6ABX09 Tithonus (deutsches Transkript)

Aus Spookyverse
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Copygif.gif Die Charaktere, Handlungen, Zitate usw., die im folgenden Transkript Erwähnung finden sind © Chris Carter/1013/Fox Entertainment und (in der deutschen Fassung) Cinephon Synchron. Diese Abschrift ist ohne explizite Erlaubnis von den Rechtehaltern von Fans für Fans als Hommage an Akte X erstellt worden, wir verfolgen keinerlei finanzielle Absichten. Die Texte selbst sind Eigentum des jeweiligen Autors.



6ABX09 Tithonus
Die Wahrheit ist irgendwo da draußen!


New York City
Es ist früher Abend. In einem Hochhaus öffnet sich ein Fahrstuhl und eine junge Postverteilerin schiebt ihr Postwägelchen über die Schwelle. Als sich eines der Räder verfängt, hilft ihr ein älterer Mann, Alred Fellig, den Wagen zu befreien.
POST- VERTEILERIN: ( lächelt freundlich) Danke.
Sie macht ihren Weg den verlassenen Gang hinunter, wirft hier und da die Post des Tages ein. Plötzlich dreht sie sich um und sieht Fellig, der sie stumm anstarrt. Sie schiebt den ratternden Wagen weiter und stellt weitere Briefe zu, jetzt sichtlich unruhig. Nachdem sie hastig eine Ecke umrundet, bleibt sie stehen und sieht sich erneut um - wieder steht Fellig da, beobachtet sie und sagt kein Wort. Wieder bei den Fahrstühlen angekommen, drückt die Postverteilerin mehrfach und nervös den Knopf. Mit einem leisen 'Ping' öffnen sich die Türen des Fahrstuhls zu ihrer Rechten. Sie tritt schnell zu fünf anderen Menschen hinein, doch bevor sich die Türen ganz geschlossen haben, streckt Fellig seine Hand dazwischen, hält sie auf und steigt selbst dazu. Die Postverteilerin weicht auf die Rückseite des Fahrstuhls zurück. Fellig blickt in die spiegelnden Fahrstuhltüren und sieht alle Menschen ausser sich selbst in schwarz/weiss. Dann drückt er den Knopf für den 17. Stock. Angekommen, steigt er aus, dreht sich noch einmal um und blickt zurück in den Fahrstuhl. Als sich die Türen nun endlich schließen, atmet die Postverteilerin erleichtert auf. Während der Fahrstuhl seinen Weg nach unten macht, sprengen hastige Füße die Treppe in den Keller hinunter - Fellig, seine Tasche unter dem Arm und schwer atmend. Im Fahrstuhl beginnen die Oberlichter zu flackern. Die Kabine gibt etwas nach und sackt zentimeterweise nach unten, leises Knirschen und Rumoren von Metall ist zu hören. Die Menschen sehen sich verängstigt um. Dann gibt es einen Ruck, die Lichter gehen endgültig aus, die Passagiere schreien auf. Das Kabel reisst und der Fahrstuhl stürzt ab. Im Keller bewegt sich Fellig keinen Zentimeter, als der Fahrstuhl auf dem Boden aufschlägt, die Türen sich mit einer Staubwolke öffnen und die Hand der Postverteilerin leblos herausfällt. Während die Finger zum letzten Mal zucken, macht Fellig Photos, das sich schnell ausbreitende rote Blut das einzig Farbige unter der schwarz/weissen Hand.
FBI Hauptquartier - Washington, D.C.
Mulder und Scully sitzen zusammen mit einigen anderen Agenten in einem Großraumbüro und führen Routine-Überprüfungen am Telefon durch. Keiner hier sieht sonderlich begeistert über seinen Job aus. Mulder schenkt dem Spiel mit einem Feuerzeug mehr Beachtung als seinem Anruf.
MÄNNL. AGENT: ( am Telefon) ... Nur eine Routine-Überprüfung. Hat Mr. Wisnowski Ihres Wissens nach jemals irgendeine Art von illegalen Drogen konsumiert? ( hört sich die Antwort an)
Was für Drogen?
MULDER: ( am Telefon) In der Zeit, die Sie mit Ms. Ermentrout gearbeitet haben, empfanden Sie sie da als vertrauenswürdige Person? ( endlos gelangweilt)
Pünktlich also? Pünktlich ... ist gut.
SCULLY: ( am Telefon) Nein. Nein, Ma'am. Dies ist nur eine Routine-Überprüfung. Mr. ... Mr. Garber ist in keiner Weise mit dem Gesetz in Konflikt geraten.
Ja.
Ok.
Danke für Ihre Zeit. ( legt auf)
Mulder legt die Hand über die Sprechmuschel seine Apparats und beugt sich zu Scully hinüber.
MULDER: Hey Scully, wenn wir richtig Glück haben, lassen sie uns vielleicht nächstes Mal die Toilettenbecken schrubben.
SCULLY: Sind Sie bereit, aufzugeben?
MULDER: Nein. Das würde viel zu viele Leute viel zu glücklich machen.
Scully will gerade die nächste Nummer eintippen, als das Telefon plötzlich klingelt.
SCULLY: ( am Telefon)
( Scully. hört einen Augenblick lang zu)
Ich bin auf dem Weg.
SCULLY: ( flüstert zu Mulder, während sie von ihrem Schreibtisch aufsteht) Ich wurde in Kersh's Büro gerufen. ( Mulder will ebenfalls aufstehen, als Scully im Hinausgehen hinzufügt)
Ich allein.
MULDER: ( überrascht) Sie alleine? ( sieht Scully hinterher, wie sie den Raum verlässt und ruft dann laut)
Vergessen Sie ihre Klobürste nicht!
( dann schnell ins Telefon) Nein. ) lacht gekünstelt) Nein, Ma'am, nicht Sie.
Assistant Director Kersh's Büro
Kersh sieht sich Scully's Personalakte an. Es klopft an der Tür und Scully betritt den Raum, in dem sich auch ein anderer junger Agent, Agent Peyton Ritter, befindet.
KERSH: Agent.
SCULLY: Sir.
KERSH: Dana Scully, das hier ist Agent Peyton Ritter aus unserem New Yorker Büro.
SCULLY: ( schüttelt Ritter die Hand) Agent Ritter.
RITTER: Hi.
KERSH: ( zu Ritter, der ihn nervös ansieht) Zeigen Sie ihr, was Sie haben.
RITTER: Unser Büro bringt zur Zeit das Aktenarchiv auf den neuesten Stand. Ich habe mich daran beteiligt und scannte dabei alte Tatortphotos in den Computer ein. Dabei bin ich hierüber gestolpert.
Er überreicht Scullyeine Akte, die ein Tatortphoto einer toten Frau enthält. Sie liegt auf dem Boden vor ihrem Bett, auf dem Beistelltisch steht eine Uhr.
SCULLY: ( liest laut aus der Akte)

Margareta Stoller, Alter: 57, Todesursache: eine Überdosis Schlaftabletten ... ( sie blickt fragend von Ritter zu Kersh)
RITTER: Sehen Sie sich an, wann man sie gefunden hat.
SCULLY: ( liest weiter) Ein Nachbar rief um 23:14 die Polizei.
RITTER: Richtig. Also, was stimmt nicht mit diesem Bild?
SCULLY: ( deutet auf die Uhr, die 22:29 anzeigt) Die Uhr zeigt an, dass es 45 Minuten früher ist. Nun, eine Uhr kann falsch gehen.
RITTER: Das kann sie sicherlich. Also habe ich die New York Post des darauffolgenden Tages überprüft. Die hier stammen direkt aus deren Photoarchiv.
Er reicht Scully weitere Photos derselben Szene, die Uhr zeigt nun eine deutlich spätere Zeit an, 23:52.
SCULLY: ( deutet darauf) Hmm. Fast 1 1/2 Stunden später.
RITTER: Zwei verschiedene Photos, derselbe Photograph. Ein gewisser Alfred Fellig. ( reicht Scully Fellig's Akte) Er arbeitet seit Jahren in Manhattan, offenbar als freier Mitarbeiter für Nachrichtenagenturen und manchmal auch für die Polizei.
SCULLY: Und sie verdächtigen diesen Fellig? Sie denken, Mrs. Stoller hat keinen Selbstmord begangen?
RITTER: Dieser Typ ist verrückt danach, Photos zu schießen, richtig?! Also habe ich mir überlegt: Was wäre, wenn er diese Frau vergiftet hätte und seinen Kick daraus bekommt, Bilder von ihrer Leiche zu schiessen, bevor er dann eine Stunde später in derselben Wohnung wieder auftaucht, nachdem er von der Polizei hinzugerufen wurde, um Tatortphotos zu machen?
SCULLY: ( wenig überzeugt) Eine abenteuerliche Theorie.
RITTER: Ja, nun, die Sache ist die, er könnte das bei mehr als einer Gelegenheit gemacht haben. Ich habe ungefähr 2000 seiner Polizeiphotos durchgesehen. Diese drei ( gibt Scully die Bilder) wiesen messbare Schatten auf. Und da wir den Ort des Geschehens kennen ...
SCULLY: ... können Sie die Tageszeit anhand der Schatten bestimmen.
RITTER: Genau. Und damit sehen diese drei Photos genauso verdächtig aus.
SCULLY: ( liest die Notizen zu den drei Fällen) Sie haben hier einen weiteren Selbstmord, einen Herzinfarkt und einen sehr offensichtlichen Mord, für den ein anderer Mann verurteilt wurde. Es gibt kein stimmiges Muster.
RITTER: Es gibt überhaupt nichts stimmiges. ( betretenes Schweigen)
Ich könnte Ihre Hilfe gut gebrauchen. ( weiterhin Schweigen)
KERSH: ( zu Ritter) Agent, würden Sie uns bitte kurz alleine lassen?
RITTER: Natürlich.
Ritter verlässt den Raum.
KERSH: Ich würde sagen, er hat eine vielversprechende Karriere vor sich. So wie Sie ... früher einmal. Mit Ihrem Wissen in forensischer Pathologie wären Sie eine große Hilfe bei dieser Ermittlung. Ich bin mir sicher, das wäre eine größere Herausforderung für Sie, als Routinechecks durchzuführen.
SCULLY: Agent Mulder und ich werden sofort mit der Arbeit beginnen.
KERSH: Agent Mulder ist ein hoffnungsloser Fall. Ich hoffe, Sie sind es nicht. Sie und Ritter. Enttäuschen Sie mich nicht.
Scully seufzt resignierend, als Kersh an ihr vorbeigeht.
Ein städtischer Bus hält und ein Arbeiter, Mitte 50 und Angestellter von Blue Collar Worker, steigt aus. Er greift sich kurz an die Brust, scheint sich unwohl zu fühlen. Fellig verfolgt ihn zunächst mit den Augen, dann auch zu Fuß. An einer Bushaltestelle lauert der Arbeiter Fellig auf und spricht ihn an.
ARBEITER: Hey, kann ich Ihnen bei was helfen? Na? Haben wohl nicht an mich gedacht, was?!
Fellig ist zwar unangenehm berührt, ignoriert den Mann aber und versucht, an ihm vorbeizugehen. Der stellt sich ihm in den Weg.
ARBEITER: Fasziniere ich Sie? Sie verfolgen mich seit 'Prospect Park'. Ich muss wirklich faszinierend sein!
Fellig schafft es, sich an dem Arbeiter vorbeizudrücken und geht scheinbar ungerührt weiter.
ARBEITER: ( schreit Fellig hilflos hinterher) Ja, sie tun besser daran, weiterzugehen!
Als der Arbeiter sich umdreht und weggeht, tritt Fellig hinter einem Baum hervor und beobachtet den sich entfernenden Mann.
Pacific Street, Brooklyn
Ein städtischer Bus hält und ein Arbeiter, Mitte 50 und Angestellter von Blue Collar Worker, steigt aus. Fellig tritt hinter einem Baum hervor und beobachtet den Mann. Als er die Strasse überquert, erscheint er für Fellig schwarz/weiss. Zuhause angekommen tritt er in seinen Wohnungsflur, blickt kurz durch die Fenster nach draußen auf die Strasse ohne jemanden zu entdecken und entnimmt dann die Post aus seinem Briefkasten. Als er erneut die Tür passiert, sieht er Fellig draußen vor den Eingangsstufen stehen und zum Haus hochstarren. Der Arbeiter sieht nervös aus, greift sich aber dann plötzlich zunächst an den linken Arm, dann ans Herz. Er krümmt sich vor Schmerzen und sackt dann in einer Ecke zusammen. Als die Haustür plötzlich aufschwingt, steht Fellig vor ihm, die Kamera in der Hand; bereit, um Photos zu schiessen.
FBI Hauptquartier
Obduktionsphotos der Toten neben der Uhr füllen den flackernden Computerbildschirm. Scully sitzt davor und studiert sie, Ritter steht hinter ihr. Sie ist offenbar noch immer skeptisch.
SCULLY: Keine Blutergüsse, keine Ligaturen. Nichts, was auf Fellig's Beteiligung beim Tod dieser Frau hindeuten würde.
RITTER: ( schüttelt den Kopf) Das sagt mir nur, dass er clever ist.
Scully seufzt.
SCULLY: In jedem Fall wurde die Leiche schon vor Jahren eingeäschert, ich werde sie nicht untersuchen können.
RITTER: Also ... gehen wir jetzt nach New York?!
SCULLY: ( offensichtlich genervt) Ja.
RITTER: ( verlässt den Raum) Ich buche uns den nächsten Flug.
Scully nimmt die Akte mit den Photos und verläßt ebenfalls den Schreibtisch.
FBI Großraumbüro


Mulder sieht sich Ritters's Tatortphotos auf seinem Computer an, als Scully aus Kersh's Büro zurückkommt.
SCULLY: Mulder ...
MULDER: Hmm?
SCULLY: ( sieht, was er sich anschaut) Was machen Sie da?
MULDER: Neugierig sein. ( schaut mit wehmütigem Blick zu Scully auf) Mit blutendem Herzen. Sie bearbeiten eine X-Akte.
SCULLY: ( bepackt ihre Aktentasche) Es ist keine X-Akte.
MULDER: Das sehe ich anders. Vielleicht Mord durch Telekinese? Vielleicht eine schamanistische "Todesberührung"? Vielleicht der muslimische Aberglaube, dass zu Photographieren bedeutet, jemandem dessen Seele zu stehlen?
SCULLY: ( ironisch) Danke. Alles sehr hilfreich.
Kurzes Schweigen.
MULDER: Sie trennen uns also, hm?
SCULLY: Nein.
MULDER: Nein?
SCULLY: Das ist eine einmalige Sache.
MULDER: Wer hat Ihnen das erzählt? Falls Sie gute Arbeit leisten, dann werden die Sie sicher nicht hierher zurückversetzen.
Sie sehen sich an. Scully sieht Ritter den Raum betreten.
MULDER: Oder?
Scully geht zu Mulder's Arbeitsplatz und schließt die Tatortphotos, damit Ritter nicht sieht, womit ihr Partner beschäftigt ist.
RITTER: Agent Scully, wir sind soweit.
SCULLY: Peyton Ritter, das ist Fox Mulder.
RITTER: Freut mich, Sie kennenzulernen, Fox.
Mulder steht nicht auf, während er Ritter taxiert und dessen Hand schüttelt.
MULDER: ( freundlich, aber uninteressiert) Das Vergnügen ist ganz auf meiner Seite ...
( betont) Peyton.
SCULLY: ( als sie ihre Tasche zu Ende gepackt hat) Wir können jetzt los.
RITTER: Auf nach New York.
Scully wirft Mulder im Vorbeigehen einen Blick zu. Mulder sieht ihnen auf dem Weg nach draußen nach.
15ter Bezirk, Manhattan
Ritter zeigt einem Polizisten im Innendienst Fellig's Akte.
RITTER: Alfred Fellig. Was können Sie uns über ihn sagen?
POLIZIST i. I.: Was gibt es da zu erzählen? Er ist einer von ungefähr 10.000 Typen in der Stadt, die eine offizielle Erlaubnis haben, Leute zu nerven.
SCULLY: Er arbeitet auch manchmal als Tatortphotograph für Ihr Revier.
POLIZIST i. I.: Ja. Er kommt, macht seine Photos. Bleibt für sich.
SCULLY: ( über Fellig's Personalakte) Hier stehen kaum persönliche Informationen drin.
POLIZIST i. I.: Das soll auch nicht so sein. Es ist nur ein alljährliches Verlängerungsformular.
SCULLY: Wissen Sie vielleicht, wann seine erste Sicherheitsüberprüfung durchgeführt wurde?
Der Polizist i. I. schüttelt den Kopf.
Kurze Zeit später, im Aktenlager des Reviers. Ritter kramt eine Akte aus einem Karton heraus. Scully liest im Hintergrund in einer anderen.
RITTER: Hier ist er wieder. Jährliche Verlängerung, die bis Januar 1970 zurückreicht, aber noch immer kein Original.
SCULLY: Ich glaube ich habe es.
Ritter dreht sich überrascht um.
SCULLY: 1964.
RITTER: Alter Knabe. Irgendetwas interessantes?
SCULLY: Vielleicht.
Scully sieht die von Ritter bereits gefundenen Verlängerungsformulare durch.
RITTER: Was machen Sie?
SCULLY: Sehen Sie sich das an.
Scully blättert durch die Papiere und schaut sich dabei Fellig's Passphotos auf allen Formularen an. Er sieht auf allen gleichalt, etwa 65, aus. 1996, 1992, 1987, 1985, 1973, 1971, 1967, 1964.
SCULLY: 1996. '87. '85. '73.
Scully und Ritter sehen sich an.
RITTER: Dieser Typ ist ein regelrechter Dick Clark.
[Anm. d. Übers.: Dick Clark ist ein amer. Entertainer, der in den Staaten für sein ewig jugendliches Aussehen bekannt ist; er wird auch "America's Oldest Teenager" genannt.]
Ich weiß nicht, was ich Ihnen sagen soll, Dana. Abgesehen davon, dass dieser Kerl schon immer ein alter Knacker war, sieht das hier nach einer Sackgasse aus.
Jerome Avenue, Die Bronx 02:19
Die bei jedem Schritt rot aufblinkenden Fersen der Sportschuhe eines Jungen Mannes erhellen die dunkle Strasse. Er rennt schnell und versucht offenbar, vor jemandem zu fliehen. JUNGER
MANN1: Hilfe! Hilfe! Jemand muss die Polizei rufen!
( zu seinem Verfolger) Was wollen Sie von mir? Sind Sie verrückt?
Er läuft auf die Strasse und direkt rennt vor ein Auto, das in letzter Sekunde abbremst. Er rollt sich über die Motorhaube ab. JUNGER
MANN1: ( zur Frau im Wagen) Bitte helfen Sie mir! Lady, bitte! Helfen Sie mir!
Wenige Momente später wird der Junge Mann in einige Mülltonnen gestossen, die in einer dunklen Gasse stehen. JUNGER
MANN1: ( wieder zu seinem Verfolger)
Man, was wollen Sie von mir?
Man hört das Geräusch eines aufspringenden Klappmessers. JUNGER
MANN1: Oh, man, nein! NEIN!
Das Geräusch von Schlägen ertönt, dann nichts mehr. Der Mörder, Malcolm Wiggins, zieht dem Jungen die Schuhe aus, stockt dann plötzlich, weil er das Surren eines Kameraobjektivs hört. Er entdeckt Fellig über sich auf einer Feuerleiter und rennt davon. Als Fellig zum Opfer geht und weitere Photos macht, steht Wiggins plötzlich wieder hinter ihm und sticht mit dem Messer auf ihn ein. Als Fellig sich nicht mehr rührt, nimmt er die Kamera und läuft weg. Dann bewegen sich Fellig's Finger, er greift nach dem Messer in seinem Rücken, zieht es heraus und lässt es in seiner eigenen Blutlache auf der Strasse liegen, als er verschwindet.
Der Tatort in der Bronx am nächsten Tag. Scully und Ritter nehmen das blutbeschmierte Messer in Augenschein.
RITTER: Die Fingerabdrücke gehören Alfred Fellig. Eindeutige Übereinstimmung mit denen in seinem Verlängerungsantrag von 1964. Ich habe mir die Freiheit genommen, sie in die SAFIs Datenbank einzugeben. Und gleich als erstes heute morgen - boom - da waren sie.
SCULLY: Sie denken das ist Fellig's Werk?
RITTER: Eindeutig. Die Grösse der Wunden passt zum Messer. Er scheint im Alter ziemlich schlampig zu werden.
Scully sieht etwas auf dem Boden.
SCULLY: Was ist denn das?
RITTER: Eine ganze Menge Blut.
SCULLY: Ja, das sehe ich.
RITTER: Es gab offenbar ein zweites Opfer.
SCULLY: Wo ist dann die zweite Leiche?
Ritter schüttelt den Kopf. Ein Polizist kommt auf sie zugelaufen.
POLIZIST1: Sie haben ihren Mann gefunden.
RITTER: Fellig? Wo?
POLIZIST1: Zuhause, vor dem Fernseher. Sie bringen ihn aufs Revier.
RITTER: ( siegesgewiss) JA!
Scully sieht nicht überzeugt aus.
Ein Verhörraum im Polizeirevier des 15. Bezirks. Ritter sitzt am Tisch und bereitet das Mikrophon vor, während Scully auf und ab geht.
RITTER: ( testet das Mikrophon) Test, Test. 14. Januar, 11:36 Uhr. 15ter Bezirk, Manhattan. Anwesende Agents: Dana Scully und Peyton Ritter. Erstes Verhör mit ...
Die Tür öffnet sich und Fellig wird hereingeführt.
RITTER: ... Alfred Fellig.
Fellig läßt sich am Tisch nieder. Ritter stellt das Mikrophon vor ihm ab.
FELLIG: ( lehnt sich ungelenk vor, um ins Mikrophon zu sprechen) Hallo.
RITTER: Sie sind Photograph. ( Fellig nickt.) Ich habe einige Ihrer Arbeiten gesehen. Sie haben sich offenbar auf ein ziemlich düsteres Thema spezialisiert. ( Ritter legt Fellig's Tatortphotos vor ihn auf den Tisch.) Sie kommen sehr häufig mit dem Tod in Berührung. Das muss sie faszinieren.
Fellig wendet seinen Blick ab und blickt Scully an, die an der Wand gelehnt Ritter's Befragung verfolgt.
RITTER: Langweile ich Sie, Mr. Fellig?
FELLIG: Stellen sie mir schon endlich eine Frage.
RITTER: Na schön. Ich möchte wissen, wie es kommt, dass sie immer als erster am Ort des Geschehens sind, sobald jemand stirbt? Sie können das immer photographieren, wie ist das möglich?
FELLIG: Ich habe einen ... einen Riecher für Neuigkeiten.
SCULLY: ( ergreift das Wort) Mr. Fellig, Ihre Fingerabdrücke wurden an einem Tatort auf einer Mordwaffe gefunden. Könnten Sie uns bitte erklären, wo sie sich gestern Nacht aufgehalten haben?
FELLIG: In der Bronx. Ich hatte einen Auftrag. Ich sah irgendsoeinen Ganoven, wie er die Tennisschuhe eines toten Jungen klaute. Er verfolgte mich. Rannte davon.
SCULLY: ( klingt wenig überzeugt) Er rannte davon?
RITTER: Ein nicht-identifizierter Mörder?
FELLIG: Ich nehme an, ich könnte ihn identifizieren.
SCULLY: Ihre Fingerabdrücke wurden auf dem Messer gefunden.
Fellig bewegt sich auf seinem Stuhl, hat dabei offenbar Schmerzen.
SCULLY: Wie kamen sie dorthin?
Fellig antwortet zunächst nicht, murmelt nur leise vor sich hin. Scully wechselt Blicke mit Ritter.
FELLIG: Er liess das Messer zurück. Ich habe es wohl ganz kurz angefasst.
SCULLY: Warum sollten Sie das tun? ( beginnt langsam auf Fellig zuzugehen) Wurden Sie verletzt, Mr. Fellig?
Ritter tauscht Blicke mit Fellig aus, beide fühlen sich unwohl mit der Richtung, die diese Befragung zu nehmen scheint.
SCULLY: Sie scheinen Schmerzen zu haben. Wurden Sie angegriffen? ( Fellig sieht auf) Wir haben eine weitere Blutspur am Tatort gefunden, und, wenn wir es untersuchen lassen, frage ich mich, ob wir feststellen werden, dass es Ihres ist.
FELLIG: Ich wurde geschnitten.
SCULLY: Dürfen wir mal sehen?
Fellig steht auf, dreht sich um und versucht sein Hemd auszuziehen; er stöhnt vor Schmerzen.
SCULLY: Darf ich Ihnen helfen?
Scully hilft ihm, das Hemd herunterzuziehen. Zum Vorschein kommen sechs längliche Blutabdrücke auf seinem Unterhemd. Ritter steht erstaunt auf. Als Scully auch das Unterhemd hochschiebt, sehen sie 6 lange Stichwunden, beinahe schon verheilt. Ritter öffnet die Tür und ruft einen Polizisten herein.
RITTER: Hey. Bringen Sie Mr. Fellig zur Blutabnahme. Und photographieren Sie auch seinen Rücken.
Der Polizist führt Fellig hinaus. Die Tür schließt sich wieder, Ritter und Scully sind alleine im Verhörraum. Scully atmet tief durch.
RITTER: ( gereizt) Hey, jetzt ich bin verwirrt. Ich dachte wir versuchen diesen Typen zu verhaften, nicht nach Gründen zu suchen, ihn wied

er laufen zu lassen.

SCULLY: ( leise) Ich dachte, wir wären auf der Suche nach der Wahrheit.
Ritter verlässt den Raum.
Kurze Zeit später und immer noch im Polizeirevier, erhält Scully einen Anruf.
SCULLY: ( am Telefon) Scully.
Der letzte FBI-Agent knipst im Telefonraum seine Schreibtischlampe aus, nur Mulder sitzt noch immer an seinem Tisch.
MULDER: ( am Telefon, verstellt seine Stimme á la Thurston Howell )
[Anm. d. Übers.: Der Millionär aus der TV-Serie "Gilligan's Island"]
( Hi. Mein Name ist Fox Mulder. Wir haben früher beim FBI nebeneinandergesessen. )
Scully lächelt gequält und seufzt.
MULDER: ( am Telefon) Wie geht es mit Ihrer X-Akte voran?
SCULLY: ( am Telefon) Mulder, es ist keine ...
Ritter, der hinter ihr hergeht, schaut bei dem Namen 'Mulder' auf und dreht sich zu ihr um. Als sie zurückblickt, dreht er sich weg und geht.
SCULLY: Wir haben keine grossen Fortschritte gemacht. Wir haben Alfred Fellig verhaftet und gerade eben wieder entlassen.
MULDER: ( am Telefon, überrascht) Sie können ihn nicht festhalten? Was ist mit den Messerstichen?
SCULLY: ( am Telefon) Woher wissen Sie davon?
MULDER: ( am Telefon) Ich habe Ihnen doch gesagt, ich bin neugierig. Warum lassen Sie ihn gehen?
SCULLY: ( am Telefon) Wir haben es geschafft, ein anderes Paar Fingerabdrücke von dem Messer abzunehmen. Sie gehören einem verurteilten Mörder namens Malcolm Wiggins.
Mulder sucht nach dem Namen in der FBI-Datenbank und wird mit einem Photo belohnt.
SCULLY: ( am Telefon) Das und die Tatsache, dass Fellig's Blut überall am Tatort gefunden wurde, sagt mir, dass seine Geschichte stimmt. Zumindest diese spezielle Geschichte jedenfalls.
MULDER: ( am Telefon) Aber Sie denken noch immer, dass Fellig ein Mörder ist, ja?
SCULLY: ( am Telefon) Ich weiß nicht, was ich denken soll. ( sieht auf, als Fellig an ihr vorbeigeht)
Er ist ... ( dreht sich wieder weg)
ungewöhnlich.
MULDER: ( am Telefon, sieht sich jetzt die Photos von Fellig's zerstochenem Rücken an) So wie ein Stehaufmännchen, sogar nachdem man ihn niedergestochen hat?
SCULLY: ( am Telefon) Mulder, woher bekommen sie diese Infos?
MULDER: ( am Telefon) Der junge Mann, Ritter, hat Zwischenberichte an Kersh geschickt. Mein Computer hat vielleicht versehentlich einige davon abgefangen. Er hat aber nette Dinge über Sie zu sagen ... größtenteils. ( Scully wird unruhig.)
Warum lassen Sie mich nicht Fellig für Sie überprüfen?
SCULLY: ( am Telefon) Mulder ...
MULDER: ( am Telefon) Kommen Sie schon, das ist ... das ist es, was ich jetzt mache. Ich werde langsam gut darin.
Scully seufzt.
Dean Street, Brooklyn 01:53
Ritter sitzt in einem Auto und überwacht Fellig's Wohnung. Scully öffnet die Beifahrertür und setzt sich dazu.
SCULLY: Ich habe eine Straße weiter geparkt. ( Sie reicht Ritter ihre Wagenschlüssel.)
RITTER: Fellig schläft. Ich habe ihn sich seit über 4 Stunden nicht bewegen sehen.
Ritter schüttet den Rest seines Kaffees aus dem Wagenfenster. ( sarkastisch) Haben Sie einen wundervollen Abend.
Scully rutscht hinüber auf den Fahrerplatz, und schaut sich gerade nochmal einige Tatortphotos an, als sie etwas hört: Ein sich schließendes Fotoobjektiv. Sie blickt die Fensterreihe auf Fellig's Etage entlang und entdeckt eine Kamera in einem dunklen Raum. Als der Photograph ihren Blick bemerkt, zieht er sich vom Fenster zurück. Scully schließt die Augen und seufzt.
Ein paar Minuten später, nun innerhalb des Gebäudes, klopft Scully laut an Fellig's Wohnungstür.
SCULLY: Mr. Fellig, machen Sie bitte auf.
Fellig öffnet die Tür. Scully hält ihm sein Tatortphoto der toten Frau neben der Uhr hin, das Ritter ihr zuerst in Kersh's Büro gezeigt hatte.
SCULLY: Erklären Sie mir das.
FELLIG: ( nimmt das Bild in die Hand) Was denn?
SCULLY: Sie haben das Photo eine Stunde bevor die Polizei eintraf aufgenommen. Dann haben Sie diese Tatsache absichtlich vertuscht, indem Sie den Tatort erneut photographierten.
FELLIG: Ich erinnere mich nicht an dieses Photo.
SCULLY: Mr. Fellig, Sie haben eine langwährende und unheimliche Angewohnheit, die erste Person am Ort eines Todesfalls zu sein. Sie haben auch die Angewohnheit, diese Tatsache zu verschleiern. Warum?
FELLIG: Bin ich schon wieder festgenommen?
SCULLY: Sind Sie ein Mörder?
Fellig schüttelt den Kopf.
SCULLY: Dann erklären Sie sich, Sir. Denn ich verspreche, solange Sie es nicht tun, werden Sie keinen Augenblick Ruhe mehr bekommen.
Fellig seufzt und greift nach Mantel und Phototasche.
FELLIG: Wollen Sie mitfahren?
Scully schaut skeptisch drein.
FELLIG: Wenn sie mit mir mitfahren, werde ich es Ihnen zeigen.
Eine Stunde später fahren Fellig und Scully in seinem Auto durch einen düsteren Teil der Stadt.
SCULLY: Wir fahren schon seit einer Stunde. Werden wir die ganze Nacht durch die Gegend fahren?
FELLIG: Ja. Das ist es. Das ist das, was ich mache. Nach dem Photo Ausschau halten.
SCULLY: Welches Photo?
FELLIG: DAS Photo.
Fellig hält den Wagen und deutet auf eine nahebei stehende Prostituierte.
FELLIG: Sie. Sie wird sterben.
SCULLY: Wovon reden Sie?
FELLIG: Es könnte in der nächsten Minute passieren, in der nächsten Stunde, aber es wird passieren. Das ist so sicher wie das 'Amen' in der Kirche.
SCULLY: Hören Sie, Mr. ... Fellig, ich weiß nicht, was Sie vorhaben, aber niemand wird hier sterben.
FELLIG: ( macht seine Kamera bereit) Ich habe garnichts vor. Ich bin nur hier um Ihnen zu sagen, was passieren wird.
SCULLY: ( ungläubig) Dass diese Frau dort drüben ermordet werden wird?
FELLIG: Ich sagte nicht "ermordet". Sie ist Raucherin. Sie könnte an Lungenkrebs sterben. Das "Wie" ist immer eine Überraschung. Ich ... Ich weiß nur immer "Wann".
SCULLY: Sie wollen, dass ich das glaube?
draußen kommt ein Mann auf die Prostituierte zu und spricht sie an.
MANN1: Was machst du denn hier draußen? Ist es nicht ein bißchen kalt? ( er tatscht sie an und wird zudringlich) Alles klar?!
PROSTITUIERTE: Lass mich in Ruhe! Hau ab!
Die Streiterei setzt sich unverständlich fort. Scully starrt Fellig an, der seine Kamera angestellt hat, überlegt dann noch einen Moment und öffnet schließlich die Wagentür, um zu dem streitenden Pärchen hinüberzurennen.
SCULLY: FBI! Keine Bewegung!
MANN1: Verdammt, man! Wo sind Sie denn hergekommen?
SCULLY: Klappe halten! Runter! ( zwingt den Mann auf die Knie und legt ihm Handschellen an)
Zurück!
PROSTITUIERTE: ( stichelt) Jetzt bist du kein so großer Mann mehr, was?!
Scully findet eine Pistole bei der Durchsuchung der Jacke des Mannes.
MANN1: Die Knarre gehört nicht mir, Red.
SCULLY: ( versetzt dem Mann einen Klaps mit der Rückhand ins Gesicht, wendet sich dann an die Prostituierte)
Sind Sie in Ordnung?
PROSTITUIERTE: Ich verschwinde!
Sie macht den ersten Schritt auf die Strasse, als sie sofort von einem heranrauschenden Bus erfasst wird. Scully starrt schockiert zuerst die Tote, dann Fellig's Auto an, das sich langsam in Bewegung setzt und wegfährt.
Der nächste Morgen, 08:00 Uhr auf dem Polizeirevier. Ritter entdeckt die gerade mit dem Mann in Handschellen hereinkommende Scully und läuft wütend zu ihr, während sie den Mann dem nächsten Polizisten übergibt.
RITTER: Dana, was zum Teufel ist hier los?
SCULLY: ( zum Polizisten) Tätlichkeit und Besitz einer nicht-registrierten Handfeuerwaffe. ( nach einem Blick auf den schäumenden Ritter) Ich bin in einer Minute wieder da.
RITTER: Warum haben Sie mich nicht früher angerufen?
SCULLY: ( genervt, und als würde sie mit Kleinkind reden) Ich entschuldige mich.
Scully läßt Ritter stehen und geht auf die Suche nach einem freien Raum.
RITTER: Sie haben die Überwachung abgeblasen?
Scully stößt die Tür auf und wartet, bis Ritter ihr gefolgt ist und die Tür geschlossen hat.
SCULLY: Das soll keine Beleidigung sein, aber die Überwachung war schon aufgeflogen, bevor ich überhaupt dort eintraf.
RITTER: Also, warten Sie mal ... Sie haben die Überwachung abgeblasen und was dann? Haben Sie eine kleine Spritztour mit ihm gemacht?
SCULLY: Ich habe Fellig über seine Beteiligung an den Todesfällen befragt, die er photographiert hat. Ist das Ihrer Meinung nach ok?
RITTER: Was hat er gesagt?
SCULLY: Er sagte, dass er weiß, wann Menschen sterben werden. Schauen Sie, falls New York ein 'Guter Samariter'-Gesetz verabschiedet, könnten wir es vielleicht schaffen, ihn deswegen festzunageln, andernfalls bezweifle ich, dass wir ihn für Mord dranbekommen.
RITTER: Falsch. Lassen Sie mich Ihnen etwas zeigen.
Ritter verlässt den Raum. Scully zögert einen Moment, folgt ihm dann aber doch. Kurz darauf blicken Ritter und Scully aus dem Überwachungsraum neben dem Verhörzimmer Malcolm Wiggins ins Gesicht, dem Mörder des Jungen mit den aufleuchtenden Turnschuhen.
RITTER: Wir haben Mr. Wiggins letzte Nacht festgenommen. Er sagt, dass Fellig diesen Jungen in der Seitenstrasse getötet hat, und nicht er. Er sagt er sei nur zufällig vorbeigekommen und hätte um sein Leben kämpfen müssen.
SCULLY: ( ungläubig) Ein verurteilter Mörder, halb so alt wie Fellig.
RITTER: Er sagte, er wäre freiwillig gekommen, aber er hatte Angst, wir würden ihm nicht glauben.
SCULLY: Er hat Recht. Sagen Sie mal, Ritter, hatte er irgendwelche Hilfe, diese Geschichte zusammenzuschustern?
RITTER: ( defensiv) Hören Sie. Fellig ist ein Mörder. Ob er nun diese bestimmte Tat begangen hat oder ob nicht, ist mir egal. Hauptsache, wir kriegen ihn vor Gericht.
SCULLY: Kein Richter wird wegen dieser Story einen Haftbefehl ausstellen.
RITTER: Nein, nein, nein. Ich kenne den Richter. Wir haben ihn bis Mittag.
Scully sieht Ritter abschätzig an, dreht sich um und geht. Ritter setzt ihr nach.)
RITTER: Wissen Sie, Kersh hat mich vor Ihnen gewarnt.
SCULLY: ( bleibt stehen und sieht Ritter in die Augen) Hat er das?
RITTER: Ja. Vor Ihnen und Ihrem Partner - sein Ruf eilt ihm voraus, ich nehme also an, ich hätte es kommen sehen müssen. ( mit gepresster Stimme und deutlich intensiver) Wenn Sie meinen Fall verpfuschen, wird Kersh davon erfahren. Ist das klar, Dana?
SCULLY: ( korrigiert ihn kalt) Scully.
Scully's Handy klingelt.
SCULLY: ( zu Ritter) Diese Unterhaltung ist beendet.
Ritter verlässt den Raum, während Scully den Anruf annimmt.
SCULLY: ( am Telefon) Ja?
MULDER: ( am Telefon) Hey, Scully. Wie läuft's mit der X-Akte? Und bevor Sie mir sagen, dass es keine ist ...
SCULLY: ( am Telefon) Es ist eine.
MULDER: ( am Telefon, überrascht) Was ist passiert?
SCULLY: ( am Telefon) Alfred Fellig scheint eine ganze Menge über den Tod zu wissen.
MULDER: ( am Telefon) Ach ja? Nun, das ist nicht überraschend, wenn man bedenkt, dass er das reife Alter von 149 Jahren erreicht hat.
SCULLY: ( am Telefon) Wie bitte?
MULDER: ( am Telefon) Ich habe in den Aktenarchiven seinen Hintergrund überprüft. Diese Sachen sind so alt, dass die Akten nichtmal im Computer gespeichert sind. Alfred Fellig existiert zwar nicht vor 1964, aber ein gewisser Henry Strand schon. Er beantragte 1939 einen Presseausweis von der Polizei von Jersey City im Alter von 53 Jahren. Seine Fingerabdrücke stimmen mit Fellig's überein.
SCULLY: ( am Telefon) Aber Mulder, da muss irgendwo ein Fehler vorliegen.
MULDER: ( am Telefon) Denken Sie? Denn dieser Henry Strand existiert nicht vor 1939. Aber ein L.H. Rice ist aktenkundig, weil er an der Aufnahmeprüfung für angehende Staatsdiener in New York teilgenommen hat. Die Akten zeigen zwar nicht, ob er bestanden hat oder nicht, aber sein Daumenabdruck? Fellig's. Wollen Sie wissen, wann L.H. Rice geboren wurde? 4. April, 1849. Ich bin zwar nicht gut in Mathe, aber ich kann mir vorstellen, dass das eine ganze Menge Kerzen auf dem Geburtstagskuchen sind.
SCULLY: ( am Telefon) Ich habe Zeit mit diesem Mann verbracht und er kann nicht älter als 65 Jahre sein.
MULDER: ( am Telefon) Ich ... Ich denke, das ist genau das, was er Sie glauben machen will. Wir reden hier über einen Mann, für den die Strafe 'lebenslänglich' wirklich ernsthafte Konsequenzen hätte. Ich denke Sie sollten ihn finden, bevor er verschwindet und wieder jemand anderes wird.
Fellig geht nach Hause zu seinem Apartment-Gebäude und stoppt an der Haustür, als er dort Scully vorfindet, die offenbar bereits auf ihn gewartet hat. Sie folgt ihm hinauf in seine Wohnung. Fellig setzt seine Kameratasche ab und stellt den Polizeifunk an.
SCULLY: Sie werden festgenommen, Mr. Fellig, in zwei Stunden. Wegen Mordes. Und dieses Mal werden Sie nicht einfach Ihren Namen ändern können.
FELLIG: Ich habe Ihnen letzte Nacht gezeigt, was ich tue. Ich mache nur die Photos.
SCULLY: Was Sie mir gezeigt haben, war ein verachtenswerter Mangel an Mitgefühl für andere Menschen. Sie haben mir gezeigt, dass Sie vom Tod anderer Menschen profitieren. Also, warum sollten Sie nicht ins Gefängnis gehen?
FELLIG: Wollen Sie etwa, dass ich um sie weine? Wollen Sie, dass ich vorgebe, Mitleid für sie zu empfinden? Das tue ich nicht. Glückspilze. Jeder einzelne von ihnen.
SCULLY: ( starrt ihn an) Glückspilze?
FELLIG: Ich bin nur da, um das Photo zu bekommen. Ich hole diese Menschen nicht. Er tut es.
SCULLY: Wer ist "Er"?
Fellig betrachtet sie einen Moment lang abschätzend, dann dreht er sich um und verschwindet hinter einem langen schwarzen Vorhang. Scully folgt ihm und betritt eine Dunkelkammer. Fellig knipst ein Licht an und zeigt Scully das Photo der sterbenden Postverteilerin, das er nach dem Abstürzen des Fahrstuhls gemacht hat. Ein rauchiger Schatten entsteigt ihren Augen. Fellig deutet darauf.
FELLIG: Das ist er. Er ist derjenige, der sie holt.
SCULLY: Sie behaupten, das hier ist eine Photographie vom Tode selbst?
FELLIG: Es ist ein flüchtiger Blick. Nur ein flüchtiger Blick. Aber es ist näher, als ich ihm gekommen bin seit ... ich kann die Jahre nichtmal zählen.
SCULLY: Und das hier ist das Photo, von dem Sie gesprochen haben. Das ist ... was sie suchen und finden.
Fellig nickt.
SCULLY: Mr. Fellig, mir ist klar, dass Sie mehr über Photographie wissen als ich. Aber das hier ist nur eine Spiegelung, eine Reflexion auf dem Objektiv.
FELLIG: Sie haben Recht. Ich weiß mehr über Photographie als sie.
SCULLY: ( seufzt) Ok. Ich ... Der Diskussion zuliebe: Warum das alles? Ich meine, warum ein Bild vom Tod machen?
FELLIG: Damit ich in sein Gesicht sehen kann. Damit ich sterben kann. Tabletten funktionieren nicht. Rasierklingen, ( zeigt Scully seine narbenübersäten Handgelenke) Gas, Brücken ... Ich kann Ihnen garnicht sagen, von wie vielen Brücken ich gesprungen bin. Alles was ich werde, ist nass. Ich wurde zurückgelassen. Ich will nicht mehr hier sein. Ich kann mich nichtmal mehr an eine Zeit erinnern, in der ich es noch wollte. ( deutet auf seine Dunkelkammer) Das hier ist ... das ist alles, was ich mir einfällt ... was ich tun kann.
SCULLY: Ich glaube Ihnen nicht.
FELLIG: Doch, das tun Sie. Deswegen sind Sie hier.
Scully sieht sich genauer in der Dunkelkammer um. Sie knipst eine weitere Lampe an, die daraufhin einige alte Photoalben mit Fellig's Bildern erhellt. Eines davon zeigt eine sterbende Frau in der Mode der 20er Jahre. Scully berührt das Bild mit den Fingerspitzen, fühlt sich offensichtlich dazu hingezogen.
SCULLY: Wie kommt es, dass Sie wissen, wann Menschen sterben werden?
FELLIG: Oh ... Sie jagen es lange genug, Sie greifen es auf.
Scully's Augen verweilen noch immer auf dem Bild der toten jungen Frau. Ihr Blick wandert etwas tiefer bis zur Signatur am unteren Bildrand: 'Louis Brady Photography, 1928'.
SCULLY: Entschuldigen Sie mich.
Scully verlässt die Dunkelkammer, betritt einen anderen Raum und schließt die Tür hinter sich. Sie nimmt ihr Handy aus der Tasche und wählt eine Nummer.
MULDER: ( am Telefon) Mulder.
SCULLY: ( am Telefon, sehr leise sprechend) Mulder, ich bin's.
MULDER: ( am Telefon) Hi.
SCULLY: ( am Telefon) Diese anderen zwei Namen, die sie erwähnten, die Fellig sich zulegte - Strand und Rice?
MULDER: ( am Telefon) Ja, Henry Strand und L.H. Rice.
SCULLY: ( am Telefon) Was ist mit Louis Brady?
MULDER: ( am Telefon) Ähm ... ( kurze Pause, während Mulder den Namen checkt) Nein. Aber es gibt da eine große Lücke vor 1939.
SCULLY: ( am Telefon) Überprüfen Sie das für mich?
Außerhalb des Raums, in dem Scully leise telefoniert, steht Fellig und hört jedes Wort mit.
SCULLY: ( am Telefon) Ich bleibe hier, um sicherzugehen, dass er nicht abhaut. Louis Brady, Mulder. Sagen Sie mir, was Sie herausfinden.
Scully legt auf und steckt das Handy in ihre Manteltasche. Dann kehrt sie durch den nun leeren Flur in die Dunkelkammer zurück.
SCULLY: Mr. Fellig?
Fellig rempelt sie von hinten an.
FELLIG: Oh. Entschuldigen Sie. Ich habe gerade einen Film draußen. Warten Sie einen Moment.
Fellig schaltet ihr Handy aus, dass er ihr gerade aus der Tasche gestohlen hat und legt es in eines der sie umgebenden Regale. Er schaltet das Licht an und macht sich wieder an seinem Film zu schaffen.
FBI Archiv 09:32
Mulder wandert die langen Reihen mit Bücherregalen hinunter und überfliegt dabei die Titel auf den Buchrücken. Vor einem großen alten Album bleibt er stehen und nimmt es heraus. Er schlägt es auf und findet eine Urkunde mit Fellig's Passphoto - "Vom FBI gesucht: Brady, Louis Robert". Er überfliegt das Dokument - "Verbrechen: Doppelmord, Datum der Tat: 21. Juli, 1929, Datum der Verhaftung; 2. August 1929, Verurteilt zu: 85 Jahren". Mulder greift zu seinem Handy.
In New York fährt Ritter gerade in einem Auto, als sein Handy klingelt.
RITTER: ( am Telefon) Ritter.
Mulder steht vor seinem Schreibtisch im Großraumbüro und stopft Akten in seine Tasche.
MULDER: ( am Telefon) Agent Ritter, hier ist Agent Mulder. Ist Agent Scully bei Ihnen?
RITTER: ( am Telefon) Nein, ist sie nicht. Und finden kann ich sie auch nicht.
MULDER: ( am Telefon) Ich auch nicht und ihre Telefongesellschaft meint, ihr Handy sei ausgestellt.
RITTER: ( am Telefon) Was kann ich für Sie tun, Agent?
MULDER: ( am Telefon) Naja, Sie können Sie für mich finden.
RITTER: ( am Telefon) Hören Sie, Agent Mulder, ich bin gerade auf dem Weg, um Alfred Fellig festzunehmen.
MULDER: ( am Telefon) Gut, ich glaube da ist sie sowieso. Und Sie hatten Recht, Fellig ist ein Mörder. Unter dem Namen Louis Brady erstickte er in einem Krankenhaus in Connecticut zwei Patienten. Er gab an, er hatte vor, den Tod einzuholen. Nach einem Jahr im Gefängnis verschwand er von einem Freigang. Die Suche wurde nie offiziell eingestellt.
Mulder verlässt mit vollgepackter Tasche das FBI-Gebäude.
RITTER: ( am Telefon) Wann war das?
MULDER: ( am Telefon) 1929.
RITTER: ( am Telefon) Whoa whoa whoa! Wann?
MULDER: ( am Telefon) Hören Sie, Ritter, kümmern Sie sich nicht um die Zahlen. Er ist es. Fahren Sie einfach hin und finden Sie Agent Scully.
RITTER: ( am Telefon) In Ordnung, ich bin unterwegs.
Fellig's Wohnung. Scully beobachtet Fellig beim Arbeiten mit dem Film. Sie selbst lehnt nachdenklich in einem Türrahmen.
SCULLY: Wissen Sie, die meisten Menschen wollen für immer leben.
FELLIG: Die meisten Menschen sind Idioten. Was einer der Gründe ist, warum ich es nicht will.
SCULLY: Ich denke, Sie liegen falsch. Wie kann man zu viel Leben haben? Es gibt zu viel zu lernen, zu erfahren.
FELLIG: 75 Jahre ... sind genug. Glauben Sie mir. Wenn Sie ewig leben, beginnen Sie früher oder später über die grosse Sache nachzudenken, die sie verpassen, und die jeder kennenlernen darf, nur Sie nicht.
SCULLY: Was ist mit Liebe?
FELLIG: Was, hält die ewig? ( Scully wirft ihm einen fragenden Blick zu.) Vor 40 Jahren fuhr ich runter zur City Hall, ins Aktenarchiv. Stadtarchiv oder wie auch immer sie das nennen. Ich wollte meine Frau nachschlagen. Es ... störte mich, dass ich mich nicht mehr an ihren Namen erinnern konnte. Liebe währt ... 75 Jahre, falls man Glück hat. Man will nicht mehr bleiben, wenn sie fort ist.
Fellig sieht Scully an und sie erscheint ihm plötzlich schwarz/weiss vor den bunten Farbtö

pfe im Regal hinter ihr.

FELLIG: Seien Sie dankbar.
Wieder in der Dunkelkammer stellt Fellig das Rotlicht an, das den Raum in ein orangefarbenes Halblicht taucht.
SCULLY: Warum sind Sie so? Ich meine, falls das wahr ist, geben Sie mir so etwas wie einen Beweis. Helfen Sie mir, etwas zu finden, was einer wissenschaftlichen Prüfung standhalten kann.
FELLIG: Es hat nichts mit Wissenschaft zu tun. Jemand nahm meinen Platz ein.
SCULLY: Nahm ihren Platz ein?
FELLIG: Ich kenne ihren Namen nicht. Ich glaube nicht, dass ich ihn jemals kannte. Ich hatte Gelbfieber, damals als halb New York daran gestorben ist. Der Washington Square Park war ein gebräuchliches Massengrab, so viele Leichen hatten sie. Sie begruben sie nicht sehr tief. Sie hüllten sie in gelbe Laken, und die gelben Laken ragten aus dem Schlamm heraus. Ich lag in einer städtischen Seuchenstation. Ich war verrückt vor Fieber. Und ich sah ihn. Sah den Tod. Ich wünschte, ich hätte damals eine Kamera gehabt. Zunächst sah ich ihn nur aus dem Augenwinkel. Dann wurde er deutlicher, begann durch den Raum zu huschen und er holte sich diesen Menschen und nahm jenen mit. Nur sein Gesicht sah ich nie. Ich wollte sein Gesicht nicht sehen. Ich nahm an, falls ich es sähe, würde er auch mich holen.
SCULLY: Aber er tat es nicht.
FELLIG: Nein. Da gab es eine Krankenschwester. Sie tat alles, was in ihrer Macht stand. Damals hatte die medizinische Wissenschaft von Tuten und Blasen keine Ahnung - sie hat es immer noch nicht - aber sie tat alles, was sie konnte. Sie saß bei mir, hielt meine Hand und ... Ich lag auf meinem Totenbett. Dann kam er meinetwegen. Ich sah ihn nicht an. Ich schloß meine Augen und drehte meinen Kopf weg. Ich sagte ihr nicht, dass sie ihn nicht ansehen solle. Ich wollte, dass sie ihn ansah. Ich wollte, dass sie ihn statt meiner ansah. Und dann kam ich wieder zu Bewußtsein, und das Fieber sank. Sie trugen sie hinaus, gehüllt in ein gelbes Laken. Damals habe ich erkannt, dass man vorsichtig damit sein muss, was man sich wünscht. Ich habe meine Chance verpasst. Sie haben grosses Glück, wissen Sie das?
SCULLY: Wie meinen Sie das? ( Fellig dreht sich weg und geht.) Warten Sie mal. ( holt ihn ein und stellt sich vor ihn) Sagen Sie, was Sie gerade denken. Sie meinen "glücklich" wie die anderen? Sie wollen, dass ich glaube, dass ich kurz davor stehe, zu sterben?
FELLIG: Ich will nur das Photo machen.
SCULLY: Sie haben schon Photos von mir gemacht, Sie haben gestern Nacht Photos von mir gemacht. Ist das der Grund?
FELLIG: Das war etwas anderes.
SCULLY: Ich werde nicht sterben! ( Fellig stellt die Kamera an.) Machen Sie sie aus.
FELLIG: Nein.
SCULLY: ( packt die Kamera) Stellen Sie sie ab, sofort! Legen Sie sie hin!
FELLIG: Es gibt nichts, was man jetzt noch tun kann.
Scully fesselt ihn mit Handschellen an den Tisch, schaut auf ihre Uhr und sucht dann hastig in ihren Taschen nach ihrem Handy. Als sie es nicht findet, blickt sie Fellig an.
SCULLY: Sie haben mein Handy geklaut. Warum?
FELLIG: Bitte. Geben Sie mir eine Chance.
SCULLY: Was wollen Sie vor mir verbergen?
FELLIG: Er kommt ...
SCULLY: ( lauter diesmal) Was wollen Sie vor mir verbergen!?
FELLIG: ( ebenfalls lauter) Er kommt und Sie sollten einfach ihren Frieden damit machen.
SCULLY: Halten Sie den Mund!
Man hört die Eingangstür splitternd aus den Angeln springen.
FELLIG: Er ist hier.
Der Vorhang öffnet sich. Scully schirmt ihr Augen gegen das grelle Licht ab, das hindruchfällt, als sich langsam ein dunkler Schatten in Form eines Mannes vor die Helligkeit schiebt. Fellig starrt ebenfalls hin, hebt seine Kamera. Ein Schuss ertönt, Fellig's Kameraobjektiv zerspringt in tausend Teile. Er sackt getroffen zusammen. Scully, die direkt hinter ihm gestanden hat, starrt Ritter nur scheinbar fassungslos an. Der Schatten wird zu Ritter, der Scully verwirrt anstarrt.
RITTER: Agent?
Scully sinkt langsam zu Boden. An dem Balken, an den sie sich gelehnt hatte, hinterlässt sie eine lange Blutspur. Sie ist getroffen und blutet stark. Ritter kniet sich neben sie nieder.
RITTER: ( geschockt) Oh Gott. Nein, nein, nein. Nein. Nein. Nein. Nein. Nein. Nein.
Ritter fühlt Scully's Puls, wählt dann die Nummer des Notrufs.
RITTER: ( über sein langsames Handy) Komm schon. Komm schon, verdammt. ( zu Scully, als er erneut ihren Puls fühlt) Ich hole Hilfe. ( rennt hinaus) Wir brauchen hier Hilfe!
Fellig setzt sich auf. Blut rinnt aus dem zerborstenen Objektiv seiner Kamera. Er erblickt Scully und greift nach einer Handkamera auf dem Tisch. Durch das Objektiv sieht er sie wieder schwarz/weiss und um ihr Leben ringend. Plötzlich legt er die Kamera beiseite.
FELLIG: ( sanft) Sehen Sie ihn? ( eindringlicher) Sehen Sie ihn?
Scully gibt nur ein kraftloses Röcheln von sich.
FELLIG: Sehen Sie nicht hin. Schließen Sie Ihre Augen.
Scully schließt ihre Augen und Fellig nimmt ihre Hand. Er blickt auf, starrt scheinbar ins Nichts und ein erlöster Ausdruck, einem Lächeln nicht unähnlich, breitet sich auf seinem Gesicht aus, als er tot zurücksackt.
NYU Medical Center Eine Woche später
Mulder steht vor Scully's Krankenzimmer und beobachtet durch das Fenster, wie Ritter mit ihr redet. Als dieser den Raum verläßt, begegnen sich die beiden Männer.
MULDER: ( flach) Sie Glückspilz.
Ritter antwortet nicht, nickt ein "das habe ich wohl verdient"-Nicken und geht. Mulder betritt Scully's Raum. Er lächelt ihr zu und die beiden tauschen einen kompliziert und einstudiert aussehenden Handshake aus.
MULDER: Der Bericht des Gerichtsmediziners über Fellig ist da. Er besagt er starb an einer einzelnen Schußwunde. ( zuckt die Schultern) Das ist alles.
Mulder setzt sich auf die Bettkante.
MULDER: ( jetzt fröhlicher) Ich habe mit Ihrem Arzt gesprochen und er sagt Sie machen riesige Fortschritte. Sie erholen sich schneller, als er es jemals bei einem Patienten gesehen hat.
SCULLY: ( nachdenklich) Wissen Sie, Mulder, ich weiß garnicht wie ich den Gedanken hegen konnte. Kein Mensch lebt ewig.
MULDER: Nein, nein. Ich denke er hätte. Ich glaube aber, dass der Tod erst dann nach einem Ausschau hält, sobald man das Gegenteil von ihm sucht.
Mulder und Scully sehen sich einen langen Moment in die Augen.


Mitgeschrieben von:

  • Autor: Katherine (Webseite)
  • Betaleser: Agent "das klingt so ... englisch" Rap (Email)
  • Anmerkungen:
    • Dieses Transkript enthält auch Abschriften der zwei aus der Episode herausgeschnittenen Szenen; diese widersprechen teilweise der Gesamtheit der Folge, so wie sie im Fernsehen zu sehen war, sie gehören also nicht zum Kontext, sondern sind lediglich zu Vergleichszwecken beigefügt worden und entsprechend gekennzeichnet worden.
    • Der Wortlaut dieser Abschrift orientiert sich am englischen Originalton der Episode, nicht der deutschen Synchronisation/Übersetzung und auch nicht am englischen Transkript. Es ist eine freie Abschrift der Episode.