1X12 Die Botschaft (deutsches Transkript)

Aus Spookyverse
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Copygif.gif Die Charaktere, Handlungen, Zitate usw., die im folgenden Transkript Erwähnung finden sind © Chris Carter/1013/Fox Entertainment und (in der deutschen Fassung) Cinephon Synchron. Diese Abschrift ist ohne explizite Erlaubnis von den Rechtehaltern von Fans für Fans als Hommage an Akte X erstellt worden, wir verfolgen keinerlei finanzielle Absichten. Die Texte selbst sind Eigentum des jeweiligen Autors.


1X12 Die Botschaft
Die Wahrheit ist irgendwo da draußen!



SCULLY'S WOHNUNG
WASHINGTON, D.C.


William Scully geht zu einem kleinen Weihnachtsbaum mit einem Engel als Spitze.

WILLIAM SCULLY: Läßt Du den das ganze Jahr über stehen?

SCULLY: Ja. Das ganze Jahr. Da Du uns früher immer gezwungen hast den Baum einen Tag nach Weihnachten abzubauen, hab' ich noch eine Menge nachzuholen.

Sie beginnt den Eßtisch abzuräumen.

WILLIAM SCULLY: Du weißt doch genau, daß ich Euch nur ersparen wollte vertrocknete Fichtennadeln aufzusammeln.

MARGARET SCULLY: Auf die Idee eine Edeltanne zu kaufen, ist er nie gekommen.

Sie ist dabei Scully beim Abräumen zu helfen. William Scully geht auf beide zu.

SCULLY: Laß nur Mom, ich schaff' das schon.

MARGARET SCULLY: Oh, na schön.

WILLIAM SCULLY: Na, komm' Maggie, laß' uns losfahren.

MARGARET SCULLY: Ooh, na gut.

Sie gewendet sich zu Ihrer Tochter und umarmt sie.

MARGARET SCULLY: Also vielen Dank, daß Du uns so nett bewirtet hast. Das Essen war köstlich wie immer.

SCULLY: Danke, Mom.

Scully geht auf Ihren Vater zu und grüßt militärisch.

SCULLY: Gute Fahrt, Kapitän.

Er umarmt sie.

WILLIAM SCULLY: Gute Nacht, Steuermann.

Margaret Scully bedeutet Ihrem Mann mit einem auffordernden Blick Richtung Scully, sie auf ihre Arbeit anzusprechen.

WILLIAM SCULLY: Und Dein Job gefällt Dir?

SCULLY: Ja. Sogar sehr.

WILLIAM SCULLY: Na, schön.

William und Margaret gehen zur Garderobe und nehmen Ihre Mäntel. Scully wirft das Küchenhandtuch in ihrer Hand auf den Tisch und folgt ihnen.

SCULLY: Also, fahrt vorsichtig.

Sie schließt die Wohnungstüre auf und gibt ihrer Mutter einen Abschiedskuß.

SCULLY: Gute Nacht, Daddy.

Ihre Eltern gehen und Scully sieht ihnen noch nach bevor sie die Türe wieder schließt.


Später am Abend, es ist 01:47. Im Fernsehen läuft eine Werbesendung. Der Mann, der moderiert, wird von einer Textzeile als "Ron Popeil, Erfinder" vorgestellt.

RON POPEIL: Hier bei "Unglaubliche Erfindungen" werden sie doch keine 110 Dollar ausgeben. Das wissen Sie alle. Es kostet Sie nicht mal 100 Dollar um bei uns einen ganzen Monatsvorrat zu bestellen, sondern Sie bezahlen für dieses ganze Packet nur lächerliche 39$ und 92 Cents. Na, was sagen Sie dazu ?

Aus dem Fernseher sind Applaus und Beifallsrufe zu hören. Das Bild schwenkt zu Scully, die, einwickelt in eine Wolldecke, auf dem Sofa eingedöst ist. Sie öffnet die Augen und sieht ihren Vater im Sessel vor sich sitzen. Sein Mund bewegt sich, aber es sind keine Worte zu hören. Der Fernseher taucht den sonst dunklen Raum in ein bläuliches Licht.

SCULLY: Dad? Ich dachte Ihr wolltet nach Hause fahren.

Sie setzt sich auf.

SCULLY: Wo ist Mom?

Sie sieht ihn sprechen, kann aber nichts verstehen. Scully erschrickt, als das Telefon klingelt. Sie wirft einen Blick zum Telefon, dann zurück zu ihrem Vater. Der Sessel ist leer. Verwirrt steht Scully, noch immer in die Wolldecke gehüllt, auf und läuft zum Telefon.

SCULLY: Hallo.

Außer leisem Schluchzen erhält sie keine Antwort.

SCULLY: Hallo?

MARGARET SCULLY: Dana?

SCULLY: Mom? Was gibt es denn?

MARGARET SCULLY: Wir, ... wir haben Deinen Dad verloren. Er hatte... vor ungefähr einer Stunde... einen schweren Herzinfarkt. Er... er ist tot.

Scully blickt entsetzt zurück zu dem leeren Sessel in dem sie ihren Vater sitzen sah.


JACKSON UNIVERSITÄT
NORTH CAROLINA


Ein Teenager-Pärchen schmust in einem Auto, daß am Rande der Straße abgestellt ist.

MÄDCHEN: Ich schwöre Dir, am Weihnachtsabend, als meine ganze Familie Ihre Geschenke ausgepackt hat und so was, da habe ich nur da gesessen, in meiner eigenen kleinen Welt und gedacht "ich wünschte Jim wäre hier".

JUNGE: Ja, ich weiß schon.

Es klopft an der Fensterscheibe. Sie sehen zum Fenster als der Strahl einer Taschenlampe zu ihnen hinein leuchtet. Ein Polizist (Lucas Henry) steht draußen.

JUNGE: Oh Mann, die Polizei.

Sie rutscht von ihm herunter, während er sich die Lippen abwischt. Dann öffnet er das Fenster der Fahrerseite ein Stück.

JUNGE: Ja, Sir?

HENRY: Verlassen Sie bitte das Fahrzeug.

JUNGE: Sir, es, es tut mir leid. Wir fahren sofort weg.

HENRY: Ich sagte, verlassen Sie das Fahrzeug.

Der Junge wirft dem Mädchen einen Blick zu und kurbelt die Scheibe wieder hoch. Dann steigt aus dem Wagen und schließt die Tür. Von der Taschenlampe geblendet, hält er sich eine Hand vor das Gesicht und versucht den Polizisten zu erkennen.

HENRY: Nehmen Sie die Hände runter.

Der Junge sieht zu Boden und entdeckt, daß der "angebliche" Polizist Jeans und grobe Boots trägt.

HENRY: Zeigen Sie mal Ihren Ausweis.

JUNGE: Nein, zuerst will ich Ihren sehen.

Henry schlägt dem Jungen mit der Taschenlampe ins Gesicht. Der Junge prallt mit dem Kopf gegen die Scheibe und hinterläßt dort eine Blutspur bevor er zu Boden geht. Das Mädchen beginnt zu schreien.


FBI HAUPTQUARTIER
WASHINGTON, D.C.


Mulder studiert eine Akte. Scully tritt leise hinter ihn und sieht ihm "über" die Schulter.

SCULLY: Das letzte was Sie so vertieft gelesen haben, ist ein Porno-Video-Katalog gewesen.

MULDER: Ich habe Sie heute nicht erwartet. Wie geht es Ihnen, Dana?

SCULLY: "Dana", aha. Mir geht es gut, danke. Woran arbeiten Sie?

MULDER: Ein junges Paar ist vor zwei Tagen aus der Jackson University entführt worden. Elizabeth Hawley und James Summers, beide 19.

Mulder zeigt Scully ein Bild des Pärchens.

MULDER: Letztes Jahr wurde auf den Tag genau ein anderes Paar entführt. Das passierte aber an der Duke University. Eine Woche danach fand man die Leichen der beiden Studenten.

Scully überfliegt die Akte.

SCULLY: Sie wurden innerhalb dieses Zeitraums zu Tode gefoltert.

MULDER: Es wurde nie jemand verhaftet. Die Polizei glaubte an einen einmaligen Fall, aber jetzt scheint es sich um einen Serientäter zu handeln. Und falls er sich an dieses Schema hält, haben wir fünf Tage diese Kids zu finden.

SCULLY: Das ist eine knappe Frist.

MULDER: Noch jemand hat eine knappe Frist.

Er geht an ihr vorbei und greift sich eine Akte vom Schreibtisch, die er ihr reicht.

MULDER: In einer Woche wird Luther Lee Boggs in der Gaskammer von North Carolina Platz nehmen.

SCULLY: Und was hat er mit dem Fall zu tun?

MULDER: Er behauptet Informationen über die Entführung zu haben. Er hat das Armband des Mädchens bis ins letzte Detail beschrieben. Das sind Einzelheiten, die nur Familienmitglieder wissen können.

SCULLY: Oder der Entführer.

MULDER: Boggs will, daß seine Strafe in lebenslänglich geändert wird, falls wir diese Kids durch seine sogenannte Begabung finden.

SCULLY: Sogenannte ...?

MULDER: er behauptet jedenfalls diese Informationen auf telepathischem Weg erhalten zu haben.

Er geht um seinen Schreibtisch und setzt sich.

SCULLY: Mulder, ich glaube da einen Hauch von Skepsis zu spüren.

MULDER: Warum auch nicht.

Sie setzt sich ihm gegenüber vor den Schreibtisch

MULDER: Boggs ist schon mal drin gewesen. In der Gaskammer. Und zwar aufgrund meines Psychograms. Er war schon auf dem Stuhl angeschnallt, aber dann wurde die Vollstreckung ausgesetzt. Seitdem hat er angeblich die Fähigkeit zum telepathischen Kontakt ... mit Geistern und Dämonen. Ich glaube schon an übersinnliche Wahrnehmungen, ...aber der hat keine. Nicht Boggs.

SCULLY: Also glauben Sie er hat diese Entführung aus dem Gefängnis heraus dirigiert? Ein Plan, um sein Leben zu retten.

Mulder nickt. Er reicht ihr eine Akte.

MULDER: Als er sechs Jahre alt war, hat Luther Boggs die Haustiere der gesamten Nachbarschaft abgeschlachtet. Und mit dreißig hat er fünf seiner Familienmitglieder erwürgt, sich dann seelenruhig vor den Fernseher gesetzt und sich ein Footballspiel angesehen. Manche Mörder sind Produkte unserer Gesellschaft, manche sind selbst mißhandelt worden. Boggs tötet weil er Spaß daran hat, Scully.

SCULLY: Und jetzt bitten die Sie mit ihm zu sprechen?

Mulder steht auf.

MULDER: Nein, er hat den Wunsch geäußert mit mir zu sprechen.

SCULLY: Und warum Sie?

Er steckt seine Waffe ins Halfter, greift nach einer Tasche und seinem Jacket.

MULDER: Er hat mein psychologisches Profil von ihm gelesen und glaubt, daß ich der einzige bin der versteht was er ist. Na, jedenfalls fliege ich heute noch nach Raleigh.

SCULLY: Und ich begleite Sie. (Sie steht auf.) Die Beerdigung ist um zwölf.

MULDER: Sie sollten sich Urlaub nehmen.

SCULLY: Nein, ich arbeite jetzt lieber.

MULDER: Das mit Ihrem Vater tut mir sehr leid.

Er legt eine Hand auf ihre Wange und streichelt sie sanft. Sie nickt und er wendet sich zum Gehen.

MULDER: Wir sehen uns heute nachmittag.

SCULLY: (leise) Ist gut.

Mulder nimmt seinen Mantel und geht. Scully geht zu einem Aktenschrank und zieht eine Akte auf der folgendes steht:

"Federal Bureau of Investigation
DC-X-167512
Visionäre Begegnungen mit Toten."

Schnell steckt sie die Akte zurück in die Schublade und wirft sie zu.


WILLIAM SCULLY'S BEERDIGUNG


Ein Mann steht am Heck eines kleinen Kutters und schüttelt William Scully's Asche aus einer Urne ins Meer, während der Bobby Darin Song "Beyond The Sea" gespielt wird. Am Ufer stehen die Trauergäste. Scully an der Seite ihrer Mutter.

SCULLY: Er hätte als Kapitän mit allen Ehren auf dem Heldenfriedhof von Arlington begraben werden können.

MARGARET SCULLY: So ist es genau, wie er es sich gewünscht hat. Nur die Familie.

Sie blicken sich an und schweigen. Draußen auf dem Boot verschließt der Mann vorsichtig die Urne und zieht pietätvoll den Hut zur Andacht.

MARGARET SCULLY: Dieses Lied wurde gespielt, als sein Schiff von der Kuba-Blockade zurückkehrte. Gleich nachdem er das Schiff verlassen hatte, kam er zu mir .. und hielt um meine Hand an.

Sie weint.

SCULLY: Ich weiß, daß ich Euch enttäuscht habe, als ich diesen Beruf wählte anstatt bei der Medizin zu bleiben. Aber eines würde ich gerne wissen... war er kein bißchen Stolz auf mich?

MARGARET SCULLY: Er war dein Vater.

Eine Seemöwe schreit leise im Hintergrund.


Staatsgefängnis; RALEIGH, NORTH CAROLINA


Luther Lee Boggs sitzt in einem roten Anzug auf einem Stuhl. Die Hände in Handschellen. Auf die Knöcheln jeder Hand ist ein Buchstabe geschrieben. Auf der rechten Hand ist das Wort "KILL" zur lesen, auf der linken Hand "KISS".

BOGGS: Die Seele von Luther Boggs ertrinkt im Feuermeer der Hölle. Wir haben ihn jetzt.

Scully sitzt vor einem Metalltisch. Auch Mulder nimmt Platz.

MULDER: Wir? Sie meinen die Seelen Ihrer Opfer?

BOGGS: Die Toten. Die Lebenden. Alle Seelen verbinden sich.

MULDER: Und Sie sind das Verbindungsstück.

Boggs' Atem geht stoßweise. Seine Art zu sprechen, sein ganzes Benehmen bekommt weibliche Züge.

BOGGS: Uh... Dana... Fox... begreift doch, daß es durchaus möglich für uns ist von hier in die Vergangenheit zu reisen. Oder das wir die Gegenwart sehen.. und über die Zukunft Bescheid wissen.

MULDER: Von hier aus? Wo genau sind Sie denn?

Boggs' Stimmung schlägt wieder um, wird aggressiv.

BOGGS: Mr. Boggs muß für die Verbrechen, die er begangen hat, zur Rechenschaft gezogen werden.

Mulder steht auf.

MULDER: Das ist genau das, was der Staat von North Carolina in der nächsten Woche zu tun gedenkt.

Boggs klingt nun wie ein Geschäftsmann.

BOGGS: Äh, äh. Schließen wir einen Handel ab. Boggs' Leben gegen das der Jugendlichen, verstehen Sie was ich meine?

MULDER: Beweisen Sie erst mal, daß Sie die Wahrheit sagen.

Boggs mustert Mulder mißtrauisch. Der zieht ein kleines Tütchen aus seiner Hosentasche.

MULDER: Verstehen Sie mich nicht falsch, Luther...

Er öffnet die Tüte und holt ein kleines Stück blaues Tuch heraus. Er reicht es Boggs.

MULDER: ...Ich möchte Ihnen ja glauben.

Boggs' atmet heftig, richt an dem Stoff und reibt ihn seinen Händen. Mulder geht langsam rückwärts und lehnt sich gegen den Tisch.

BOGGS: Oh... ah... oh, Gott, nein. Das muß aufhör'n, aufhör'n, aufhör'n, aufhör'n, aufhör'n, aufhör'n! Dieser Schmerz! Ich spüre... Schmerzen, furchtbare Schmerzen...

Mulder beobachtet ihn interessiert, ein leises Lächeln auf den Lippen.

BOGGS: Der Junge, Jim... ähm, er ist gefesselt mit einer Schnur. Äh, Verpackungsschnur.

Boggs ballt die gefesselten Hände, zerrt an dem Tuch darin und preßt die Fäuste gegen das Gesicht.

BOGGS: Er, er schlägt ihn mit einem Kleiderbügel, ähm, er schlägt ihn mit einem Klei

derbügel aus Draht, oh.

Sein Atem wird immer angestrengter, während er Mulder mit wilden Augen anstarrt. Unablässig reibt und knüllt er den Stoff zwischen seinen Händen.

BOGGS: Es ist ziemlich dunkel. Kalt.... Keller.... Das muß ein altes Abrißhaus sein. Ein Engel...ein Engel aus Stein. Wasserfall. Das Wasser fällt. ...es ist doch kein Wasserfall. Kein Wasser. ..Sie sind da. Oh, oh, oh Gott, ich kann nicht mehr. Ich... kann nicht mehr.

Er sinkt im Stuhl zusammen. Ernst geht Mulder auf ihn zu und hockt sich direkt vor ihn. Er nimmt ihm das Stück Tuch aus der Hand und hält es ihm vor die Nase.

MULDER: Das ist ein Stück von meinem New York Knicks T-Shirt. Es hat gar nichts mit der Entführung zu tun.

Leise Überraschung ist auf Scully's Gesicht zu lesen. Mulder steht auf und geht. Scully nimmt ihre Aktentasche und macht sich ebenfalls auf den Weg nach draußen.

BOGGS: (singend) Somewhere... beyond the sea...

Scully bleibt stehen.

BOGGS: Somewhere... waiting for me...

Sie dreht sich zu Boggs um und sieht statt seiner ihren Vater dort sitzen. Entsetzt weicht sie zurück, Augen und Lippen zusammengepreßt. Als sie die Augen wieder öffnet, sitzt wieder Boggs da. Seine Stimme klingt wie die William Scully's.

BOGGS: Hast Du meine Botschaft erhalten, Steuermann?

Fassungslos stürmt Scully aus dem Raum, vorbei an Mulder, der sich dort mit einem Wachmann unterhält.

WACHMANN: Ja, ich verstehe.

MULDER: Gut, vielen Dank.

Der Wachmann geht zu Boggs. Scully stoppt vor der Gittertüre. Als Mulder sie anspricht, dreht sie sich langsam zu ihm um.

MULDER: Scully, was ist denn? Hat Boggs irgend was zu Ihnen gesagt?

SCULLY: Nein. Es ist wegen meines Vaters. Es tut mir leid, es tut mir leid....

MULDER: Schon gut. Warum fahren Sie nicht schon ins Motel zurück? Wir haben Boggs als Betrüger entlarvt. Er ist nicht das, was er zu sein behauptet. Er könnte hinter der Entführung stecken. Und jetzt weiß er, daß wir ihm auf die Schliche gekommen sind. Ich warte hier noch ein paar Stunden und versuche ihn zu vernehmen. Vielleicht erzählt er mir wo diese jungen Leute sind.

Hinter ihnen wird Boggs aus dem Vernehmungszimmer geführt, bewacht von zwei Wärtern. Er singt weiter...

BOGGS: Somewhere... beyond the shore... we'll kiss just as before... happy we'll be... beyond the sea...

Die Türe hinter Scully wird geöffnet und sie eilt hinaus. Mulder blickt erst ihr, dann dem immer noch singenden Boggs hinterher.

BOGGS: ....and never again...


NORTH CAROLINA


Scully am Steuer ihres Wagens. An einer roten Ampel schließt sie die Augen und sieht Boggs noch einmal vor sich:

BOGGS: ...Das Wasser fällt. Das ist doch kein Wasserfall.

Ein hupender Wagen reißt sie aus ihren Gedanken. Sie öffnet die Augen und blickt auf die Leuchtreklame eines Hotels: "Hotel Niagara". Hinter den blinkenden Buchstaben ist ein Wasserfall zusehen. Wieder sieht sie Boggs vor ihrem geistigen Auge.

BOGGS: ...Ein Engel aus Stein.

Sie sieht sich um und entdeckt die steinerne Statue eines Engels mit weit ausgebreiteten Flügeln, der einen anderen Engel in den Armen hält. Scully biegt scharf rechts in eine Seitenstraße ein und stoppt den Wagen erst vor einem alten Gebäude mit einem Schild auf dem Holzverschlag: "Zum Abriß bestimmt."

Scully geht langsam durch eine Halle. Der Boden dampft, tropfendes Wasser ist zu hören. Tauben fliegen auf und erschrecken sie. Mit der Taschelampe sucht sie den Boden ab bis sie eine Anzahl brennender Kerzen findet. Sie bückt sich um ein kleines Goldkettchen aufzuheben. Während sie es näher an eine der brennenden Kerzen hält, fällt ihr Blick auf einige Drahtkleiderbügel am Boden. Entsetzt starrt die darauf.


SCULLY'S MOTELZIMMER


Scully sitzt auf einem Stuhl. Wieder hat sie eine Vision von ihrem Vater, der ihr gegenübersitzt und tonlos mit ihr spricht. Es klopft an der Tür.

MULDER: Ich bin es, Mulder.

Sie steht auf und öffnet die Tür. Mulder kommt herein und schließt die Türe hinter sich.

MULDER: Ich wollte Ihnen nur sagen, daß das Armband von Liz Hawley's Eltern identifiziert wurde. Die Polizei durchsucht das Abrißhaus, aber bisher haben sie noch nichts finden können. Eigentlich hatte ich erwartet, daß Sie noch am Tatort sind.

Scully dreht sich um und räumt die Stühle auf, während Mulder aufmerksam das Szenario betrachtet.

SCULLY: Hat Boggs nun gestanden?

MULDER: Nein, nein, diesmal war Boggs fünf Stunden auf Seelenwanderung. Nach drei Stunden habe ich ihn gebeten die Seele von Jimi Hendrix herbei zu rufen und verlangte "All Along the Watchtower" zu hören. Ich finde seine Musik immer noch toll, obwohl er schon zwanzig Jahre tot ist.

Während Mulder sie an die Wand gelehnt beobachtet, räumt Scully weiter geschäftig dies und das auf. Abrupt dreht sie sich zu ihm um.

SCULLY: So wie es in meinem Bericht steht, habe ich das Abrißhaus nicht gefunden. Ich habe keine verdächtigen Aktivitäten bemerkt.

MULDER: Und wie haben Sie's gefunden?

SCULLY: Es war an dem Ort, den Boggs uns beschrieben hat.

MULDER: Ich sagte Ihnen doch, daß Boggs ein Lügner ist...

SCULLY: Es war ja nicht so, daß ich danach gesucht hätte. Ich kam zufällig durch eine Gegend die die Merkmale hatte, von denen er gesprochen hat...

MULDER: Das spielt doch keine Rolle! Weil es genau das ist was Boggs wollte. Das hätte ebensogut zur tödlichen Falle für Sie werden können.

SCULLY: Wenn Sie meinen.

MULDER: Wieso glauben Sie eigentlich in Ihrem Bericht lügen zu müssen?

SCULLY: Unter diesen Umständen hielt ich das für die bessere Erklärung für meine Vorgehensweise.

MULDER: Was Sie damit sagen ist, daß Sie nicht aktenkundig machen wollen, daß Sie Boggs in Wirklichkeit Glauben schenken. Das FBI erwartet so was vielleicht von "Spooky" Mulder, aber nicht von Dana Scully.

SCULLY: Ich dachte es würde Sie freuen, daß ich .. nicht mehr so verschlossen bin gegen übernatürliche Möglichkeiten.

MULDER: Aber wieso denn jetzt? Wieso denn ausgerechnet bei Boggs?

Scully wendet sich ab. Mulder setzt sich hin.

MULDER: Hat das was mit Ihrem Vater zu tun?

Sie schüttelt den Kopf.

MULDER: Er war doch dagegen, daß Sie FBI-Agentin werden. Wenn die Arbeit bei Ihnen Schuldgefühle auslösen sollte oder ein schlechtes Gewissen...dann sollten Sie ganz schnell einen Rückzieher machen. Denn wenn Ihre Urteilsfähigkeit getrübt ist, bringen Sie sich nur in Gefahr.

SCULLY: Ich liebe diesen Job.

MULDER: Und Sie liebten Ihren Vater.

Den Tränen nahe geht sie an ihm vorbei zur anderen Seite des Zimmers.

MULDER: Dana... öffnen Sie sich übernatürlichen Möglichkeiten nur dann, wenn sie auch wahr sind. Das gilt für Luther Boggs...und Ihren Vater. Und was Luther Boggs angeht, der ist nichts weiter als ein Lügner.

Er steht auf und geht zu ihr hinüber. Sie setzen sich nebeneinander.

MULDER: Ich weiß, daß er einen Komplizen da draußen hat und die Spuren wurden von ihm gelegt. Deswegen müssen wir genau überlegen, was wir als nächstes tun, denn er hat fünf Schritte im voraus geplant. Unser einziger Vorteil ist, daß wir Zeit haben.

Er reicht ihr eine Zeitung. Ein Artikel auf der ersten Seite trägt die Überschrift "Gaskammer für die Hinrichtung von Boggs getestet."


CENTRAL PRISON
RALEIGH, NORTH CAROLINA


Scully sitzt an einem kleinen Tisch und blickt auf Ihre Armbanduhr. Mulder kommt und legt eine Zeitung vor sie.

MULDER: Scully, sehen Sie sich das an.

Die Schlagzeile lautet: "Entführte College-Studenten unversehrt aufgefunden." Darunter "Polizei sucht nach Verdächtigen."

SCULLY: Sie sind gefunden worden?

MULDER: Genau das denkt Boggs hoffentlich auch.

Er setzt sich zu ihr.

SCULLY: Ich verstehe nicht, warum die Polizei uns nicht benachrichtigt hat?

MULDER: Sie sind nicht gefunden worden. Der Artikel ist bloß eine Ente. Der "Carolinian" hat ihn für uns gedruckt und nur sechs Leute wissen darüber Bescheid. Heute nachmittag darf Boggs sein wöchentliches Telefongespräch führen. Vielleicht ruft er seinen Komplizen an, um rauszufinden, was passiert ist.

Durch eine Luke in der Zellentüre von Boggs wird die manipulierte Zeitung geschoben. Er steht vom Bett auf und holt sie sich. Die Luke wird wieder geschlossen. Mulder beobachtet Boggs per Überwachungskamera beim Lesen. Er sieht auf seine Uhr.

MULDER: In zwei Stunden darf er telefonieren.

Boggs wird von zwei Wachen einen Gang entlanggeführt. Mulder, Scully, und einige Sicherheitsbeamte beobachten ihn auf dem Monitor als er in die Telefonzelle betracht wird. Boggs fährt sich durch die Haare, greift dann sofort zum Hörer und beginnt zu wählen. Scully lehnt sich zu dem Beamten neben ihr.

SCULLY: Los.

Der Beamte startet die Aufnahme des Recorders. Boggs blickt direkt nach oben in die Überwachungskamera als er den Hörer ans Ohr nimmt. Im Überwachungsraum beginnt ein Telefon zu klingeln.

MULDER: Stellt das Telefon ab. Stellt es ab!

Alle schauen sich irritiert um, bis Scully auf Mulder's Jackett sieht.

SCULLY: Mulder, das ist Ihres.

Mulder greift nach seiner Jacke und zieht sein Handy heraus, um den Anruf entgegen zu nehmen.

MULDER: Mulder.

Am anderen Ende der Leitung ist Boggs.

BOGGS: am Telefon Warum glauben Sie mir nicht?

Mulder blickt zum Monitor. Boggs sieht direkt in die Überwachungskamera.

BOGGS: Agent Scully tut es. Sie glaubt mir.

MULDER: Agent Scully glaubt wovon wir alle überzeugt sind. Sie haben diese Jugendlichen. Also, wo sind sie?

Boggs läßt den Hörer sinken und stöhnt. Scully springt auf.

SCULLY: Mulder... selbst wenn er uns reinlegt, müssen wir der Sache nachgehen, weil in drei Tagen....

MULDER: ...werden Liz Hawley und Jim Summers tot sein.

SCULLY: Und nur einen Tag danach wird unser einziges Verbindungsglied zu diesem Fall seinen Platz in der Gaskammer einnehmen.

Über den Monitor sieht man Boggs schwer und rasch atmen.

SCULLY: Wir müssen verhandeln.

Im gleichen Vernehmungsraum wie zuvor, sitzt Boggs wieder auf seinem Stuhl, schwer atmend. Mulder hockt vor ihm.

BOGGS: Der Kidnapper ist erregt durch die Vorstellung bald zum Mörder zu werden.

MULDER: Wie heißt er?

BOGGS: Kann ich nich' sehen... männlich...

MULDER: Beschreiben Sie ihn.

BOGGS: Ziemlich klein... dünn... Ende Zwanzig... Schädel...

Ein rascher Schnitt auf Henry's Ohrring.

BOGGS: ...menschlicher Schädel...

Wieder ein Schnitt auf Henry's Ohrring.

BOGGS: Silbergrau... seine Augen sind kalt, sehr kalt...

Umblende auf Henry's kalte, eisgraue Augen. Er blickt genau in die Kamera.

BOGGS: ... und sie starren Elizabeth an ...

Auf dem Boden liegt Elizabeth, gefesselt und geknebelt. Sie windet sich.

BOGGS: Oh, oh Gott, er hat den Bügel aus Draht...

Henry drückt den Bügel zusammen, um damit besser schlagen zu können.

BOGGS: Nein...bitte, nein...

Henry holt aus und schlägt zu. Das Pfeifen des Bügels und der Schlag sind zu hören. Boggs weicht wie getroffen zurück. Hinter Mulder ist Scully zu sehen, die sich Notizen macht.

MULDER: Und wo ist er?

BOGGS: Er steht an einem... an einem Fenster...

Durch ein kaputtes Fenster ist Henry zu sehen, der sich irgendwo aufstützt und unter sich sieht. Im Hintergrund ist Elizabeth zu erkennen. Langsam hebt Henry den Blick.

BOGGS: ...und versucht...seine Gedanken ans Töten zurückzuhalten... er wartet noch ... das könnte ein Bootshaus am Ufer des Lake Jordan sein.

Mulder wirft einen Blick über die Schulter zu Scully, die weiter Notizen macht.

MULDER: Haben Sie das?

Scully klappt den Notizblock zu und packt ihn zusammen mit dem Stift ein. Ein Summen ertönt und die Sicherheitstür wird geöffnet. Die beiden erheben sich und wenden sich zum Gehen.

BOGGS: Mulder...

Sie bleiben stehen.

BOGGS: ...gehen Sie nicht in die Nähe des weißen Kreuzes. Wir sehen Sie da liegen... und Ihr Blut spritzt auf das weiße Kreuz.

Scully mustert Mulder aufmerksam. Sie gehen.


EIN BOOTSHAUS; LAKE JORDAN, RALEIGH, CAROLINA


Henry geht auf Jim und Elizabeth zu. Aggressiv und drohend schlägt er sich mit dem Drahtbügel gegen das Bein. Bei jedem Schlag schreien seine Opfer in Panik auf. Jim ist an einen Balken gebunden, Elisabeth liegt am Boden. Henry beugt sich über sie, um sie zu schlagen.

ELIZABETH: (durch den Knebel) Nein, nein, nein, nicht...

Ein Rumpeln ist zu hören und Henry sieht auf. Draußen nähern sich FBI-Agenten dem Bootshaus, angeführt von Scully and Mulder. Ein Agent tritt die Eingangstüre auf und das Team stürmt hinein.

AGENT: Seht Ihr irgendwas?

2. AGENT: Da sind sie.

Scully und Mulder sehen Elizabeth am Boden. Scully rennt zu ihr, um nach ihr zu sehen.

SCULLY: Durchkämmen Sie die ganze Gegend!

AGENT: Los Leute, ausschwärmen.... wir übernehmen die rechte Seite.

Während die Agenten aus

schwärmen, nimmt Mulder den Weg um das Haus zur Anlagestelle. Es sucht die Umgebung mit der Taschenlampe ab. Die Waffe gehoben. Ein ausrangiertes weißes Mastkreuz ist im Hintergrund zu erkennen. Er hört ein Geräusch und dreht sich um zu einem Boot, das mit weißen Stoffplanen abgedeckt ist. Als er darunter eine Bewegung ausmacht, zielt er.

MULDER: FBI, Hände hoch!

Ein Schuß durchdringt die Stoffplane und trifft Mulder, der mit einem Aufschrei zu Boden geht. Scully hört den Schuß.

SCULLY: Mulder!

Henry, versteckt unter der Plane, startet das Motorboot und flieht. Scully hastet zu Mulder, während sich die anderen Agenten durcheinander rufen.

AGENT: Warum hat auch keiner an die Boote gedacht...

SCULLY: Wir brauchen einen Krankenwagen...Agent Mulder ist verwundet!

Sie zieht ihre Jacke aus und wärmt Mulder damit. Als sie sich umdreht, sieht sie das weiße Kreuz. Mulder's Blut ist darauf.


HOSPITAL
RALEIGH, NORTH CAROLINA


Zwei Sanitäter rollen Mulder in die Notaufnahme. Er trägt eine Atemgerät.

SANITÄTER: Was haben wir denn da?

ARZT: Vermutlich einen Oberschenkeldurchschuß...

KRANKENSCHWESTER: Hypervolämischer Schock...

ARZT: Okay, dann messen Sie mal sofort den Blutdruck... heben Sie ihn vorsichtig hier rüber.

SANITÄTER: Eins, zwei drei...

Die Sanitäter heben Mulder von der Trage auf den Behandlungstisch. Er hustet und bewegt sich unruhig.

KRANKENSCHWESTER: Sein Puls scheint sehr unregelmäßig zu sein.

ARZT: Okay, jetzt stellen Sie den Schirm auf sechs ein und geben Sie ihm eine 2-Liter-Infusion mit normalem Salzgehalt. Und überprüfen Sie seinen ph-Wert. Er braucht eine Bluttransfusion.

Langsam kommt Scully herein und schließt müde die Augen.


ELIZABETH HAWLEY'S KRANKENZIMMER


Elizabeth liegt in einem Krankenhausbett. Ein Mann zeigt ihr nacheinander Bilder aus der Verbrecherkartei.

ELIZABETH: Nein.

Er zückt das nächste Foto.

ELIZABETH: Nein.

Das nächste.

ELIZABETH: Nein.

Beim folgenden Bild greift sie nach seiner Hand und dreht den Kopf weg. Der Mann reicht das Foto Scully, die auf der anderen Seite des Bettes steht.

Scully steht in einem Flur zusammen mit einem weiteren Mann, der aus einer Akte vorliest:

MANN: Lucas Jackson Henry, 28. Hat ein paar mal in Louisiana wegen sexueller Belästigung und Rauschgift gesessen. Nichts weltbewegendes. Zu seiner persönlichen Lebensgeschichte gehört, daß er zum Augenzeugen eines Autounfalls wurde, bei dem seine Freundin getötet und seine Mutter enthauptet wurde.

Er reicht ihr die Akte. Sie wirft einen Blick darauf.

MANN: Die sieben-jährige Wiederkehr des Unfalldatums ist in drei Tagen.

SCULLY: Er durchlebt es wieder.

Sie geht langsam zum Fenster und dreht sich nachdenklich wieder zu dem Beamten um.

SCULLY: Das würde die Frist erklären.

MANN: Das Wichtigste was wir herausfinden konnten, ist das ein handfester Verdacht besteht, daß Luther Lee Boggs die letzten fünf Morde mit einem Partner verübt hat. Die Polizei von Durham sagt zwar, daß sie es vor Gericht nie beweisen könnten, aber sie glauben sein Partner war Lucas Henry.


CENTRAL PRISON
RALEIGH, NORTH CAROLINA


Ein Summer ertönt und eine Sicherheitstür öffnet sich. Ein Wachmann verläßt den Raum als Scully hereinrauscht. Boggs sitzt auf einem Bett.

SCULLY: Sie sind ja doch nur ein Lügner. Sie und Lucas Henry haben das geplant. Es war eine Falle für Mulder, weil er Sie hinter Gitter gebracht hat. Und ich bin nur hier um Ihnen zu versichern, daß falls er tatsächlich Ihretwegen sterben sollte, dann wird es in vier Tagen niemanden geben mich davon abzuhalten ganz persönlich diesen Schalter umzulegen und Sie zu vergasen, Sie verdammter Schweinehund! Sie dreht sich wieder zur Tür und wartet, daß diese geöffnet wird.

BOGGS: Dana...

Scully sieht zu Boggs zurück. Doch statt seiner sieht sie Mulder dort sitzen.

BOGGS (als Mulder): Sie sind doch diejenige, die mir geglaubt hat!

Sie hält sich die Ohren zu und schließt die Augen.

SCULLY: Nein! Nein, daß ist nicht wahr. Ich glaube Ihnen nicht!

Als sie die Augen wieder öffnet, sitzt wieder Boggs da.

BOGGS: Sie wollen mir nicht glauben. Vielleicht werden Sie sich selber glauben.

Er konzentriert sich und beginnt mit einer Strähne seines Haares zu spielen. Sein Verhalten ähnelt dem eines Kindes.

BOGGS: Es war einmal als ich vierzehn war und meine Eltern lagen schon längst im Bett. Da schlich ich ganz leise und ohne Licht nach unten und nahm eine von den Zigaretten meiner Mama und rauchte sie im Dunkeln auf der Veranda. Ich hatte eine solche Angst, daß mein Herz wie verrückt schlug. Die hätten mich umgebracht, wenn sie es gewußt hätten. Aber ich war ja so aufgeregt. Nicht so sehr wegen der Zigarette sondern eher weil es.... ich war so aufgeregt, weil es verboten war.

SCULLY: Das könnte etwas aus dem Leben eines jeden Kindes sein.

Sie ist trotzdem sichtlich berührt. Boggs wird wieder er selber.

BOGGS: Ich weiß was Sie wollen. Und ich weiß auch mit wem Sie reden wollen. Wieso geben Sie sich nicht einen Ruck und fragen mich?

Scully ist den Tränen nahe.

SCULLY: Ich glaube Ihnen, wenn... Sie mich mit ihm reden lassen.

Boggs holt tief Luft, sinkt in sich zusammen und atmet kräftig aus. Immer unruhiger geht sein Atem bis er den Kopf hebt und sie lange und intensiv anblickt, ganz wie ihr Vater.

BOGGS: Steuermann...

Plötzlich zuckt Boggs zusammen, er zerrt an den Handschellen und scheint einen inneren Kampf zu führen. Seine Stimmung ist aggressiv und er spricht in kaum unterdrückter Wut.

BOGGS: Niemand spricht hier mit irgend jemand bevor ich einen Handel kriege! Sie dürfen... keineswegs meine Angst vor dem Sterben unterschätzen und denken Sie bloß nicht, daß es mir nicht davor graut auf diesen Stuhl zurück zugehen. Ich weiß, daß es meine persönliche Hölle sein wird immer und immer wieder den Weg zu diesem Stuhl zu gehen, aber in diesem Leben - meinem einen und einzigen Leben - da werde ich diesen Weg nie wieder gehen müssen. Niemals! Als ich das letzte Mal durch die Tür des Todes ging und hineinsah...

Das Bild wird schwarz-weiß und zeigt einen Geistlichen, der aus der Bibel liest.

BOGGS: Ich hatte nie zuvor mit einem Geistlichen gesprochen. Niemals. Bis zu diesem Tag. Und der sagte:" ..der, der nicht liebt, der bleibt tot. Und der, der seinen Bruder haßt,...

Ein Wärter kommt und bringt ihm seine letzte Mahlzeit.

BOGGS: " ...ist ein Mörder und in keinem Mörder wohnt das ewige Leben". Meine Familie...

Boggs blickt zur Seite und sieht seine Familie dort stehen und ihn beobachten.

BOGGS: ...die ich nach ihrem letzten Mahl getötet habe, war da, um mich bei meinem zu beobachten...

Eine Sicherheitstür wird laut geöffnet und ein langer Gang ist zu sehen auf dessen Seiten Boggs Opfer stehen.

BOGGS: ...und ihre Furcht, ihr Grauen, das ich sie habe empfinden lassen, als ich sie umbrachte, übertrug sich auf mich...

Boggs wird am Stuhl festgeschnallt und eine Elektrode wird auf seiner Brust befestigt.

BOGGS: ...Und diese vereinte Furcht allein war schon ein Vorgeschmack der Hölle. Ich konnte spüren, wie ich meinen Körper verließ.

Die Tür der Gaskammer wird geschlossen. Er ist allein.

BOGGS: ...Und dann dachte ich sie hätten mich schon getötet ...

Boggs legt den Kopf zurück und schließt die Augen. Plötzlich sind die Geister von Menschen zu sehen, die auf ihn zueilen. Ein dumpfes Raunen und Rauschen ist zu hören. Während sie scheinbar in ihm verschwinden, nimmt Boggs kurz ihr Aussehen an.

BOGGS: ...und ich sah Tausende von Seelen auf meinen Körper zueilen.

Der Schwarz-Weiß Rückblick endet in einem weißen Flash und der Befragungsraum ist wieder zu sehen.

BOGGS: (voll Grauen) Es ist eine kalte, unendliche Finsternis, Scully. Und Mulder sieht jetzt in sie hinein.

SCULLY: Es mag ja eine kalte, unendliche Finsternis für Sie sein. Aber nicht für Mulder. Und auch nicht für meinen Vater.

BOGGS: Ich bin sicher er würde es Ihnen gerne selbst sagen, aber ich werde es ihm nicht erlauben. Niemand spricht hier ehe Sie mir nicht helfen.

SCULLY: Ich glaube Ihnen aber kein Wort.

BOGGS: Ach, wissen Sie, an diesem dunklen Ort, den man Hölle nennt, ist doch noch genügend Platz für Lügner, Scully. Nur zu, spielen Sie Ihr Spiel so wie Sie es müssen, aber ich weiß, daß Sie mir glauben. Überzeugen Sie ruhig einen Richter davon, daß ich mit Lucas unter einer Decke stecke. Ich weiß nur..., daß es völlig egal ist, ob ich diese Sache mit Lucas durchziehe oder seine telepathischen Signale empfange. Ich sage kein Wort ohne einen Handel. Verstehen Sie, ich hab' doch gar nichts zu verlieren.

Scully, die ihn die ganze Zeit mit einer Mischung aus Mißtrauen und Ablehnung betrachtet hat, dreht sich zur Tür um.

SCULLY: Wache!

Hinter ihr steht Boggs auf.

BOGGS: Wenn ich sterbe, dann muß dieser Junge auch in die kalte, unendliche Finsternis gehen.

Ein Summer ertönt und die Zellentür sowie eine weitere Sicherheitstüre springen auf. Scully geht hinaus. Die Türen schlagen wieder zur, währen sie einen Moment innehält und die Augen schließt. Dann geht sie.


STAATGEFÄNGNIS
RALEIGH, NORTH CAROLINA


Scully sitzt dem Gefängsnisdirektor in seinem Büro vor dessen Schreibtisch gegenüber.

GEFÄNGNISDIREKTOR: Der Gouverneur und das Oberste Gericht von North Carolina haben nicht die Absicht mit einem Massenmörder zu verhandeln. Besonders nicht mit einem von dem ich weiß, daß er zwei Tage vor seinem Tod ein Schwerverbrechen manipuliert.

SCULLY: Ja, Sir.

GEFÄNGNISDIREKTOR: Das einzige was Boggs von mir zu erwarten hat, ist ein passender Tod für ihn. Und überfällig ist der schon lange.


MULDER'S HOSPITAL BED
RALEIGH, NORTH CAROLINA


Scully sitzt neben Mulder's Bett. Er ist an unzählige Geräte angeschlossen, die im Hintergrund vor sich hin piepen. Er sieht sie aufmerksam an.

SCULLY: Unsere Zeit läuft ab. Nicht der geringste Hinweis auf Lucas Henry oder auf Jim Summers. Die örtliche Polizei sagt...

MULDER: Egal was er sagt. Glauben Sie ihm bitte nicht. Boggs hat diese ganze Geschichte nur inszeniert, um es mir heimzuzahlen, daß er meinetwegen in der Todeszelle sitzt. Und Sie wären sein nächstes Opfer.

SCULLY: Mulder, daß ich das mal sagen würde, hätte ich nie gedacht, aber was ist, wenn es eine andere Erklärung gibt?

MULDER: Schließen... Sie keinen Handel mit ihm ab. Er könnte versuchen Sie zu seinem letzten Opfer zu machen.


CENTRAL PRISON
RALEIGH, NORTH CAROLINA


Ein Summer ertönt als eine Sicherheitstüre geöffnet und Boggs von einem Wachmann hineinbegleitet wird. Die Wache verläßt den Raum wieder und die Türe schlägt zu. Boggs setzt sich Scully gegenüber auf einen Stuhl.

SCULLY: Also gut, Mr. Boggs... Sie sollen Ihren Handel haben.

Boggs nickt. Tränen laufen über sein Gesicht.

BOGGS: Ich danke Ihnen, Ma'am. Danke.

SCULLY: Na schön, wo sind sie?

Boggs atmet tief ein und sinkt in sich zusammen. Scully beobachtet ihn unbeeindruckt. Wieder ändert sich Boggs' Stimmung. Er sieht an die Decke.

BOGGS: Ah, ah, ah, ah, es scheint in der Nähe eine Sees zu sein. Ehm...Kreise....weiß auch nicht...so wie....Fässer. Nein, noch viel größer...das sind....riesige...Fässer...Eine Fabrik...zu Abriß bestimmt, die....alte...Blue...Devil Brauerei draußen bei Morrisville. Oh, Gott, er, er macht sich bereit... Er...er...er steht kurz davor...ihn...ehm...er steht kurz davor ihn zu töten. Phuuu.

Er atmet aus und sinkt im Stuhl zurück.

SCULLY: Wenn Sie wirklich übersinnliche Kräfte hätten, hätten...

BOGGS: ...hätte ich gewußt, daß Sie lügen und daß es nie einen Handel gab.

Scully sieht Boggs überrascht an.

BOGGS: Ich weiß Sie haben es versucht.

Scully packt ihre Sachen zusammen. Der Summer ertönt und die Türe öffnet sich.

BOGGS: Scully... (Sie dreht sich noch einmal um.) Meiden Sie den Teufel. Folgen Sie Henry nicht zum Teufel. Überlassen Sie das mir.

Scully verläßt den Raum, vorbei an dem Sicherheitsbeamten, der wieder zu Boggs geht.


BRAUEREI "BLUE DEVIL"
MORRISVILLE, NORTH CAROLINA


Lucas Henry prügelt in Raserei mit einer Axt auf einen schweren Holzbalken ein und brüllt. Jim liegt bäuchlings auf einen anderen Holzbalken gebunden, geknebelt mit Klebeband und beginnt vor Angst zu weinen. Henry geht zum Rand des Absatzes auf dem er sich befindet und starrt auf sein Opfer. Dann springt zu ihm hinunter, greift dessen Kopf und holt mit der Axt aus, bereit zuzuschlagen.

AGENT: Keine Bewegung!

Henry hält inne und dreht sich um. FBI-Agenten stürmen in die Halle, die Waffen gezogen. Scully übernimmt die Führung und zielt auf Henry.

SCULLY: Wir sind vom FBI und bewaffnet. Lassen Sie Ihre Waffe fallen.

Henry läßt langsam die Axt sinken. Plötzlich reißt er sie wieder hoch, um sie auf die Agenten zu werfen, aber Scully schießt ihn in die rechte S

chulter. Henry krümmt sich vor Schmerz, läßt die Axt fallen und beginnt zu fliehen. Scully und ein paar Agenten nehmen die Verfolgung auf, die anderen laufen zu Jim.

AGENT: Da ist er ja!

Scully's Team stürmt um eine Ecke und beginnt einen Gang hinunterzulaufen.

1. AGENT: Ihr geht darüber.

2. AGENT: Wir gehen auf die andere Seite...

Henry rennt durch die Halle, dann eine Treppe hinauf. Seine Verfolger stoppen davor und verteilen sich rechts und links vor dem Aufgang.

SCULLY: Los!

Einer der Agenten springt die Stufen hinauf und wird von Henry mit einem Blecheimer mitten ins Gesicht getroffen. Während er die Treppe wieder hinunterstürzt, setzt Henry seine Flucht fort. Scully und die Agenten rennen hinterher. Nur einer bleibt zurück, um sich um seinen verwundeten Kollegen zu kümmern. Henry erreicht einen dunklen Raum in dem Raten fiepen. Er wendet sich nach links. Nun erreichen auch Scully und ein weiterer Agent den Raum.

AGENT: Vorsichtig, vorsichtig.

Scully läuft weiter nach links und bedeutet ihrem Kollegen die andere Richtung zu nehmen. Henry ist bereits einen Raum weiter. Über zwei Stufen betritt er eine Brücke, die sich über die darunterliegende Halle spannt. Auf die Wand dahinter ist ein riesiger, blauer Teufel gemalt. Nun erreicht auch Scully diesen Raum, die Waffe im Anschlag, doch sie senkt sie langsam als sie Malerei an der Wand sieht. Henry dreht sich zu ihr um, als er auf ein loses Brett tritt. Das Krachen und Splittern von Holz ist zu hören. Er blickt unter sich und sieht die Bretter brechen. Dann stürzt er laut schreiend in die Tiefe. Scully geht vorsichtig zur Brüstung und sieht Henry, zwei, drei Stockwerke tiefer, am Boden liegen. Scully setzt sich langsam auf die Treppe, als ein weiterer Agent an ihr vorbei läuft.

AGENT: Hier drüben ist er! Er ist tot.

Scully sieht zu dem blauen Teufel an der Wand.


CENTRAL PRISON
RALEIGH, NORTH CAROLINA


Der Kopf des Teufels wird langsam ausgeblendet. Statt dessen erscheint Boggs' Gesicht. Er sitzt auf dem Bett seiner Zelle. Scully kommt langsam auf ihn zu und bleibt nahe der Gitterstäbe stehen.

BOGGS: Sie sind hier um sich zu verabschieden?

SCULLY: Ich glaube, wenn... Sie mit dieser Entführung wirklich etwas zu tun gehabt hätten, hätte Lucas Henry wahrscheinlich ... von der Gefahr gewußt vor der Sie mich gewarnt hatten. Und dann hätte er nie versucht diese Brücke zu überqueren. Also haben Sie...Jim Summers das Leben gerettet. Und meins haben Sie auch gerettet.

Boggs nickt nachdenklich, steht auf und kommt zum Gitter.

BOGGS: Sie sind gekommen, weil wir nicht fertig miteinander sind. Sie wollen die Botschaft Ihres Vaters hören. Aber nicht jetzt. Kommen Sie heute abend, als mein Zeuge. Wenn die mich auf diesen Stuhl schnallen und...die Klappe geöffnet wird... er lehnt sich näher zu ihr...erhalten Sie Ihre Botschaft.

Er dreht sich abrupt um und setzt sich wieder auf das Bett, den Blick abgewandt. Scully geht.


Später: Die Uhr zeigt 5:57. Ein Wachmann betritt die Zelle und stellt die letzte Mahlzeit vor Boggs. Er starrt es an, dann wendet er den Kopf und sieht - schwarz-weiß - seine Familie einträchtig beieinander stehen und ihn beobachten. Verzweifelt schlägt Boggs eine Hand vor die Augen.


GASKAMMER
CENTRAL PRISON
RALEIGH, NORTH CAROLINA


Boggs wird an Händen und Füssen mit Ketten gefesselt zu dem letzten Korridor geführt. Das Bild wechselt zu Schwarz-Weiß und zeigt erneut seine Opfer zu beiden Seiten des Ganges stehen. Ein Wispern und Raunen ist zu hören. Mit schmerzverzerrtem Gesicht wendet Boggs sich um, aber der Gefängnisdirektor hinter ihm bedeutet ihm weiterzugehen. Boggs Arme werden am Stuhl festgeschnallt. Die Hände zu Fäusten geballt. Eine Elektrode wird an seiner Brust befestigt. Hinter ihm wird die Türe geschlossen und ein schwere Riegel vorgeschoben. Er ist allein. Vor ihm öffnet sich ein Fenster. Ein Priester steht dort und liest aus der Bibel. Neben ihm noch ein Mann.

PRIESTER: Vater unser, der Du bist im Himmel, geheiligt werde Dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe. Wie im Himmel, also auch auf Erden...

MANN: Möchten Sie vielleicht noch etwas sagen?

Ein weiterer Mann tritt neben den Priester, der Zeuge.

PRIESTER: ...unser täglich Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern ...

Boggs schüttelt den Kopf und blickt zur Seite.

PRIESTER:...und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen, ...

Der erste Mann nickt mit dem Kopf. Der Inhalt eines Bechers wird in eine Flüssigkeit geschüttet.

PRIESTER:...denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen.

Der Ausdruck auf Boggs' Gesicht spiegelt blankes Entsetzen.


MULDER'S KRANKENHAUSZIMMER
RALEIGH, NORTH CAROLINA


Scully sitzt am Fußende von Mulder's Bett.

SCULLY: Ich habe nachgedacht über Boggs. Wenn er vorher wußte, daß ich Ihre Partnerin bin, hätte er alles, was er über mich wußte, recherchieren können. Das über meinen Vater...

MULDER: Scully...

Sie steht auf und geht zu ihm.

SCULLY: "Beyond the Sea" wurde auf der Hochzeit meiner Eltern gespielt. Und Visionen von kürzlich Verstorbenen sind ein verbreitetes psychologisches Phänomen. wenn er gewußt hätte, daß mein Vater...

MULDER: Dana. Nach allem was Sie gesehen haben, nach all diesen Hinweisen.. wieso glauben Sie nicht einfach?

Sie seufzt und setzt sich neben Mulder auf das Bett.

SCULLY: Ich habe Angst davor. Ich habe Angst davor zu glauben.

MULDER: Und Sie laufen vor dieser Angst davon? Selbst wenn das bedeutet nie zu wissen, was Ihr Vater Ihnen sagen wollte?

SCULLY: Jetzt weiß ich es.

MULDER: Woher?

SCULLY: Er war mein Vater!

Mulder nickt und drückt leicht Ihre Schulter.


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