1X19 Der Kokon (deutsches Transkript)

Aus Spookyverse
Copygif.gif Die Charaktere, Handlungen, Zitate usw., die im folgenden Transkript Erwähnung finden sind © Chris Carter/1013/Fox Entertainment und (in der deutschen Fassung) Cinephon Synchron/ProSieben, sofern es nicht dabei um eine Übersetzung des englischen Transkripts handelt. Diese Abschrift ist ohne explizite Erlaubnis von den Rechtehaltern von Fans für Fans als Hommage an Akte X erstellt worden und dürfen nur nicht-kommerziell verwendet werden. Und dienen zur Zugänglichmachung zugunsten behinderter Menschen sowie zur Verwendung als Zitat. Wir verfolgen keinerlei finanzielle Absichten. Die Texte selbst sind Eigentum des jeweiligen Autors.

Anmerkung von CayceP: Einen ganz herzlichen Dank an Michael, der sich die Mühe gemacht hat. Das Dürfte das ersten Transkript seit über 20 Jahren sein, dass nicht von einer KI übersetzt wurde :-)



1X19 Der Kokon
Die Wahrheit ist irgendwo da draußen



OLYMPIC NATIONAL FOREST
NORDWESTLICH IM BUNDESTAAT WASHINGTON


Im Wald ist eine große Gruppe von Holzfällern lose um zwei Personen in der Mitte versammelt, die streiten.

PERKINS: Ich habe hier das Sagen.

DYER:Nun, diese Männer verlangen Antworten. Sie wollen wissen, was Sie vorhaben. Seien wir ehrlich, dieses Ding könnte uns alle töten.

PERKINS: Wir hätten vor zwei Tagen gehen sollen. Da wollte niemand auf mich hören.

DYER:Niemand wusste, vor zwei Tagen was es war, Perkins. Niemand weiß es jetzt.

PERKINS: Jemand muss Hilfe holen.

DYER:Ach ja? Und was ist mit dem Rest von uns? Was sollen wir tun? Warten, bis Hilfe eintrifft?

PERKINS: Wir müssen es riskieren, einer von uns muss zu Fuß da runter!

DYER:Aber wenn er es nicht rechtzeitig schafft. wenn er nicht bis zum Einbruch der Dunkelheit die Straße erreicht. Was dann? Ich sage, wir laufen davon, teilen uns auf und nutzen unsere letzte Chance!

Die Männer murmeln und schreien zustimmend.

PERKINS: Das ist Selbstmord, Dyer.

Dyer geht direkt auf ihn zu.

DYER:Gut. Dann halten Sie doch die Stellung und erzählen uns dann, wie es ausgegangen ist.

Er schiebt sich an ihm vorbei. Die Männer rennen los. Perkins rennt mit ihnen. Unmerkliche Schreie sind zu hören.

MANN: Schneller Leute!

Perkins rennt hinter Dyer her.

EIN ANDERER: Du gehst in die falsche Richtung!

Es ist Sonnenuntergang und jetzt Abend. Tiere kreischen und heulen. Dyer stolpert über einen Baumstamm und ächzt. Perkins springt über den Baumstamm und kniet sich neben ihn. Dyer überprüft seinen Knöchel.

DYER:Er scheint gebrochen zu sein.

PERKINS: Komm schon, du musst aufstehen.

DYER:Ich glaube nicht, dass ich es schaffe.

Perkins hebt Dyer auf die Füße. Er versucht Dyer zu helfen, aber Dyer stöhnt vor Schmerz.

PERKINS: Wir müssen in Bewegung bleiben.

Dyer fällt auf die Knie.

DYER:Unmöglich. Ich schaff’s nicht. Ich schaff’s nicht ...

Ein Summen fängt im Wald an. Perkins und Dyer sehen sich hektisch um. Das Summen wird immer lauter. Sie sehen einen riesigen Schwarm grüner Käfer auf sich zukommen. Dyer schreit. Perkins kann nichts anderes tun, als entsetzt zuzusehen.


VORSPANN


KELLERBÜRO
FBI-HAUPTQUARTIER
WASHINGTON, D.C.


Ein Dia zeigt ein Bild von 30 Holzfällern - ähnlich einem Klassenfoto. Scully sitzt an einem Schreibtisch. Mulder geht näher zum Bild.

MULDER: Sehen Sie genau hin, Scully.

SCULLY: Und was schaue ich mir da an?

MULDER: Dreißig Holzfäller, die in den Wäldern von Washington arbeiten. Raue Burschen in der vollen Blüte ihrer Männlichkeit.

SCULLY: Schon klar, aber worauf soll ich nun achten?

MULDER: Irgendetwas Seltsames, Unerklärliches, Unwahrscheinliches ... oder einen Ex-Liebhaber?

SCULLY: Keine Ahnung, ich ... ich gebe auf, Mulder.

MULDER: Sie geben auf? Komisch, das hat die Bundesforstverwaltung offenbar auch getan.

SCULLY: Warum, was ist mit ihnen passiert?

Mulder ändert die Folie in einen leeren Bildschirm.

MULDER: Mit einem Wort, sie sind verschwunden. So scheint es wenigstens.

Er ändert die Folie auf zwei Männer.

Das sind Doug Spinney und Steven Teague. Sie bezeichnen sich selbst als "Retter der Wälder". Das sind die Jungs, die Nägel in Bäume schlagen, Holzfällerausrüstung sabotieren, um auf diese Weise den Sägewerken das Leben schwer zu machen.

Scully steht auf und geht auf ihn zu.

SCULLY: Ökoterroristen oder militante Umweltschützer, also.

MULDER: Genau. Vor zwei Wochen hat die Gruppe von Holzfällern, die ich Ihnen gerade gezeigt habe, eine Nachricht per Funk gesendet, dass Spinney und Teague am Werk sind. Bäume mit Nägeln spicken, Geräte zerstören und großen Ärger machen. Eine Woche später wurde die gesamte Funkverbindung abgebrochen.

SCULLY: Und keiner weiß wieso?

MULDER: Nein. Die Firma, bei der die Männer angestellt waren, hat die Bundesforstverwaltung um eine Untersuchung gebeten. Doch von den zwei Leuten, die da rauf geschickt wurden, hat man auch nichts mehr gehört.

SCULLY: Es sieht so aus, als ob diese "Retter der Wälder" doch ein bisschen mehr als nur Ärger machen.

MULDER: Genauso sehen die Holzfirma und die Bundesforstverwaltung es auch. Sie haben das F.B.I. um Hilfe gebeten und ich habe mich darum bemüht, dass wir den Fall kriegen.

Er geht zu seinem Schreibtisch.

SCULLY: Um einen Fall von Ökoterrorismus? Traue ich mich zu fragen, warum?

Er wechselt die Folie in ein altes Bild von Holzfällern in Kleidung der 1930er Jahre.

MULDER: 1934, lange bevor irgendjemand überhaupt wusste, was ein Ökoterrorist ist, hat eine andere Holzfällergruppe in derselben Gegend gearbeitet und ist spurlos verschwunden. Von keinem dieser Männer hat man jemals wieder etwas gehört oder gesehen.

SCULLY: Und Sie denken, dass sie Bigfoot gefressen hat?

MULDER: Nein, durchaus nicht. Das ist selbst für Bigfoot viel Stoff zum runterwürgen.

Scully lächelt.

Kommen Sie, Scully, wir machen einen Ausflug in den Wald.

Scully schaut auf das Bild zurück.


RANGER-STATION
OLYMPIC NATIONAL FOREST
NORDWESTLICH IM BUNDESTAAT WASHINGTON'


Ein Lastwagen mit Holz fährt vorbei, [mal wieder die Straße, die schon in mindestens zwei Folgen zu sehen war] als Mulder und Scully auf die Parkplätze fahren. Ranger Moore schaut auf eine Karte auf der Motorhaube seines Lastwagens. Er sieht zu ihnen auf, als sie rübergehen.

MULDER: Hallo. Fox Mulder, das ist Dana Scully, wir sind vom FBI.

MOORE: Larry Moore, von der Forstverwaltung.

Er schüttelt ihnen beide Hände.

Sie können Ihre Ausrüstung hinten in den Geländewagen legen.

Mulder nimmt Scullys Tasche und steckt sie und seine Tasche in den Kofferraum.

SCULLY: Muss ziemlich unwegsam sein, wo wir hinfahren, oder?

MOORE: Ja.

MULDER: Ist das Loch da in Ihrer Windschutzscheibe von einer Kugel?

MOORE: Ja, 22er Kaliber.

MULDER: Jemand hat auf Sie geschossen?

MOORE: Es sieht ganz so aus. Mit dieser Art von Munition gibt es hier nicht viel zu jagen, außer Freddies.

SCULLY: "Freddies?"

MOORE: Mitarbeiter der Forstverwaltung. So nennen uns die Ökoterroristen.

MULDER: Also halten Sie einen von denen für den Schützen?

MOORE: Lass Sie mich das mal klarstellen. Ich hab nichts gegen diese Ökoterroristen. Ich bin genauso besorgt um den Wald und die Umwelt wie die. Ich kann nur ihre Methoden, nicht ab.

SCULLY: Glauben Sie, die gehen so weit, einen Menschen zu töten?

MOORE: Es sind dreißig Männer verschwunden, die es gewohnt waren zu überleben. Irgendwas muss ihnen zugestoßen sein.

Er nimmt seine Papiere von der Motorhaube und geht um sie herum. Ein Mann kommt mit einer Tasche und ein paar anderen Dingen zu ihnen.

HUMPHREYS: Entschuldigung, ich bin zu spät. Ich habe mich mit Bob Perkins' Frau unterhalten. Er ist einer unserer vermissten Holzfäller. Hey, Larry.

MOORE: Hey.

Er gibt Moore eine gelbe Schachtel.

HUMPHREYS: Steve Humphreys, Sicherheitschef von Schiff-Immergut Lumber.

Er schüttelt ihnen beide Hände.

MULDER: Mulder, Scully.

HUMPHREYS: Wir werden ja während der nächsten vier Stunden noch viel Zeit haben, uns kennenzulernen.

Moore setzt sich auf den Fahrersitz, Humphreys steigt auf die Beifahrerseite.

SCULLY: Langsam bekomme ich den Eindruck, dass wir mitten in einem Krieg geraten sind.

Mulder lächelt, als Scully nach hinten geht. Später fahren sie die Straße hinunter. Es nieselt und die Scheibenwischer sind an.

Warum arbeiten diese Männer so weit oben in der Wildnis?

HUMPHREYS: Dort sind die Bäume.

SCULLY: Sie machen Scherze?

HUMPHREYS: Nein, Umweltschützer haben so ziemlich sichergestellt, dass alles Land was Sie hier sehen, unantastbar ist. Wir müssen uns das Holz holen, wo wir es kriegen. Selbst da pflanzen wir Setzlinge für jeden Baum, den wir fällen.

MULDER: Warum bekämpfen die Ökoterroristen Sie dann noch?

HUMPHREYS: Sehen Sie, diese Baumhüpfer sind vom gleichen Schlag wie die, die während des Vietnamkrieges nach Kanada gegangen sind. Die sind so feige, wie ihre Taktiken.

Ein Knallen - das Auto beginnt zu schlingern.

MOORE: Verdammt.

Sie steigen aus und wir sehen, dass sich ein Spike im Reifen befindet.

Selbst gemachter Reifenspike. Glatt durch die Seitenwand. Irreparabel!

MULDER: Sie haben ein Ersatzrad, oder?

HUMPHREYS: Der rechte Reifen ist auch hinüber.

Humphreys hält das Stück Metall hoch, das fast vollständig aus gezackten Kanten besteht.

"Die Retter der Wälder" nennen das eine Krampe. Die Straßen hier sind mit ihnen übersät. Das ist ein willkürlicher Terrorakt. Stellen Sie sich mal vor, jemand spickt damit die Straßen von Washington, D.C.? Da würden die Sympathisanten ganz schön staunen.

SCULLY: Und wie sollen wir jetzt zum Lager raufkommen?

Moore geht an ihnen vorbei und legt seine Tasche über die Schulter.

MOORE: Wir müssen zu Fuß gehen.

Sie sehen ihm beim Gehen zu. Die Berge sind teilweise von Nebel umgeben. Die vier kommen zum Campingplatz, der verlassen ist. Verlassene Maschinen und Autos sind zu sehen.

Jemand zuhause?

Mulder und Scully gehen in die Waldhütte und sehen, dass Essen auf dem Tisch steht.

MULDER: Die haben ja nicht mal aufgegessen.

SCULLY: Sieht aus, als wären sie überstürzt aufgebrochen..

Scully geht ins Badezimmer. Mulder streicht mit seinem Finger über die Kühlschranktür und bemerkt einen klebrigen Film darauf. Danach nimmt er eine Plastiktüte, öffnet sie, riecht daran. Humphreys kommt herein.

HUMPHREYS: Haben Sie was gefunden?

Mulder hält die Tüte hoch, in der offenbar Marihuana ist.

MULDER: Partyzubehör.

Scully geht aus dem Badezimmer.

HUMPHREYS: Die Fahrzeuge sind alle kaputt gemacht worden, der Stromgenerator auch.

SCULLY: Jemand hat diesen Laden wirklich auf den Kopf gestellt.

HUMPHREYS: Wer auch immer das war, wollte jedenfalls nicht, dass es über den Äther geht.

Das Funkgerät auf dem Schreibtisch ist demoliert. Draußen öffnet Moore eine Motorhaube. Mulder, Scully und Humphreys kommen zu ihm.

MOORE: Die Kühler sind alle voller Reis. Und in den Tanks scheint Zucker oder Sand zu sein. Die haben hier wirklich ‘ne große Nummer angezogen.

Humphreys schaut auf die Uhr.

HUMPHREYS: In anderthalb Stunden geht die Sonne unter.

MOORE: Ich seh mich lieber mal um, bevor es dunkel wird.

Er nimmt seine Tasche und geht weg.

HUMPHREYS: Ich werd sehen, ob ich den Generator in Gang kriege.

Er geht auch weg.

SCULLY: Nun, in einem Punkt hatten Sie recht.

MULDER: Und der wäre?

SCULLY: Bigfoot war's auf gar keinen Fall.

Scully, Mulder und Moore gehen durch ein Ödland voller zerbrochener Äste und riesiger Baumstümpfe. Sie kehren bald zum eigentlichen Wald zurück. Mulder entdeckt eine kokonartige Art von Netz, das horizontal an einen langen Ast gebunden ist.

MULDER: Seht mal da.

SCULLY: Was ist das?

MOORE: Sieht wie ein Bienenstock aus. Könnte auch irgendeine Art von Kokon sein.

MULDER: Aber von welchem Tier denn?

MOORE: Keine Ahnung, ich hab sowas auch noch nie gesehen.

Moore und Mulder heben Scully mittels Flaschenzug zum Kokon hoch. Sie packt den Ast.

MOORE: Können Sie es abschneiden?

SCULLY: Ich denke schon.

Sie holt ein Taschenmesser heraus, als ihr etwas ins Auge fällt. Verrottete Finger ragen durch einen Teil der Kokonhülle. Sie zögert.

MULDER: Alles in Ordnung, Scully?

Bald darauf schneidet Moore den Kokon auf. Er und Scully ziehen ihn auseinander und enthüllen einen halb verrotteten Menschen.

SCULLY: Oh Gott ...

Sie greift hinein und befühlt Hals und Gesicht der Leiche.

Es fühlt sich, äh ... es fühlt sich hart und vertrocknet an, fast ... konserviert.

MOORE: Als wäre er einbalsamiert worden.

SCULLY: Nein, eher als wäre dem Körper alle Flüssigkeit entzogen worden. So ähnlich wie bei gepökeltem Fleisch.

Sie fühlt den Körper weiter abwärts.

Sehen Sie ... er ist männlich.

MULDER: Kaum noch.

MOORE: Ich würde sagen, es ist eine Art Spinnennest oder Insektenkokon.

SCULLY: Welches Insekt könnte einen Mann bis in diesen Baum bringen?

Mulder steht auf und schaut nach oben.

MULDER: Eine dicke böse Spinne.

Zurück im Camp versucht Humphreys, den Generator zu reparieren, als er die Tür knarren hört. Er nimmt seine Schrotflinte und geht vors Haus. Dort sieht er sich um. Ein Klappern im Haus ist zu hören. Jemand isst und trinkt die Essensreste. Der Typ versucht gerade aus einer Tasse zu trinken, als Humphreys hereinkommt.

HUMPHREYS: Keine Bewegung. Wer sind Sie?

Der Mann stellt die Tasse ab und dreht sich um.

Doug Spinney. Ich sollte sie sofort erschießen.

SPINNEY: Könntest genauso gut dich selbst erschießen.

HUMPHREYS: Sie sollten mich lieber nicht provozieren. Was ist mit meinen Männern passiert?

Spinney geht zum Schrank. Humphreys kommt mit und richtet seine Waffe immer noch auf ihn.

SPINNEY: Welchen Männern?

HUMPHREYS: Den Männern, die hier gearbeitet haben.

SPINNEY: Keine Ahnung, was denen passiert ist. Vermutlich dasselbe, was uns passiert, wenn die Sonne untergeht.

Spinney schaut aus dem Fenster. Mulder, Scully und Moore kommen herein.

MULDER: Was tun Sie da?

HUMPHREYS: Dieser Schweinehund ist Doug Spinney. Dieser Mann ist verantwortlich für all die Sabotageakte. Und wahrscheinlich ist er auch ein Mörder.

SPINNEY: Ich bin kein Mörder.

HUMPHREYS: Sie sind ein Lügner.

MULDER: Lassen Sie uns doch mal hören, was er zu sagen hat.

Mulder legt seine Hand auf Humphreys' Schrotflinte. Dieser senkt sie.

SPINNEY: Wenn wir hier noch lange rumstehen und reden, hat bald keiner von uns mehr etwas zu sagen. Ich schlage vor erstmal den Generator in Gang zu bringen. Die Dunkelheit ist unser Feind.

Spinney geht an ihnen vorbei zur Tür, wo Scully und Moore stehen.

HUMPHREYS: Wovon redet er überhaupt?

SPINNEY: Könnte mir jemand helfen?

Er und Moore gehen raus.

HUMPHREYS: Jetzt gibt er auch noch Befehle? Ich hab doch das verdammte Ding schon repariert!

MULDER: Hey, ist ja gut.

Spinney, gefolgt von den anderen vier, geht zum Generator und schraubt den Deckel von einem Gastank ab.

Wieso haben Sie gesagt, dass die Dunkelheit unser Feind wäre?

SPINNEY: Weil sie dann kommen.

Er gießt etwas Erdöl ein.

SCULLY: Weil dann wer kommt?

SPINNEY: Ich weiß nicht, was es ist. Sie fallen vom Himmel, und reißen einen Mann von den Beinen und verspeisen einen dann bei lebendigem Leibe. Ich habe es gesehen.

MULDER: Und wem ist das passiert?

Moore schraubt die Kappe wieder auf, als Spinney den Generator startet. Es funktioniert.

SPINNEY: Ich sterbe vor Hunger. Ich hab seit drei Tagen nichts gegessen.

Er geht an ihnen vorbei zurück in die Waldhütte.

HUMPHREYS: Was für eine blödsinnige Geschichte ist denn das? Glauben Sie das etwa?

SCULLY: Wir haben etwas im Wald gefunden.

HUMPHREYS: Was denn?

MOORE: Eine männliche Leiche, in einem Insektenkokon.

In der Hütte beginnt Spinney, eine Schüssel mit Eintopf zu verschlingen. Mulder sitzt ihm gegenüber. Scully daneben. Moore steht hinter ihnen und Humphreys setzt sich dazu.

MULDER: Was ist hier passiert?

SPINNEY: Wir lagern zwei Täler weiter. Wir waren zu viert, jetzt nur noch zu dritt. Unsere Auto-Batterie war leer, also zogen wir Strohhalme und der Verlierer musste zu Fuß hierher, um einen von den Holzfällern zu stehlen.

Moore gießt Mulder und Scully Tee ein.

MULDER: Warum haben Sie den Wald nicht verlassen?

SPINNEY: Ist mehr als ein Tagesmarsch. Nach Einbruch der Dunkelheit wollten wir nicht mehr draußen im Wald sein. Nicht nach dem, was mit Teague geschehen ist.

SCULLY: Ist das der Mann, von dem Sie sagten, er sei lebend verspeist worden?

SPINNEY: Ja.

MULDER: Was wollten Sie eigentlich hier draußen?

SPINNEY: Campen.

HUMPHREYS: Na klar, eure Art von Camping verstößt gegen die Bundesgesetze.

Moore setzt sich.

MULDER: Nun warten Sie doch mal eine Sekunde, ja?

MOORE: Nein, er hat recht. Der Mann hat ein Verbrechen gestanden. Eigentlich müsste ich ihn verhaften.

SPINNEY zu Humphreys: Und was ist mit ihren Verbrechen, mein Freund? Was ist mit den Verbrechen gegen die Natur?

HUMPHREYS: Wir bewegen uns jedenfalls innerhalb der Gesetze. Wir bezahlen für das Recht, diese Bäume zu fällen.

SPINNEY: Ach ja? Ihre Holzfäller haben aber Bäume gefällt, auf die niemand ein Recht hatte, Bäume, die markiert und geschützt waren. Also erzählen Sie mir nicht, sie wären gesetzestreu... Sir.

MOORE: Die haben markierte Bäume gefällt?

SPINNEY: Ja, Sir, orange gekennzeichnet.

MOORE: Alte Baumriesen? Wissen Sie etwas darüber, Steve?

HUMPHREYS: Nein.

Er steht auf und nimmt seinen Mantel.

Gilt das Wort dieses Mannes mehr als meins?

Keine Antwort. Er zieht seinen Mantel an.

SPINNEY: Sie sollten nicht im Dunkeln rausgehen. Glauben Sie mir wenigstens das. Es ist da draußen.

HUMPHREYS: Was denn? Wenn ich aus dieser Tür gehe, wird mich etwas anfallen, lebend verspeisen und mich dann in sein Netz einspinnen?

SPINNEY: Ja.

HUMPHREYS: Warum kommt es dann nicht hier rein und holt mich?

SPINNEY: Aus irgendeinem Grund fürchtet es das Licht.

HUMPHREYS: Es hat also Angst vor dem Licht, ja?

MOORE: Vielleicht ist etwas dran, was er sagt, Steve.

HUMPHREYS: Wissen Sie, was ich glaube? Dass dieser Mann ein Lügner und Mörder ist und schlau genug, um sich diesen ganzen Quatsch auszudenken. Und der Kokon ist auch ‘ne Fälschung, nur um ein paar Bäume zu retten. Ich werd beweisen, dass ich recht habe.

Er geht mit der Schrotflinte in der Hand hinaus.

Das ist ja lächerlich... Wo ist es, Spinney?

Mulder und Scully gehen einen Schritt nach draußen. Spinney und Moore stehen in der Tür.

Ich dachte, das Ding kommt jetzt gleich und ... verspeist mich!

Eine elektrische Insektenfalle am Haus zieht kurz die Aufmerksamkeit auf sich.

Na los, sei doch nicht so schüchtern! Komm raus!

Hinter einem Baum kriechen viele der kleinen grünen Käfer. Humphreys geht zurück.

Ja, genau wie ich gesagt hab. Hier draußen ist nichts als ein paar Bäumen, deren Wert dieser Mann hier höher einschätzt als ein Menschenleben. Und ich möchte ihn wegen Mordes vor Gericht angeklagt sehen.

Er geht an ihnen vorbei und in die Hütte.

SCULLY: zu Mulder Was sagen Sie dazu?

MULDER: Ich schlage vor, wir lassen das Licht lieber an während wir schlafen.

Scully seufzt und sie gehen hinein, Mulder schließt die Tür hinter sich. Die Insektenfalle geht noch ein paar Mal aus. Nächster Tag. Spinney führt alle zu einem riesigen Baum, der gefällt wurde. Er hat ein orangefarbenes "X" darauf.

SPINNEY: Sehen Sie diese Douglastanne? Sie stand hier schon seit Ewigkeiten und ihre Männer haben sie gefällt.

SCULLY: Wer markiert diese Bäume?

MOORE: Die Bundesforstveraltung. Es sollten nur Bäume mit einem blauen "X" gefällt werden.

Mulder steht auf dem Baumstumpf.

MULDER: Dieser Baum muss Hunderte von Jahren alt sein.

MOORE: Mindestens.

SCULLY: Sie müssen sehr viel Holz aus so einem großen Baum gewinnen.

SPINNEY: Hundert Meter-weise Bretter und es macht weniger Arbeit, als viele kleine Bäume zu fällen.

HUMPHREYS: Darf ich Sie mal dran erinnern, dass Saboteure wie Spinney nicht davor zurückschrecken Bäume mit ihrer eigenen Farbe zu markieren.

MOORE: Dieser Baum war mindestens 500 Jahre alt, wenn nicht sogar älter, Steve.

MULDER: Hey, sehen Sie sich das mal an.

Moore geht hinüber. Mulder zeigt auf einen gelblich-grünen Baumring in der Nähe der Mitte.

Was hat das zu bedeuten?

MOORE: Ich weiß es nicht. Ich habe noch nie einen solchen Ring gesehen.

SCULLY: Die in der Mitte sind die ältesten, oder?

MOORE: Ja. Jeder Ring steht für ein Jahr des Wachstums. Und sehen Sie die hier?

Er zeigt auf die zentralen Ringe.

Die sind bestimmt 500, 600 Jahre alt. Sie geben Zeugnis von Niederschlag und Klima. Aber dieser hier... ich weiß nicht Recht. Ich sollte eine Probe nehmen.

Er nimmt seinen Rucksack ab.

HUMPHREYS: Sind Sie mit dem Naturkundeunterricht fertig? Ich will wissen, was mit diesen Holzfällern passiert ist.

SCULLY: Das versuchen wir herauszufinden, Sir.

HUMPHREYS: Durch Betrachten eines Baumstumpfs? Meinen Sie nicht, dass Sie diesen Mann verhören sollten?

Er zeigt auf Spinney.

MULDER: Ich halte ihn nicht für den Täter.

HUMPHREYS: Ich schon und sie sollten ihn verhaften.

MULDER: Er versucht doch gar nicht zu flüchten!

HUMPHREYS: Nicht, solange eine Waffe auf ihn gerichtet ist. Aber was passiert, wenn hier irgendwann seine drei Kumpels auftauchen und Ihnen das antun, was sie wahrscheinlich auch den beiden Bundesforstbeamten angetan haben? Larry?

MOORE: Ich sagte, ich will nur eine Probe von diesem Baum nehmen.

HUMPHREYS: Da unten wohnen Familien, die Antworten über den Verbleib ihrer Lieben haben wollen, und Sie doch auch! Antworten, die nicht in diesem Baumstumpf zu finden sind.

SPINNEY: Der Tod dieses Baumes ist das einzige Verbrechen, das zu untersuchen ist.

HUMPHREYS: Na, das werden wir ja sehen.

Er geht los.

MOORE: Steve, wo gehen Sie hin?

Er bleibt stehen und dreht sich um.

HUMPHREYS: Ich geh zu ihrem Auto, häng’ mich ans Telefon und lass ein paar Leute hier rauf kommen, die etwas tatkräftiger sind!

MOORE: Steve!

SPINNEY: Lassen Sie ihn gehen. Lassen Sie es ihn selbst rausfinden.

Humphreys geht weg. Zurück in der Hütte betrachtet Moore die Probe durch ein Mikroskop.

MOORE: Das ist merkwürdig. In diesem gelben Ring lebt etwas, eine Art ... winziger Käfer. Das verstehe ich nicht.

Mulder schaut ebenfalls durch das Mikroskop.

SCULLY: Wieso nicht?

In der Probe tummeln sich hunderte winziger Käfer

MOORE: Nun ja, Parasiten greifen einen Baum auf alle möglichen Arten an, aber eigentlich nur die lebenden Teile. Die Blätter, die Wurzeln, die neuen Jahresringe. Nicht mal die besten Bohrer unter den Insekten würden so tief in einem Baum arbeiten.

MULDER: Vielleicht ist das Holz in diesem Ring anders. Sie scheinen sich davon zu ernähren.

SCULLY: Können Sie sie identifizieren?

Mulder steht auf. Sie schiebt das Mikroskop herüber und schaut hinein.

MOORE: Es muss sich um Holzmilben handeln. Aber diese Art hab ich noch nie zuvor gesehen.

MULDER: Könnten sie Hunderte von Jahren in diesem Baum gelebt haben?

MOORE: Ich wüsste nicht wie. Die inneren Ringe sind im Wesentlichen totes Holz. Das Gefäßsystem des Baumes ist auf die paar äußeren Ringe beschränkt, sie brauchen doch Wasser, um zu überleben.

SCULLY: Sie scheinen aber aus dem porösen Holz zu schlüpfen. Vielleicht sind Sie, als Sie die Probe entnahmen, auf ein größeres Nest gestoßen.

SPINNEY: Können die auch einen Kokon bauen?

Sie drehen sich um und sehen, wie Spinney hereinkommt.

Gleich nachdem dieser Baum gefällt wurde, ist Teague gestorben. Ungefähr zur selben Zeit sind auch die Holzfäller verschwunden.

SCULLY: Glauben Sie, diese Milben haben die Männer umgebracht?

SPINNEY: Vielleicht haben sie hunderte von Jahren geschlafen. Und sind ziemlich hungrig aufgewacht.

Humphreys marschiert durch den Wald und steigt in den Lastwagen. Er stellt seine Tasche ab und bemerkt, dass es keinen Schlüssel gibt. Er schaut sich um, findet aber keinen.

HUMPHREYS: Verdammt!

Er seufzt. Die Nacht bricht herein, als er versucht, das Auto zum Laufen zu bringen. Ohne Erfolg. Er steigt aus und geht mit einer Taschenlampe wieder zur Motorhaube. Ein Summen beginnt. Er schaut sich um und nimmt dann seine Schrotflinte.

Na los, Ihr Saboteure! Kommt raus da!

Er leuchtet in die Bäume. Nichts.

Ich weiß, was ihr vorhabt!

Immer noch nichts. Das Summen wird lauter. Er sieht, wie die Milben auf ihn herabschwärmen. Er rennt ins Auto und schließt beide Türen. Als er durch die Windschutzscheibe zu ihnen aufschaut, versucht er, das Auto erneut zu starten. Der Schwarm kommt durch die Luftfilter ins Auto. Er kratzt am Fenster und schreit.

Zurück in der Hütte läuft der Generator weiter. Scully schaut immer noch durch das Mikroskop, während Moore und Mulder auf und ab laufen. Spinney sitzt derweil am Tisch.

MOORE: Humphreys hätte inzwischen zurück sein sollen.

SCULLY: Diese Käfer bewegen sich nicht mehr. Sie sind entweder tot oder sie schlafen.

SPINNEY: Es ist das Licht. Sie mögen das Licht nicht.

SCULLY: Das ist seltsam, ich meine, normalerweise werden Insekten vom Licht angezogen.

SPINNEY: Das sind aber ganz offensichtlich keine normalen Insekten, gelinde ausgedrückt.

Mulder fährt mit den Fingern über mehrere Oberflächen. Der Film darauf scheint sich vergrößert zu haben.

MULDER: Was wissen Sie über Insekten, Scully?

SCULLY: Nur dass, was mit aus dem Biologieunterricht hängen geblieben ist. Dass sie die Grundlage unseres Ökosystems sind. Und dass es sehr viele davon gibt, so an die 200 Millionen kommen auf jeden Menschen.

MULDER: Und es gibt sie schon sehr lange?

SCULLY: Ja, ungefähr 600 Millionen Jahre - es gab sie schon vor den Dinosauriern. Wieso?

MULDER: Und wie alt ist dieser Baum? 5, 6, 700 Jahre?

MOORE: Ja.

MULDER: Und diese Ringe spiegeln die Geschichte der Klimaveränderung wider, was bedeutet, dass es in diesem Jahr im Leben des Baumes ein außergewöhnliches Ereignis gab, das einen abnormalen Ring hervorbrachte.

SCULLY: Und was könnte das gewesen sein?

MULDER: Ein Vulkanausbruch vielleicht. Diese ganze Bergkette, die von Washington nach Oregon verläuft, ist immer noch sehr aktiv. Denken Sie mal an Mount St. Helens?

SCULLY: Ja, aber was hat denn das mit den Käfern zu tun?

MULDER: Nachdem Mount St. Helens ausgebrochen war, wurde eine beachtliche Strahlendosis aus dem Erdinneren freigesetzt und es begann allerlei merkwürdiges zu wachsen. Es wurde da in einem See, eine Amöben-Art entdeckt, die das Gehirn eines Menschen buchstäblich aussaugen konnte.

SCULLY: Eine menschenhirn-fressende Amöbe...?

SPINNEY: Ja, in Spirit Lake gibt es dokumentierte Fälle, von Schwimmern, die infiziert worden sind.

SCULLY: Aber eine Amöbe ist ein einzelliger Organismus. Er kann mutieren. Ein Insekt ist ein komplexes Tier. Eine Mutation bräuchte Jahre, um sich zu entwickeln zu können.

MULDER: Vielleicht haben wir es hier auch gar nicht mit einer Mutation zu tun. Was ist, wenn in diesem Ring die Larven einer Insektenart steckten, die schon längst ausgestorben war? Abgelegt während einer vulkanischen Aktivität und durch das Wurzelsystem des Baumes am Leben erhalten. Uralte Insekteneier. Tausende, vielleicht Millionen Jahre lagen sie schlafend da bis ...

SPINNEY: Bis diese Holzfäller diesen Baum fällen.

Er steht auf.

Das wär doch eine fast poetische Gerechtigkeit, oder? Sie haben das freigelassen, was ihnen den Tod brachte... und Ihrem Freund Humphreys.

Er geht an Moore vorbei zur Schlafzimmertür.

Und wer weiß? Vielleicht auch uns. Angenehme Träume.

Er geht hinein.

MOORE: Vielleicht ist Humphreys auch gleich zur Straße runtergegangen. Wir wissen es bloß nicht. Vielleicht lassen wir uns auch zu sehr von dieser Käfergeschichte mitreißen.

MULDER: Ja, vielleicht.

Sonnenaufgang. Spinney schleicht durch die Hütte, schnappt sich seine Tasche und geht nach draußen. Er nimmt den Benzinkanister und beginnt eine Autobatterie abzuschrauben, als Mulder eine Waffe auf ihn richtet.

Wollen Sie irgendwo hin?

SPINNEY: Nein, ich wollte nur ...

MULDER: Doch nicht etwa das Auto reparieren? Sieht mir ganz so aus, als wollten sie hier abhauen.

SPINNEY: Ich will meine Freunde retten. Sie hatten nur genug Benzin, um ihren Generator fünfzehn, höchstens zwanzig Stunden laufen zu lassen. Sie werden sterben, wenn ich nicht dorthin zurückkomme.

MULDER: Und wieso schleichen Sie sich hier weg?

SPINNEY: Dieser Freddy. Dieser Forstverwaltungs-Heini würde mir niemals trauen.

MULDER: Dazu hat er ja wohl auch keinen Grund. Und ich genauso wenig.

SPINNEY: Hören Sie, ich kann uns alle in Sicherheit bringen. Zwei Täler entfernt steht unser Jeep. Der braucht nur ‘ne neue Batterie. Wenn ich es heute bis dahin schaffe, kann ich sie alle hier morgen früh abholen. Sie müssen mir vertrauen.

Später. Mulder repariert das Funkgerät. Er schaltet es ein.

MULDER: Das Funkgerät geht wieder!

Scully rennt hinein.

SCULLY: Es funktioniert?

MULDER: Ja, aber ich höre nichts. Das Empfangsteil ist vielleicht kaputt.

SCULLY: Und was ist mit dem Sender? Können Sie einen Funkspruch durchgeben?

MULDER: Wir können es versuchen.

Er spricht ins Mikrofon.

Dies ist ein Hilferuf. Hört uns jemand auf dieser Frequenz?

Er dreht etwas am Frequenzregler.

Hier ist Special Agent Mulder vom FBI, wir haben einen Notfall und möglicherweise eine Quarantänesituation. Unsere Position ist ...

Er stupst Scully an, die Karte zu holen, was sie auch tut. Plötzlich geht der Generator aus. Sie gehen ums Haus, zu Moore.

Was ist denn mit dem Generator los?

MOORE: Ich habe ihn ausgeschaltet.

MULDER: Dann stellen Sie ihn wieder an, ich hab das Funkgerät repariert.

MOORE: Wo ist der Benzinkanister?

MULDER: Spinney hat ihn.

MOORE: Er hat ihn? Sie meinen, er ist weg?

MULDER: Ja, er ging heute früh mit einer Batterie und etwas Benzin und will uns morgen früh abholen.

MOORE: Und das hat er Ihnen wohl persönlich garantiert, oder?

MULDER: Ja, er gab mir sein Ehrenwort.

MOORE: Haben Sie mal daran gedacht, dass der Mann, der Ihnen sein Wort gegeben hat, den Widerstand gegen die Behörden zur Kunstform erhoben hat? Und dass er vermutlich derselbe Mann ist, der mir die Windschutzscheibe zerschossen hat?

MULDER: Was hätten Sie denn getan? Zumindest haben wir jetzt eine Chance, hier noch lebend wegzukommen. Und das ist eine mehr als wir vorher hatten.

MOORE: Oder eine weniger.

SCULLY: Wie meinen Sie das?

MOORE: Ihr Partner hat Spinney mit dem letzten Benzin gehen lassen. Der Tank dieses Generators ist noch höchstens viertel voll.

SCULLY: Was ist mit den Tanks der Lastwagen?

MULDER: Da ist kein Benzin mehr drin, die sind alle aufgerissen oder mit Zucker gefüllt.

MOORE: Und zwar von dem Mann, dem wir nun vertrauen, der sein Wort halten wird und uns abholen kommt.

SCULLY: Nun, dann müssen wir eben weiter versuchen einen Notruf abzusetzen.

MOORE: Jeder Tropfen Treibstoff, den wir vergeuden, fehlt diesem Generator vielleicht heute Nacht. Ich möchte nicht hier warten und hoffen, dass vielleicht jemand den Funkspruch hört, wenn dieses Ding gegen zwei Uhr morgens zu laufen aufhört. Sie etwa?

Er geht zurück in die Hütte. Scully sieht Mulder vorwurfsvoll an. Er seufzt. Mulder geht ebenfalls zurück ins Haus. Scully kommt herein und schließt die Tür.

SCULLY: Mulder ...

MULDER: Es ist nun mal geschehen. Ich hätte ihn nicht gehen lassen dürfen. Aber jetzt können wir es nicht mehr ändern?

SCULLY: Na schön. Und was schlagen Sie nun vor?

MULDER: Ich weiß es nicht. Wir lassen uns etwas einfallen.

SCULLY: Sie und ich haben doch eine ziemlich klare Vorstellung, was mit diesen Holzfällern geschehen ist... und mit dieser Gruppe aus dem Jahr 1934.

MULDER: Wir haben doch nur einen Kokon gefunden.

Er steht auf und geht zur Tür.

SCULLY: Es ist ja auch ein ziemlich großer Wald.

MULDER: Na gut, Scully, was hätten Sie denn getan?

SCULLY: Sie wollen wissen, ob ich alleine und über die Köpfe der anderen hinweg diese Entscheidung getroffen hätte?

MULDER: Ach, nun hören sie doch mit diesem Quatsch auf?

SCULLY: Was möchten Sie denn von mir hören? Sie wissen ebenso gut wie ich, dass wir hier sterben können! Wenn wir Glück haben, findet man uns eingesponnen in einem Kokon, wenn wir Pech haben vielleicht gar nicht!

MULDER: Sie haben recht. Und wir verschwenden nur Zeit damit, uns darüber zu streiten.

Mulder geht an ihr vorbei zum Fenster. Sie geht nach ein paar Sekunden zu ihm hinüber.

SCULLY: Was wollen Sie jetzt tun?

MULDER: Wir müssen die Bude hier dicht machen. Wenn wir hier übernachten wollen, sollten wir sicherzustellen, dass die Insekten da bleiben, wo sie sind - nämlich draußen.

Mulder hämmert ein paar Bretter vor die Fenster. Moore kommt herein und bringt weitere Vorräte. Scully schraubt die Glühbirne fester ein.

MOORE: Vorsicht mit der Birne. Es ist die einzige, die im Haus noch funktioniert.

Einbruch der Nacht. Der Generator läuft wieder, zuckelt aber stellenweise. Mulder und Scully liegen auf Feldbetten, Moore sitzt auf seinem Bett. Sie alle sehen zu, wie die Glühbirne arbeitet. Scully schaut in die Ecke und sieht die Milben im Schatten herumlaufen.

SCULLY: Ich kann sie sehen. Seht Euch das nur an.

Sie geht zur Ecke des Raumes. Sie folgen ihr.

Sie kommen da hinten durch die Wand, wo es dunkel ist. Sehen sie?

Sie beugt sich vor und schaut auf ihre Hand. Als ihr Schatten sie bedeckt, ist diese mit Milben übersät. Sie schreit, steht in Panik auf und versucht, sie loszuwerden.

Sie sind auf mir.

MULDER: Schon gut, Scully, Scully ...

Sie geht rückwärts und reibt sich die Arme.

SCULLY: Nehmen Sie sie weg von mir!

MULDER: Hören Sie doch auf! Halten Sie still!

Sie wirbelt wild mit den Armen und schlägt dabei aus Versehen gegen die Glühbirne. Moore greift nach der Birne und sie zu sichern.

MOORE: Whoa, passen Sie doch auf!

Mulder packt sie und hält sie fest.

MULDER: HALTEN SIE DOCH STILL! HÖREN SIE AUF DAMIT!

SCULLY: Können Sie sie sehen? MULDER, NEHMEN SIE SIE WEG VON MIR!

MULDER: Sie sind nicht nur auf Ihnen. Sie sind überall. Ich glaube, das ist dieser ölige Film, mit dem hier alles überzogen ist.

SCULLY: Aber wir sollten doch im Licht sicher sein!

MULDER: Sind wir ja auch. Das Licht hält sie vom Schwärmen ab. Solange wir im Licht bleiben, sind wir sicher!

Die Milben kriechen weiter in den Schatten. Es wird später. Der Tank des Generators ist fast leer. Alle sitzen.

Wie geht es Ihnen?

SCULLY: Wunderbar.

Beide atmen tief ein. Später sitzen sie zusammen und beobachten, wie die Milben herumkriechen.

Es sind oxidierende Enzyme. Genau wie bei Glühwürmchen. Vielleicht spinnen sie ja deshalb ihre Beute ein ... so können sie der Körperflüssigkeit entnommenen Proteine oxidieren.

Das Licht schwankt, geht fast aus. Alle drehen sich hektisch um. Sie sehen es an. Es wird wieder normal.

Was ist, wenn der Generator aus geht? Schwärmen sie dann alle hier rein und trocknen uns aus?

MULDER: In anderthalb Stunden wird die Sonne aufgehen.

SCULLY: Und was dann? Es ist mehr als ein Tagesmarsch hier raus, das schaffen wir nicht vor Einbruch der Dunkelheit.

MULDER: Vielleicht hat jemand unseren Notruf aufgefangen. Und vielleicht kommt jemand, um uns zu retten.

SCULLY: Sie haben diesen Notruf schon vor Stunden durchgegeben. Dann müssten die Helfer inzwischen hier sein.

MULDER: Irgendwie hoffe ich immer noch auf Spinney. Er hat mir sein Wort gegeben, dass er uns hier rausholt.

SCULLY: Und wenn nicht?

MULDER: Dann lassen wir uns was einfallen.

Der Generator stockt und das Licht erlischt. Aber etwas Licht scheint immer noch, wenn auch aus einer anderen Richtung. Mulder und Scully drehen sich um und sehen, dass die Sonne bereits aufgegangen ist. Mulder und Moore gehen zum Lastwagen und überprüfen die Reifen .

Haben Sie Flick-zeug oder vielleicht ein Ersatzschlauch in Ihrem Wagen?

MOORE: Ja.

MULDER: Vielleicht können wir den ja flicken oder wenigstens dazu bringen, dass er die Luft hält und mit dem Ersatzreifen von ihrem Wagen den Berg runterhumpeln. Und falls nicht, können wir jedenfalls per Funk vor dem Warnen, was hier los ist.

Mulder, Scully und Moore gehen zum Lastwagen hinunter. Mulder rollt das Reserverad.

MOORE: Sehen Sie das?

MULDER: Ja.

Sie schauen durch das Seitenfenster auf der Fahrerseite. Humphreys sieht aus wie vor Schrecken erstarrt, umgeben von lauter Spinnweben. Sie hören ein leises Brummen.

MOORE: Hören Sie? Hören Sie das? Das ist ein Auto!

Sie drehen sich um und sehen einen Jeep auf sich zukommen.

MULDER: Nein, das ist ein Jeep!

Der Jeep hält an und die drei rennen hin. Spinney öffnet die Tür.

SPINNEY: Wir müssen uns beeilen! Los doch, schnell!

MOORE: Warten Sie! Was ist mit dem Körper ... Humphreys Körper?

SPINNEY: Lassen Sie ihn hier, ich habe um Hilferuf gefunkt.

Scully steigt auf die Beifahrerseite.

MULDER: Was ist mit Ihren Freunden passiert?

SPINNEY: Sie haben es nicht geschafft. Und wir werden es auch nicht schaffen, wenn wir nicht den Finger ziehen!

Die beiden steigen in das Auto und fahren den Weg zurück, den sie gekommen sind. Die Scheinwerfer gehen an, es ist nebelig und wird dunkel. Alles ist in Ordnung, bis ein Reifen knallt. Eine Krampe hat ihn zerstört.

Ahhh, Scheiße. Verdammt nochmal!

Er steigt aus dem Auto und schaut auf die Reifen.

MOORE: Unglaublich! Das ist so als würde man sich selbst in Fuß schießen

Moore öffnet die Tür und schaut hinaus. Ein vertrautes Summen ertönt. Plötzlich wird Spinney vom Käfer-Schwarm angegriffen. Moore steht immer noch halb auf der Straße.

MULDER: Gehen Sie weg da! Kommen Sie ins Auto zurück!

Moore steigt wieder ein und sie sehen zu, wie Spinney vergeblich versucht, den Ansturm abzuwehren. Spinney stöhnt und schreit, dann läuft er davon. Die Milben dringen ins Auto ein. Die drei fuchteln wie wild um sich. Ihr Schreien wird lauter und länger.

Dann ist es Morgen. Ein Hubschrauber fliegt vorbei, als drei Lastwagen vor dem Jeep halten. Männer in weißen Schutzanzügen steigen aus. Sie öffnen die Tür des Jeeps.

MANN: Wir haben hier einen Notevakuierungsfall. Erbitte Quarantäneausrüstung für zwei, möglicherweise drei Opfer mit einer nicht diagnostizierten Infektion oder Befall durch unbekannten biologischen Bakterienträger. Ich wiederhole, dringende Evakuierung erforderlich. Zwei, möglicherweise drei Opfer ...

Scully bewegt sich etwas unter dem Kokon.


HOCHSICHERHEITSLABOR
WINTHROP, WASHINGTON


Eine kleine Tür rutscht auf und ein Mann in einem Schutzanzug nimmt einen Kanister heraus.

DURCHSAGE: Achtung, an alle Mitarbeiter. Sicherheitsstufe 1, Abteilung 34. Der Kontaminierungsgrad der Verseuchten liegt 300 Prozent über dem zulässigen Wert.

Er trägt es in einen Raum, die wie eine Intensivstation wirkt. Es laufen noch viele andere Sicherheitskräfte in Schutzanzügen herum. Ein Mann geht zu Moore hinüber, der auf einer Trage liegt, angeschlossen an Überwachungsmonitore. Er drückt ein paar Knöpfe an einer Maschine und macht dann dasselbe bei Scully. Mulder kommt herein, weiß gekleidet, mit schweren Verätzungen auf der Haut. Er schiebt ein Beatmungsgerät neben sich her.

MANN: Wie fühlen Sie sich?

MULDER: Besser. Wie sind die Testergebnisse?

Der Mann geht zu einem Schreibtisch und nimmt eine Karte.

MANN: Ihre respiratorischen Tabellen waren gut. Wir waren nur besorgt über das Ausmaß der Schädigung Ihrer Atemwege. Es gab eine große Konzentration einer Chemikalie, die wir als Luciferin bestimmt haben.

MULDER: Und was ist das genau?

MANN: Der gleiche Stoff, den wir in Glühwürmchen und anderen biolumineszenten Insekten finden. Unsere Entomologen versuchen noch immer, die genaue Spezies der Insekten zu bestimmen, mit denen Sie es zu tun hatten.

Mulder und der Mann gehen zu Scully.

MULDER: Und Scully?

Sie ist bewusstlos und hat ebenfalls schwere Verätzungen.

Wie geht es ihr?

MANN: Sie ist sozusagen noch immer nicht über den Berg. Sie hat viel Flüssigkeit verloren. Zwei oder drei Stunden länger in diesem Kokon und sie hätte es vielleicht nicht geschafft.

MULDER: Und ich hab ihr gesagt, dass wir einen netten Ausflug in den Wald machen würden.

Der Mann geht weg.

Wie wollen Sie diese Sache auf den Wald begrenzen?

Er dreht sich um.

Was ist, wenn der Schwarm weiter wandert?

MANN: Die Regierung hat bereits Ausrottungsmaßnahmen angeordnet. Die sind sich sicher, dass die Anwendung einer Kombination von kontrollierten Feuern und Pestiziden den gewünschten Erfolg haben wird.

MULDER: Und falls nicht?

MANN: Das ist keine Option, Mr. Mulder.

Er geht hinaus und überlässt Mulder seinen Gedanken.

Mitgeschrieben von:[Bearbeiten]

  • Autor: Mueschaeeel
  • Dt. Überarbeitung: CayceP
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