY: Nicht nach den uns vorliegenden Meldungen, aber so wie es hier aussieht, ist das Schiff nie nach San Diego zurückgekehrt.

MULDER: Woraus schließt Du das?

Byers zeigt ihm das Bild des Schiffes an verschiedenen Stellen entlang eines Kanals.

BYERS: Aus diesen Satellitenfotos. Sie verfolgen das Schiff durch den Panamakanal.

Er blättert zum nächsten Bild des Schiffes, das an einem Stützpunkt anlegt.

BYERS: Bis nach Newport News in Virginia.

MULDER: Zu den Marinewerften.

Byers nickt.

FROHIKE: Warum sind sie dahin gefahren?

Mulder denkt darüber nach.

MULDER: Weil sie vielleicht etwas ganz anderes gefunden haben.


JAPANISCHE BOTSCHAFT; WASHINGTON, D.C.


Es ist dunkel. Kazuro Sakurai verlässt das Botschaftsgebäude und geht zu einer wartenden Limousine. Der Fahrer öffnet ihm die Tür.

FAHRER: Guten Abend, Mr. Sakurai.

Sakurai steigt ein und plötzlich schließen sich alle Türen. Aus dem Schatten beugt sich auf einmal rothaariger Mann zu ihm. Der Fahrer stellt ungerührt den Rückspiegel ein, während Sakurai hinten stranguliert wird. Die Limousine fährt los und das Röcheln aus dem hinteren Teil wird immer lauter.


BETSY HAGOPIANS HAUS; ALLENTOWN, PENNSYLVANIA


Scully hält vor Betsy Hagopians Haus und schaut auf die Liste aus der Aktentasche. Als sie aussteigt, sieht sie einen Ufo-Netzwerk-Aufkleber am Türfenster. Sie klopft an und eine Frau öffnet die Tür.

SCULLY: Hallo, sind Sie Betsy Hagopian?

EINE FRAU: Nein, tut mir leid, Betsy ist im Moment nicht hier.

SCULLY: Können Sie vielleicht sagen, wo ich sie finden kann?

Die Frau sieht sie seltsam an.

SCULLY: Es tut mir leid, ähm ... mein Name ist Dana Scully.

Sie kramt dabei in ihren Taschen.

EINE FRAU: Ich kenne Sie.

Nun guckt Scully irritiert.

SCULLY: Nein, ich fürchte da müssen sie sich irren.

EINE FRAU: Wir haben sie gesehen. Penny? Penny, komm mal her.

Eine weitere Frau kommt dazu, sie scheint Scully zu erkennen.

SCULLY: Ich bin bestimmt nicht die, für die sie mich halten.

PENNY: Oh mein Gott. Sie ist wirklich eine.

Die andere Frau nickt leicht.

SCULLY: Eine was?

EINE FRAU: ... eine von uns.

Mit Scullys irritiertem Gesicht geht es in die Werbepause. Dann geht Scully in das Haus. Penny beginnt rum zu telefonieren.

PENNY: Cathy? Ich bin hier bei Betsy. Kannst Du die Gruppe anrufen? Die sollen alle sofort her kommen.

SCULLY: Sie müssen mich mit irgendjemandem verwechseln, ich arbeite für die F.B.I. und ich bin hier, um einen Mord aufzuklären.

EINE FRAU: Einen Mord?

SCULLY: Ein Mann namens Steven Zinnzser wurde ungefähr zwei Meilen von hier ermordet.

EINE FRAU: Penny, hast Du das gehört?

PENNY NORTHERN: Steve Zinnzser wurde ermordet?

SCULLY: Haben Sie ihn gekannt?

EINE FRAU: Er war ein Mitglied unserer Gruppe.

SCULLY: Ich bin jedenfalls kein Mitglied Ihrer Gruppe, ich bin ein FBI Agent.

EINE FRAU: Das haben Sie schon gesagt.

SCULLY: Aber an der Tür sagten Sie, ich wäre eine von Ihnen.

Penny und die Frau sehen sich kurz an und dann zurück zu Scully.

EINE FRAU: Hat es im letzten Jahr in Ihrem Leben ein unerklärbares Ereignis gegeben? Waren Sie für einen gewissen Zeitraum mal an einem Ort vermisst, der nicht feststellbar ist?

Scully starrt sie geschockt an.

SCULLY: Wieso fragen Sie mich das?

PENNY: Sie sollten sich erst mal setzen, Miss Scully. Gleich kommen ein paar Leute, die Ihnen viel bedeuten werden.


U.S. KÜSTENWACHE; NEWPORT NEWS, VIRGINIA


Mulder geht mit einem Offizier einen Flur entlang.

OFFIZIER: Talapus?

MULDER: Hmm, das ist ein Bergungsschiff, das aus San Diego kommt. Laut Auskunft des Hafenmeisters sind Sie zum Schiff rausgefahren, weil es der Zoll nicht einlaufen ließ.

OFFIZIER: Ach ja, das stimmt. Es war aber nicht der Zoll, der das Einlaufen verhinderte, sondern die D.E.A.

MULDER: Die Drogenfahnder? Was war denn das Problem?

OFFIZIER: Sie haben Rauschgift an Bord vermutet, falls ich mich richtig erinnere. Das Schiff kam aus Panama. Die D.E.A.-Leute dachten wohl, es hätte eine Lieferung dabei.

MULDER: Und konnten die irgendwas finden?

OFFIZIER: Die waren überhaupt nicht an Bord. Es ging wohl um die Frage, ob man das Boot konfiszieren darf, falls die Mannschaft verhaftet werden sollte.

MULDER: Und wurde sie?

OFFIZIER: Offenbar nicht. Wir wurden zurückgepfiffen und das Schiff ist am nächsten Morgen wieder ausgelaufen.

Mulder bleibt stehen und schaut aus dem Fenster.

MULDER: Also, irgendwie erscheint mir das ziemlich unsinnig.

Der Offizier bleibt stehen und sieht ihn an.

OFFIZIER: Wie bitte?

MULDER: Die Talapus kam nonstop aus Panama. Sie hätte doch wenigstens Treibstoff bunkern müssen?

OFFIZIER: Leider habe ich nicht alle Einzelheiten im Kopf.

MULDER: Würden Sie mir den Gefallen tun und in den entsprechenden Unterlagen nachsehen, ob die Talapus einen neuen Bestimmungshafen angegeben hat?

OFFIZIER: Das dauert aber'n bisschen.

MULDER: Schon in Ordnung. Ich bin gern bereit zu warten.

Als ob der Offizier auf eine andere Antwort gehofft hätte, seufzt er und geht dann weg.


BETSY HAGOPIANS HAUS; ALLENTOWN, PENNSYLVANIA


Der Raum ist jetzt voller Frauen, die auf Stühlen sitzen - wie in einer Art Selbsthilfegruppe. Scully ist in der Mitte.

SCULLY: Aber ich kenne niemanden von Ihnen und ich habe auch noch nie eine von Ihnen getroffen.

Die Frau, die Scully zuerst an der Tür empfangen hatte, kommt mit einer Tasse Kaffee herein und setzt sich neben Penny auf die Couch.

EINE FRAU: Vielleicht erinnern Sie sich nicht, da Sie das bisher nur einmal erlebt haben.

PENNY: Die meisten von uns hier sind mehrmals entführt worden.

Scully sieht sich zu den anderen Frauen um, die alle zu ihr blicken.

SCULLY: Entführt? Wohin denn entführt?

EINE FRAU: Zu dem hellen, weißen Ort.

Scully starrt sie ungläubig an. Plötzlich hat Scully einen kurzen Flashback. Sie sieht sich bewusstlos auf einem Tisch liegen. Eine der Frauen beugt sich daraufhin zu ihr.

DIANE: Jetzt fällt's Ihnen wieder ein, nicht wahr?

Scully schließt die Augen.

SCULLY: Ich weiß nicht recht.

DIANE: Es gibt da Männer, die Tests mit Ihnen durchführen.

Scully öffnet die Augen wieder und sieht zu ihr rüber. Plötzlich noch ein kurzer Flashback von einem Bohrer, der auf sie zukommt.

SCULLY: Was für Männer?

EINE FRAU: Sie geben sich nicht zu erkennen. Sie nehmen uns zwar die Erinnerungen, aber irgendwie kommen sie doch wieder zurück.

PENNY: Sie haben sich vielleicht auch erinnert, aber wohl nur ... bruchstückhaft und ohne Zusammenhang.

EINE FRAU: Haben Sie schon mal was von Regressionshypnose gehört?

SCULLY: Ja, aber ich ...

EINE FRAU: Haben Sie das schon mal in Betracht gezogen?

SCULLY: Tut mir leid. Ich ... äh, möchte jetzt nicht darüber diskutieren.

Eine weitere Frau steht auf und setzt sich dann vor Scully.

WEITERE FRAU: Sie haben Angst davor, sich zu erinnern, nicht wahr? Das ist normal. Zuerst haben wir uns alle davor gefürchtet.

Scullys Augen wandern wieder durch den Raum.


U.S. KÜSTENWACHE; NEWPORT NEWS, VIRGINIA


Der Offizier kommt mit einem Klemmbrett zurück, kann aber Mulder nirgends finden.

OFFIZIER: Agent Mulder?

Verwirrt geht er weg. Währenddessen sieht sich Mulder draußen an den Ladedocks etwas um. Sein Weg führt ihn vorbei an Schiffscontainern, Vorarbeitern und einem Gabelstapler.

Mulder rennt schließlich über eine gelbe Brücke, die die verschiedenen Hafengebäude mit den Booten und einem großen Tanker verbindet. Er bleibt stehen und schaut sich um. Unter anderem sieht er ein Schiff mit der Aufschrift "Ocean Wrestler". Als Nächstes ein langes, weißes Schiff. Nachdem er sich dorthin auf den Weg gemacht hat, springt er auf das Schiff und steigt über ein Geländer. Mit seinem Ellenbogen schlägt er die Glasscheibe einer Tür zur Brücke ein. Mulder geht hinein und durchsucht eine Schublade. Als er nichts findet, öffnet er die Tür zu einer angrenzenden Kabine. Dort sieht er einen blauen Regenmantel mit der Aufschrift "Talapus". Dann geht er weiter zu den unteren Kabinen und probiert verschiedene Türen aus, die aber verschlossen sind. Als er durch den Heizraum zu den Schiffsklos gelangt, hört er draußen mehrere Wagen mit quietschenden Reifen vorfahren. Er rennt zum nächsten Fenster und sieht schwarze Autos anhalten, aus denen bewaffnete SWAT-Trupps aussteigen. Sie stürmen das Schiff und scheinen jeden Winkel darin zu durchkämmen. Als einige von ihnen vorbei gerannt sind, steigt Mulder eine Treppe zur Brücke hinauf und versteckt sich hinter einem Rettungsboot. Trotz der vielen Soldaten gelingt es ihm, unentdeckt ins Wasser zu springen. (Sie scheinen auch das laute Platschen nicht zu hören ;-)


BETSY HAGOPIANS HAUS; ALLENTOWN, PENNSYLVANIA


Scully hört den Frauen weiter zu.

EINE FRAU: ... jedenfalls, als ich die Tür öffnete und Sie dort stehen sah, ist das wie eine Offenbarung gewesen. Ich hab Ihr Gesicht immer klar vor meinen Augen gehabt.

SCULLY: Aber warum erinnere ich mich an niemanden von Ihnen?

PENNY: Am Anfang erinnert man sich nur an das Licht und dann erinnert man sich immer öfter an die Gesichter der Männer, von denen man untersucht wurde.

Scully sieht erschöpft aus. Dann hat sie einen weiteren Flashback. Sie sieht sich während der Tests mit einer Art Schlauch, der zu ihrem Bauchnabel führt. Sie sieht schwanger aus. Wieder zurück im Hier und Jetzt reibt sich Scully die Augen.

SCULLY: Woher wollen Sie wissen, dass Sie mich nicht mit jemandem verwechseln?

Die zwei Frauen sehen sich an.

DIANE: Sie haben das Mal, nicht wahr?

Scully dreht ihren Kopf.

SCULLY: Welches Mal?

DIANE: Das hier...

Sie setzt sich rückwärts vor Scully und zieht den Kragen ihres Hemdes etwas herunter, womit sie eine kleine Narbe freilegt.

DIANE: ... hinten im Genick.

Scully sieht es sich an und schließt dann die Augen.

EINE FRAU: Wir alle haben das. Da pflanzen sie die Implantate ein.

Die Frau nickt den anderen der Gruppe zu, die daraufhin alle Fläschchen herausholen - jeweils mit ihren Implantate darin. Scully beobachtet die Szene und springt dann von ihrem Sitz auf.

SCULLY: Es wird Zeit. Ich muss gehen.

Sie geht zur Tür, dreht sich aber noch einmal um.

SCULLY: Eigentlich bin ich nur hier...

EINE FRAU: ... um Betsy zu sprechen.

SCULLY: Ja. Um Betsy Hagopian zu sehen. Warum sind Sie alle in ihrem Haus, wo ist sie?

Penny wirkt plötzlich nervös.


ONKOLOGISCHE ABTEILUNG; STÄDT. KRANKENHAUS ALLENTOWN


Penny, Scully und die andere Frau schauen durch ein Fenster in einen Untersuchungsraum, in dem Betsy Hagopian kurz davor ist, in einen Computertomografen geschoben zu werden. Eine Ärztin steht neben ihr.

SCULLY: Was fehlt ihr denn?

EINE FRAU: Betsy befindet sich im fortgeschrittenen Stadium einer nicht diagnostizierbaren Krebserkrankung. Ihr Körper ist voller Tumore, die auf keinerlei Behandlung reagieren.

SCULLY: Und Sie glauben, dass das mit der Entführung zusammenhängt?

PENNY: Sie haben Betsy immer wieder entführt, seit sie Teenager war. Dass, was sie jetzt durchmacht, steht uns allen bevor.

SCULLY: Wie meinen Sie das?

EINE FRAU: Egal, ob Sie das verstehen oder nicht, Dana ... aber wir werden alle so wie Betsy enden.

PENNY: Wir werden alle sterben ... wegen der Versuche, die sie mit uns durchgeführt haben.

Scully sieht geschockt zurück zu Betsy, die von der Ärztin noch immer überwacht wird.


U.S. KÜSTENWACHE; NEWPORT NEWS, VIRGINIA

Mittlerweile ist es dunkel. Ein Schiff durchsucht das Wasser im Hafen mit Scheinwerfern nach Mulder. In einer Werft wird ein Schiff repariert. Mulder steigt aus dem Wasser und klettert geduckt eine Treppe rauf. Während er rennt, sieht er sich immer wieder um. Schließlich kommt er zu einer Lagerhalle, die gut bewacht wird. Das Tor sieht aus, als hätte es einige Einschusslöcher, durch die helle Lichtstrahlen von innen dringen. Ein Auto hält vor der Halle und weitere SWAT-Soldaten steigen aus. Während sie mit den anderen sprechen, schleicht sich Mulder über einen Umweg an ihnen vorbei. An einer anderen Seite der Halle, versucht er herauszufinden, was sich darin verbirgt. Vorsichtig rennt er eine Rampe hinauf und klettert am Gebäude hinauf zu einem Fenster. Mit einem Ärmel reibt er die beschlagene Scheibe frei. Er sieht im inneren eine Reihe von Wissenschaftlern und Technikern, die an einem riesigen Fahrzeug zu arbeiten scheinen, das sich unter einer großen Plastikfolie befindet. Alle haben Schutzanzüge an. Außerdem stehen schwer bewaffnete Securitys bereit. Mulder versucht mit großen Augen zu verstehen, was er da sieht.


MULDERS WOHNUNG; WASHINGTON, D.C. (eigentlich Alexandria, Virginia)

Ein zerzauster Mulder geht zu seiner Wohnung. Er sucht nach dem passenden Schlüssel. Als er merkt, dass die Tür gar nicht im Schloss ist, zieht er vorsichtig seine Waffe. Langsam betritt er den Raum. Es ist dunkel und unordentlich, so als hätte jemand etwas gesucht. Mulder versucht ein paar mal das Licht einzuschalten, doch es funktioniert nicht. Während er weiter in seine Wohnung vordringt, lässt ihn plötzlich eine Stimme aufschrecken.

SKINNER: Ich glaube, die haben gefunden, wonach sie gesucht haben.

Mulder dreht sich um und zielt auf Skinner, der auf seinem Stuhl sitzt. Er atmet auf.

MULDER: Soweit ich weiß, habe ich Ihnen nie einen Schlüssel gegeben.

SKINNER: Ich wollte mit Ihnen reden und bin wohl zu spät zu der Party gekommen.

Er steht auf und nähert sich langsam Mulder.

MULDER: Ja, ich schätze, ich sollte meine Putzfrau rausschmeißen, nicht wahr?

SKINNER: Stecken Sie die Waffe weg, Mulder. Sie könnten noch jemanden verletzen.

Er senkt die Waffe.

MULDER: Wovon reden Sie überhaupt?

SKINNER: Kazuro Sakurai, der Diplomat, den Sie gestern verhaftet haben ...

MULDER: Unser Mordverdächtiger.

SKINNER: Er hat sein Flugzeug letzte Nacht nicht genommen. Heute Morgen hat man in einem Abwasserkanal seine Leiche gefunden.

Mulder schaut weg.

SKINNER: ... und wir können wohl davon ausgehen, dass er da nicht nach Perlen getaucht hat.

Mulder lacht humorlos.

SKINNER: Die japanische Regierung glaubt, dass er wegen einer Aktentasche, die er bei sich hatte, ermordet worden ist ... ein Beweisstück, das offenbar seit seiner Verhaftung verschwunden ist.

MULDER: Was soll da drin gewesen sein?

SKINNER: Das halbe Außenministerium sitzt mir jetzt im Nacken, Mulder. Die Japaner wollen den Mörder und pfeifen auf jegliche Diplomatie, also hören Sie jetzt auf drumherum zu reden.

MULDER: Verdächtigen Sie etwa mich?

SKINNER: Wo ist diese verdammte Tasche?

MULDER: Agent Scully hat sie.

Er geht in sein Wohnzimmer, gefolgt von Skinner.

MULDER: Sie ist im Kofferraum ihres Mietwagens.

SKINNER: Und wo steckt sie?

MULDER: Keine Ahnung, ich hab nicht mit ihr gesprochen, seit wir uns in Allentown getrennt haben.

SKINNER: Dann machen Sie sie ausfindig! Denn wo Sie auch in diesem Fall reingetreten sein mögen, es wird in mein Büro getragen und das stinkt mir gewaltig.

MULDER: Darf ich hier vielleicht erst mal ein bisschen aufräumen?

Er setzt sich. Skinner kommt näher zu ihm.

SKINNER: Dagegen kommen weder wir beide, noch das F.B.I. an, Agent Mulder.

Mulder sieht zu ihm auf. Skinner geht zur Tür, atmet laut aus und dreht sich dann noch einmal um.

SKINNER: Ich hoffe, Sie haben noch andere Namen in Ihrem Telefonbuch, denn mit meiner Hilfe können Sie nicht mehr rechnen. Sie sind jetzt auf sich gestellt.

Sie halten kurz Augenkontakt, dann geht Skinner. Mulder lehnt sich zurück und sieht nachdenklich aus dem Fenster.


BÜRO VON SENATOR RICHARD MATHESON; WASHINGTON, D.C.


Eine Frau öffnet Mulder die Tür und nickt Matheson zu. Der Senator sitzt hinter seinem Schreibtisch.

RICHARD MATHESON: Hallo Fox.

MULDER: Danke, dass Sie mich so kurzfristig empfangen konnten.

Matheson steht auf, geht langsam zu ihm und schüttelt ihm die Hand.

RICHARD MATHESON: Ich hatte schon gehört, dass Sie Schwierigkeiten haben sollen.

Mulder sieht ihn fragend an.

RICHARD MATHESON: Nun schauen Sie nicht so erstaunt. Ich arbeite eng mit dem Nachrichtendienst zusammen und die einzige Währung, mit der wir handeln, sind Geheimnisse.

MULDER: Dann wissen Sie schon, was mich beschäftigt.

RICHARD MATHESON: Möglicherweise besser als Sie... was, wie ich annehme, auch der Grund für Ihren Besuch ist.

Er tritt wieder hinter seinen Schreibtisch.

MULDER: Ich brauche Ihren Rat, wie ich am besten weitermachen soll.

RICHARD MATHESON: Sie sollten die Satellitenfotos zurückgeben.

MULDER: Damit würde ich mich selbst belasten.

RICHARD MATHESON: Ein guter Schachspieler weiß genau, welche Figuren er opfern muss ... und wann.

Matheson hat sich wieder hingesetzt.

MULDER: Ich kann es mir jetzt aber nicht leisten, in eine Mordermittlung verwickelt zu werden.

RICHARD MATHESON: Warum nicht?

MULDER: Ich habe da etwas gesehen. Die würden die Zeit nur nutzen, um es da zu verstecken, wo ich es nicht mehr finden kann.

RICHARD MATHESON: Vertrauen Sie mir, Fox?

Mulder starrt ihn an und seufzt.

RICHARD MATHESON: Dann lassen Sie mich Ihr Vertrauen mit der Wahrheit verdienen.

Er bittet Mulder, sich zu setzen.

MULDER: Ich bin ganz Ohr.

Mulder setzt sich. Matheson geht um den Schreibtisch herum und setzt sich auf den Stuhl neben ihn. Sie beugen sich dicht zueinander.

RICHARD MATHESON: Vor ein paar Wochen sind in Knoxville, Tennessee, vier japanische Staatsangehörige ermordet worden. Alles prominenten Ärzte, die offensichtlich mit der Durchführung eines streng geheimen Projekt beauftragt waren.

MULDER: Was für ein Projekt war das? Hatte die Autopsie einer außerirdischen Lebensform damit zu tun?

RICHARD MATHESON: Das kann ich Ihnen nicht sagen. Manche Geheimnisse werden besonders geheim gehalten, Fox, sogar vor mir. Ich habe auch gerade erst die Namen der ermordeten Wissenschaftler erhalten.

Er gibt ihm einen Zettel. Die Namen von vier Japanern stehen darauf.

RICHARD MATHESON: Ob sie echt sind, ist jedoch eine Frage des öffentlichen Interesses. Ihre Vergangenheit gibt uns vielleicht Aufschluss über den gegenwärtigen Verrat. Wir haben nur nicht viel Zeit ... bevor Sie in diese Morduntersuchung verwickelt werden...

Er geht um den Schreibtisch herum.

RICHARD MATHESON: ... das ganze Ausmaß dieser Angelegenheit überhaupt vollständig zu verstehen oder gar bloßzustellen.

MULDER: Wem bin ich hier auf der Spur?

RICHARD MATHESON: Monstern, die Monster hervorbringen können.


KELLERBÜRO, FBI-HAUPTQUARTIER, WASHINGTON, D.C.


Mulder sitzt an seinem Schreibtisch. Er trägt eine Brille und blättert einige Papiere durch. Als jemand an der Tür klopft, nimmt er die Brille ab und steht auf. Er schaut vorsichtig hinaus und lässt Scully eintreten.

MULDER: Ah, Scully.

SCULLY: Wieso ist die Tür verschlossen?

MULDER: Ich muss Ihnen etwas zeigen.

Er verschließt die Tür wieder.

SCULLY: Interessiert es Sie nicht, wo ich gewesen bin?

MULDER: In Allentown?

SCULLY: Ich war bei diesen UFO-Leuten, um etwas über Betsy Hagopian herauszufinden.

Mulder hat sich hingesetzt.

MULDER: Und, was ist mit ihr?

SCULLY: Sie liegt im Sterben - so viel ist sicher. Und viele dieser Frauen behaupten, dass sie ebenfalls sterben werden.

Sie nimmt eine kleine Glaskapsel mit einem Implantat heraus.

SCULLY: Alle, denen man diese Dinger hier implantiert hat.

Mulder nimmt das Glas und schaut es sich an.

SCULLY: Genau so eins hab ich mir selbst aus dem Nacken entfernen lassen.

MULDER: Aber Sie sind doch gesund, Scully?

SCULLY: Ja, bin ich das? Ich weiß es nicht, Mulder. Die sagten alle, sie kennen mich und dass sie mich schon einmal gesehen hätten. Das war unheimlich! Die wissen so viel über mich und über mein Verschwinden letztes Jahr.

MULDER: Das ist schon beunruhigend. Aber Sie sollten nicht ausflippen, bevor Sie nicht wissen, was das hier ist.

Er gibt ihr die Glaskapsel zurück. Scully seufzt. Das Telefon klingelt.

MULDER: Mulder.

Er hört zu und legt auf.

MULDER: Ich werd gleich ein Fax bekommen.

Scully nimmt ein Bild vom Schreibtisch, auf dem mehrere Japaner zu sehen sind.

SCULLY: Was ist das?

MULDER: Das ist ein Gruppenfoto japanischer Militärärzte, das im Zweiten Weltkrieg aufgenommen wurde.

Scully zeigt auf den Mann ganz unten links im Bild.

SCULLY: Diesen Mann habe ich schon einmal gesehen.

MULDER: Das kann nicht sein. Es sei denn, Sie sind in den letzten fünfzig Jahren in Japan gewesen.

SCULLY: Doch, doch ... den hab ich schon mal gesehen.

MULDER: Sein Name ist Doktor Takeo Ishimaru und er ist schon seit 1965 tot. Er war der Befehlshaber einer Elite-Einheit des japanischen Ärztekorps, bekannt als "Sieben-31". Eine Einheit, von der man jetzt weiß, dass sie an Menschen experimentiert hat. Sie haben Lebend-Sektionen ohne Betäubung durchgeführt ...

Er zeigt ihr unschöne Bildbeweise.

MULDER: Die Kälteempfindlichkeit von Kleinkindern getestet...und Kriegsgefangene Seuchen, wie der Pest ausgesetzt...Und wie ihre Nazi-Kollegen hat man sie nie vor Gericht gestellt.

SCULLY: Wozu brauchen Sie die?

MULDER: Vier der Ärzte auf diesem Foto hier waren auch auf dem Videoband mit der Autopsie zu sehen, das ich Ihnen gezeigt hab.

SCULLY: Aber da war doch niemand zu erkennen, weil sie die chirurgischen Masken aufhatten?

MULDER: Jemand hat sie trotzdem erkannt, weil diese vier Männer ermordet worden sind und zwar hier in den Vereinigten Staaten.

SCULLY: Ermordet? Weswegen?

MULDER: Genau das würde ich auch gern wissen.

SCULLY: Wurden ermordet von wem?

MULDER: Vielleicht von unserer Regierung...

SCULLY: Von unserer Regierung? Aus welchem Grund denn?

MULDER: Die Fortsetzung ihrer Arbeit. Sie haben genau wie damals versucht, einen Außerirdisch-menschlichen Hybriden zu erschaffen.

SCULLY: Mulder, das ist doch die reinste Fantasie!

MULDER: Scully, nach all ihren Erfahrungen. Denken Sie doch bloß mal an das Bergwerk voller medizinischer Unterlagen und die Wesen, die an Ihnen vorbeigegangen sind. Und das Implantat in Ihrem Nacken, warum weigern Sie sich zu glauben, Scully?

SCULLY: Weil es zu leicht ist zu glauben, Mulder. Ich lege nun mal großen Wert auf Beweise.

MULDER: Sie denken, zu glauben wäre leicht?

Scully seufzt.

MULDER: Wir haben sogar Beweise.

Er holt eines der Satellitenbilder.

MULDER: Ich weiß jetzt, was die auf diesen fünf Fotos verfolgt haben. Ein Schiff, das ein UFO vom Grund des Pazifiks gehoben hat. Und zwar ein UFO, das jetzt in einem Lagerhaus ist und von amerikanischem Militär bewacht wird. An Bord dieses UFOs wird der Außerirdische gewesen sein, der auf dem Video seziert wurde.

SCULLY: Und was sehe ich mir hier an?

MULDER: Einen geheimen Eisenbahnwaggon unserer Regierung.

Mulder nimmt sich sein Jackett.

MULDER: In solchen Waggons werden Testpersonen befördert. Oder auch solche Autopsien wie auf dem Video durchgeführt.

SCULLY: Woher haben Sie das hier.

MULDER: Von jemandem, der wie Sie Beweise will und der dennoch bereit ist zu glauben.


FBI-HAUPTQUARTIER, WASHINGTON, D.C.


Agent Pendrell, Leiter des Wissenschaftslabors, schaut sich das Implantat unter einem Mikroskop an. Scully steht neben ihm.

PENDRELL: Hmm. Erstaunlich.

SCULLY: Wissen Sie, was das ist?

PENDRELL: Es sieht wie eine Art Mikroprozessor aus.

SCULLY: Soll das heißen, dass es von Menschen gemacht ist?

PENDRELL: Na, von wem denn wohl sonst? Auf jeden Fall ist es ein Spitzenprodukt.

Er grinst und tippt ein paar Befehle auf seiner Tastatur ein. Auf dem Bildschirm vergrößert sich die Ansicht der Implantat-Oberfläche.

PENDRELL: Die Technik ist äußerst komplex. Ich habe noch nie etwas gesehen, was auch nur annähernd diese Dichte aufweist.

SCULLY: Gibt es eine Möglichkeit herauszufinden, wer sowas herstellt?

PENDRELL: Naja, da gibt's ein paar Firmen in San Jose ... und ein paar in Boston. Die kommen alle dafür infrage.

SCULLY: Wofür werden die Chips benutzt?

PENDRELL: Videospiele, ABS-Systeme ... sie finden täglich neue Anwendungsfelder. Es wird gerade ein Chip entwickelt, der Schwerstbehinderten helfen soll, Computer durch Benutzung ihrer Hirnstromwellen zu bedienen.

SCULLY: Und wie?

PENDRELL: Durch direkte elektrochemische Verbindung mit der Hirnrinde. Ziemlich unglaublich, oder?

SCULLY: Ja.

Scully starrt nachdenklich auf den Computerbildschirm.


QUINNIMONT, WEST VIRGINIA


Irgendwo in der Ferne ertönt das Signal eines Zuges. Ansonsten ist es still auf dem Hof mit den Güterwagen. Mulder ist unauffällig gekleidet. Er steigt über eine Leiter auf ein Dach. Mit einem Fernglas schaut er sich um, bis er einen Mann davonrennen sieht. Sein Blick streift weiter umher und er entdeckt einen Güterwaggon mit der Nummer "8-2-5-1-7". Rechts daneben fährt ein weißer Van vor. Mulder duckt sich, als zwei Limousinen auftauchen. Während er immer noch durch sein Fernglas schaut, rennen Männer (wahrscheinlich Japaner) zu dem Van und öffnen die hinteren Türen. Ein Wesen steigt in einem weißen Schutzanzug aus. Das Gesicht ist eindeutig nicht menschlich. Es wird zum Güterwaggon geführt. Mulder sieht fassungslos zu. Dann sprintet er los. Er läuft unter großen Rohren hindurch, dann eine Treppe hinauf. Ein Trupp mehrerer Männer geht zur ersten Limousine. Als alle eingestiegen sind, fahren die Autos los und auch der Güterwaggon setzt sich in Bewegung. Mulder, der bisher darauf bedacht war, sich unauffällig zu verhalten, versucht hinterher zu kommen. Doch er gibt schließlich auf und rennt keuchend wieder in die andere Richtung.


KELLERBÜRO, FBI-HAUPTQUARTIER, WASHINGTON, D.C.

Scully sieht sich das Video noch einmal im Schnelldurchlauf an. Sie drückt wieder auf 'Play', als Doktor Ishimaru eine Zahlenkombination auf einer Tastatur eingibt. Scully rutscht näher an den Bildschirm, als der Doktor seine Maske abnimmt. Sie hält das Band an. Ihre Augen weiten sich. Sie scheint eine Art Flashback zu haben: über ihr ist ein helles Licht. Drei Ärzte blicken zu ihr herunter. Sie sprechen Japanisch. Als sie ihre Augen öffnet, tritt noch ein vierter, ohne Maske, in ihr Sichtfeld. Es ist Ishimaru. Sie neigt ihren Kopf und sieht ihn verständnislos an, als er sich eine Maske aufsetzt. Das Klingeln des Telefons reißt sie aus ihren Gedanken.

SCULLY: Scully.

Schnitt zu Mulder, der immer noch dort ist, wo er den Zug hat abfahren sehen.

MULDER: Hey, Scully, ich bin's.

SCULLY: Wo sind Sie?

MULDER: Auf dem Bahnhof von Quinnimont, West Virginia. Eine paar Japaner haben irgendjemand in einen der Waggons verfrachtet, der auf dem Satellitenfoto zu sehen war.

SCULLY: Ich denke, das sind die Eisenbahnwaggons unserer Regierung?

MULDER: Etwas sehr Ernstes ist hier im Gange, Scully.

Er bleibt an seinem Auto stehen.

SCULLY: Was meinen Sie damit?

MULDER: Dieses Ding in dem Waggon war noch am Leben.

SCULLY: Mulder ...

MULDER: Ich versuche jetzt in den Waggon zu kommen, den sie in Cincinnati an einen kanadischen Personenzug koppeln.

Er steigt ins Auto. Scully sieht währenddessen noch einmal auf den Monitor, wo ein Standbild von Mulders Videoband zu sehen ist.

SCULLY: Mulder, ich hatte doch recht mit Doktor Ishimaru. Er ist nicht tot, sondern er ist sogar auf Ihrem Videoband zu sehen.

Mulder schnallt sich an.

MULDER: Tja, dann werden Sie ihn wohl daher kennen.

SCULLY: Nein, ich kenne ihn von ganz woanders her.

Mulder dreht den Kopf und fragt sich, was sie damit meinen könnte.


BAHNHOF; QUEENSGATE, OHIO


Einer der Japaner kommt in die Eingangshalle und geht zügig zu den Toiletten. Auf dem Weg dorthin geht er an einem großen, rothaarigen Mann vorbei, der an einem Snack-Automaten steht. Dieser schaut dem Japaner interessiert hinterher und folgt ihm dann.

BAHNHOFSDURCHSAGE: Achtung bitte. Alle Passagiere des kanadischen Nordwest-Express nach Vancouver - bitte Einsteigen auf Gleis 4.

Währenddessen verlässt ein anderer Japaner, Doktor Ishimaru, den Toilettenbereich. Er schaut noch einmal auf sein Ticket und geht los. Die Durchsage wird wiederholt. Währenddessen schleppt der rothaarige Mann den leblosen Körper des jüngeren Japaners in eine Klo-Kabine, schließt die Tür ab, glättet seine Krawatte, richtet sich die Haare und verlässt dann lässig Richtung Bahngleis. Er schaut kurz zurück zu den Toiletten. Vor dem Bahnhof hält schließlich Mulder mit quietschenden Reifen an. Er steigt aus seinem Auto und rennt zum Bahnschalter.

MULDER: Der Expresszug nach Vancouver, von welchem Gleis fährt der?

SCHALTERBEAMTIN: Der ist gerade weg.

Mulder stöhnt.

MULDER: Und wann ist er abgefahren?

SCHALTERBEAMTIN: Ist keine Minute her...

MULDER: Danke.


MULDERS WOHNKOMPLEX


Scully schlurft den Flur entlang und sucht den richtigen Schlüssel.

X: Agent Scully.

Sie dreht sich erschrocken um und sieht die Silhouette von X am Ende des Flurs. Er geht auf sie zu.

SCULLY: Was wollen Sie denn hier?

X: Haben Sie mit Agent Mulder gesprochen?

SCULLY: Nein, wieso?

X: Er ist in Gefahr.

SCULLY: Woher wissen Sie das?

Er geht zu ihr.

X: Er verfolgt einen Zug. Sie dürfen ihn da nicht mitfahren lassen.

SCULLY: Ich weiß gar nicht, wovon Sie sprechen.

Sie öffnet die Tür und tritt ein. Bevor sie die Tür schließen kann, stößt er sie auf.

X: Sie müssen ihn benachrichtigen.

SCULLY: Warum sollte ich Ihnen vertrauen? Sie haben uns doch schon öfter belogen.

X: Wir verschwenden nur Zeit. Ich hoffe, Sie verstehen das.

Sie starrt ihn an.


BAHNÜBERFÜHRUNG


Mulder hält an einer Brücke. Er rennt darauf, als sich der Zug in der Ferne schon nähert. Sein Telefon klingelt.

MULDER: Mulder.

SCULLY: Mulder, gehen Sie nicht in den Zug.

Sie schaut zu X, als sie das sagt.

MULDER: Wieso nicht?

SCULLY: Weil die genau wissen, wo Sie sind und auch was Sie vorhaben.

X starrt sie eindringlich an.

MULDER: Wer hat Ihnen das gesagt? Wer hat Ihnen das gesagt, Scully?

"Halten Sie ihn davon ab", scheinen die Augen von X zu sagen. Für Mulder wird die Zeit immer knapper.

MULDER: Scully, der Zug kommt jetzt.

Sie wendet sich von X ab.

SCULLY: Lassen Sie ihn fahren!

MULDER: Das kann ich nicht.

Er klettert über das Brücken-Geländer und wartet auf den richtigen Zeitpunkt.

SCULLY: Mulder, Sie dürfen da nicht mitfahren!

Doch Mulder hat das Handy schon gar nicht mehr am Ohr. Über dem donnernden Klang des Zuges, versucht Scully weiter auf ihn einzureden.

SCULLY: Mulder. Mulder!

Mulder springt von der Brücke und landet hart auf dem Dach des Zuges. Durch die Wucht des Aufpralls lässt er sein Handy fallen. Er versucht es noch wieder zu fassen zu kriegen, doch es rutscht vom Zug.

Scully sieht resigniert zu X.

Schnitt zurück zu Mulder, der weiter in der liegenden Pose auf dem Zug verharrt, in der er sein Handy verloren hat. Er hat Mühe, sich festzuhalten. Der Zug rauscht an der Kamera vorbei und während er sich immer weiter entfernt, wird das Bild langsam schwarz.

Fortsetzung folgt

Mitgeschrieben von:[Bearbeiten]

  • Autor: Mueschaeeel
  • Dt. Überarbeitung: CayceP
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