1X17 Der Wunderheiler (deutsches Transkript)

Aus Spookyverse
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Copygif.gif Die Charaktere, Handlungen, Zitate usw., die im folgenden Transkript Erwähnung finden sind © Chris Carter/1013/Fox Entertainment und (in der deutschen Fassung) Cinephon Synchron. Diese Abschrift ist ohne explizite Erlaubnis von den Rechtehaltern von Fans für Fans als Hommage an Akte X erstellt worden, wir verfolgen keinerlei finanzielle Absichten. Die Texte selbst sind Eigentum des jeweiligen Autors.


1X17 Der Wunderheiler
Die Wahrheit ist irgendwo da draußen!



KENWOOD, TENNESSEE
1983


Ein Gebäude brennt und ein Feuerwehrmann gibt Anweisungen.

FEUERWEHRMANN: Schneller! Holt den Mann daraus. Ich brauche zwei Männer hier drüben und zwar sofort. (zu einem Sanitäter, der eine Sauerstofflasche schiebt) Moment mal. Wo wollen Sie damit hingehen?

SANITÄTER: Er ist tot.

FEUERWEHRMANN: Diese Frau da drüben ist nicht tot und sie braucht Sauerstoff.

Der Sanitäter geht mit der Flasche weg. Polizisten halten die Menge zurück, Reverend Samuel Hartley und ein Junge, Samuel, gehen auf die Tage zu.

FEUERWEHRMANN: (im Hintergrund) Gebt das Signal, daß wir in fünf Minuten die Leiter einfahren.

Hartley öffnet den Leichensack auf der Trage und ein lebloser, verbrannter Arm fällt heraus.

SAMUEL: Ich möchte, daß du aufstehst.

REVEREND HARTLEY: Amen.

SAMUEL: Erhebe dich und gehe.

FEUERWEHRMANN: (kommt auf sie zu) Was zum Teufel tun Sie da?

REVEREND HARTLEY: Der Junge hat heilende Hände.

SAMUEL: Erhebe dich und empfange das Wunder, daß er dir gegeben hat.

Samuel hält die leblose Hand in seiner.

REVEREND HARTLEY: Amen. Halleluja.

FEUERWEHRMANN: Ist Ihnen nicht klar, daß der Mann tot ist?

SAMUEL: Der heilige Geist Gottes ist heute Nacht in dir.

REVEREND HARTLEY: Dann kann ihm der Junge wohl kaum noch Schaden zufügen, oder?

SAMUEL: Das ist die Macht die aus dem Glauben heilt. Die Macht, die das Licht von der Finsternis trennt und die Toten zum Leben erweckt.

REVEREND HARTLEY: Amen.

FEUERWEHRMANN: Alle mal herhören! Die Show ist vorbei. Räumen Sie bitte das Gelände!

Die Menge wird kleiner und der Feuerwehrmann geht davon. Die leblose Hand bewegt sich plötzlich, greift nach oben und umschließt Samuels Hand.

REVEREND HARTLEY: Halleluja, Samuel. Halleluja.


Scully zeigt Mulder ein Video. Man sieht Reverend Hartley, der eine Heilungsmesse in einem Zelt abhält. Während die Menge singt und klatscht, geht er den Mittelgang zur Bühne entlang.

REVEREND HARTLEY: Halleluja, schön euch zu sehen! Oh, Hallelluja, Halleluja! Singt Halleluja und preiset den Herrn. Ja, Leute, ja, sehr gut. Ich möchte, daß ihr alle sagt " Halleluja".

MENGE: Halleluja!

REVEREND HARTLEY: Preiset den Herrn!

Scully hält das Band an. Eine Frau liegt auf dem Tisch neben Hartley. Hinter ihnen sitzt Samuel.

SCULLY: Die Frau auf dem Tisch hat einen bösartigen Tumor an der Wirbelsäule. Dieser junge Mann hier wird versuchen, sie durch einfaches Handauflegen zu heilen.

MULDER: Woher ist dieses Video?

SCULLY: Das habe ich von unserem Regionalbüro in Tennessee. Der Name des Predigers ist...

MULDER: Reverend Calvin Hartley.

SCULLY: Sie wissen, wird das ist?

MULDER: Der junge Mann ist sein Adoptivsohn Samuel. Der Reverend hat ihn angeblich als Kleinkind im Schilfgürtel des Mississippiufers gefunden.

SCULLY: Wissen Sie auch, daß der Mann behauptet, der Junge habe einen Mann von den Toten erweckt.

MULDER: Sie werden lachen, das stimmt. Dieser Mann hat regelmäßige Auftritte als Attraktion in den Veranstaltungen des Reverends. Samuel Hartley vollbringt seit zehn Jahren jede Woche eine Wunderheilung und Sonntags können es auch zwei werden.

SCULLY: Nach Ansicht des Sheriffs von Kenwood County stimmt das nicht. Er fürchtet, daß der Reverend und sein Sohn Betrüger sind und die Leute nur ausnehmen würden. Er hat schon öfter erfolglos versucht, die Veranstaltungen verbieten zu lassen und jetzt hat er sich ans FBI gewandt, um ihn festzunageln.

MULDER: Wofür? Betrug?

SCULLY: Nein, Mord. Sehen Sie sich das an.

Sie läßt das Band weiterlaufen und Mulder ißt dabei Sonnenblumenkerne.

REVEREND HARTLEY: Lucy Kelly hat Krebs. Ihre Ärzte sagen, es sei nichts zu operieren. Sie sagen, Lucy ist unheilbar. Aber ich sage, was die Ärzte nicht heilen können, kann der Herr heilen.

Die Menge schreit und ruft "Amen".

REVEREND HARTLEY: Ja, in der Tat, preiset den Herrn, denn ihr wißt ja, nur der Herr kann...Wunder...bewirken. Und wie ihr alle gleich sehen werdet, strömt heute das klare Licht von Gottes...heilender Liebe durch Samuels...heilende Hände.

Samuel legt seine Hand auf Lucy Kelly. Scully hält das Band an.

SCULLY: Lucy Kelly wurde auf dem schnellsten Weg in ein Krankenhaus gebracht aber bei ihrer Einlieferung war sie schon tot.

MULDER: Was war die Todesursache?

SCULLY: Keine Ahnung. Aber Krebs war es nicht. Der Sheriff hat jemanden mit medizinischer Kompetenz angefordert um ihn bei diesem Fall zu unterstützen. Ich weiß, daß das keine X-Akte ist...

MULDER: Wann brechen wir nach Tennessee auf?


WUNDERHEILUNGSKIRCHE
KENWOOD, TENNESSEE


Das Schild vor dem Zelt zeigt den Schriftzug "Reverend Calvin Hartley präsentiert seine Heilungsmesse mit dem Wunderheiler Samuel Hartley. Komm wie du bist...gehe, wie du immer sein wolltest." Mulder und Scully gehen auf das Zelt zu, sie gehen dabei an einem Souvenirstand vorbei, der T-Shirts und Baseballkappen verkauft. Leute tummeln sich am Stand und vor dem Zelteingang.

MULDER: Ich glaub ich hab ein paar von den Leuten schon in Woodstock gesehen.

SCULLY: (lächelt) Mulder, Sie waren doch gar nicht in Woodstock.

MULDER: Ich habe den Film gesehen.

Sie geben ihre Eintrittskarten einem Mann, der am Eingang steht. Er gibt ihnen einen Handzettel. Sie betreten das Zelt. In der Nähe steigt Sheriff Daniels aus seinem Wagen. Er geht zur Beifahrertür. Im Wagen sitzt seine Frau Lillian.

SHERIFF DANIELS: Kann ich dich einen Moment alleine lassen?

LILLIAN DANIELS: Ich komm schon zurecht.

SHERIFF DANIELS: Gut. Ich bleib nicht lange.

LILLIAN DANIELS: Okay.

Er berührt ihre Wange und sie lächelt ihn an. Der Sheriff geht weg. Nachdem er gegangen ist, seufzt Lillian und sieht nach unten. Hartley redet zur Menge, in der auch Mulder und Scully sind.

REVEREND HARTLEY: Die meisten von euch, die heute hier sind kenne ich als Nachbarn und als geschätzte Mitglieder unserer Wunderheilungskirche. Aber einige von euch kommen von sehr weit her. Wie zum Beispiel aus (zeigt zur einen Seite der Menge) Pensacola, Florida und aus (zeigt zur anderen Seite der Menge) Uniondale, Long Island.

(Die Leute jubeln so laut, daß man seinen nächsten Satz nur halb versteht)

REVEREND HARTLEY: ...und mit seiner Familie. Und jetzt muß ich mich bei denen von euch, die von so weit hergekommen sind, ganz besonders und aus tiefstem Herzen entschuldigen. Unglücklicherweise kann Samuel heute Nachmittag nicht bei uns sein.

Stöhnen aus der Menge.

REVEREND HARTLEY: Ja ich weiß, ja ich weiß, ja wie tief enttäuscht jetzt jeder einzelne von euch sein wird, aber ich rufe euch zu, ihr dürft nicht vom Glauben abfallen und ihr dürft auch nicht die Hoffnung verlieren und ihr dürft schon gar nicht den Mut verlieren, weil nämlich schon in zwei kurzen Tagen Samuel wieder bei uns sein wird.

Jubel.

REVEREND HARTLEY: Und zwar mit einer ganz besonderen Wunderheilermission. Ja ihr habt recht euch zu freuen, in der Tat...

SCULLY: Vielleicht sollten wir hinter die Bühne gehen und sehen, was der Reverend uns zu sagen hat.

MULDER: Nein, warten Sie. Jetzt kommt doch bestimmt gleich Elvis.

REVEREND HARTLEY: ... und glaubt mir, wie euch diese gesegneten Menschen hier bezeugen werden, kann euch Samuel heilen. Und Samuel wird euch auch heilen....Aber nur, wenn ihr wirklich glaubt.

Mehrere in der Menge rufen "Ich glaube!"

(Anmerkung von Yvi: Ich glaube auch, und zwar daß das eine Anspielung ist auf einen uns allen sehr bekannten Satz...: )

Reverend Hartley geht von der Bühne ab in den hinteren Teil des Zeltes. Leonard Vance, der in schwarz gekleidet ist, sogar die Handschuhe, die Sonnenbrille und der Hut, folgt ihm. Ein Mann ruft nach Hartley als dieser herausgeht. Mulder und Scully warten auf Hartley.

MANN: Eine schöne Predigt, Reverend!

REVEREND HARTLEY: (zu dem Mann) Gott möge dich schützen!

SCULLY: (zeigt ihr Marke) Reverend Hartley? Wir sind vom FBI.

REVEREND HARTLEY: Jetzt schickt also Sheriff Daniels schon die Kavallerie.

SCULLY: Wir möchten nur kurz mit Samuel sprechen, das ist alles.

REVEREND HARTLEY: Er ist nicht hier.

MULDER: Und wo ist er?

REVEREND HARTLEY: Ich weiß es nicht. Aber der Junge ist in letzter Zeit vielleicht etwas überlastet gewesen.

VANCE: Reverend, wir sind schon spät dran.

REVEREND HARTLEY: Wenn Sie mich entschuldigen wollen...

Hartley steigt auf den Rücksitz eines weißen Cadillacs. Vance starrt sie einen Moment an und steigt dann auch auf dem Rücksitz. Das Auto, das das Nummernschild "B HEALD" hat, fährt los und an Sheriff Daniels vorbei. Daniels geht zu Mulder und Scully.

SHERIFF DANIELS: Agent Mulder?

MULDER: Ja.

SHERIFF DANIELS: Sheriff Daniels. Wir haben telefoniert.

MULDER: Oh, ja. Das hier ist Special Agent Dana Scully.

Daniels schüttelt beiden die Hände.

SHERIFF DANIELS: Guten Tag. (zu Scully) Sie wollten doch eine Kopie des gerichtsmedizinischen Befunds haben.

SCULLY: Sehr gut. Danke.

Daniels gibt ihr einen Umschlag. Sie öffnet ihn und liest den Inhalt, während sie alle weitergehen.

SHERIFF DANIELS: Wie ich sehe hatten Sie schon Gelegenheit, sich die Show dieses Schwindlers anzusehen.

MULDER: Ich habe das dumpfe Gefühl, daß Sie kein Mitglied von Reverend Hartleys Herde sind.

SHERIFF DANIELS: Ich habe Hartley noch als Seifenkistenprediger erlebt, der die Kollekte in Kaffeedosen eingesammelt hat. Seit sein...Adoptivsohn dazugestoßen ist, hat er nen Haufen Cadillacs, für jeden Wochentag einen. Gekauft von dem Geld, das uns zur Verbesserung der Straßen und Schulen fehlt.

MULDER: Die Menschen möchten an etwas glauben, wissen Sie.

SHERIFF DANIELS: Die Weltbevölkerung besteht zu neunundneunzig Prozent aus Dummköpfen. Und der Rest von uns läuft ständig Gefahr sich anzustecken.

MULDER: Auch wenn Hartley und Samuel Schwindler sind, so ist das noch lange kein Grund den Jungen wegen Mordes anzuklagen.

SHERIFF DANIELS: Es gibt einige Leute, die durch die Berührung seiner Hände gestorben sein sollen.

MULDER: Er soll sie getötet haben, indem er sie anfaßt?

SHERIFF DANIELS: Ich behaupte nicht zu wissen, wie er es getan hat. Aber wir suchen nach diesem Jungen schon seit Dienstag und er will offenbar nicht gefunden werden.

SCULLY: Ich kann nichts ungewöhnliches an diesen Berichten finden, abgesehen davon, daß keine Autopsie gemacht wurde.

SHERIFF DANIELS: Hartley hat es immer wieder geschafft, die Autopsien aus religiösen Gründen zu verhindern. Dabei war es für mich wenig hilfreich, daß der Gerichtsmediziner Mitglied seiner Glaubensgemeinschaft ist.

SCULLY: Nun, vielleicht können wir dafür sorgen, daß die Leichen exhumiert werden.


Es ist Nacht. Mulder, Scully, der Sheriff und ein Deputy sind auf dem Friedhof, während ein Bagger ein Grab aufbuddelt. Mulder sieht sich um und sieht eine Gruppe von Leuten ankommen, einige tragen Kerzen.

MULDER: Sheriff.

SHERIFF DANIELS: Das sind Reverend Hartleys Leute. Verdammt. Ich habe meine Leute gebeten Stillschweigen zu bewahren.

MULDER: Es scheint als würden ein paar seiner Anhänger auf Ihrer Lohnliste stehen.

Die Gruppe kommt näher. Sie werden von Vance angeführt.

VANCE: Im Namen der Wunderheilungskirche verlangen wir, daß Sie sofort diesem Sakrileg ein Ende setzen.

SHERIFF DANIELS: Sie haben es jetzt nicht mehr nur mit mir zu tun, Vance, sondern auch mit dem FBI.

SCULLY: Wir möchten Sie bitten, daß nicht mißzuverstehen. Wir betreiben Nachforschungen in einer möglichen Mordsache und wie Sie eigentlich wissen sollten, schreibt der Gesetzgeber in solchen Fällen zwingend eine Leichenöffnung vor.

VANCE: Aber wir gehorchen einer höheren Macht als der Regierung der Vereinigten Staaten. Einer Macht, die so etwas wie Grabschändungen und entwürdigende Leichenöffnungen als Todsünde erachtet.

Vance trägt immer noch die schwarze Kleidung. Die Haut auf seinem Gesicht rauh, wie von Hauttransplantationen.

SHERIFF DANIELS: Wir bekommen diese Autopsie, Vance, früher oder später. Das wissen Sie so gut wie wir.

Daniels hörte seinem Funkgerät zu, über das gerade ein Funkspruch für ihn eingeht. Er geht zur Seite, um mit seinem Deputy zu reden.

VANCE: Die Familie der Verstorbenen wünscht, daß ihr Grab nicht angerührt wird.

SHERIFF DANIELS: Carol Wallace hatte keine Familie.

VANCE: Wir waren ihre Familie. Wir waren ihre Familie, es war ohnehin schwer genug, sie zu begraben. Wenn Sie also darauf bestehen, mit diesem Sakrileg fortzufahren, sind wir bereit, eine Nachtwache einzurichten und alles erforderliche zu tun...um sie daran zu hindern.

SHERIFF DANIELS:'

Mulder? Scully?

Sie gehen zu ihm an die Seite.

MULDER: Was ist?

SHERIFF DANIELS: Einer meiner Jungs hat so eben das Auto des Jungen in der Stadt gesehen.

SCULLY: Hier können wir sowieso nicht mehr viel tun.

MULDER: Gehen wir.


Ihre Autos fahren in der Stadt vor.

SHERIFF DANIELS: Das ist kaum die richtige Umgebung, um Seelen zu retten.

Sie betreten eine Billardhalle. Mehrere Stühle sind umgekippt. Der Besitzer, Ted, und mehrere Gäste stellen sie auf.

SHERIFF DANIELS: Wo ist der Bursche, Ted?

TED: Er ist auf der Toilette.

MULDER: Was ist hier passiert?

TED: Der Blödmann hat ne Prügelei angefangen. Ist ja klar, daß diese Frömmler nicht mit Alkohol umgehen können.

Samuel schwankt zu seinem Stuhl in der Nähe der Bar zurück. Sein Gesicht hat mehrere blaue Flecken. Daniels geht auf ihn zu. Mulder und Scully folgen.

SHERIFF DANIELS: Wo warst du denn, Samuel? Wir haben nach dir gesucht.

SAMUEL: (zündet sich eine Zigarette an) Ja? Ich hab nachgedacht.

SHERIFF DANIELS: Du kriegst ne Menge Zeit, um in einer Zelle nachzudenken. Ich nehm dich nämlich fest.

SAMUEL: Wegen Mord?

SHERIFF DANIELS: Wegen Mordverdacht.

SAMUEL: Darf ich zuerst noch mein Bier austrinken?

SHERIFF DANIELS: Hast du nicht sowieso schon genug? Ich werde jemanden deine Aussage aufnehmen lassen und jetzt sorge ich dafür, daß dein Cadillac abgeschleppt wird.

Daniels geht los, aber Mulder ruft ihm nach.

MULDER: Sheriff? Was für Beweise haben Sie, um ihn anzuklagen?

SHERIFF DANIELS: Na was wollen Sie noch? Der Junge stellt sich doch praktisch selbst.

MULDER: Sehen Sie nicht, daß er betrunken ist?

SHERIFF DANIELS: Dann zeige ich ihn noch wegen Trunkenheit in der Öffentlichkeit an. Lassen Sie mich eins klar stellen, es geht nicht um die Frage, ob er es getan hat, sondern wie er es getan hat.

MULDER: Kann ich mal kurz mit ihm reden?

SHERIFF DANIELS: Ganz wie Sie wünschen.

MULDER: Samuel, ich bin Agent Mulder und das ist Agent Scully - wir sind vom FBI.

Sie setzen sich zu ihm.

MULDER: Du scheinst ja ganz schön was abgekriegt zu haben.

SAMUEL: Bestrafung, Mr. Mulder.

SCULLY: Für mich sieht das mehr wie ne Kneipenprügelei aus.

SAMUEL: Der Herr hat es gegeben und der Herr hat es auch wieder genommen. Wenn jemand zu stolz wird...tut es ihm manchmal gut, wenn er...was aufs Maul bekommt. Das erspart Gott die Mühe.

SCULLY: Welche Mühe erspart es ihm?

SAMUEL: Den Schuldigen zu demütigen.

MULDER: Schuldig an einem Mord?

SAMUEL: Ja, sir.

MULDER: Wie hast Du's getan, Samuel?

SAMUEL: Offenbar waren mein Stolz und meine...Schwäche eine Einladung an den Teufel. Ich habe die Reinheit meines Glaubens beschmutzt. Seitdem ist meine Gabe korrumpiert.

SCULLY: Soll das heißen, daß du die Leute nur mit deiner Berührung getötet hast?

SAMUEL: Ich legte meine Hände auf die Kranken und hab sie gesund gemacht. Ich habe sie geheilt, ich habe sogar Tote ins Leben zurückgerufen. Gott verlieh mir eine besondere Gabe.

SCULLY: Und den Schmuck hat er dir wohl auch verliehen. Ich glaube, du hast in deiner Geschichte etwas ausgelassen, Samuel.

SAMUEL: (scharf) Zweifeln Sie etwa an der Macht Gottes, Ma'am?

SCULLY: Nein. Aber ich zweifle an der Wahrhaftigkeit deiner Behauptungen.

SAMUEL: Ich habe den Schwachen immer sofort ihre Krankheit angesehen, wenn sie Krebs hatten... und ganz genau so sehe ich den Schmerz, den dieser Mann in seinem Herzen trägt.

Er deutet auf Mulder.

MULDER: Wirklich? Welcher Schmerz ist das?

SAMUEL: Sie schmerzt der Verlust Ihres Bruders oder Ihrer Schwester. Es ist ein alter Schmerz. Er wurde niemals geheilt.

SCULLY: Ist das vielleicht irgendein Trick?

SAMUEL: Durchaus nicht, Ma'am.

SCULLY: (steht auf) Vielleicht sollten wir jetzt den Sheriff holen...

MULDER: (bleibt sitzen) Ich möchte mehr...über diesen Schmerz hören. Raus damit.

SAMUEL: Ich kann es jetzt ganz deutlich vor mir sehen. Es war Ihre Schwester... die Sie in jungen Jahren verloren haben. Jemand hat sie entführt.

MULDER: Was siehst du sonst noch?

SAMUEL: Ein helles Licht. Und fremde Wesen.

SCULLY: Sheriff?

SAMUEL: Sie hätten eher herkommen sollen, dann hätte ich Ihren Schmerz vielleicht heilen können.

SHERIFF DANIELS: Also, dann laß uns jetzt aufbrechen.

MULDER: Ich rede aber noch mit ihm.

SAMUEL: Ich kann Ihnen nicht helfen. Jetzt nicht mehr. Er hat mir die Gabe genommen.

SHERIFF DANIELS: Leg ihm die Handschellen an.

Der Deputy macht es.

SHERIFF DANIELS: Los gehen wir. Du hast das Recht zu schweigen...

Während der Sheriff und der Deputy Samuel abführen, bedeckt Mulder seine Augen mit seiner Hand, von Samuels Worten bewegt.

SHERIFF DANIELS: ...und du hast das Recht auf einen Anwalt und...

SAMUEL: (dreht sich zu Mulder um) Eins will ich Ihnen sagen, Mr. Mulder. Gott wacht über seine Herde und er gibt uns jeden Tag Zeichen. Öffnen Sie Ihr Herz. Vielleicht öffnet er Ihnen dann die Augen.

Samuel wird weggeführt. Mulder sitzt immer noch fassungslos am Tisch.

SCULLY: Wie kann er das Ihrer Ansicht nach?

MULDER: Keine Ahnung.


BEZIRKSGERICHT KENWOOD COUNTY


Eine Anhörung wird für Samuel abgehalten. Mulder und Scully sitzen in der Galerie.

VERTEIDIGUNG: Angesichts seiner vorbildlichen Vergangenheit und den höchstfragwürdigen Indizien in diesem Fall beantrage ich, daß mein Mandant ohne Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen wird...

SAMUEL: (steht auf) Herr Richter! Das ist aber keine gute Idee.

REVEREND HARTLEY: von der Galerie Samuel!

SAMUEL: Wenn Sie mich gehen lassen, übernehmen Sie die Verantwortung!

RICHTER: (er klopft mit dem Hammer) Genug! Das hier ist keine Gospelshow sondern ein Gerichtssaal. Habe ich mich jetzt klar genug ausgedrückt?

SAMUEL: Ja, Sir.

Er setzt sich.

VERTEIDIGUNG: Verzeihung, Euer Ehren.

ANKLAGE: Euer Ehren. Unabhängig davon, daß der Angeklagte seine Schuld zugibt, sehen wir keinen Grund, die Bezirkskasse bis zu seinem Prozeß zu belasten. Aber wir fordern eine Kaution von mindestens 100.000 Dollar.

RICHTER: Nun gut. Falls kein Einspruch erhoben wird, wird die Kaution auf 100.000 Dollar festgesetzt und muß sofort auf das Konto der Gerichtskasse eingezahlt werden.

Während der Richter spricht, fangen Heuschrecken an im Gerichtssaal herumzufliegen. Von der Galerie sind Schreie zu hören. Der Richter versucht die Heuschrecken, die um ihn herumfliegen zu vertreiben.

RICHTER: Mein Gott! Was ist das....oh, mein Gott! Was ist das? Was?

Die Bänke und Tische sind mit Heuschrecken bedeckt.

SAMUEL: (steht auf und spricht zur Menge) Was braucht es denn noch, damit ihr mir glaubt? Der Herr hat Zeugnis gegen mich abgelegt. Muß euch denn erst eine Schlange in den Hintern beißen bis ihr das endlich versteht?

RICHTER: Gerichtsdiener, lassen Sie sofort den Saal räumen.

Samuel erhebt seine Arme zum Himmel ballt die Fäuste während die anderen aus dem Raum rennen. Reverend Hartley begegnet Sheriff Daniels außerhalb des Gerichtsraums und hält an, als ob er etwas sagen möchte. Von hinten legt Leonard Vance seine Hand auf Hartleys Schulter. Hartley und Vance gehen dann.


Mulder und Scully sind in seinem Motelzimmer. Mulder liest aus der Bibel während Scully die Heuschrecken untersucht.

MULDER: "Und bis morgens führte der Ostwind die Heuschrecken her. Und sie ließen sich an allen Orten nieder und bedeckten das Land, so daß es sich verfinsterte und sie fraßen alles Kraut im Lande und..."

SCULLY: Warum, Mulder?

MULDER: (legt sich aufs Bett) "...alle Früchte auf den Bäumen, die der Hagel übriggelassen hat."

SCULLY: Ein paar tausend Heuschrecken bedeuten noch keine Plage. Abgesehen davon, daß die Umgebung der Stadt einen landwirtschaftlichen Appetithappen für diese Art Heimsuchung darstellt.

MULDER: Ja, ein Maisfeld vor der Stadt vielleicht, aber das ist in einem Gerichtssaal geschehen.

SCULLY: Also was kommt als nächstes? Die Tötung der Erstgeborenen?

Mulder lacht trocken.

SCULLY: Mulder, hat das etwas damit zu tun, was Ihnen Samuel gestern abend gesagt hat - über Ihre Schwester?

Mulder schließt die Bibel und gibt ihr eine Akte, die auf dem Bett lag. Sie sieht sie durch.

MULDER: Diese Akten habe ich mir aus dem Krankenhaus von Kenwood County rüberschicken lassen. Das sind ärztlich-dokumentierte Fälle von Patienten, die zu Samuel gingen, nachdem konventionelle Methoden versagt hatten.

SCULLY: "Spontane Rückbildung von methastasischen Krebszellen...regeneriertes Nervenwachstum nach post-trauma paraplegia..."

MULDER: Ich kenne tausende von Geisterheilern aus den X-Akten, aber keinen wie diesen. Ich halte den Jungen für echt.

SCULLY: Ich gebe ja zu, daß das faszinierend ist. Aber Sie wissen doch auch, es gibt einen ganzen Haufen medizinischer Literatur über diese unerklärbaren, spontanen Heilungen.

MULDER: Also, die westliche Medizin behandelt den menschlichen Körper als biochemisches System, so ist es doch?

SCULLY: Um-hmm.

MULDER: Aber man kann ihn auch als elektromagnetische System betrachten.

SCULLY: Und falls ein solches Energiefeld von Samuel repariert werden kann, um jemanden zu heilen, kann er es auch zerstören, um ihn zu töten.

MULDER: Wieso nicht?

SCULLY: Gut, gehen wir mal davon aus, daß Samuels Berührung töten kann. Aber was treibt ihn dazu?

MULDER: Er war doch der Meinung, daß er seinen Glauben beschmutzt hat und das bedeutet im Klartext...

Es klopft an der Tür. Mulder geht hin. Es ist Leonard Vance.

VANCE: Falls Sie ein wenig Zeit haben, würde der Reverend gerne mit Ihnen reden.


Mulder und Scully besuchen Hartley in seinem Haus. Er sitzt an einem großen Schreibtisch, den Rücken zum Fenster.

REVEREND HARTLEY: Ich habe in letzter Zeit sehr unter Streß gestanden....damit will ich mein schlechtes Benehmen von gestern nicht entschuldigen, aber ich hoffe, daß Sie vielleicht so freundlich sind und mir verzeihen.

MULDER: Und wieso wollten Sie mit uns sprechen?

REVEREND HARTLEY: Ich könnte Ihre Hilfe brauchen.

MULDER: Samuel wird wegen Mordes angeklagt. Sie brauchen einen guten Anwalt.

REVEREND HARTLEY: Samuel ist unschuldig.

MULDER: Und was macht Sie so sicher?

REVEREND HARTLEY: Ich weiß es, weil er mein Sohn ist.

MULDER: Ich glaube nicht, daß diese Argumentation irgendeinen Geschworenen beeindrucken wird. Und Samuels Geständnis ist auch nicht gerade hilfreich.

REVEREND HARTLEY: Sie müssen das verstehen. Samuel ist ein sehr komplizierter junger Mann. Er fühlt viel intensiver als normale Leute. Er empfindet den Piekser von einer Nadel wie eine klaffende Wunde. Seine Kraft kommt aus dieser Fähigkeit, so zu empfinden. Aber genau davor haben einige Menschen Angst und aus ihrer Furcht davor versuchen sie diese Kraft zu zerstören.

SCULLY: Sie meinen wohl Sheriff Daniels?

REVEREND HARTLEY: Es weiß ohnehin jeder, daß Sheriff Daniels ständig versucht hat, mein Zelt zu schließen, seit ich es vor zehn Jahren er öffnet habe.

SCULLY: Er scheint der Meinung zu sein, daß Ihre angeblichen Heilungen ein Schwindel sind.

REVEREND HARTLEY: Dieser Mann glaubt an nichts, Agent Scully. Seine Frau leidet an einer schmerzhaften Arthritis, die ihre Finger verkrümmt wie die einer Hexe. Aber trotzdem will er ihr auf keinen Fall von Samuel helfen lassen.

SCULLY: Das können Sie ihm nach den letzten Ereignissen kaum verübeln.

REVEREND HARTLEY: Ich weiß nicht, wieso diese armen Menschen tot sind. Es ist mir ein Rätsel. Und deswegen möchte ich Sie auch bitten, heute abend dabei zu sein und selbst zu erleben, wie Samuel Gottes Werke tut. Darf ich mit Ihnen beiden rechnen?

Mulder sieht an Hartley vorbei und sieht ein junges Mädchen mit langem braunen Haar in einem roten Kleid, das im Garten steht.

SCULLY: Ich glaube schon. Mulder , was meinen Sie?

MULDER: Entschuldigen Sie mich.

Er geht schnell raus, zur Überraschung von Scully und Hartley. Mulder rennt aus der Vordertür und sieht sich um, findet aber kein Zeichen von dem kleinen Mädchen. In der Einfahrt wachst ein Mann eins der Autos.

MULDER: (zu einem der Männer) Hey, wo ist sie hin?

MANN: Wer?

MULDER: Die Kleine.

MANN: Hier ist kein kleines Mädchen gewesen.

Mulder sieht nach oben und erkennt Samuel, der am Fenster steht. Scully kommt aus der Vordertür.

SCULLY: Mulder. Was ist los?

MULDER: Hier war ein Mädchen.

SCULLY: Wer? Claudia Schiffer?

MULDER: Nein, sie war noch klein.

Er sieht wieder nach oben, aber Samuel ist nicht mehr da.


Am Abend, Leute betreten das Zelt und g

ehen an einem Tisch mit Erfrischungsgetränken vorbei. Leonard Vance begrüßt sie.

VANCE: Guten Abend, Brüder und Schwestern, bedient euch. Und laßt bitte die Leute mit den Rollstühlen durch. Ja, so lob ich mir das.

Margaret Hohman, eine junge Frau in einem Rollstuhl, kommt in das Zelt, gefolgt von ihren Eltern.

VANCE: Hallo, guten Abend, willkommen in der Wunderheilungskirche. Sind Sie alle gekommen, um Samuel zu sehen?

MARGARETS MUTTER: Ja. Wird er auch heute abend hier sein? Ich hab nämlich in der Zeitung..

VANCE: Ach, Sie dürfen nicht alles glauben, was in den Zeitungen steht. Gottes Werk wird vollbracht werden.

Er gibt Margaret einen Becher.

VANCE: Samuel ist hier, um den Teufel auszutreiben und die Kranken zu heilen.

MARGARETS VATER: Hast du das gehört, Schätzchen?

MARGARET HOHMAN: Und wird er mich auch bemerken?

VANCE: Ich werde dir etwas sagen. Ich werde mal ein gutes Wort für dich einlegen, hmm. Und wie ist dein Name, Tochter?

MARGARET HOHMAN: Margaret Hohman.

VANCE: Margaret? Also, Margaret, du wartest jetzt hier. Ich werde sehen, ob ich nicht jemanden finde, der dich in die erste Reihe bringt. Na, wie wäre das?

Margarets Mutter umarmt sie während Margaret einen Schluck aus dem Becher nimmt.


Hinter der Bühne, Samuel sitzt an einem Schminktisch. Hartley ist hinter ihm.

SAMUEL: Ich kann nicht da rausgehen...nicht nachdem, was passiert ist.

REVEREND HARTLEY: Gott prüft den Glauben in uns allen, Junge. Und wenn er dich erwählt hat, nach seinem Bild zu handeln, unterzieht er dich der schwersten aller Prüfungen.

Vance kommt herein

REVEREND HARTLEY: Entsage nicht deiner Gabe, Samuel.

SAMUEL: Oh, Mann ...

Hartley nimmt Samuel bei den Schulter und dreht ihn zu sich herum.

REVEREND HARTLEY: Ich bin ein Prediger, Junge, das ist meine Gabe. Aber alle Predigten dieser Welt können nicht mal ein kleines deiner Wunder aufwiegen und in einer ähnlichen Weise den Glauben der Menschen festigen. Laß diesen Mann (er legt eine Hand auf die Schulter von Vance) dessen Leben du gerettet hast, heute abend Zeugnis von der Gnade und Güte deiner Heilkraft ablegen.

VANCE: Sie erwarten dich alle, Samuel.


Im Zelt, der Chor singt "Ready, you got to be ready". Das Publikum klatscht und singt mit. Mulder und Scully kommen herein und finden einen Platz.

ANSAGER: Macht euch bereit für Reverend Hartley.

Hartley betritt die Bühne und winkt.

REVEREND HARTLEY: Ja, in der Tat, ich rate euch, an den Herrn zu glauben. Halleluja!

ALLE: Halleluja!

REVEREND HARTLEY: Lobet den Herrn!

ALLE: Lobet den Herrn!

EIN MANN IM PUBLIKUM: Preiset den Herrn!

REVEREND HARTLEY: Gott ist heute abend...unter uns. Ich spüre seine Gegenwart.

Ein Assistent reicht Mulder den Kollektenteller.

REVEREND HARTLEY: Oh, ja! Amen!

Mulder gibt den Teller an Scully, die das Geld darin bemerkt. Sie gibt ihn weiter.

SCULLY: Offensichtlich haben auch Wunder ihren Preis.

REVEREND HARTLEY: Gott ist hier und er ist hier...um zu heilen!

Die Menge jubelt.

REVEREND HARTLEY: Ja, zu heilen! Halleluja. Ich möchte euch jetzt einen Mann vorstellen, einen Mann, der schon im Angesicht Gottes gestanden hat, der aber nicht zufrieden damit war, so früh abberufen zu werden. Nein, Gott hatte viel Arbeit für ihn hier unten auf der Erde...also mußte der Himmel noch warten. die Menge jubelt Ich habe diesen Mann zurückkommen sehen, er kam aus dem Jenseits.

Er zeigt auf Vance.

REVEREND HARTLEY: Und er weilt heute unter uns als das lebende Zeugnis für...die Fähigkeit...die Fähigkeit Gottes, Wunder zu bewirken. Unser geliebter Freund, Leonard Vance.

Er gibt Vance das Mikrofon.

VANCE: Wie es bei Johannes in Kapitel 3 heißt "niemand kann Zeichen und Wunder tun, es sei denn, Gott ist mit ihm." Dieser Mann, dem ich mein Leben verdanke, ist Samuel Hartley und er ist heute abend hier, um euch zu heilen.

REVEREND HARTLEY: Danke sehr. Meine Damen und Herren, der Soldat Gottes... Samuel Hartley.

Als Samuel herauskommt, jubelt die Menge. Mulder sieht zu einer Seite und bemerkt das kleine Mädchen auf der anderen Seite des Zeltes. Er erhebt sich und geht in die Richtung.

SCULLY: Mulder?

Samuel geht zu denen, die in der ersten Reihe sitzen.

(Anmerkung von Yvi: Tja, nicht nur bei ARD und ZDF...)

SAMUEL: (berührt eine Frau an der Wange) Empfange Gottes Liebe.

Er nimmt den Kopf eines jungen Mannes in seine Hände.

SAMUEL: Spüre die Kraft Gottes.

Mulder bewegt sich durch die Menge, sieht das kleine Mädchen aber nicht länger. Samuel kniet vor Margarets Rollstuhl.

SAMUEL: Und du. Bete mit mir.

Er berührt ihre Wange. Margarets Eltern, die jeder eine Hand auf ihrer Schulter haben, beten auch. Mulder sucht immer noch nach dem Mädchen, sieht sie aber nicht mehr.

SAMUEL: Schließe deine Augen.

Er berührt immer noch ihre Wange. Margaret schnappt nach Luft. Geschockt erhebt sich Samuel und geht zurück während Margarets Eltern versuchen ihr zu helfen.

MARGARETS MUTTER: Um Himmels Willen. Maggie, was ist?

Scully bahnt sich ihren Weg durch die Menge auf Margaret zu.

MARGARETS VATER: Was hast du mit ihr gemacht?

REVEREND HARTLEY: Schön ruhig bleiben. Bewahren Sie schön die Ruhe und lassen Sie...

Scully erreicht Margaret und kniet sich vor sie. Margaret hat Krämpfe.

SCULLY: Wir brauchen sofort einen Notarzt!

REVEREND HARTLEY: Und jetzt lobet alle den Herrn...

SCULLY: Kann mal jemand einen Krankenwagen rufen?

REVEREND HARTLEY: Es ist alles in Ordnung, keine Panik. Jetzt preiset den Herrn.

Sheriff Daniels und Mulder kommen auch nach vorne. Margaret fällt leise zur Seite und Scully überprüft ihren Puls, steht dann auf.

SCULLY: (zu Mulder) Sie ist tot.

Margarets Mutter schluchzt laut und umarmt ihre Tochter. Hartley drängt Samuel, der auch den Tränen nahe ist, von der Bühne.


BEZIRKSKRANKENHAUS KENWOOD COUNTY


Draußen, Vance spricht mit einer Gruppe von Leuten, die Kerzen tragen.

VANCE: ... meine geliebten Freunde. Die Kinder Gottes. Brüder und Schwestern. Wenn ihr den Leib entweiht, dann vernichtet ihr...die Seele. Der Körper dieser armen Frau muß unversehrt bleiben.

Drinnen, Scully redet mit Margarets Vater in einem Flur. Mulder lehnt an einer Wand in der Nähe.

SCULLY: Wir wissen, daß Reverend Hartley Druck auf Sie ausübt, aber das ist der dritte Todesfall im Zusammenhang mit diesen Wunderheilungen.

MARGARETS VATER: Reverend Hartley sagt, daß eine Autopsie gegen die heilige Schrift verstößt.

SCULLY: An welcher Krankheit hat Ihre Tochter gelitten, Mr. Hohman?

MARGARETS VATER: Sie hatte M.S.

SCULLY: Und hatte sie früher schon solche Anfälle wie diesen?

MARGARETS VATER: Nein, meines Wissens nicht.

SCULLY: Aus den äußeren Anzeichen kann ich schließen, daß Ihre Tochter an irgendeiner Embolie oder an einem Aneurisma gestorben ist.

MARGARETS VATER: Aber der Junge hat nur ihre Stirn berührt.

SCULLY: Und Sie geben sich damit zufrieden, sie zu begraben, ohne die wahre Ursache ihres Todes zu kennen? Wollen Sie nicht wissen, ob sie einem Verbrechen zum Opfer fiel?

MARGARETS VATER: Geben Sie mir einen Moment Zeit.

Er geht ein Stück und kniet sich vor seine Frau, die weinend in einem Stuhl sitzt. Mulder und Scully gehen den Flur weiter herunter und reden leise miteinander.

MULDER: Glauben Sie wirklich, daß der Junge es getan hat?

SCULLY: Nein.

MULDER: Warum nicht?

SCULLY: Ich wurde katholisch erzogen und deswegen kenne ich mich ganz gut mit der Bibel aus. Und Gott läßt sich vom Teufel nie die Show stehlen.

MULDER: (lächelt) Dann muß Ihnen "Der Exorzist" ja sehr gefallen haben.

SCULLY: (nickt und lächelt) Einer meiner Lieblingsfilme.

MULDER: (lehnt sich wieder gegen eine Wand) Aha.

SCULLY: Also, wen haben Sie heute abend in der Menge verfolgt?

MULDER: Ich dachte, ich hätte jemanden erkannt.

SCULLY: Der Junge macht Ihnen ganz schön zu schaffen, nicht wahr?

MULDER: Wie darf ich das verstehen, Scully?

SCULLY: In der Bar erwähnte Samuel Ihre Schwester. Ist es Ihre Schwester, die sie ständig glauben zu sehen?

MULDER: Ich hab sie schon zweimal gesehen.

SCULLY: Vielleicht möchten Sie sie ja nur sehen.

MULDER: Oh ... ich hab doch keine Halluzinationen.

SCULLY: Aber unterschätzen Sie die Macht der Suggestion nicht. Die größte Magie des Heilers liegt in der Bereitschaft des Patienten zu glauben. Wenn man sich ein Wunder vorstellt, ist es schon halbwegs geschehen. Der Glaube versetzt Berge.

MULDER: An diese Art Wunder hat Margaret Hohman bestimmt nicht gedacht.

Sie gehen den Flur wieder zurück. Margarets Vater kommt auf sie zu.

MARGARETS VATER: (nickend) Wir sind einverstanden mit Ihrer Untersuchung.


Scully ist vollständig in Kittel gekleidet, bereit die Autopsie durchzuführen. Sie schärft ein großes Messer.

SCULLY: (ins Mikrofon) Heute ist der 7. März und es ist 23:21 Uhr. Der Name der Person ist Margaret Hohman. Sie ist weiblich und wiegt 107 Pfund.

Mulder dreht den Kopf weg als sie beginnt.

Jetzt ist es 12:29 Uhr.

SCULLY: Mulder, sehen Sie sich das an.

MULDER: Muß ich wirklich?

SCULLY: (mit einer Lunge in ihrer Hand) Diese Verletzungen an der Lunge finde ich in allen kardiovaskulären und pulmonalen Systemen. Darüber hinaus sind die Schleimhäute stark geschädigt, ich glaube, sie ist an einer Zellularhypoxie gestorben - das ist ein Sauerstoffmangel in den Zellen.

MULDER: Und was verursacht so was?

SCULLY: Ich nehme an, ihr wurde über die Nahrungskette oder durch eine Injektion Natriumzyanid oder Zyankali zugeführt, vielleicht auch Arsen. Genau weiß ich das erst, wenn ich sie toxikologisch durchleuchtet habe.

MULDER: Und wann ist das?

SCULLY: Das Labor macht erst in ein paar Stunden auf.

MULDER: Suchen Sie jemanden, der Sie da rein läßt und zwar so schnell wie möglich.

Er geht.


BEZIRKSGEFÄNGNIS KENWOOD COUNTY


Samuel liegt auf dem Bett in seiner Zelle. Mulder kommt mit einem Deputy herein.

MULDER: Samuel? Ich bin es, Agent Mulder.

SAMUEL: Ja? Und was wollen Sie?

MULDER: Ich würde gerne mit dir reden. Aber wenn du lieber deinen Anwalt dabei hast...

SAMUEL: Ach was soll's. Nein.

Der Deputy öffnet die Tür und Mulder geht hinein.

MULDER: Ich habe Sheriff Daniels angerufen. Er ist auf dem Weg hierher. Ich werde ihn bitten, dich frei zu lassen.

Der Wächter schließt die Zellentür und Samuel steht auf.

SAMUEL: Warum tun Sie das? Sie sind doch dabei gewesen, Sie haben es selbst gesehen.

MULDER: Hast du Margaret Hohman vergiftet?

SAMUEL: Ob ich sie vergiftet...

MULDER: Hast du ihr auf irgendeine Weise Zyankali oder Arsen zugeführt, denn daran ist sie gestorben.

SAMUEL: Wovon reden Sie überhaupt?

Er setzt sich aufs Bett.

MULDER: Du bist unschuldig, Samuel - es sei denn, du hättest dabei geholfen, ihr das Gift einzuflößen.

SAMUEL: Was immer die Ursache ist, Mr. Mulder, ich bin verantwortlich.

Er legt sich wieder hin.

MULDER: Morgen bei der Vorverhandlung werden die Beweise vorliegen. Nach dem habeas corpus-Gesetz müssen sie dich freilassen, also wieso sollst du nicht nach Hause gehen und etwas schlafen?

SAMUEL: Lassen Sie mich doch in Ruhe, ja?

MULDER: Also, Samuel, falls du glaubst, daß der Tod dieser Menschen die Strafe für deine Sünden ist....

SAMUEL: Der Herr hat vor Gericht gegen mich ausgesagt, Mr. Mulder!

MULDER: Ich will hier gar keine Diskussion über die Bibel mit dir führen, aber ich weiß, daß das Gericht dich für unschuldig befinden wird!

Samuel sagt nichts, sieht aber nach unten. Mulder kniet sich vor ihn.

MULDER: Du hast gesagt, du kannst meinen Schmerz sehen. Sieh mich an.

Samuel sieht ihn an.

MULDER: Was kannst du jetzt sehen?

SAMUEL: Ich sehe gar nichts. Ich bin blind.

MULDER: Ich glaube dir nicht. Ich habe sie gesehen. Sie war es doch, oder?

SAMUEL: Ihre Schwester?

MULDER: Du warst es, der sie mir erscheinen ließ? Sieh mich an!

SAMUEL: (scharf) Ich muß jetzt schlafen, Mr. Mulder.

MULDER: (laut) Lebt sie? Ist es das, was ich glauben soll oder ist das... ein Trick?

SAMUEL: Sie meinen....ein Trick des Teufels?

MULDER: (seufzt verzweifelt, schreit dann) Wärter!

Mulder, geht schnell und verärgert aus dem Zellenblock und begegnet Sheriff Daniels und einem anderen Deputy.

SHERIFF DANIELS: Wie es scheint bin ich ein bißchen zu spät gekommen.

MULDER: Ich habe Sie hergebeten, damit Sie den Jun

gen frei lassen.

SHERIFF DANIELS: Aus welchem Grund denn?

MULDER: Er ist unschuldig.

SHERIFF DANIELS: Geht das nicht ein bißchen über Ihre Kompetenzen, Agent Mulder? Für Sie mögen wir ja Hinterwäldler sein, aber wir halten uns an das Rechtssystem.

MULDER: Ich will mich nicht mit Ihnen streiten. Er scheint sowieso fest entschlossen zu sein, hier zu bleiben.

SHERIFF DANIELS: Und was sagt Ihnen das?

MULDER: Daß Sie anscheinend fest entschlossen sind, ihn anzuklagen während der wirkliche Mörder immer noch frei rumläuft.

Er geht.


Später. Der Deputy, derselbe der gerade bei Daniels war, bringt zwei Männer in den Zellenblock und öffnet die Tür zu Samuels Zelle.

DEPUTY: Ich hab ein bißchen Gesellschaft für dich, Sam.

Die Männer gehen hinein, der Deputy schließt die Tür und geht weg. Die Männer drücken Samuel gegen die Tür. Weiter unten im Gang, starrt ein Gefangener den Deputy an, als der vorbeigeht.

DEPUTY: (zum Gefangenen) Was guckst du denn so?

Zurück in Samuels Zelle, die Männer schlagen ihn zusammen.


Der nächste Tag. Deputy Tyson klingelt an Sheriff Daniels Haus. Seine Frau fährt mit ihrem Rollstuhl auf die Tür zu als der Sheriff die Treppe herunter kommt.

SHERIFF DANIELS: Ich geh schon hin. Laß gut sein.

Sie kommen gemeinsam an der Tür an. Der Sheriff öffnet sie.

DEPUTY TYSON: Ma'am. Sheriff.

LILLIAN DANIELS: Hallo Dennis. Wie geht's Ihnen?

DEPUTY TYSON: Sehr gut, Ma'am, ich hoffe Ihnen auch. (zum Sheriff) Im Gefängnis hat es einen Zwischenfall gegeben.

SHERIFF DANIELS: Was für einen Zwischenfall denn, Tyson?

DEPUTY TYSON: Der Predigerjunge Samuel...ist tot.


BEZIRKSGEFÄNGNIS KENWOOD COUNTY


Draußen, Samuels Leiche wird weggebracht. Eine kleine Gruppe schaut zu. Mulder und Scully stehen beim Sheriff.

SCULLY: Er war allein in seiner Zelle als Mulder ihn heute früh verlassen hat. Wie konnte das passieren?

SHERIFF DANIELS: Er hat ne wilde Prügelei mit ein paar betrunkenen Mithäftlingen angefangen und dabei ein paar kräftige Schläge an den Kopf bekommen. Er starb bevor der Krankenwagen eintraf.

Hartley und Vance kommen mit einem Auto angefahren. Daniels geht weg.

REVEREND HARTLEY: (zum Sheriff) Sein Blut ist vergossen worden! Und daran haben Sie schuld.

Er zeigt auf Daniels.

VANCE: Reverend ...

Der Sheriff hält an und Hartley kommt näher.

REVEREND HARTLEY: Wie lange wollen Sie sich noch hinter Ihrem Polizeiabzeichen verbergen (schlägt auf die Marke) bevor die Wahrheit ans Licht kommt?

SHERIFF DANIELS: Ich habe zu arbeiten.

Er geht weg. Hartley will ihm folgen, wird aber von Vance zurückgehalten. Scully geht auf sie zu.

SCULLY: Reverend Hartley. Wir bedauern Ihren Verlust.

REVEREND HARTLEY: (den Tränen nahe) Der arme Junge ... er war gesegnet. Er hat keiner Seele etwas getan.

VANCE: Kommen Sie, Reverend. Unsere Freunde werden das mit Samuel früher oder später doch erfahren - es ist vermutlich das beste, wenn sie es von Ihnen hören. Kommen Sie. (zu Scully) Ma'am.

Sie gehen. Scully geht zurück zu Mulder, der alleine in die Leere gesehen hat.

SCULLY: Sie haben ja schon wieder diesen Gesichtsausdruck, Mulder.

MULDER: Welchen Gesichtsausdruck denn?

SCULLY: Sie sehen aus als ob Sie Ihre Schlüssel vergessen haben und verzweifelt überlegen, wie Sie ins Haus kommen.

Er grinst sie leicht an.


Später, sie sind im leeren Gerichtssaal. Mulder sieht sich auf der Richterbank um.

SCULLY: Was genau versuchen wir eigentlich zu finden?

MULDER: Hinweise!

SCULLY: Aha.

Mulder geht zu ihr und tritt auf eine tote Heuschrecke. Er hebt sie auf und sieht sie genau an.

SCULLY: Was hat das zu bedeuten?

Sie sehen nach oben und entdecken mehrere tote Heuschrecken im Belüftungsschacht.

MULDER: Versuchen wir doch mal, das heraus zu finden.

Auf dem Dach, Mulder findet eine kleines Stückchen beim Eingang des Luftschachtes. Er ruft Scully zu sich.

MULDER: Scully. (zeigt es ihr) Ein Stück Kartoffel. (sieht in den Eingang hinein) Jemand hat eine Lebensmittelspur im Entlüftungssystem, das zum Gerichtssaal führt, hinterlassen. Sie kippen Ihre Heuschrecken hier rein...und die Plage ist da.

SCULLY: Und wo sind die alle hergekommen?

MULDER: Normalerweise werden so viele Heuschrecken nur an Farmen und Universitäten geliefert. Es dürfte nicht schwer sein, den Urheber zu finden.

SCULLY: Und Sie gehen davon aus, daß der auch für die Morde verantwortlich ist?

Mulder nickt.


Nachts, ein Gewitter wütet draußen. Vance wirft sich in einem Bett im Schlafzimmer im oberen Stockwerk des Hauses von Hartley hin und her. Ein lauter Donner und Vance sieht Samuel vor seinem Bett stehen. Um Samuels Körper sieht man eine Aura leuchten. Vance schnappt nach Luft und klettert aus dem Bett.

VANCE: Du bist tot. Sie haben dich getötet.

SAMUEL: Ich war tot. Aber jetzt bin ich hier.

VANCE: Nein!

SAMUEL: Warum hast du mich verraten?

Vance will mit seinen Stock Samuel schlagen, aber trifft nichts. Jetzt ist Samuel hinter ihm.

SAMUEL: Du hast diese Menschen ermordet.

Vance dreht sich um und schnappt wieder nach Luft.

SAMUEL: Sie kamen zu mir, um sich heilen zu lassen und du hast sie umgebracht. Warum nur? Nachdem ich dir dein Leben zurückgegeben habe?

VANCE: (hebt seine verbrannten Hände hoch) Das nennst du Leben?


Später, Hartley geht an die Tür, an der Sheriff Daniels, Mulder und Scully stehen.

REVEREND HARTLEY: (zum Sheriff) Was wollen Sie denn um diese Zeit?

SHERIFF DANIELS: Wir haben einen Haftbefehl gegen Leonard Vance. Wo ist er?

REVEREND HARTLEY: Das muß ein Irrtum sein.

SCULLY: Ich fürchte nein, Reverend. Wir haben eine Pestizidbestellung von ihm zu einer Chemiefirma in Knoxville zurückverfolgt. Zyanobromid - das ist ein Zyanidderivat.

REVEREND HARTLEY: Leonard hat diese Menschen vergiftet?

Als sie das Schlafzimmer betreten liegt Vance wimmernd auf dem Bett.

SHERIFF DANIELS: Ziehen Sie sich an, Vance. Sie sind verhaftet.

VANCE: (schwer atmend) Ich habe ihn verraten.

Scully riecht an dem Inhalt des Glases auf seinem Nachttisch.

SCULLY: Zyanid - schwer zu sagen, wie hoch die Dosis war.

MULDER: Ich rufe einen Krankenwagen.

SCULLY: Es ist zuspät, wir müssen ihn selbst ins Krankenhaus bringen.

VANCE: (atemlos) Ich dachte "Warum hat er mich von den Toten zurückgeholt?" Hütet euch vor den falschen Propheten, die zu euch kommen, verkleidet als...als Schafe verkleidet aber inwendig sind sie...reißende Wölfe. Dafür habe ich ihn wirklich gehalten, denn wer würde mich sonst, so wie ich aussehe, zurückbringen. Er war hier.

MULDER: Wer?

VANCE: Samuel.

SHERIFF DANIELS: Der Mann phantasiert ja.

VANCE: Er war hier, Reverend. Hier in diesem Zimmer und er hat mir vergeben.

Vance stöhnt wieder und stirbt.


Später, Scully tippt auf ihrem Laptop.

SCULLY: (aus dem Off) Statt Samuel einfach umzubringen, versuchte Vance der Gemeinde den Glauben an ihn zu nehmen. Wir haben schlüssige Beweise, daß er für die Heuschreckenplage im Gerichtssaal verantwortlich ist und drei Mitglieder der Gemeinde vergiftet hat. Vance war so besessen von Samuel, daß er ihn überlebt hat. Sein Gewissen hat ihn verfolgt, bis er Zwangsvorstellungen bekam und sich schließlich das Leben nahm und damit unsere Untersuchung beendete. Angesichts dieser Informationen ist es höchst zweifelhaft, daß jemals irgendwelche Wunder in Kenwood, Tennessee geschehen sind.

Mulder ist in seinem Zimmer und packt seine Sachen, es ist auch ein gerahmtes Foto von Samantha dabei. Sein Telefon klingelt.

MULDER: (ins Telefon) Mulder.

Als Scully ihren Laptop zuklappt, klopft es an der Tür.

MULDER: (von draußen) Scully. (sie öffnet) Sheriff Daniels rief gerade an. Samuels Leichnam ist verschwunden.


Im Leichenschauhaus. Mulder zieht das leere Fach auf, worin Samuels Leiche lag. Bei ihm sind Scully, Sheriff Daniels und Deputy Tyson.

MULDER: Irgendwelche Zeugen?

DEPUTY TYSON: Bisher nur die Nachtschwester, die die Meldung gemacht hat - Beatrice Salinger.

MULDER: Hat sie jemanden den Leichnam stehlen sehen?

DEPUTY TYSON: Nein, nicht direkt.

MULDER: Wie meinen Sie das, nicht direkt?

SHERIFF DANIELS: Reden wir Klartext, Deputy.

DEPUTY TYSON: Sie hat nicht direkt gesehen, daß jemand den Leichnam gestohlen hat.

SHERIFF DANIELS: Was hat sie dann gesehen?

DEPUTY TYSON: Sie...äh...sie sagt, daß sie gesehen hätte, wie Samuel selbst rausgegangen wäre. Ich weiß, daß das verrückt klingt, aber das ist jedenfalls das, was sie behauptet.

MULDER: (geht aus dem Leichenschauhaus) Kommen Sie, Sheriff?

Mulder, Scully und der Sheriff sprechen mit Beatrice Salinger.

BEATRICE SALINGER: Ich trank gerade meinen Kaffee und habe mir den Nachtdienstplan für meine Station durchgelesen als er an mir vorbeiging. Sein Gesicht war ganz schwarz und blau.

MULDER: Und Sie sind ganz sicher, daß er es war?

BEATRICE SALINGER: Wissen Sie zuerst dachte ich, daß ich mich wohl getäuscht hätte, daß kann schon mal geschehen während der Nachtschicht. Aber dann bin ich aufgestanden, um noch mal nachzusehen und als er um die Ecke bog, war er verschwunden, er war einfach weg. Dann sah ich in der Leichenhalle nach und sein Leichnam war fort.

SHERIFF DANIELS: Das glaube ich einfach nicht. Das ist doch verrückt. Ich hör mir nicht länger das wirre Gerede dieser Frau an.

Er will gehen.

BEATRICE SALINGER: Ich bin nicht die einzige, die ihn gesehen hat, Sheriff, also weiß ich, daß ich nicht verrückt bin. Andere Menschen haben ihn auch gesehen.

Der Sheriff geht.

BEATRICE SALINGER: (zu Mulder und Scully) Ich bin nicht verrückt. Es war Samuel.


Daniels kommt am nächsten Morgen nach Hause. Er hält an einer hölzernen Brücke an, die über einen kleinen Bach in seinem Vorgarten führt, er setzt sich nachdenklich.


Später. Seine Frau liest die Morgenzeitung, deren große Schlagzeile lautet: "Ermordeter Wunderheiler vom Tod auferstanden - Krankenschwester ist Zeugin". Der Sheriff setzt sich leise neben sie.

LILLIAN DANIELS: Ermordeter Wunderheiler steht von den Toten auf. Das ist dich nicht wahr Maurice, oder? Er war doch nur ein Schwindler, genau wie du gesagt hast, nicht wahr Maurice? (emotional) Oder etwa nicht, Maurice?

Er sieht sie an, antwortet aber nicht. Sie fängt an zu weinen. Es klopft an der Tür. Der Sheriff die Tür und sieht das Blaulicht von Deputy Tysons Auto.

DEPUTY TYSON: Sir ... ich muß Sie bitten, mit mir zu kommen. Der Bezirksstaatsanwalt möchte Ihnen ein paar Fragen über den Tod des Jungen stellen.


Später. Scully und Mulder stehen vor dem Heilungszelt während Arbeiter ein großes Schild wegtragen, auf dem Heilungsmesse - Samuel rettet zu lesen ist. Es sind auch hier und da Poster mit der Aufschrift Samuel heilt zu sehen.

SCULLY: Die Sonntage werden in dieser Gegend nie mehr wie früher sein.

MULDER: Irgendwie habe ich das Gefühl, daß Reverend Hartley nicht aufhören wird zu predigen.

SCULLY: Nicht mal ohne seinen Sohn?

MULDER: Vielleicht stärkt das sogar seinen Glauben. Immerhin ist der Junge von den Toten auferstanden und so etwas passiert nur ein oder zwei mal alle zweitausend Jahre, oder so.

SCULLY: Ja, und ich habe eine Story über eine Heuschreckenplage. Ich hoffe nur, daß Reverend Hartley diesen Leichendiebstahl nicht als das Wunder aller Wunder arrangiert hat.

MULDER: Das glaube ich weniger..

SCULLY: Aber was glaube Sie denn dann?

MULDER: Ich glaube, die Leute suchen nach Wundern....und zwar so intensiv, daß sie sich dazu bringen, welche zu sehen.

Er geht zum Auto und schließt es auf. Im Fenster sieht er die Spiegelung des kleinen Mädchens wieder. Er wirbelt herum, sieht sie aber nicht. Während er die Umgebung genau ansieht, um sie vielleicht doch noch zu sehen, steigt Scully auf der Beifahrerseite ein.

SCULLY: Kommen Sie, Mulder?

Er steigt ein und sie fahren los, an einem Mülleimer vorbei, in dem mehrere "Samuel heilt"-Poster zu sehen sind.


Mitgeschrieben von:

  • Autor: Yvi (Email)
    • Anmerkung: Da dies hier ein Transcript ist, verwende ich hier die Originalübersetzung der deutschen Fassungen der Folgen, nicht mögliche Übersetzungen des O-Tons. Also, das Copyright des Wortlautes gehört ebenfalls Cinephon. Viel Spaß!
  • Betalesung: Robert B. (Email)