4X12 Der Golem (deutsches Transkript)

Aus Spookyverse
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Copygif.gif Die Charaktere, Handlungen, Zitate usw., die im folgenden Transkript Erwähnung finden sind © Chris Carter/1013/Fox Entertainment und (in der deutschen Fassung) Cinephon Synchron. Diese Abschrift ist ohne explizite Erlaubnis von den Rechtehaltern von Fans für Fans als Hommage an Akte X erstellt worden, wir verfolgen keinerlei finanzielle Absichten. Die Texte selbst sind Eigentum des jeweiligen Autors.


4X12 Der Golem
Die Wahrheit ist irgendwo da draußen!

Bemerkung von KIT-X: Diesmal gibt's mal ein - wie nennt es spooky17 doch gleich? - "richtiges" Transkript von mir. ;-) Und ich muss wirklich sagen, dass das hier sehr viel einfacher war, als die Übersetzung der amerikanischen Skripte zur 6. Staffel - auch wenn ich mir die Folge mehrmals habe ansehen müssen, um ja kein Detail zu vergessen. Ich bin kein Ass, was Hebräisch angeht, dennoch sind einige hebräische Gebete bitte geht nicht leichtfertig mit den Texten um, sie sind unantastbares Kulturgut, Ausdrücke und Worte in diesem Skript zu finden. Das verdanke ich der Hilfe von Chajm Guski. - Vielen Dank noch einmal an dieser Stelle. - Wer mehr über die Kultur und die Traditionen der Juden erfahren, oder den kompletten Text des Kaddish haben möchte habe hier nur den letzten Teil wiedergegeben, den, der in der Folge zu hören war, wendet sich bitte an die folgende Internet-Adresse: http://www.talknet.de/~chajmg/index.htm.

Also, dann wünsche ich euch viel Spaß beim Schmökern. Ich freue mich über jedes Comment und jeden Vorschlag eurerseits. Dieses Mal hat auch KajaM einige Kommentare einfließen lassen. Thanx, KajaM!

Anmerkung KajaM: Keine Ursache... mach' ich doch gerne!

KIT-X-NOTIZ: Freut mich.

Bis zum nächsten Mal (dann wieder eine Übersetzung, voraussichtlich 6ABX10 S.R. 819 - steht noch auf meiner "Mach-mal-Liste", *lol*.) eure KIT-X (kit-x@yahoo.com)

Ein weiterer Disclaimer ist hier angebracht: Die hier wiedergegebenen Auszüge von hebräischen Gebeten stammen aus dem Talmud. Ich wiederhole mich, aber noch einmal die Bitte an euch: Diese Auszüge dürfen nicht kommerziell genutzt werden! Vor Allem nicht von Goijms, okay?! Also, nicht leichtfertig damit umgehen! Danke.

Drei Bemerkungen am Rande:

  • Mark Snow, selbst Jude, hatte Spaß daran, für die Musik der Folge verschiedene Klarinetten-, Violin- und Cello-Soli zu komponieren; für eine der Synagogenszenen bediente er sich überdies bei Johann Sebastian Bachs Kleiner Fuge in G Moll. "Das Ziel war, irgendwo zwischen einer Klezmer-Kapelle und Schindlers Liste zu landen", erklärt er.
  • Isaac Luria, das Mordopfer, verdankt seinen Namen dem berühmten Rabbi Isaac Luria. Dieser wird als Vater des jüdischen Mystizismus und als ein wichtiger Einfluss für die Kabbala, das Hauptwerk des mystischen Wissens der Juden betrachtet.
  • Einigen historischen Quellen zufolge wurde Mary Shelley durch den Mythos des Golem zu ihrem Frankenstein inspiriert.

Quelle: Das offizielle Kompendium, Band 3 - Leugnen Sie alles, vgs-Verlag, DM 34,00


Erstausstrahlung dieser Folge: 16. Februar 1997,
in Deutschland: 2. November 1997
Editor: Michael S. Stern
Drehbuch: Howard Gordon
Regie: Kim Manners


TEASER


JÜDISCHER FRIEDHOF BEN ZION
BROOKLYN / NEW YORK


Auf dem Friedhof steht eine Versammlung chassidischer Juden vor dem Grab eines jungen Mannes namens Isaac Luria. Sie sind allesamt schwarz gekleidet und tragen runde Hüte sieht man nur bei orthodoxen Juden, glaube ich. Sie rezitieren auf hebräisch aus dem Kaddish (KIT-X-NOTIZ: Bitte nicht mit dem "Kiddush", dem Tischgebet, verwechseln!), dem Gebet für die Verstorbenen. Das Gebet wird von einem der Anwesenden vorgelesen, alle anderen fallen beim "Amen" mit ein.

... we-jamlich kudscha brich hu bemalchute wikare, bechajechon uwjomechon, uwchaje dechol bejt jisrael, ba-agala uwisman kariw, we-imru amen. Le-ela min kol birchata we-schirata, tuschbechata wenechemata damiran be-alma, we-imru amen. Jehe schlama raba min schmaja wechajim towim, alenu we-al kol jisrael, we-imru amen. Oseh schalom bimromaw, hu berachamaw ja-aseh schalom alenu we-al kol jisrael, we-imru amen. Anmerkung von Chajm Guski: Das Kaddisch-Gebet selbst darf nur in einem Minjan - ein Quorum von zehn erwachsenen Juden - gesagt werden. KIT-X- NOTIZ: Dann haben die Macher von "Akte X" hier Mist gebaut, es sind nämlich mehr als zehn. *g*

Der Tradition gehorchend, wirft jeder der Anwesenden eine Handvoll Erde auf den Sarg. In stiller Trauer nimmt auch Isaacs Witwe, ARIEL LURIA, an der Zeremonie teil. Die Erinnerung an den Tag seines Todes kehrt zurück...


LEBENSMITTELGESCHÄFT

Szene von Isaac in seinem Lebensmittelgeschäft. Man hört einen dumpfen Schlag, Isaac fällt zu Boden, hält sich mit schmerzverzerrter Miene den Bauch. Die Teenager stehen über ihm.

TONY OLIVER: Na los! Geht nach hinten!

Einer der Jungen steigt über Isaac hinweg und steuert auf den hinteren Bereich des Geschäftes zu, zögert aber, starrt auf den stöhnenden Isaac hinab.

TONY OLIVER: Nun mach schon!

Ein weiterer der Jungen geht mit dem ersten in den hinteren Teil des Geschäftes. Isaac hat Blut im Gesicht. Er liegt noch immer auf dem Boden, blickt zu TONY OLIVER hinauf, einen verzweifelten Ausdruck in den vor Angst und Schmerz geweiteten Augen. TONY OLIVER hebt eine Pistole an und entsichert sie.


FRIEDHOF

ARIEL LURIA ist die letzte der Trauernden, die, gestützt von ihrem Vater JACOB WEISS, vor dem Grab verharrt. Ihr Vater, Mitte Sechzig, aber noch ziemlich kräftig, mit einer irgendwie ruhigen Ausstrahlung, lehnt sich zu ihr, flüstert in ihr Ohr.

JACOB WEISS: mit ruhiger, verständnisvoller Stimme Wenn du nicht willst, musst du das nicht unbedingt tun.

ARIEL: mit Nachdruck, versucht, stark zu sein Doch, ich möchte es.

Sie bückt sich, umklammert eine Handvoll Erde. Vor ihrem geistigen Auge erscheint einer der Teenager vor ihrem Mann Isaac...

LEBENSMITTELGESCHÄFT

Isaac sieht zu TONY OLIVER hinauf.

ISAAC: schwer atmend, heiser Warum tust du das?

TONY OLIVERS Gesicht ist hart. Seine Antwort auf Isaacs Frage sind zwei Schüsse...

FRIEDHOF

ARIEL LURIA zuckt zusammen, während wir die verhallenden Schüsse hören. Sie hält noch immer die Erde in der Hand, unfähig, sie fallen zu lassen. JACOB WEISS umfasst sanft das Handgelenk seiner Tochter.

JACOB WEISS: leise, aber fordernd Komm, wir gehen.

Die Erde fällt aus ARIELS Hand in das Grab. Sie und ihr Vater entfernen sich von der Gruppe, die sich des Begräbnisses wegens auf dem Friedhof versammelt hat. Sie blickt noch einmal zurück. Es ist windig, die braunen Blätter werden über den Friedhof geweht. Die Kamera schwenkt hinauf, eine kahle Baumkrone füllt nun das Bild. Von Fern ist ein Donnergrollen zu vernehmen.

FRIEDHOF
NACHTS

Noch immer die Baumkrone, doch nun in der Dunkelheit. Regen rauscht, es donnert. Während das Unwetter tobt, formen zwei bloße Hände die Erde neben Isaacs Grab. Der Schlammberg nimmt die Gestalt eines Mannes an. Der Eindringling weicht zurück; wieder kracht der Donner. Der Mensch entfernt sich rasch. Plötzlich beginnt sich die Gestalt aus Erde zu bewegen. Wir sehen deutlich, wie sich der Brustkorb hebt und senkt. Das Wesen ist am Leben...

VORSPANN

FBI-ZENTRALE
WASHINGTON, D.C.
BÜRO DER X AKTEN

Wir sehen eine Nahaufnahme eines Führerscheins mit folgenden Daten: New York State, Driver License - Luria, Isaac, 1934 Avenue B, Brooklyn NY, Eyes brn, Sex m, Birthdate: 06/10/71.

SCULLY: Sein Name war Isaac Luria. Er lebte in Williamsburg, Sektion Brooklyn, das schon seit Ende des 19. Jahrhunderts die Hochburg einer Sekte von chassidischen Juden ist.

MULDER: während er die Akte durchblättert, sein Blick wandert von ihr zu Scully Das ist doch ein Viertel, das für seine Rassenkonflikte und Verbrechen aus Hass bekannt ist. Yankel Rosenbaum, Tawana Brawley...

SCULLY: Und nun Isaac Luria. Er ist in seinem Laden vor zwei Tagen ermordet worden. Furchtbare Schläge und Kopfschüsse, die aus unmittelbarer Nähe abgefeuert worden sind. Die Polizei schließt Raub aus, weil das einzige, was fehlte, dieses Videoband war. Sie holt ein Videoband hervor und schiebt sich an Mulder vorbei, während er sie fragend anblickt. Aus der Überwachungskamera. Die Polizei hat es heute Früh gefunden.

MULDER: Und wo?

SCULLY: schiebt die Kassette in den VCR Im Videorecorder des sechzehnjährigen Tony Oliver. Sie startet das Band. Er ist der am oberen Bildrand.

Wir sehen die Aufnahmen der Überwachungskamera aus dem Geschäft. Die beiden Teenager halten Isaac fest, während TONY OLIVER ihn brutal schlägt.

MULDER: Ist er verhaftet worden?

SCULLY: Nein. nach einer kurzen Pause Weil er tot ist. Offenbar wurde er erwürgt, als er sich dieses Band gerade angesehen hat.

MULDER: Das ist ja wie im Alten Testament.

SCULLY: Ja, aber mit einem völlig neuen Dreh. Die Polizei von Brooklyn kontaktierte heute das FBI wegen der Überprüfung von ein paar interessanten Fingerabdrücken, die sie vom Leichnam des Jungen abgenommen haben.

MULDER: fällt ihr ins Wort Inwiefern interessant?

SCULLY: Insofern, als dass es die von Isaac Luria sind.

MULDER: leicht belustigt Der aus dem Grab auferstanden ist, um seinen Tod zu rächen? Anmerkung KajaM: Oha! Jetzt haben wir Mulder auf frischer Tat beim Zweifeln erwischt! *g* KIT-X-NOTIZ: Das der dazu fähig ist... - War wohl zu lange mit Scully zusammen, *bg*

SCULLY: Ja, wahrscheinlich glauben manche Leute das sogar - und vermutlich möchte jemand, dass wir das auch glauben.

MULDER: verstehend, mit einem leichten Lächeln Sie vermuten was anderes.

SCULLY: Ich halte es genauso für ein Verbrechen aus Hass, wie das, aus dem es hervorging. Und dieser Hass reicht viertausend Jahre zurück. Aber er markiert sich hier als etwas anderes, als der halbherzige Versuch, eine... - mörderische Vergeltung als eine Art geisterhafte Gerechtigkeit zu tarnen.

MULDER: Ein Auferstehungsschwindel.

SCULLY: Kein besonders guter...

MULDER: Ja, und Geister hinterlassen für gewöhnlich auch keine Fingerabdrücke. - Casper jedenfalls nicht.

SCULLY: Also, irgendwie muss der Killer ja an die Fingerabdrücke von Isaac Luria gekommen sein - und wir haben den Auftrag, zu beweisen, wie.


DIE WOHNUNG DER FAMILIE WEISS
WILLIAMSBURG
NEW YORK


Wir hören ein Klopfen an einer Tür. Dann sehen wir Scullys Hinterkopf und einen Teil der Schulter, sie blickt auf die Holztür vor sich, die nun JACOB WEISS einen Spalt breit öffnet. Misstrauisch betrachtet er die beiden Agenten. SCULLY trägt ein schwarzes Kostüm mit einer weißen Bluse, darüber einen hellbraunen Mantel. MULDER trägt einen schwarzen Anzug, eine grünrote Krawatte und einen schwarzen Mantel. Er blickt sehr ernst - und irgendwie verunsichert - drein. Er späht kurz durch den Türspalt ins Innere der Wohnung, man kann jedoch kaum etwas erkennen.

SCULLY: Verzeihung, Sir, wir sind vom FBI. Wir würden gerne mit Ariel Luria sprechen.

Keine Antwort. JACOB WEISS wechselt einen kurzen Blick mit MULDER, der irgendwie scheu wirkt. Er weiß um die Schiwa - die siebentägige Trauerfeier, und es ist ihm unangenehm, diese zu stören.

SCULLY: etwas verwirrt Ist sie zu Hause?

JACOB WEISS: Ich bin Ariels Vater, Jacob Weiss. - Warum belästigen Sie sie jetzt wieder? Sie hat doch schon mit der Polizei gesprochen.

ARIEL erscheint hinter ihrem Vater. Sie ist komplett in Schwarz gekleidet und trägt ein Kopftuch.

ARIEL: Ist schon gut, lass sie rein. Sie öffnet die Tür etwas weiter. Bitte, kommen Sie.

Scully und Mulder treten ein. Eine Handvoll zumeist ältere Männer sitzen im Raum. Klare Zeichen der Schiwa. Die Spiegel sind mit schwarzen Tüchern bedeckt - wie alles, was in irgendeiner Weise glänzt.

SCULLY: Danke.

ARIEL: Wir können uns im Arbeitszimmer unterhalten.

IM ARBEITSZIMMER

Großaufnahme eines Briefes, in großen Lettern steht "New York" auf dem Briefkopf, neben einem Wappen ?, etwas weiter unten steht "Consent for Exhumation". In dem Text - man kann ihn leider nicht komplett lesen - wird ARIEL LURIA davon in Kenntnis gesetzt, dass die beauftragten FBI-Agenten - also MULDER und SCULLY - dazu autorisiert sind, Isaacs Leiche wieder auszugraben und diese zu untersuchen. JACOB WEISS überfliegt die Zeilen und reicht den Brief dann weiter an seine Tochter. Er wirkt verärgert und traurig zugleich.

JACOB WEISS: bitter Also deswegen sind Sie hier. Ausgerechnet darum bitten Sie heute in diesem Haus der Trauer? hebt verständnislos die Hände an und lässt sie wieder sinken

MULDER will darauf etwas erwidern, blinzelt und klappt den Mund wieder zu. Es ist offensichtlich, dass ihm gar nicht wohl dabei ist, ARIEL und ihrem Vater diese Nachricht überbringen zu müssen - noch dazu während der noch andauernden Schiwa. Inzwischen wissen wir ja, dass MULDER selbst Jude ist. Daher konnte ich seine hier gezeigten Reaktionen besser analysieren.

ARIEL: Was ist das?

SCULLY: Wir bitten Sie um Ihre Erlaubnis, das Grab von Isaac öffnen zu dürfen.

JACOB WEISS: wütend NEIN! Die Antwort lautet nein! Er dreht sich um, geht mit einem grimmigen Blick, den er auf den Agenten ruhen lässt, zum Fenster hinüber - schwarze Vorhänge... - und starrt hinaus.

ARIEL: Warum müssen Sie das unbedingt tun?

SCULLY: Wir suchen nach Beweisen im Mordfall dieses jungen Mannes. Sein Name ist Tony Oliver.

Sie reicht ARIEL das Foto von TONY OLIVER aus der Polizeiakte, No. 90376842.

SCULLY: Er ist einer der drei Verdächtigen, die Ihren Mann umgebracht haben könnte. Wir glauben, dass es ein Akt der Vergeltung war, und dass die anderen zwei Verdächtigen auch gefährdet sind.

ARIEL: Er ist noch ein halbes Kind.

JACOB WEISS: Er war ein Tier! Ein Monster, genau wie die anderen, die Isaac ermordet haben, dessen Grab wir jetzt für Sie entweihen sollen, damit Sie seine Mörder beschützen können!

ARIEL: Vater, bitte.

JACOB WEISS: zeigt mit dem Finger anschuldigend auf die Agenten Aber wo waren Sie, als Isaac Ihren Schutz brauchte? Während der langen Pause wird MULDER eingeblendet, der recht schuldbewusst dreinschaut. Seine Lippen formen sich zu einem leisen "Oh", JACOB WEISS fährt wütend fort. Als wir die Polizei riefen, wurde uns gesagt, wir wären paranoid MULDER weicht an dieser Stelle JACOB WEISS' Blick aus. und es gäbe keinen Grund zur Sorge. mit wachsender Verbitterung, doch schon ruhiger, fast traurig Doch das sagen sie immer, wenn jemand die Juden bedroht.

MULDER: das erste Mal, dass er an diesem Ort spricht Also gab es eine spezifische Gewaltandrohung?

JACOB WEISS: Gewaltandrohung ist doch ständig vorhanden! Er bückt sich und holt einen Papierkorb unter dem Schreibtisch hervor, stellt ihn auf die Tischplatte und holt ein Papier heraus. Erst heute Morgen ist das hier unter unserer Tür hindurchgeschoben worden!

Er reicht Mulder ein antisemitisches Flugblatt, auf dem "How AIDS was created by the Jew" steht. Über diesen bösartigen Worten ist eine primitive Karikatur zu sehen.

MULDER: liest leise vor "Die Schuld der Juden an AIDS"...

Anmerkung KajaM: Und das ist ja leider Gottes noch einer der harmloseren Vorwürfe, die man den Juden seit Menschengedenken gemacht hat. Während der Kreuzzüge (11.-13.Jh.) kam es zu schweren Ausschreitungen gegen die sog. "Christusmörder". Im dt. Kaiserreich gab man ihnen die Schuld an der wirtschaftl. Krise, weil die Juden als einzige das Recht auf Zinsnahme und somit einen wesentlichen Vorteil im Handel den Christen gegenüber hatten. Im 19. Jh. stempelte man sie als eigene "Rasse" ab, obwohl sie ja nur eine eigene Religion haben, und warf ihnen Zerstörungspläne des Christentums vor. 1903 brachte die Geheimpolizei des russ. Zaren gefälschte Protokolle in Umlauf, mit denen man den Juden "Weltherrschaftspläne" unterstellen wollte. Na ja, und zum 3. Reich braucht man ja wohl nichts mehr zu sagen, oder?

KIT-X-NOTIZ: *traurigseintu* Nein, das braucht man wirklich nicht. Ich hoffe, die Menschen sind etwas schlauer geworden, und haben daraus gelernt... - Vielleicht tragen wir mit diesem Skript auch ein wenig dazu bei, dass man mal darüber nachdenkt, und sich darüber klar wird, was die Juden schon alles durchgemacht haben... - Und noch mehr hoffe ich, dass wir zur weiteren Verständigung beitragen.

Wieder Unsicherheit in MULDERS Blick. Er sieht zu ARIEL, die ihn anschaut.

JACOB WEISS: Und jetzt fordern Sie unsere Hilfe, anstatt uns zu helfen. Damit Sie Ihr Recht dem einzigen Mann aufzwingen können, der die Gerechtigkeit in seine Hände nahm!

MULDER: steckt das Flugblatt in die Innentasche seines Mantels Wir wären froh, die Grabruhe nicht stören zu müssen, aber Sie müssten uns sagen, wer dieser Mann ist.

JACOB WEISS: Selbst wenn ich es wüsste, warum sollte ich es Ihnen sagen?!

JACOB WEISS starrt MULDER an, der den Blick senkt.

MULDER: leise Weil...

SCULLY: fällt ihm ins Wort, energische Stimme, MULDER schließt die Augen und schweigt Weil wir versuchen, einen Mord aufzuklären, Sir, und Sie sind vom Gesetz dazu verpflichtet, uns Hilfe zu leisten.

JACOB WEISS: Ich weiß alles über Ihre sogenannten Gesetze!

SCULLY: Sir, ich befürchte, dass wir auch ohne Ihre Einwilligung die Erlaubnis des Richters zur Exhumanierung von Isaac kriegen werden.

JACOB WEISS wendet den Blick ab.

ARIEL: steht auf Tun Sie, was Sie für richtig halten.

JACOB WEISS: abfällig Ach!

ARIEL: stellt sich neben ihn Aber lassen Sie uns in Ruhe... und in Frieden um ihn trauern.

Sie ergreift die Hand ihres Vaters und zieht ihn aus dem Zimmer. MULDER seufzt und sieht den Beiden nach, während SCULLY den Brief wieder zusammenfaltet und sich dann ebenfalls umdreht, um JACOB WEISS und ARIEL LURIA nachsehen zu können. In ihren Augen ist Misstrauen zu lesen, während MULDER einfach nur Mitleid zu empfinden scheint.

DRAUSSEN

MULDER und SCULLY verlassen das Haus, eilen durch den Regen zu ihrem Auto - diesmal ein rotes, wie ich feststelle, *lol*. Anmerkung KajaM: Ich warte ja immer noch darauf, daß sie endlich mal ein gelbes haben! KIT-X- NOTIZ: Dann würde man sie doch mit der Post verwechseln... *bg*

IM AUTO:

MULDER sitzt - natürlich - am Steuer, reibt sich nachdenklich die Stirn. SCULLY schnallt sich an, während sie spricht.

SCULLY: Ich habe das Gefühl, er weiß, wer Tony Oliver umgebracht hat, Mulder. Und er möchte nicht, dass wir Lurias Grab anrühren, weil er weiß, was wir da finden.

MULDER: widerstrebend Ja, vielleicht...

Er zieht das antisemitische Flugblatt aus der Brusttasche seines Mantels hervor.

MULDER: ... aber es fällt schwer, ihm deswegen einen Vorwurf zu machen, wenn man so etwas sieht. Er reicht SCULLY das Flugblatt. Wenn jemand einem Volk, das so viel Verfolgung und Hass erlebt hat, Gerechtigkeit bringt, warum sollten sie ihn nicht beschützen?

SCULLY: fordernd Gerechtigkeit oder Rache?

MULDER: Ich glaube schon, dass diese Jungen immer mit der vollen Härte des Gesetzes bestraft werden müssen, aber der Hass geht von beiden Seiten aus.

SCULLY: Ja, aber das Recht auf freie Meinungsäußerung schließt Mord nicht ein.

MULDER: verdreht kurz die Augen, wendet sich dann aber wieder ihr zu, spricht mit eindringlicher Stimme Und ich möchte wetten, wer immer das gedruckt hat, kennt die Mörder von Isaac Luria - und weiß wahrscheinlich auch, wer Tony Oliver getötet hat.

Die beiden tauschen einen langen, bedeutungsvollen Blick aus, während MULDER den Zündschlüssel dreht und der Wagen anspringt.

AUF DER STRASSE

Der Wagen entfernt sich. Eine nasse, matschige Gestalt steht nahe einer Baustelle und blickt dem Wagen hinterher. Wir sehen nicht viel von dieser Gestalt, nur ein Bein, einen Arm und eine Hand, mit einem Schriftzug darauf. Die Schrift ist hebräisch. Wir sehen ARIEL, die am Fenster steht und hinausblickt.

BRUNJES COPY SHOP, 15-25 AVENUE J

Wir hören BRUNJES' Stimme, bevor wir ihn sehen. Er hat braune Haare und trägt eine Brille.

BRUNJES: Ja, ich kannte ihn. Ihm hat der Laden gegenüber gehört. Aber ich müsste lügen, wenn ich sage, dass ich davon überrascht wurde.

MULDER und SCULLY, die vor dem Tresen stehen, wechseln verwirrte Blicke.

MULDER: Wieso denn?

BRUNJES: Na ja, Sie wissen doch, wie die sind. Die versuchen immer nur auf Kosten der hart arbeitenden Bevölkerung zu bereichern.

Anmerkung KajaM: Und da haben wir wieder so ein Beispiel! KIT-X-NOTIZ: Right, KajaM, es gibt leider immer noch Leute, die so denken...

SCULLY ist von dieser Aussage ziemlich schockiert, während MULDER noch ruhig zu bleiben versucht.

MULDER: Hat vielleicht irgend jemand einen Greuel gegen ihn gehegt?

BRUNJES: Ich würde sagen, die meisten Leute hier.

MULDER: gefährlich ruhig Sie auch?

BRUNJES: zögert Warum? Sie haben mich doch nicht etwas unter... Verdacht, oder? lacht etwas gekünstelt

SCULLY: Nein, nicht direkt, aber diese jungen Männer schon. - Und wir nehmen an, dass Sie sie kennen. Sie legt zwei Fotos aus der Polizeiakte auf den Tresen. Linkes Foto trägt die Nummer 783065452, das rechte Foto die Nummer 922666548 Ihre Namen sind Derek Banks und Clinton MacGuire.

BRUNJES: Tut mir leid, aber ich kenne die beiden nicht.

KIT-X-NOTIZ: Gott, er könnte nicht freundlicher klingen - aalglatter Typ!

MULDER: Kennen Sie vielleicht das hier? Er zeigt ihm das Flugblatt, wir sehen es nun ganz. Am unteren Ende befindet sich sogar ein Hakenkreuz und eine Schrift, die leider zu klein ist, um sie entziffern zu können. Wir glauben, die beiden jungen Männer haben dies gekannt. Und es hat sie zum Mord an Isaac Luria angestiftet.

BRUNJES' Lächeln verschwindet schlagartig. Er starrt MULDER an. Er sieht aus wie ein Zeuge Jehova's auf Lauer, *lol*. Tut so, als bekäme er gerade eine Offenbarung... Anmerkung KajaM: Vielleicht ahnt er ja, daß ihm das Jüngste Gericht bevorsteht! KIT-X-NOTIZ: Jetzt, wo man ihn auf die drei Teens angesprochen hat...

BRUNJES: Sie arbeiten auch für sie, nicht wahr?

MULDER: schneidend Für wen?

BRUNJES: Sie wissen schon, Sie sehen aus, als ob Sie selbst einer wären!

MULDER kann darüber nur lachen, senkt aber den Kopf und weicht BRUNJES' stechendem Blick aus. SCULLYS Miene verhärtet sich, lange macht sie das Spielchen nicht mehr mit. Sie hat genug von BRUNJES' rassistischen Kommentaren, kann sich aber noch unter Kontrolle halten. Ihr Blick jedoch spricht Bände.

SCULLY: Wir arbeiten für das FBI, Sir.

BRUNJES: Und für wen arbeitet das FBI?

SCULLY lächelt MULDER an, so als wolle sie sagen, wer ist dieser Drecks****? Anmerkung KajaM: Diesen Gedanken kann man ihr auch nicht verübeln! KIT-X-NOTIZ: Nein, absolut nicht!

BRUNJES: so aalglatt und selbstgefällig, dass kaum noch eine Steigerung möglich ist Genau. Sie nennen mich paranoid, weil die genau das von Ihnen erwarten. Nennen Sie mich, wie Sie wollen, aber nicht einen Zionisten-Kollaborateur.

SCULLY: Werfen Sie noch einmal einen Blick auf diese Fotos. Sie schiebt die Bilder etwas näher an das widerliche Ekelpaket heran. Das ist möglicherweise Ihre letzte Chance, ihnen das Leben zu retten.

BRUNJES starrt erneut zu MULDER hinüber, der seinen Blick kühl erwidert.

Die Szene wird auf einer Überwachungskamera fortgesetzt, schwarzweiß

EIN HINTERZIMMER DES BRUNJES COPY SHOP

Das Fernsehgerät ist eingeschaltet, und das Video von SCULLY und MULDER wird abgespielt.

SCULLY: Einer ihrer Komplizen, ein junger Mann namens Tony Oliver, wurde heute Früh ermordet aufgefunden.

BRUNJES: Warum erzählen Sie mir das?

SCULLY: Haben Sie die Gerüchte noch nicht gehört?

BRUNJES: Was für Gerüchte?

Einer der Teenager, DEREK BANKS, ist in dem Raum und verfolgt das Geschehen im Fernsehen.

SCULLY: Dass Luria von den Toten zurück ist, aus seinem Grab auferstanden wäre.

COPY SHOP

Zurück im vorderen Teil des Geschäftes.

BRUNJES: abfällig, mit einem leichten, spöttischen Lächeln Was für ein jüdischer Trick ist denn das?

MULDER: trocken Der ist von einem Juden schon vor zweitausend Jahren gezeigt worden.

BRUNJES starrt MULDER an, der nickt - keine Ahnung, ob er scherzt oder das, was er sagt, ernst meint. SCULLY schenkt MULDER ein leichtes Lächeln. Während SCULLY weiterspricht, nimmt MULDER eine äußerst herausfordernde Haltung an, und BRUNJES fixiert ihn, achtet nicht auf SCULLY: MULDER starrt zurück.

SCULLY: Wir halten uns nur an die Beweise. Sie können ja Ihre eigenen Schlüsse ziehen. Sie legt - besser "knallt" - BRUNJES eine Visitenkarte auf den Tresen. Aber ich gehe davon aus, dass Sie nicht verantwortlich sein wollen für die... Gefährdung des Lebens dieser jungen Männer.

Sie nimmt die Fotos wieder an sich, steckt sie ein und steuert auf die Tür zu. Während sie aus dem Laden tritt, wendet sich MULDER noch einmal an BRUNJES. Seine Stimme klingt gleichgültig, irgendwie abfällig, aber seine Haltung ist nach wie vor herausfordernd.

MULDER: Gott segne Sie.

BRUNJES starrt ihn voller Kälte an, MULDER starrt zurück. Dann geht auch er. BRUNJES starrt ihnen kurz hinterher, und eilt dann ins Hinterzimmer.

EIN HINTERZIMMER DES BRUNJES COPY SHOP

BRUNJES betritt den Raum. Er sieht sich um.

BRUNJES: Derek?

Keine Antwort. Denn DEREK ist schon auf und davon.

FRIEDHOF BEN ZION - NACHT

DEREK BANKS und CLINTON MACGUIRE schaufeln hektisch - und verängstigt - Isaacs Lurias Grab aus.

CLINTON: Bist du dir da überhaupt sicher?

DEREK: Ich hab' sie gehört, Mann! Und ich warte nicht tatenlos, bis sich herausstellt, dass es wahr ist.

Jemand sieht ihnen bei ihrer Tätigkeit zu. Die Hand des Betrachters, auf der hebräische Schriftzeichen zu erkennen sind, ruht auf einem Grabstein ganz in ihrer Nähe. - Die Vandalen graben sich zu Isaacs einfachem Kiefernsarg durch die Erde und kratzen die letzte Schicht von dessen Deckel.

DEREK: Verdammt!

CLINTON: Was ist denn?

DEREK: Sie ist zugenagelt!

CLINTON: Ich hab' Werkzeug im Wagen.

CLINTON klettert aus dem Grab und geht zum Wagen hinüber. Er wühlt im Kofferraum herum. Da fällt plötzlich ein Schatten auf ihn. CLINTON dreht sich um und blickt entsetzt empor. Man hört einen dumpfen Schlag, dann noch einen. - An der Grabstätte bricht DEREK derweil den Sargdeckel mit seiner Schaufel auf. Er kniet sich nieder.

DEREK: Ich hab' ihn aufbekommen! Vergiss das Werkzeug!

Er öffnet den Deckel, indem er einzelne Bretter entfernt. Er legt die halbverweste Leiche von Isaac Luria frei.

DEREK: hektisch Hey Clinton, sieh dir das an!

CLINTON gibt keine Antwort.

DEREK: Clinton! Hey, Clinton, sieh dir das an! - Clinton, willst du mir Angst einjagen?

Noch immer keine Antwort. DEREK klettert aus dem Grab und späht ängstlich über den Rand.

DEREK: Oh... Oh Mann!

CLINTONS Körper steckt beinahe vollständig in einem Berg aus Lehm. Nur ein schmales Stück seines Kopfes und eine ausgestreckte Hand ragen daraus hervor.

IMMER NOCH AUF DEM FRIEDHOF, ETWAS SPÄTER

Cops, MULDER und SCULLY sind anwesend. SCULLY zieht sich Latexhandschuhe an und hebt die Plane über CLINTONS Körper an, um sein Gesicht betrachten zu können. Sie reibt leicht über die Würgemale an seinem Hals. Sie schlägt die Plane wieder um. Leichenbeschauer bringen den Körper fort. SCULLY geht zu MULDER hinüber, der neben dem Grab steht und Latexhandschuhe überzieht.

SCULLY: Die Würgemale am Hals des Opfers stimmen mit denen des ersten Opfers überein. - Hat die Spurensicherung schon was gefunden?

MULDER: Ja, die Fußabdrücke einer zweiten Person, aber der Boden ist zu weich, um einen Abdruck zu machen.

SCULLY: Ich nehme an, dass Clinton mit Derek Banks hier war.

MULDER: Wonach haben sie gesucht?

Sie steigen in das Grab hinab.

SCULLY: Vielleicht waren sie ja hier, weil sie die Leiche entweihen wollten. Als Vergeltung für Tony Olivers Tod.

MULDER: Es ist doch ziemlich überflüssig, an jemandem rumzufummeln, den man schon getötet hat? - Nein, sie sind, glaube ich, hergekommen, weil sie Angst hatten.

Mulder beginnt, die provisorische Abdeckung aus Kunststoff vom Sarg zu entfernen.

SCULLY: Weil sie Angst hatten?

MULDER hebt die Kunststoffplane an. Beide Agenten legen hastig die Hand vor die Nase, als ihnen der Leichengestank entgegenschlägt.

MULDER: sich wieder fassend, während SCULLY recht angewidert dreinschaut Angst davor, dass der Mann, den sie ermordet hatten, nicht wirklich tot ist.

Wir sehen die Hände der Leiche. MULDER deutet darauf.

MULDER: Sehen Sie? - Das war's dann mit Ihrer Theorie, wie Isaac Lurias Fingerabdrücke auf die Leichen der Opfer gekommen sind. - Wonach sieht das für Sie aus?

MULDER deutet auf die Symbole auf Isaacs Hand, die gleichen Symbole, wie auf der Hand des "Schattenwesens".

SCULLY: beugt sich etwas nach vorn Na ja, die Leiche war nicht den Bräuchen entsprechend einbalsamiert. Vielleicht ist das eine postmortale Verfärbung oder vielleicht auch eine Tätowierung. Das ist schwer zu sagen, in einem... weicht wieder zurück, ihr Atem scheint zu stocken so fortgeschrittenen Verwesungsstadium.

MULDER entdeckt etwas unter Isaac Lurias Kopf und streckt die Hand aus.

MULDER: Was ist denn das? Er zieht ein in Leder eingebundenes Buch unter Isaacs Kopf hervor. Eine kleine Einschlaflektüre?

Anmerkung KajaM: Na dann: Gute Nacht! KIT-X-NOTIZ: Ja, ja, Mulder und seine trockenen Witze! - Was wäre "Akte X" ohne sie?!?

Er will das Buch gerade aufschlagen, als es in Flammen aufgeht. Erschrocken lässt MULDER das Buch fallen, das am Boden des Grabes lodernd verbrennt. Er wechselt einen kurzen Blick mit SCULLY, die ihn fassungslos anstarrt.

AM NÄCHSTEN MORGEN

BRUNJES läuft die Straße entlang und kommt zur Vorderfront seines Geschäftes. Er öffnet die Tür und tritt ein. Wir hören DEREKS Stimme.

DEREK: Sie schulden mir für zwei Wochen Geld.

BRUNJES erblickt DEREK.

BRUNJES: Wo bist du gewesen? - Ist es wahr,... dass ihr den Juden getötet habt?

DEREK: Ich will nur mein Geld haben.

BRUNJES: Was hast du dir dabei gedacht? DEREKS Blick ist kalt. Ich hab' dir doch nie befohlen, dass ihr jemanden töten sollt!

DEREK: Nein? zischend Was haben Sie sonst von mir erwartet? Dass ich mich hier wie Sie verstecke? Und irgendwelche Flugblätter drucke, in denen ich die beschimpfe?

BRUNJES: eindringlich, laut Wir verbreiten durch unsere Arbeit doch nur die Wahrheit!

DEREK: Die Wahrheit? Mann, Sie sind so armselig wie die es sind!

BRUNJES: stotternd Also hör mal... I... Immerhin enthülle ich öffentlich deren Lügen.

DEREK: Mann, das sind doch nur Worte! - Denken Sie etwa, die hätten meine Freunde mit Worten getötet?

In BRUNJES' Augen flackert Angst auf.

DEREK: Sehr richtig. Clinton ist auch tot. Und jetzt will ich sofort mein Geld!


JUDIKA-ARCHIV VON MANHATTAN


Unter einer Lupe sehen wir den hebräischen Schriftzug des Buches aus Isaacs Grab - den Resten des Buches, wohlgemerkt.

KENNETH UNGAR: Das Sefer Jezira. Das Buch der Schöpfungsgeschichte. Der frühste bekannte hebräische Text über mystischen Kommunion des Menschen mit dem Göttlichen.

Anmerkung von Chajm Guski: Das Buch Sefer Jezira "Buch der Gestaltung" ist ein Buch über die Beschaffenheit von Zahlen und Buchstaben (im Hebräischen sind Zahlen und Buchstaben identisch bzw. jeder Buchstabe hat auch einen Zahlenwert). In der jüdischen Mystik nimmt man an, daß die Welt aus den Buchstaben der Torah geformt wurde, das Sefer Jezira bespricht diese Aspekte genauer.

MULDER und SCULLY sitzen zusammen mit KENNETH UNGAR am blankpolierten Tisch des Jüdischen Archivs.

SCULLY: Wird es manchmal den Toten ins Grab gelegt?

KENNETH UNGAR: Nein. Der jüdische Glauben lehrt, dass mit dem Tod alle Menschen gleich werden, und darum wird die Leiche nur im Leichenhemd begraben. Persönliche Machtsymbole oder weltliche Besitztümer sind nicht erlaubt.

MULDER: Haben Sie schon mal davon gehört, dass sich dieses Buch spontan selbst entzündet?

KENNETH UNGAR: findet diese Frage recht amüsant Äh, nein. Nein, noch nie. Es ist ein Buch über Mystizismus, aber nicht selbst einer.

MULDER: Wird es auf einem speziellen Papier oder mit einer speziellen Tinte gedruckt?

KENNETH UNGAR: Nein, es ist nur ein Buch. Leder und Papier. Ich habe den Verdacht, dass Ihnen jemand einen Streich spielen wollte.

SCULLY: Es besteht die Möglichkeit, dass Feuchtigkeit in den Sarg eingedrungen ist. Vielleicht auch in den Einband und in das Papier des Buches. Und falls das Grundwasser mit Giftstoffen belastet war, könnte durch Arsen oder irgendein Gas ein durchaus zündfähiges Gemisch entstehen.

Sie sieht MULDER beifallsheischend an, der bloß ergeben nickt.

Anmerkung KajaM: Arme Scully! Da hat sie einen genialen Geistesblitz, und bekommt trotzdem nicht ein lobendes Wort! *g* KIT-X-NOTIZ: Na ja, Scullys Theorie ist wirklich etwas abwegig. Dafür sind schon haufenweise Zufälle nötig... Sie hat sich da einiges an den Haaren herbeigezogen. Komisch, das macht doch sonst immer Mulder... *rbg*

MULDER: Unterscheidet sich eigentlich dieses spezielle Sefer Jezira durch irgendwas von anderen Exemplaren?

KENNETH UNGAR: Ja, aber leider ist es kaum lesbar, weil es so ... verbrannt ist.. - Es ist ein Name, der in das Leder eingraviert oder gestempelt wurde.

SCULLY: Ein Name.

KENNETH UNGAR: Ja, ein hebräischer Name. Weiss. Jacob Weiss.

SCULLY blickt MULDER an. MULDER nickt.

SCULLY: Jacob Weiss.

DIE WOHNUNG DER FAMILIE WEISS, WILLIAMSBURG, NEW YORK

ARIEL LURIA steht MULDER und SCULLY in ihrer Wohnung gegenüber. MULDER sieht ins benachbarte Zimmer scheint das Esszimmer zu sein, während SCULLY mit ARIEL redet.

ARIEL: Warum möchten Sie ihn sehen?

SCULLY: Es gab wieder einen Mord. Ein weiterer Verdächtiger am Tod Ihres Manne ist letzte Nacht tot aufgefunden worden.

ARIEL: Und wo war das?

MULDER: Neben dem Grab Ihres Mannes.

ARIEL: Und was hat das mit meinem Vater zu tun?

SCULLY: Er hat sich gestern auf sehr heftige Weise über das letzte Opfer geäußert.

ARIEL: fällt ihr ins Wort Er war wütend, das waren doch nur Worte, die man im Zorn sagt.

SCULLY: Und wir haben Hinweise darauf, dass er am Tatort gewesen ist. ARIEL starrt sie fassungslos an, dreht sich dann um und geht zum Fenster. Das eskaliert zu etwas anderem, Ariel. Und dem müssen wir jetzt ein Ende bereiten.

ARIEL: Ich weiß nicht, ob Sie verstehen dreht sich wieder um, wie viel meinem Vater meine Hochzeit mit Isaac bedeutet hätte.

MULDER: Was meinen Sie mit "bedeutet hätte"?

ARIEL: Wir haben die Lizenz zum Heiraten schon vor ein paar Wochen bekommen, aber der Termin für unsere Trauung war erst heute.

MULDER schließt die Augen und dreht sich leise seufzend um, mit der einen Hand an der Wand lehnend.

SCULLY: nach einer Pause, sehr mitfühlend Das tut mir leid.

ARIEL: lächelt plötzlich Ich würde Ihnen gerne etwas zeigen.

Sie führt die beiden in das Wohnzimmer. Auf dem Kaminsims steht ein Miniaturschlösschen, kleiner als ein Streichholzheft, mit erstaunlich detaillierten Kleinteilen und Metallarbeiten. Es ist an einem eisernen Ring befestigt und in einem zerbrechlichen Glasbehälter aufbewahrt.

ARIEL: Das war der Trauring der Gemeinde von Kolin, einem Dorf in der Nähe von Prag. Mein Vater war damals einer der Lehrlinge des Mannes, der ihn entworfen hat.

MULDER beugt sich leicht über SCULLYS Schulter und betrachtet den Ring.

SCULLY: Er ist wunderschön.

ARIEL: Jede Frau, die in der Synagoge getraut wurde, trug diesen Ring, als ein Symbol dafür, dass sie eine Königin war - und ihr Mann ein König, und ihr zukünftiges Heim ein Schloss sein würde, nicht nur an ihrem Hochzeitstag, sondern für den Rest ihres gemeinsamen Lebens. MULDER runzelt leicht die Stirn, aber nicht aus Argwohn, sondern aus Zustimmung, und nickt kaum merklich, während SCULLY weiter zuhört. Ihre Ausstrahlung von Glückseligkeit verlässt ihr Gesicht, und Trauer sucht sie heim, als sie weitererzählt. Aber die meisten dieser Leben endeten an einem Tag im Frühling 1943. Neuntausend Juden wurden - nachdem sie ihre eigenen Gräber geschaufelt hatten - getötet.

Anmerkung KajaM: Insgesamt wurden im 2. Weltkrieg an die 6 Mio. Juden ermordet... das muß man sich mal vorstellen! KIT-X-NOTIZ: Es ist eine grausame Vorstellung. Appell an alle, die das hier lesen: So etwas darf nie wieder geschehen! Vergesst nie, was wirklich zählt, nämlich Menschlichkeit! - Wir liefern all diese Hintergrundinformationen nicht bloß, um das Skript schön lang werden zu lassen. Wir wollen, dass jeder die Message der Folge begreift wenn man genau überlegt, beinhaltet sie mehrere Messages, vielleicht ein wenig darüber nachdenkt und später niemals den selben Fehler macht, wie einst so viele Menschen im 3. Reich. Wir würden uns freuen, wenn ihr dieses Skript sehr ernst nehmen würdet, denn es ist ernst, auch wenn wir hier und da ein paar humorvolle Kommentare reinbringen. - Das musste ich einfach mal loswerden. Thanx for your attention.

SCULLY: Aber Ihr Vater hat es überlebt.

ARIEL: Ja, und zwar weil er zehn Jahre alt und Juwelierlehrling war. Er konnte durch seine kleinen und geschickten Finger immer noch in einer Munitionsfabrik arbeiten.

SCULLY: Und während dieser ganzen Zeit versteckte er den Ring?

ARIEL: Er hat ihn auch noch nach dem Krieg versteckt - und sogar vor meiner Mutter.

SCULLY: Und warum?

ARIEL: Weil er für ihn wohl so etwas wie ein Relikt aus einer vergangenen Welt war. Sie macht eine kurze Pause. Doch das änderte sich alles, als ich ihm sagte, dass ich heiraten würde. Da holte er zum ersten Mal seit fünfzig Jahren diesen Ring wieder hervor. Er sagte, er hätte das Gefühl, sein Dorf würde wiedergeboren. Wieder eine Pause, wieder nickt MULDER kaum merklich. Er wusste genau, wie sehr ich Isaac liebte.

SCULLY: Ariel, sagen Sie uns, wo Ihr Vater ist.

ARIEL: lächelnd Ich kenne meinen Vater. Er würde nie jemanden töten.

SCULLY: Was ist, wenn Sie sich irren?

ARIEL wird ernst.

DIE SYNAGOGE IN DER PARK STREET

MULDER und SCULLY betreten die Synagoge und bleiben am Eingang des Zufluchtsortes stehen. Mit dem Rücken zu ihnen rezitieren mehrere Dutzend chassidischer Männer ihre Gebete. Ich vermute, dass es sich hier um das "Schma Israel" handelt, das nach seinen Anfangsworten benannte jüdische Glaubensbekenntnis des täglichen Morgen- und Abendgottesdienstes. Könnte allerdings auch das "Schmone Esre" sein - ein Gebet, das 18 Bitten beinhaltet. Jedenfalls werden die Gebete in einer Art Singsang vorgetragen.

SCULLY: Sehen Sie ihn?

Als die Gläubigen die Anwesenheit der Agenten bemerken, verstummen sie, drehen sich um und wenden sich einer nach dem anderen den Eindringlingen zu. Einer von ihnen geht auf die beiden zu.

SCULLY: Es tut mir leid, wir haben nicht vor, Sie irgendwie zu stören.

MANN: Wer sind Sie?

SCULLY zeigt ihren Ausweis.

SCULLY: Wir sind vom FBI und wir suchen nach Jacob Weiss.

MANN: Wieso?

MULDER deutet auf einmal mit dem Finger in die Menge. Er hat JACOB WEISS entdeckt. Der alte Mann sieht die beiden Agenten und tritt die Flucht an. MULDER und SCULLY bahnen sich ihren Weg durch die Menge, und folgen JACOB WEISS durch den Altarraum und eine schwach beleuchtete Treppe hinauf, MULDER voran. Oben angekommen, schalten sie ihre Taschenlampen an und trennen sich. SCULLY stoppt urplötzlich.

SCULLY: Mulder...

Sie sehen einen Mann von der Decke herabhängen, aufgeknüpft. Es ist die Leiche von DEREK BANKS, die an einem Balken hängt. Irgend etwas streift das Licht für einen Bruchteil von Sekunden und verschwindet dann wieder in der Dunkelheit. MULDER und SCULLY folgen dem Schatten, bewaffnet mit ihren Pistolen. Jeder von ihnen nimmt eine Hälfte des Dachstuhls genauer unter die Lupe. Plötzlich streift ein dunkles Wesen MULDER und stößt ihn zu Boden, während ein anderes an SCULLY vorbeihuscht. Sie rollte sich auf dem Boden herum, die Waffe ausgestreckt, und gibt einen Schuss ab. Die Kugel streift den Holzbalken, an dem DEREKS Leiche baumelt.

SCULLY: Keine Bewegung! Wir sind FBI-Agenten!

Der Mann bleibt stehen. SCULLY steht auf. Sie hält Pistole und Taschenlampe auf den Mann gerichtet.

SCULLY: Alles in Ordnung, Mulder?

MULDER liegt noch immer am Boden, dreht sich nun aber um und rappelt sich auf.

MULDER: Ja.

SCULLY: Nehmen Sie die Hände hoch, so dass ich sie sehen kann! Und drehen Sie sich langsam um!

Die Figur gehorcht. Es ist JACOB WEISS.

MULDER: Wir haben ihn, Scully.

SCULLY geht mit Handschellen zu JACOB WEISS hinüber.

SCULLY: Herr Weiss, hiermit verhaften wir Sie.

Als SCULLY ihm die Handschellen anlegt, starrt JACOB WEISS an ihr vorbei in die Dunkelheit.

SCULLY: Na, kommen Sie. Gehen wir.

SCULLY treibt JACOB WEISS vor sich her. MULDER will ihr folgen, stoppt dann aber, blickt in die Richtung, die JACOB WEISS fixiert hatte. Er kann nichts erkennen, also folgt er SCULLY. - In einer dunklen Ecke ruht auf einem Balken die Hand mit den hebräischen Schriftzeichen...

ZELLENTRAKT DES ÖRTLICHEN POLIZEIREVIERS

SCULLY läuft den Flur entlang, eine Akte in der Hand. Wir hören ARIEL.

ARIEL: Wo ist er? Wo ist mein Vater?

SCULLY sieht auf und erblickt ARIEL.

SCULLY: Wir... haben ihn verhaftet, Ariel. Er steht unter Mordverdacht.

ARIEL: Das glaube ich Ihnen einfach nicht. Er kann es unmöglich gewesen sein! Hat er... - hat er Ihnen gesagt, dass er diesen Mann umgebracht hat?

SCULLY: Ich denke, dass es darauf hinauslaufen wird. Agent Mulder ist gerade bei ihm drin.

ARIEL: Ich will ihn sofort sprechen!

SCULLY: Sie sollten ihm einen Anwalt besorgen, er weigert sich, dieses ihm zustehende Recht zu nutzen...

ARIEL: hektisch, fällt ihr ins Wort Ich muss mit ihm sprechen!

SCULLY: nach einer Pause Okay. Gehen Sie den Gang runter, und frage Sie Detective Barkley. Er wird Ihnen zeigen, wo Sie warten können, bis Ihr Vater verhört worden ist.

ARIEL will schon gehen, als...

SCULLY: Ariel? ARIEL dreht sich zu SCULLY um Es tut mir so leid..

ARIEL antwortet nicht und geht den Flur hinab.

VERHÖRZIMMER

MULDER sitzt JACOB WEISS an einem Tisch gegenüber.

MULDER: Warum haben Sie ihn umgebracht?

JACOB WEISS: Die Synagoge ist im Lauf des letzten Jahres dreizehnmal verwüstet worden. Ich hörte ein verdächtiges Geräusch, ging auf den Dachboden, um nachzusehen, und er griff mich an. Es war wirklich Notwehr.

MULDER: Hängen Sie Leute immer in Notwehr auf?

JACOB WEISS: Ist das etwa schlimmer als das, was Isaac angetan wurde?

MULDER: Ist es etwa besser. - Wir haben Ihr Buch, Ihr Sefer Jezira, in Isaac Lurias Grab gefunden.

Pause.

JACOB WEISS: leise Und?

MULDER: Das bringt Sie mit einem zweiten Tatort in Verbindung.

JACOB WEISS: meiner Meinung nach ein zu bereitwilliges Eingeständnis Ich bin schuldig, was wollen Sie denn sonst noch von mir?

MULDER: Die Wahrheit. KIT-X-NOTIZ: Mal wieder, *bg*

JACOB WEISS: Ich habe Ihnen bereits die Wahrheit gesagt.

MULDER: Da war noch jemand da oben mit Ihnen auf dem Dachboden. Wer war das?

JACOB WEISS: Da war sonst niemand.

MULDER: Sie sind ein Lügner.

JACOB WEISS: Und Sie haben keine blasse Ahnung von gar nichts und ich möchte nicht mehr darüber reden.

MULDER entdeckt Reste von Schlamm an JACOB WEISS' Jacke und kratzt etwas davon ab. Er starrt den alten Mann durchdringend an.

JACOB WEISS: Ich würde jetzt gerne meine Tochter sehen...

MULDER verlässt den Raum.

EIN ANDERER RAUM

Auf der anderen Seite des Einwegspiegels, hat SCULLY die Befragung mitverfolgt. MULDER betritt den Raum.

SCULLY: Wollen Sie hören, was ich über seinen Lebenslauf in Erfahrung gebracht habe?

MULDER: Hm.

SCULLY: Er ist nach dem zweiten Weltkrieg nach Israel ausgewandert, wo er sich der Irgun anschloss, dem jüdisch-militärischen Untergrund. 1948 wurde er von den Briten wegen eines Bombenattentates verhaftet, bei dem sieben Zivilisten getötet wurden. Er war ein Terrorist, Mulder. Ein Killer.

MULDER: Er ist nicht unser Killer.

SCULLY: Was soll das bedeuten? Er hat gerade ein Geständnis abgelegt, und Sie und ich waren dabei.

MULDER: Ich glaube, es war noch eine zweite Person auf diesem Dachboden. Und Weiss kennt und beschützt sie, wer immer es auch ist.

SCULLY: Aber wer? Seine Tochter?

MULDER: Nein, es war jemand, der groß und stark genug ist, um mich niederzuschlagen.

KIT-X-NOTIZ: Zweifelst du etwa an der Frauenpower, Mulder? *bg* Anmerkung KajaM: Na ja, aber allzu leicht ist's auch nicht, einen Kerl von 1,83m Größe und 77kg Gewicht von den Füßen zu hauen, Kit! KIT-X- NOTIZ: 76kg, *bg* - Aber wenn man überrascht wird - so wie Mulder - dann kommt man schon mal ins Staucheln...

SCULLY: Und wer könnte das gewesen sein?

Durch die Scheibe können sie sehen, wie ARIEL den Raum betritt und ihren Vater umarmt.

MULDER: Sie sollten hier bleiben, es könnte interessant werden.

SCULLY: Wo gehen Sie hin?

MULDER: Ich besuche jemanden wegen des brennenden Buches.

SCULLY dreht sich um und blickt durch den Einwegspiegel.

VERHÖRZIMMER

ARIEL schaut ihren Vater an, sie hält ihn noch immer fest.

ARIEL: Vater. Sie sagen, du hättest gestanden. Warum tust du das?

JACOB WEISS: Um dich zu schützen.

ARIEL: Und wovor?

JACOB WEISS: Ich glaube, das weißt du. Sie haben mein Buch in Isaacs Grab gefunden.

ARIEL: Das kann doch aber gar nicht sein.

JACOB WEISS: fragend Nein?

ARIEL schaut weg.

BRUNJES COPY STORE

Abends, im Hinterzimmer des Kopierladens, vervielfältigt CURT BRUNJES gerade einen neuen Schwung antisemitischer Flugblätter, in denen von irgendwelchen Steuern die Rede ist, man kann es nicht so gut lesen. An der Wand hängt eine große Nazi-Flagge. Plötzlich hört BRUNJES ein Geräusch, sieht sich kurz um und wendet sich dann wieder seiner Tätigkeit zu. Ein weiteres Geräusch veranlasst ihn, einen Revolver aus dem Metallschrank zu holen. Mit zitternden Händen versucht er, ihn zu laden, aber bevor er damit fertig ist, wird er von einer kräftigen Hand, auf deren Rücken drei hebräische Buchstaben zu sehen sind, gegen den Schrank geschleudert. Die Finger quetschen BRUNJES' Hals zusammen und erwürgen den Mann.

JUDIKA-ARCHIV VON MANHATTAN

KENNETH UNGAR sitzt an einem Tisch und liest. Wir hören MULDERS Stimme.

MULDER: Es gibt etwas, was Sie mir nicht gesagt haben. KENNETH sieht auf. Und zwar, was den Inhalt dieses Sefer Jezira betrifft.

KENNETH: Was würden Sie gerne wissen?

MULDER: Alles über den Mythos des Golem.

KENNETH UNGAR: Ich sagte Ihnen doch, Mr. Mulder, das ist ein mystischer Text. In diesem Buch wimmelt es von Golems, Debugs ich weiß nicht, ob es so geschrieben wird, sorry und Dämonen in jeder Größe und Form.

KENNETH setzt seine Brille auf.

MULDER: Ich bin aber nur an dem Golem interessiert.

KENNETH UNGAR: Und mich interessiert, warum ein FBI-Agent an so etwas interessiert ist.

MULDER setzt sich zu ihm an den Tisch.

MULDER: Ich habe gehofft, Sie könnten mir das sagen.

KENNETH UNGAR: Die alten Kabbalisten glaubten, dass ein rechtschaffener Mann tatsächlich ein Lebewesen erschaffen könnte, und zwar aus der Erde... Modelliert aus Schlamm oder Ton... Dieses Geschöpf kann aber nur durch die Macht des Wortes zum Leben erweckt werden. Und das würde im konkreten Fall bedeuten... KENNETH schlägt das Sefer Jezira auf., dass man ganz bestimmte und geheime Kombinationen von Buchstaben benutzt.

MULDER: Kombinationen, die man in diesem Buch findet?

KENNETH UNGAR: Ja, hier. Sehen Sie... Er zeigt MULDER die vom ihm aufgeschlagene Seite. ... diese Seiten hier sind im Grunde genommen Instruktionen für die Belebung des Leblosen. Er blättert um. Sehen Sie, und hier, ja, in diesem Absatz, hier, wird genau erklärt, wohin dieses gewisse Wort auf den Golem geschrieben wird.

MULDER: wissend Auf seinen Handrücken.

KENNETH UNGAR: blickt ihn an Ich bin beeindruckt.

MULDER: Was ist das Zauberwort?

KENNETH UNGAR: Emet. Ähm, Sehen Sie, diese Buchstaben... Aleph, Mem, Tov... bilden das Wort Emet.

MULDER: Ich spreche kein Hebräisch, was bedeutet das?

KENNETH UNGAR: Wahrheit. Emet bedeutet Wahrheit. Anmerkung KajaM: Wie könnte es auch anders sein? *lol* KIT-X-NOTIZ: Du bist ein richtiger Reschel, KajaM! - Für alle, die wie Mulder kein Hebräisch können, d.h. "Kluges Köpfchen", *bg* KENNETH lehnt sich zurück. Aber sehen Sie, Mr. Mulder, darin liegt ja das Paradoxe. Denn die Gefahr dieser Wahrheit, liegt in dem Wort Golem selbst. Es bedeutet "Materie ohne Form, Körper ohne Seele".

MULDER: Also ist der Golem ein unvollkommenes Wesen.

KENNETH UNGAR: Er ist im Grunde ein Monster, weil er unfähig ist, zu sprechen und nur die primitivsten Gefühle empfinden kann. In den Legenden läuft er Amok. Und er muss von seinem Schöpfer zerstört werden.

MULDER: Und was zerstört ihn?

KENNETH durchblättert das Sefer Jezira, bis er die entsprechende Seite findet.

KENNETH UNGAR: Wenn man den ersten Buchstaben ausradiert, Aleph, KENNETH legt seine Finger über das erste Symbol auf der rechten Seite. wird aus Emet Met. Das bedeutet "Tod". Und wieder, Mr. Mulder, die Macht der Buchstaben. Sie können nicht nur Dinge erschaffen, sondern auch töten.

MULDERS Handy klingelt Er holt es hervor.

MULDER: Ja?

SCULLY fährt irgendwo hin.

SCULLY: Mulder, ich bin's. Es gibt ein weiteres Opfer.

MULDER: Und wen?

SCULLY: Curt Brunjes. Ich bin schon auf dem Weg zu seinem Copy Shop.

MULDER: Okay, ich bin auch in zehn Minuten da.

Sie legen auf.

COPY SHOP

Draußen ist alles voll mit Polizisten und Streifenwagen. Das Gelände wird markiert.

IM SHOP SELBST

BRUNJES liegt auf dem Boden. Seine Brille neben ihm. MULDER hält eines der Flugblätter in der Hand, auf dem "Only through blood can the Jewish scourge be cleaned." steht.

MULDER: Nur durch Blut kann die jüdische Geisel beseitigt werden. Er zerknüllt es ärgerlich. Er hatte Sendungsbewusstsein. So viel Energie um seinen Hass zu verbreiten!

Er wirft das Papierknäuel zu Boden. SCULLY nimmt einen Papierstoß genauer unter die Lupe.

SCULLY: Und er hat nicht im Dunklen gearbeitet. Seine Postliste umfasst hunderte von Namen. Einschließlich der unserer drei Mordopfer.

MULDER: Jacob Weiss hat ihn jedenfalls nicht getötet.

SCULLY: Ach, ich rufe das Revier an, damit sie ihn freilassen.

Eine Stimme hinter ihnen ist zu vernehmen.

MANN: Agent Scully?

Sie gehen zu dem Schreibtisch, an dem der DETECTIVE sitzt.

DETECTIVE: Das Bild ist unscharf, aber ich glaube, wir haben ihn. Er spielt das Video von der Überwachungskamera ab. Isaac Luria ist auf dem Monitor zu sehen. Da.

Er stoppt das Band.

SCULLY: Oh Gott! Es ist Isaac Luria. Er ist noch am Leben!

MULDER: Da bin ich mir gar nicht mal so sicher...

SPÄTER

BRUNJES Leiche wird in einen Leichensack gepackt und weggebracht. SCULLY telefoniert gerade.

SCULLY: in den Hörer Nein, danke, aber das wird nicht nötig sein. Sie legt auf. Der Gerichtsmediziner hat Lurias Zahnunterlagen verglichen. Es war eindeutig sein Leichnam, der in diesem Grab lag. Sie geht zu MULDER, der am Tisch sitzt und sich das Video der Überwachungskamera anschaut.

SCULLY: Wissen Sie Mulder, dieses Videoband muss irgendwie verändert und.. und von dem untergeschoben worden sein, der diesen Streich inszeniert hat.

MULDER: Das ist kein Streich, Scully. Es war auch nie einer.

SCULLY: Aber wenn Luria tot ist, Mulder...

MULDER: Das ist nicht Luria. Nicht wirklich.

SCULLY: etwas schnippisch Aber wer soll es sonst sein, ist es etwa ein Gespenst, oder was?

MULDER: Nein, ein Gespenst ist ein Geist ohne Form, aber ich glaube, wonach wir suchen und was wir hier sehen, ist... ist eine Form ohne irgendwelchen Geist. Das nennt man einen Golem.

SCULLY: Ein Golem?

MULDER: Ja, das ist, ähm, ein von Menschen geschaffenes Monster, beschrieben in der jüdischen Literatur. Es wird aus Schlamm geformt und durch ein Zauberwort zum Leben erweckt.

Er geht weg.

SCULLY: Schlamm, ja! Sie folgt ihm. Mulder, wovon reden Sie überhaupt? Und zu welchem Zweck macht man das eigentlich, um sich zu rächen?

MULDER: Ich glaube nicht, dass es Hass war, was diesen Golem erschaffen hat. Er öffnet die Tür und sieht SCULLY bedeutungsvoll an. Ich denke, es war Liebe.

DIE WOHNUNG DER FAMILIE WEISS

MULDER und SCULLY stehen im Hausflur. MULDER klopft an die Tür.

MULDER: Hier ist Agent Mulder, öffnen Sie die Tür, Ariel!

Keine Antwort. Er klopft noch mal. SCULLY probiert den Türknauf.

SCULLY: Sie ist nicht verschlossen.

Sie gehen rein.

IN DER WOHNUNG

Alle Lichter sind aus. SCULLY betritt den Raum, als MULDER eine Lampe anschaltet.

SCULLY: Ariel?

MULDER: Sie ist nicht hier, Scully.

SCULLY: Woher wissen Sie das?

Das Glas, in dem der Ring mit dem Schloss aufbewahrt worden war, ist leer.

MULDER: Weil heute ihr Hochzeitstag ist.

Anmerkung KajaM: Und wieder ein Musterbeispiel für Mulders rasiermesserscharfen Verstand!!! KIT-X-NOTIZ: Okay, das wäre mir auch eingefallen... - Schließlich war das Glas ja leer, und Ariel hatte einige Stunden zuvor bemerkt, dass die Hochzeit erst heute wäre, worauf Mulder ja recht schockiert und mitfühlend reagiert hatte. Wäre ja wirklich was, wenn er das vergessen hätte! - Hey, das war kein Zweifel an Mulders Verstand, gelle!?!

SYNAGOGE

Kerzen sind angezündet. Kein Mensch ist in der Synagoge. JACOB WEISS kommt herein. Er geht zwischen den Bänken hindurch nach vorn, nimmt eine Kerze an sich und geht weiter, in den dunklen Bereich der Synagoge.

OBEN

JACOB WEISS geht, mit er Kerze in der Hand, die Treppe hinauf.

JACOB WEISS: Ariel? - Ich weiß, dass du hier bist! Ich weiß, dass du mich hören kannst! - Ariel!

Er geht weiter. Plötzlich greift jemand seine Schulter. Er dreht sich überrascht um und entdeckt ARIEL in ihrem Hochzeitskleid.

ARIEL: Lass uns allein. Du gehörst nicht hierher.

JACOB WEISS: Ich bin dein Vater.

ARIEL: Bitte, geh...

JACOB WEISS: Nein, ich werde nicht gehen. Und ich werde auf keinen Fall ohne dich gehen.

ARIEL: Ich will ihn sehen.

JACOB WEISS: Er ist tot. Isaac ist tot.

ARIEL: Nein.

JACOB WEISS: Durch den Hass der jungen Männer, wurde Isaac dir genommen. Und du hast versucht, ihn mit deiner Liebe wieder zurückzubringen. ARIEL weint. Aber was du zurückgebracht hast, das musst du verstehen, Ariel.. das ist nicht er. Es ist das personifizierte Grauen. Es hat keinen Platz unter den Lebenden.

ARIEL: Er hat gesagt, er ruft mich zurück, Vater. Wir haben uns am Telefon unterhalten. Über die Hochzeit. Isaac sagte, dass er jetzt auflegt. Ein Kunde hätte nach ihm gerufen. Er sagte, er ruft mich wieder zurück. Aber später, als das Telefon dann klingelte, sagte mir etwas, dass ich lieber nicht abnehmen soll. Und dann war da eine Frauenstimme in der Leitung. Ich konnte nicht verstehen, was sie sagte. Und das war auch nicht nötig. ich wusste, dass Isaac mich nie mehr zurückrufen würde. JACOB weint nun auch. Ich wollte ihm doch nur "Lebe wohl" sagen, Vater.

JACOB WEISS: Ich weiß... Sie umarmen sich. Ich weiß...

ARIEL: Es war dumm von mir. Es war doch nur ein Wunsch... Es waren doch nur... Worte

Wir hören ein Knarren im Schatten.

JACOB WEISS: Bleib' hier.

ARIEL: Nein, ich möchte mit dir gehen.

JACOB WEISS: Nein.

ARIEL: Vater.

JACOB WEISS: Nein.

Er geht auf den Schatten zu. Sie bleibt stehen.

DRAUSSEN

MULDER und SCULLY fahren heran. Der Wagen kommt zum Stehen. Sie steigen aus und gehen in die Synagoge.

INNEN

Sie betreten mit Pistolen bewaffnet den Altarraum. Sie sehen Jacob, der an einem Seil von der Decke hängt, aber noch lebt. Er zuckt. SCULLY läuft los und greift nach seinen Beinen, hebt ihn an, so dass die Schlinge ihm nicht endgültig den Hals zuziehen kann.

MULDER: Ich hab' ein Messer!

Er steigt auf die Lehne der nächsten Bank und beginnt, das Seil durchzusäbeln. MULDER kann dabei kurz einen Schatten erhaschen, der vorbeihuscht. Er beeilt sich. Das Seil ist endlich durchtrennt, und sie lassen JACOB auf den Boden hinab, dabei fällt einer der Kerzenständer um keine Kerze drin. SCULLY löst die Schlinge von seinem Hals.

SCULLY: Der Puls ist sehr schwach.

MULDER: Wird er es schaffen.

SCULLY: Wenn wir ihn in ein Krankenhaus bringen. MULDER steht auf. Rufen Sie einen Krankenwagen.

SCULLY: Wo gehen Sie hin?

MULDER: Ich suche Ariel.

SCULLY kümmert sich weiter um JACOB. MULDER eilt die Stufen hinauf, mit Pistole und Taschenlampe. Er sieht sich um. Er entdeckt ARIEL, die weinend auf dem Boden sitzt.

MULDER: Ariel?

Er steckt seine Pistole ins Holster und geht zu ihr.

MULDER: Wir haben Ihren Vater gefunden. Er lebt und es wird ihm wieder gut gehen. Ich weiß das mit Isaac. - Wo ist er?

ARIEL: Ich weiß es nicht.

MULDER: Na schön, kommen Sie. Geh'n wir.

ARIEL: Nein!

MULDER: Kommen Sie, Ariel. Gehen wir.

ARIEL: Nein!

MULDER: Kommen Sie, wir müssen gehen.

ARIEL: Nein.

MULDER: Kommen Sie, Ariel. Bitte, kommen Sie.

MULDER zieht sie hoch, hält sie fest.

ARIEL: Nein... Sie hören ein Geräusch und drehen sich um. Der Golem steht da. Isaac?

ARIEL geht zu ihm. MULDER stößt sie zurück und zieht sie hinter sich. Er zieht seine Waffe.

MULDER: Stehen bleiben, oder ich schieße!

ARIEL: Nein!

Sie greift nach MULDERS Arm. Das Wesen geht weiter auf sie zu. MULDER schießt zweimal.

ARIEL: Nein! Halt! Nein.

UNTEN IN DER SYNAGOGE

Die Polizei ist eingetroffen. SCULLY sitzt noch immer neben JACOB. Plötzlich hören sie Schüsse.

POLIZIST 1: Wo kommen die Schüsse her?

POLIZIST 2: Vom Dachboden!

UNTERM DACHSTUHL

MULDER feuert weiter, als der Golem weiter auf ihn und ARIEL zugeht. Die Kugeln treffen ihr Ziel, zeigen aber keinerlei Wirkung. Der Golem stößt MULDER zu Boden und drückt seinen gewaltigen Fuß gegen den Hals des Agenten. MULDER schnappt nach Luft; ihm bleiben nur noch wenige Sekunden.

ARIEL: Isaac!

Sie winkt den Golem zu sich heran. In ihrer geöffneten Hand schimmert der kunstvoll gearbeitete Hochzeitsring. Der Golem hebt den Fuß von MULDERS Hals. Mit leerem Gesichtsausdruck geht er zu ARIEL und nimmt den Ring an sich. ARIEL rezitiert das alte hebräische Hochzeitsgelöbnis.

ARIEL: erst auf Hebräisch, dann auf Deutsch Ich bin für meinen Geliebten da, so wie mein Liebster da ist für mich.

Der Golem schiebt ihr den Ring über den Finger. Sie lächelt ihn an. Sie küsst das Tattoo auf seiner Hand, und wischt dann das Aleph-Symbol fort.

ARIEL: Ich habe dich geliebt.

Sie schauen einander an, sie weint, er starrt sie etwas desorientiert an. Dann wird er wieder zu Schlamm. SCULLY kommt nach oben.

SCULLY: Mulder...

Sie geht zu ihm. Er liegt noch immer auf dem Boden, nach Luft schnappend.

SCULLY: Sind Sie okay, Mulder?

MULDER: Ja, ich glaube ja...

SCULLY: Ich habe Schüsse gehört. - Was ist passiert?

Sie blicken zu ARIEL hinüber. Sie kniet über dem Körper des Golem, der auf dem Boden liegt und langsam zerfällt. ARIEL rezitiert das Kaddish.

ARIEL: die ersten Worte des Kaddish Jitgadal wejitkadasch schme raba, bealma dehu atid le-itchadta, ul-achaja metaja...

SCULLY: Was tut sie da?

MULDER: Sie sagt "Lebe wohl"...

Der Golem ist zu Staub geworden. ARIEL nimmt eine Handvoll und lässt den Staub langsam über den Körper rieseln, als sie mit ihrem Gebet fortfährt...

ARIEL: ul-asaka lechaje alma, ulmiwne karta diruschlem, ulschachlel hechale begawa , ulme-ekar pulchana nuchra-ah me-arah, ul-atawa pulchana dischmaja le-atra, we-jamlich kudscha brich hu bemalchute wikare, bechajechon uwjomechon, uwchaje dechol bejt jisrael, ba-agala uwisman kariw, we-imru amen. Jehe schme rabah meworach, leolam ul-olme olmaja...

Ausblende, Schriftzug: In liebevoller Erinnerung an LILLIAN KATZ

- Ende -


Nachwort:

"Der Golem" wird von vielen als die beste "Nicht-Mythologie-Folge" der 4. Staffel bezeichnet - zu Recht, denn in keiner anderen Episode finden wir solch nahtlosen Kombinationen von Charakterschilderung, sozialer Studie und übernatürlichen Elementen. Keine Frage, diese Folge war ein Meisterwerk - komisch war bloß, dass die Story so spät umgesetzt wurde, denn beinahe jeder jüdische Autor, der jemals für "Akte X" gearbeitet hatte, hatte den Golem für eine Folge vorgeschlagen. Erst in der vierten Staffel bekam Executive Producer Howard Gordon grünes Licht - und die Geschichte des Golem konnte beginnen...Aber es ist eine besondere Geschichte...Gordon: "Am Ende erfahren wir, dass dieser Golem nicht aus Rache oder der Idee des "Auge um Auge" geboren wurde - was ein naheliegender Wunsch von Millionen Juden sein dürfte, die die Verfolgung ertragen müssten -, sondern aus Liebe..."
Als thematischen Kontrast verstärkte Gordon die Elemente Antisemitismus und Intoleranz, entschied sich aber schon bald, die aktuelle Situation in Brooklyn, in der sich die Spannungen zwischen orthodoxen Juden und ihren afroamerikanischen Nachbarn bisweilen gewalttätig entladen, nicht unmittelbar aufzugreifen. Denn was man als Protagonisten in dieser Folge brauchte, waren "wilde Hunde, Figuren mit ungezügelter und unentschuldbarer Selbstgerechtigkeit", so Gordon. Um sich über die Auswüchse des amerikanischen Rassenhasses zu informieren, kontaktierte Gordon die Anti-Deformation League, die ihm bereitwillig Hass-Schriften zukommen ließ, welche dann - mit minimalen Änderungen - in die Flugblätter von Curt Brunjes verwandelt wurden. Ein gemeinschaftlicher Hochzeitsring aus dem zwölften Jahrhundert fand sich bei dem Rabbi, einem Überlebenden des Holocaust, der im Jahr zuvor in Detroit zwei von Gordons Freunden verheiratet hatte. Jedoch hat man bei dieser Folge viel improvisieren müssen, denn man bekam keine Synagoge zum Drehen bereitgestellt. Also funktionierte man einfach eine Kirche um. Anmerkung: Die Tafel mit den 10 Geboten auf Hebräisch, die man während der Folge zu sehen bekommt, ist auch aus einer Improvisation heraus entstanden. "Die hebräisch sprechende Spezialistin hatte an diesem Tag wegen einer jüdischen Feier frei..."
Die Folge selbst ist Lilian Katz gewidmet. Sie war Howard Gordons Großmutter und hatte in New York City in der Presseabteilung von Warner Bros. gearbeitet. Sie starb im Alter von 48 Jahren. Gordon: "Meine Mutter sagte immer, dass ich ihr den Hang zu Hollywood zu verdanken habe."

Quelle: Das offizielle Kompendium, Band 3 - Leugnen Sie alles, vgs-Verlag, DM 34,00

Mitgeschrieben von:

  • Autor: KIT-X. (kit-x@yahoo.com) und KajaM

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