1X03 Signale (deutsches Transkript)

Aus Spookyverse
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Copygif.gif Die Charaktere, Handlungen, Zitate usw., die im folgenden Transkript Erwähnung finden sind © Chris Carter/1013/Fox Entertainment und (in der deutschen Fassung) Cinephon Synchron. Diese Abschrift ist ohne explizite Erlaubnis von den Rechtehaltern von Fans für Fans als Hommage an Akte X erstellt worden, wir verfolgen keinerlei finanzielle Absichten. Die Texte selbst sind Eigentum des jeweiligen Autors.


1X03 Signale
Die Wahrheit ist irgendwo da draußen!

Nacht am Okobogee-See. RUBY MORRIS und ihr jüngerer Bruder KEVIN MORRIS schlafen neben einem Lagerfeuer auf einer Waldlichtung neben ihrem Wohnwagen am See. Im Wohnwagen schläft ihre Mutter, DARLENE MORRIS. Auf einmal beginnt der ganze Wagen zu wackeln und zu rütteln und ein grelles Licht blendet DARLENE, die von dem Schütteln aus ihrem Bett gerissen wurde. DARLENE schreit erschrocken.

DARLENE: Die Kinder!

KEVIN ruft von draußen.

KEVIN: Mom! Mom! Mom!

DARLENE: Kevin!

DARLENE will den Türgriff öffnen, doch sie zieht ruckartig ihre Hand zurück, als sie sich diese an ihm verbrennt.

KEVIN: (draußen) Mom! Mom! Mom! Mom! Mom! Mom!

DARLENE schafft es nach draußen, nachdem sie die Tür mit einem Ofenhandschuh aufmacht.

KEVIN: Mom! Ruby ist verschwunden!

DARLENE: Ruby? Ruby? Ruby!! Rub-eeeee!!!!! Rub-eeeee!!


FBI ZENTRALE
WASHINGTON, DC


SCULLY ist im Büro von SECTION CHIEF BLEVINS.

BLEVINS: Das ist Agent Mulders neuester 3-0-2. Er bittet darin um den Auftrag und um Reisespesen für Sie beide.

Er reicht ihr eine Akte, die SCULLY sich ansieht.

SCULLY: Sioux City, Iowa. Das ist das erste, was ich davon höre.

BLEVINS: Es kam auf dem Dienstweg. Von Mulders Einsatzleitung wurde es über GS 14 an mich weitergeleitet.

SCULLY: (lesend) Teenager von Außerirdischen aus Zelt entführt.

BLEVINS: Es geht darum, daß Mulder das FBI bittet, der Schlagzeile eines Revolverblattes eine Fallnummer zu geben.

SCULLY: Er hat bestimmt mehr Beweise als...

BLEVINS: (fällt ihr ins Wort) Laut seinem 3-0-2 scheint es nicht.

SCULLY: Ich gebe zu, das ist eigenartig. Sogar für Mulder.

BLEVINS steht auf und holt aus dem Aktenschrank hinter seinem Schreibtisch eine Akte.

BLEVINS: Vielleicht hat es etwas hiermit zu tun. Werfen Sie mal einen Blick hinein.

SCULLY: Eine X-Akte?

Die Akte, die SCULLY aufschlägt, ist die vom Mulders vermisster Schwester Samantha. Wir sehen ein Bild von Samantha als Kind im Badeanzug am Strand, daneben und darüber persönliche Eintragungen:

Name: Samantha T. Mulder
Adresse: 2790 Vine Street
City: Chilmark, Massachusetts
Geburtsdatum: 22. Januar 1964
Nationalität: Amerikanisch
(darunter das Bild von ihr)
Bemerkungen: Name und Adresse des nächsten Verwandten:
Fox Mulder (Bruder)
c/o F.B.I.
Washington Bureau

BLEVINS: Sie scheinen schon etwas darüber zu wissen. Sie brauchen ihn nicht zu schützen. Er hat die Akte selbst angelegt, und die Unterschrift stammt auch von ihm.

SCULLY: Sie war seine Schwester. Sie ist vor 21 Jahren verschwunden. Er war zwölf und sie war acht. Er behauptet im Zimmer gewesen zu sein, als es geschah. Er weiß noch, daß plötzlich ein helles Licht vor dem Fenster war und er spürte, daß etwas ins Zimmer kam.

BLEVINS: Sind Sie der Meinung, daß Agent Mulders persönliches Interesse seine berufliche Urteilskraft getrübt hat?

SCULLY: Dieser Meinung bin ich durchaus nicht.

BLEVINS: Aber Sie sehen, daß das den Anschein erwecken könnte. Wie Sie wissen, hat Agent Mulders Vorliebe für unerklärbare Phänomene immer wieder zu Reibungen im FBI geführt. Sehen Sie, das ist jetzt wieder so ein Fall. Ich werde diese Untersuchung nicht genehmigen.

SCULLY: Bei allem Respekt, Sir, wieso lassen Sie mich nicht mit ihm reden, um mir ein Bild machen zu können.


X-AKTEN BÜRO


SCULLY: Es sieht nicht so aus als ob der Stellenwert dieser Geschichte eine Ermittlung rechtfertigt.

MULDER: Na, schön, Scully, da sind wir uneins. Das ist nicht das erste Mal und wird auch nicht das letzte sein.

SCULLY: Wenn Sie nur eine glaubwürdige Quelle hätten, dann könnten wir...

MULDER: (fällt ihr ins Wort) Das ist das Wesen jeder Wissenschaft. Sie stellen eine scheinbar sinnlose Frage und die führt Sie zu einer überraschenden Lösung.

SCULLY: Warum ist denn nun dieser Fall glaubwürdiger, (sie nimmt eine Klatschzeitung zur Hand, die auf dem Schreibtisch liegt) als der der hundertjährigen Mutter mit dem Eidechsenbaby?

MULDER: Weil dieses Eidechsenbaby nun mal nicht am Okobogee-See geboren wurde.

SULLY: Oko-was?

MULDER: Bogee. (steht auf und sagt es ihr ins Ohr) Okobogee.

SCULLY: Sollte mir das irgend etwas bedeuten?

MULDER macht das Licht aus und den Diaprojektor an.

MULDER: Nur falls Sie sich fürs Forellenangeln oder berühmte UFO-Treffpunkte interessieren.

SCULLY: Was heißt Treffpunkte?

Ein verschwommenes Foto eines UFOs wird projiziert.

MULDER: Vier UFOs sind dort im August 1967 gesichtet worden. Eins davon sogar von einem Wetterflugzeug.

Nächstes Bild eines UFOs.

MULDER: Das ist eine aufgehellte, digital nachbearbeitete Vergrößerung.

SCULLY: Hat der Pilot dieses Foto geschossen?

MULDER: Nein, das hat eine Pfadfinderin gemacht. Vier von neun Mädchen der Gruppe wollen etwas gesehen haben. Sogar fünf, wenn man die Betreuerin mitzählt. Die Airforce sagt, es wäre ein Wetterballon, der in eine Windscherung geraten ist. Aber im Umkreis von 700 Meilen startete an diesem Tag kein Wetterballon.

MULDER händigt SCULLY eine Akte vom Schreibtisch.

MULDER: Und nun lesen Sie mir die Namen dieser ehemaligen Pfadfinderinnen vor.

SCULLY: (lesend) Lisa Tyrell, Bonnie Winston, Dorreen McAllister, Darlene Morris...

MULDER zeigt auf eine Zeile des projizierten Zeitungsartikels.

MULDER: Es ist dieselbe Darlene Morris.


SIOUX CITY
IOWA


DARLENE MORRIS' Haus. MULDER und SCULLY steigen aus ihrem Wagen und klopfen. DARLENE öffnet.

SCULLY: Mrs. Darlene Morris? Ich bin Agent Scully und das ist Agent Fox Mulder. Wir haben gestern Abend mit Ihnen telefoniert.

DARLENE: Bitte, kommen Sie rein.

Drinnen. DARLENES verbrannte Hand ist verbunden.

DARLENE: Tja, ich wußte, daß wenn ich bloß lange und laut genug schreie, dann würde es schon jemand hören. Aber das FBI hätte ich nie erwartet. Ähm, das ist Kevin. Kevin, sag Guten Tag.

KEVIN blickt jedoch nicht von seiner Schreibarbeit auf und antwortet nicht.

DARLENE: Möchten Sie einen Kaffee?

SCULLY: Mmhhmm.

SCULLY geht hinter DARLENE her in die Küche. Auf halbem Wege dreht sie sich plötzlich um und sieht MULDER vor dem Ofensims mit gerahmten Bildern der Familie stehen. Er betrachtet besonders ein Bild von RUBY, als sie noch klein war. Es zeigt das Mädchen im Badeanzug auf einem Sprungbrett sitzend und sie lächelt in die Kamera. MULDER blickt es mit einem traurigen Ausdruck an und streicht mit den Fingern leicht über das Bild. SCULLY sieht zu. Sie weiß, woran er denkt.

Am Kaffeetisch.

DARLENE: An manchen Tagen kann ich mich.... nicht mal dazu durchringen aufzustehen. Und Kevin benimmt sich seit der Sache so merkwürdig. Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll. Ich weiß nur, daß ich sie wiederhaben will.

SCULLY: Mrs. Morris, hat es während Ihrer Scheidung Streit um das Sorgerecht gegeben?

DARLENE: Charles hat nichts zu tun mit dieser Sache.

SCULLY: Und warum sind Sie da sicher?

DARLENE: Weil ich weiß, was passiert ist. Es ist genau wie damals gewesen.

MULDER: Sommer 1967, als Sie da schon mal waren?

DARLENE: Und woher wissen Sie das?

MULDER: Ihr Name steht in den Akten in der Zentrale für UFO Forschungen in Evanston, Illinois.

DARLENE: Ach, wirklich?

MULDER: Ja. Der Pilot eines Wetterflugzeugs will am selben Tag eine ähnliche Beobachtung wie Sie gemacht haben.

DARLENE: Sie haben sie entführt oder?

Lange Pause.

MULDER: Sie... Sie sagten, daß, ähm, Kevin in jener Nacht auch dabei war.

DARLENE: Er hat nur nichts gesehen, weil er geschlafen hat.

MULDER: Könnte ich mal versuchen, mit ihm zu reden?

DARLENE macht eine Geste des Einverständnisses.

MULDER: Danke.

Er steht auf und geht zu KEVIN.

DARLENE: (zu SCULLY) Wissen Sie, ich habe diese Geschichte schon so viele Male erzählt. Den Zeitungsreportern und der Polizei und jedesmal, wenn ich sie erzähle, bekommen die Leute diesen Ausdruck in den Augen. Genau denselben Ausdruck, den Sie jetzt gerade haben.

MULDER bei KEVIN, der vor dem Fernseher sitzt, der nichts weiter als Schnee zeigt.

MULDER: Tag, mein Junge. Darf ich mich zu dir setzen?

KEVIN nickt und MULDER setzt sich hinter ihm hin.

MULDER: Danke. Deine Mom hat mir erzählt, daß du Alpträume hast.

KEVIN: Kann schon sein.

MULDER: Möchtest du mir davon erzählen?

KEVIN: Nein.

MULDER: Na schön.

MULDER nimmt jetzt erst zur Kenntnis, daß KEVIN etwas auf ein Blatt Papier schreibt.

MULDER: Was machst du denn da?

KEVIN dreht sich zu ihm um, sagt aber nichts.

MULDER: Arbeitest du an etwas?

KEVIN nickt.

MULDER: Darf ich das sehen? Danke.

KEVIN reicht ihm seinen Block und MULDER sieht, daß es eine Abfolge von Nullen und Einsen ist.

KEVIN: Es kommt aus dem Fernseher.

MULDER: Wirklich?

KEVIN nickt.


SIOUX CITY SHERIFF DEPARTMENT


MULDER verschickt gerade ein Fax:

Date: AUG 26
From: FOX MULDER
To: DANIEL BERNSTEIN
Reporting To: CRYPTOGRAPHY SECTION, F.B.I. WASH. D.C.

MULDER: (am Telefon) Ich weiß nicht, was das ist. Vielleicht ein binärer Code oder so was. Es kann sonstwas sein und ebensogut nichts. Ich weiß, daß Sie viel zu tun haben. Ich kenne da jemanden, dessen Freund Ihnen eine Eintrittskarte für die Redskins organisieren kann. Sie gehört Ihnen. Ist gut. Sie rufen mich wieder an? Danke, Danny.

SHERIFF: Also, wie ich Ihrer Partnerin schon sagte, gibt es keine Hinweise auf eine Entführung. Keinen Anruf, keine Lösegeldforderung, und da wir keine Leiche finden konnten ....

MULDER: ... haben Sie angenommen, sie sei ausgerissen, hm?

SHERIFF: Naja, das wäre nicht das erste Mal, daß Ruby von zu Hause wegläuft.

MULDER: Und wie erklären Sie sich, was ihre Mutter gesehen hat?

SHERIFF: Tja, ich denke, daß Darlene eine überaus rege Phantasie hat. Diese Geschichten kenne ich, seit wir in der ersten Klasse waren.

MULDER: Sie geben also zu, die Aussage ignoriert zu haben?

SHERIFF: Sie steht natürlich in meinem Bericht.

MULDER: Aber Sie sind ihr eben nicht nachgegangen.

SHERIFF: Wir sind zum Lagerplatz gegangen und fanden nichts. Und jetzt will ich Ihnen mal was sagen. Darlenes kleine Tochter war kein Muster an Unschuld. Ich weiß gar nicht, wie viele Male ich sie schon aus geparkten Autos zog und wie oft sie am Straßenrand stand und sich die Seele aus dem Leib kotzte. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ihr...

MULDER: Bis ihr was?

SHERIFF: Bis ihr was Schlimmes passiert. Und wenn Darlene diese verrückten Geschichten braucht, um darüber hinweg zu kommen, na fein. Aber verlangen Sie von mir nicht, daß ich das ernst nehmen soll. Ich werde damit keine Zeit vergeuden.

Draußen, vor dem Gebäude.

SCULLY: Ich dachte, es wäre ratsam, die örtliche Polizei nicht gegen sich aufzubringen.

MULDER: Wer, ich? Ich bin doch ein Muster an Verträglichkeit.

SCULLY: Man weiß ja nie. Vielleicht können wir noch mal seine Hilfe gebrauchen.

MULDER: Ich schicke ihm ein paar Pralinen.

Als sie an ihrem Wagen ankommen, steckt ein Zettel hinter dem Scheibenwischer: I'm accross the street. Follow me.

MULDER: (lesend) Ich bin auf der anderen Straßenseite. Folgen Sie mir.

MULDER reicht SCULLY den Zettel, die einen Blick darauf wirft und sich umsieht. Auf der anderen Seite der Straße sieht ein junges Mädchen zu ihnen herüber und geht, sobald sie gesehen hat, daß MULDER und SCULLY sie bemerkt haben. Die Agenten folgen ihr in die Bibliothek. Zwischen den Bücherregalen sehen sie sie wieder. Das Mädchen, TESSA, geht hinter eines der Regale und spricht zu den Agenten, die davor stehen.

TESSA: Sie suchen nach Ruby, nicht wahr?

SCULLY: So ist es. Wer sind Sie?

TESSA: Das spielt keine Rolle.

SCULLY: Sind Sie eine Freundin von Ruby?

TESSA: Ruby hatte keinen Freundinnen. Sie hat sich nur mit ein paar Leuten herumgetrieben.

SCULLY: Und zu diesen Leuten haben sie auch gehört?

TESSA: Ja, ich war ab und zu dabei.

MULDER: Auch in der Nacht, als sie verschwand?

TESSA: Es war Greg. Sie waren in dieser Nacht verabredet.

MULDER: Wer ist Greg?

TESSA: Ihr Freund. Greg Randall. Sie wollten sich am See treffen. Sie hatten etwas zu besprechen.

MULDER: Was ist das gewesen?

TESSA: Greg hat Ruby geschwängert. Ich weiß auch nicht. Na, jedenfalls war sie schwanger.

SCULLY: Und wissen Sie, was die beiden vor h

atten?

TESSA: Die Stadt verlassen. Das hat jedenfalls Ruby gesagt.

SCULLY: Kennen Sie Greg von der Schule her?

TESSA: Greg? Schule? Der war nie auf einer. Solange wir ihn kennen zapfte er immer nur Bier. Im Pennsylvania Pub.

Plötzlich läßt jemand hinter MULDER und SCULLY ein paar Bücher fallen. Sie drehen sich nach dem Lärm um, und als sie sich wieder zurück drehen, ist das Mädchen verschwunden. Sie versuchen noch, sie zu finden, aber erfolglos.


PENNSYLVANIY PUB


MULDER und SCULLY werden neugierig und verächtlich beäugt, als sie in die Rocker-Kneipe kommen.

ROCKER #1: Eyyy, wie sehen denn die aus?

ROCKER #2: Die scheinen sich hier verirrt zu haben.

ROCKER #3: Von denen fährt bestimmt keiner Motorrad.

MULDER und SCULLY gehen am Pooltisch vorbei an die Bar.

MULDER: Sagen Sie mal, wo finden wir denn Greg Randall?

BARKEEPER: Wer will das wissen?

MULDER zeigt ihm seinen Ausweis.

BARKEEPER: Was hat er denn jetzt wieder für Schwierigkeiten?

MULDER: Eigentlich hatten wir gehofft, Sie könnten uns das sagen.

BARKEEPER: Greg hat sich vor drei Wochen krank gemeldet, und seitdem habe ich nichts von ihm gehört.

MULDER: Keine Ahnung, wo er sich aufhalten könnte?

BARKEEPER: Nein, aber wenn Sie ihn finden, können Sie ihm sagen, daß er gefeuert ist.

SCULLY: (gibt ihm eine Visitenkarte) Das ist das Hotel, in dem wir zu erreichen sind, falls Sie irgendwas hören sollten.

Als der BARKEEPER die Karte in die Innentasche seines Hemdes steckt, fällt MULDERS Blick auf die Tätowierung auf seinem Arm, die ein UFO zeigt.

MULDER: Das ist einer schöne Tätowierung. Was soll das sein?

BARKEEPER: Nach was sieht es denn aus?

MULDER: Nach einer fliegenden Untertasse. Sie glauben diesen Quatsch doch nicht wirklich oder?

BARKEEPER: Sie scheinen wohl zu zweifeln?

SCULLY sieht MULDER verwundert an.

MULDER: Nein, ich glaube nur, daß da ein Haufen verrückter Leute den Mond anheult.

BARKEEPER: Dann sind Sie wohl noch nicht am Okobogee See gewesen, hä?

MULDER: Nein, noch nicht. Wieso?

BARKEEPER: Sie sollten mal mit uns da hin fahren. Dann sind Sie aber hinterher anderer Meinung.

Er streicht seine Haare zur Seite und zeigt sein verbranntes/versengtes Ohr.

BARKEEPER: Da kriegen Sie mitten in der Nacht nämlich einen Wahnsinns-Sonnenbrand.

Er lacht und dreht sich weg.


STAY 'N SAVE MOTOR INN
5.30 UHR


SCULLY schläft in ihrem Bett, als sie aufwacht und Schatten draußen am Fenster sieht. Jemand versucht, in ihr Zimmer zu kommen, doch als SCULLY versucht, an ihre Waffe auf der anderen Seite des Zimmers zu kommen, wird die Tür aufgebrochen und sie wird mit Taschenlampen geblendet.

MANN: Wo ist Mulder?

HOLTZMAN, einer der Männer, die in SCULLYS Zimmer eingebrochen sind, ist mit seinen Gehilfen jetzt in MULDERS Zimmer. MULDER sitzt auf seinem Bett.

HOLTZMAN: Wo haben Sie das Dokument her?

MULDER: Wenn Sie mir mal erklären, worum es geht, bin ich vielleicht in der Lage, Ihnen zu helfen.

HOLTZMAN lacht leise und einer seiner Gehilfen reicht MULDER einen Zettel.

MULDER: Das ist ein Dokument? Das ist nur ein Haufen Einsen und Nullen für mich.

HOLTZMAN: Sagen Sie mir, wo Sie's her haben.

MULDER: Sagen Sie mir, was es ist.

HOLTZMAN: Dieses Spielchen können Sie sich sparen, Mulder, oder ich schleife Ihren Hintern bis vor den D6. Erklären Sie mal denen, warum Sie die Justiz behindern.

MULDER: (gibt ihm den Zettel zurück und steht auf) Das geht in die Hose, Holtzman. Jedenfalls solange ich niemandem außer meiner Dienststelle Rechenschaft schuldig bin. Ganz egal ob es die National Security Agency oder die Vatikan Polizei ist.

MULDER streift sich ein Hemd über.

HOLTZMAN: Es ist eine Verteidigungssatellitenübertraung.

MULDER: Sie scherzen.

HOLTZMAN: Nur ein Fragment, aber streng geheim. Wir würden gerne wissen, woher das wohl stammt.

MULDER: Na sicher, ich lasse es Sie wissen, sobald ich es rausgefunden habe.

HOLTZMAN: Das reicht, Mulder. Sie sind praktisch schon auf dem Rückweg nach Washington.

HOLTZMANS Gehilfe bekommt einen Anruf auf seinem Handy.

ANRUFER: Alles klar. Wir wissen Bescheid.

GEHILFE: Wir haben es.

die Männer verlassen MULDERS Zimmer und SCULLY kommt herein.

MULDER: (seufzt) Na toll.

SCULLY: Was ist?

MULDER: Sie hätten es nicht sagen dürfen. Die sind überhaupt nicht zuständig.

SCULLY: Mulder, das ist die NSA. Die glauben, daß der Junge eine Gefahr für die nationale Sicherheit sein könnte.

MULDER: Das ist doch albern. Wie kann ein achtjähriger Junge, der kaum multiplizieren kann eine Gefahr für die nationale Sicherheit sein?

MULDER zieht sein Jackett an.

MULDER: Und dann nennen manche Leute mich paranoid.

SCULLY: Wie kann Kevin denn an diese geheimen Informationen denn gekommen sein? Was glauben Sie woher er sie haben kann?

MULDER geht wortlos an ihr vorbei.


DARLENE MORRIS' HAUS


KEVINS Zimmer. Eine Gruppe von Männern stellen das ganze Zimmer auf den Kopf auf der Suche nach etwas. MULDER und SCULLY kommen draußen vor dem Haus an und sehen, wie DARLENE und KEVIN von zwei Männern aus dem Haus geführt werden.

AGENT: Achtung, Stufe.

DARLENE sieht MULDER und SCULLY beschuldigend an.

DARLENE: Es ist alles in Ordnung, mein Junge. Keine Sorge. Es wird alles wieder gut.

Ein zweiter Agent schnappt sich KEVIN.

ZWEITER AGENT: Du kommst mit mir, Junge.

KEVIN: Mom!

ERSTER AGENT: Steigen Sie bitte ein, M'am.

Er schiebt DARLENE ins Auto.

DARLENE: Es wird alles wieder gut, mein Junge!

ERSTER AGENT: Achtung, Kopf einziehen bitte.

Im Haus. MULDER hebt ein zerbrochenes Sparschwein auf und stellt es beiseite.

MULDER: Sie leisten ja wirklich ganze Arbeit.

HOLTZMAN: Schicken Sie das an die Kryptographie. Ich glaube, wir haben, was wir wollten. Danke sehr.

Die Männer gehen zufrieden aus dem Zimmer. MULDER sieht aus dem Fenster. SCULLY lehnt an der Tür und kommt dann zu MULDER ans Fenster.

SCULLY: Was ist denn?

MULDER: Ich bin mir nicht sicher.

Als MULDER geht und SCULLY aus dem Fenster sieht, sieht man den Wohnwagen der MORRIS' unten auf dem Hof stehen. Das Dach ist völlig verkohlt.

Vor dem Haus.

MULDER steigt auf einer Leiter hoch zum Dach des Wohnwagens und betrachtet eine Probe der schwarzen Asche näher, während SCULLY von oben zusieht.


FBI- BÜRO
SIOUX CITY
IOWA


ATSUMI: Wir haben alle 77 Seiten an den Rechner in Washington gefaxt.

SCULLY: Sind diese Informationen strafrechtlich relevant?

ATSUMI: Abgesehen von der Satellitenübertragung haben wir nichts gefunden, was ein Sicherheitsrisiko darstellt. Soweit ich weiß, wir der Junge heute Nachmittag frei gelassen.

SCULLY: Es war nur eine willkürliche Folge von Einsen und Nullen?

ATSUMI: Im Gegenteil, das hat nichts mit Willkür zu tun.

SCULLY: Ich verstehe nicht ganz.

ATSUMI: Jede Information kann man digital darstellen als eine Folge von Einsen und Nullen. Als wir die Daten analysierten, fanden wir eine verblüffende Menge von... aber sehen Sie selbst.

Verschiedene Bilder erscheinen auf dem Computerbildschirm.

ATSUMI: Leonardo Da Vincis goldener Schnitt.... eine DNS Doppelhelix... und es gibt noch viel mehr.

Eine Melodie ertönt aus dem Computer.

SCULLY: Das ist aus dem Brandenburgischen Konzert.

ATSUMI: Aber es sind nur Fragmente. Etwas hiervon und etwas davon, ein paar Zeilen aus dem Koran, ein Shakespearsonett...

MULDER: Als ob man beim Fernsehen durch die Kanäle zappt.


Ein Agent führt DARLENE und KEVIN aus dem Befragungsraum 107 (Holding Area 107). Sie gehen an MULDER und SCULLY vorbei, DARLENE ignoriert sie.

MULDER: Mrs. Morris?

DARLENE: Ich habe Ihnen nichts zu sagen.

MULDER: (greift sie am Arm) Mrs. Morris, bitte geben Sie mir die Möglichkeit, das zu erklären.

DARLENE: (zu KEVIN) Würdest du bitte da drüben auf Mami warten? Ich komme gleich zu dir.

KEVIN sieht zu MULDER auf und tut dann wie ihm geheißen.

DARLENE: Ich dachte, Sie beide wären bloß hier, um uns zu helfen.

SCULLY: Das war ein schrecklicher Fehler. Und ich versichere Ihnen, daß die Regierung für alle Reparaturen aufkommen wird.

DARLENE: Ich will kein Geld von Ihnen. Ich will nur meine Tochter zurück. Und ich will, daß Sie uns in Zukunft in Ruhe lassen.

MULDER: Ihr Sohn hat doch sicher etwas gesehen.

DARLENE: Halten Sie sich fern von mir und wehe Sie belästigen mein Kind.

KEVIN sieht sich inzwischen die Monitore der Überwachungsvideos des Empfangs an.

DARLENE: Komm, Kevin. Alles in Ordnung. Laß uns gehen.


AUSFAHRT 68
SIOUX CITY DOWNTOWN


MULDER und SCULLY fahren auf einer Straße. MULDER fährt an der Ausfahrt vorbei.

SCULLY: Ich dachte, wir wollten in die Stadt zurück fahren.

MULDER gibt keine Antwort.

SCULLY: Wo fahren wir hin?

MULDER: Ich bin sicher, der Junge ist der Schlüssel. Ich weiß es.

SCULLY: Der Schlüssel wozu?

MULDER: Um Ruby zu finden. Denken Sie mal darüber nach. Da ist ein Junge, der alle möglichen digitalisierten Daten von einem Fernseher zu kriegen scheint.

SCULLY: Agent Atsumi sagt, das war eine statistische Abweichung.

MULDER: (schüttelt den Kopf.) Nein.

SCULLY: Gut, ich gebe zu, daß ich damit auch nicht viel anfangen kann. Aber...

MULDER: (fällt ihr ins Wort) Ich glaube, daß Kevin eine Art Leitung ist. Oder etwas ähnliches.

SCULLY: Eine Leitung, sagen Sie.

MULDER: Er stellt als Antenne eine Verbindung her zu wem oder was immer Ruby in dieser Nacht entführt hat.

SCULLY: Aber wie?

MULDER: Falls es eine Entführung war, kann es sein, daß Kevin irgendwie beeinflußt wurde.

SCULLY: Mulder, ich weiß, was Sie denken. Ich weiß genau, wieso Ihnen das so wichtig ist. (MULDER sieht sie an.) Ich weiß es. Aber ich sehe keinerlei Hinweise oder Indizien für eine Entführung.

MULDER: Deswegen fahren wir zum Okobogee See.


OKOBOGEE SEE
IOWA
CAMPINGPLATZ 53


SCULLY hockt neben dem einstigen Lagerfeuer.

MULDER: Nach den Polizeifotos haben Ruby und Kevin genau hier geschlafen.

SCULLY: Nur einen Steinwurf vom Waldrand entfernt.

MULDER: Und das bedeutet?

SCULLY: Das bedeutet, der oder die Täter konnten jederzeit aus dem Wald kommen.

MULDER zeigt auf den Wald, dessen Baumspitzen völlig verkohlt sind.

MULDER: Haben Sie die Bäume gesehen? Das ist ein Indiz für extreme Hitze.

SCULLY: Oder ein starkes Gewitter. Ich kann mir nicht vorstellen, daß das auf irgend eine Weise etwas mit Rubys Verschwinden zu tun hat.

MULDER hockt sich hin und hebt ein Stück Glas auf, das er SCULLY zeigt.

MULDER: Ich schon. Meinen Sie, ein Blitzschlag könnte das verursacht haben? Haben Sie eine Ahnung, bei welcher Temperatur Sand zu Glas erstarrt? Bei 1300°C. Es war etwas hier draußen, Scully, und das war so heiß, daß es den Sand in Glas verwandelte und diese Bäume versenkt und das Dach des Wohnwagens gebraten hat.

SCULLY sieht sich um und sieht einen weißen Wolf am Waldrand.

SCULLY: (leise) Mulder, sehen Sie!

MULDER starrt auf den Wolf und läuft ihm hinterher, als dieser wieder in den Wald verschwindet. Tiefer im Wald sieht er eine Gruppe weißer Wölfe in einem Haufen Steine herumgraben. Er holt seine Waffe hervor und schießt ein Mal in die Luft, worauf die Tiere davon laufen. MULDER tritt näher zu dem Steinhaufen, als SCULLY ebenfalls den Schauplatz erreicht.

SCULLY: Was ist das?

MULDER: (hockt daneben und hält sich die Hand vor die Nase.) Es ist ein Grab. Sehr flach dem Geruch nach.

Er fängt an, die Steine aus dem Weg zu räumen.

SCULLY: Mulder, was tun Sie da?

Keine Reaktion.

SCULLY: Mulder, Sie verändern den Schauplatz eines Verbrechens.

Sie hockt sich zu ihm herunter und hält seinen Arm fest.

SCULLY: Hören Sie auf!

MULDER: Und was, wenn sie es ist? Ich muß es wissen.


Später untersucht die Polizei die Stelle. Sie fotografieren das Grab und ein gelbes Absperrungsband wird gespannt.

SCULLY: Alles klar, Mulder?

MULDER: Keine Sorge.

Man sieht die Leiche im Grab.

LEICHENBESCHAUER: Sieht nach einem männlichen Weißen aus.

MANN VOM UNTERSUCHUNGSTEAM: (reicht dem Sheriff eine Brieftasche) Sir?

SHERIFF: (liest) Der Name des Toten war Greg Randall.

SCULLY: Er war Rubys Freund.

SHERIFF:

Ruby hatte eine ganze Menge Freunde.

MULDER: Darf ich das mal sehen, bevor Sie das wegstecken?

SHERIFF: Bitte sehr.

MULDER zieht sich ein paar Handschuhe über und macht die Brieftasche auf. Es sind einige Dollarnoten drin und ein Zettel auf dem steht: DR. JACK FOWLER AUG. 7 - 2:30


SIOUX CITY SHERIFF DEPARTMENT


MULDER kopiert den Zettel vergrößert und sie vergleichen die Schrift mit der vom Zettel von der Windschutzscheibe. Sie scheint übereinzustimmen.

SCULLY: Sehen Sie sich das an. Sie ist es.

MULDER: Ja.

SCULLY: Das Mädchen aus der Bibliothek.

SHERIFF: Wer?

SCULLY: Wir wissen ihren Namen nicht, aber sie sagte, daß Greg und Ruby durchbrennen wollten.

SHERIFF: Nun, Dr. Fowler ist ein Freund von ihr. Er hat meine Kinder entbunden. Ich kann herausfinden, wer diesen Termin hat.


Zwei Polizisten führen TESSA durch einen Gang in einen Befragungsraum.

SCULLY: Nehmen Sie Platz, Tessa.

Man sieht einen laufenden Kassetten Recorder auf dem Tisch.

SCULLY: Wir wissen, daß Sie uns neulich angelogen haben. Wir wissen, daß Sie am 7. August den Termin bei Dr. Fowler hatten. Wir wissen, daß Sie es sind, die schwanger ist und nicht Ruby.

TESSA: Sie wissen gar nichts, nicht wahr

SCULLY: Wir können das beweisen, Tessa. Und wir können beweisen, daß Greg der Vater war.

TESSA: Und was ist, wenn er der Vater war?

SCULLY: Das ist eine sehr ernste Sache. Ist Ihnen eigentlich klar, wie ernst das für Sie ist? Sie haben auf den Anwalt, der Ihnen zusteht, verzichtet. Wenn Sie uns heute bei diesem Verhör anlügen, könnte man Sie wegen Falschaussage anklagen.

TESSA senkt ihren Blick.

TESSA: Er hat mir versprochen, daß wir Weihnachten nach L.A. fahren würden. Er hatte dort einen Freund und ich hatte noch nie das Meer gesehen.

SCULLY: Sie sagten, daß er und Ruby etwas miteinander hatten. Und Sie haben gesagt, daß sie sich am See treffen wollten. Stimmt das?

TESSA: Hören Sie. Ich war in der Nacht nicht mal in der Nähe des Sees, verstanden?

MULDER sitzt an der hinteren Wand. Er steht auf, sobald er TESSA anspricht.

MULDER: Natürlich waren Sie das, Tessa. Sie wußten, wo sie sich treffen. Also werden Sie sie da erwartet haben. Sie waren zornig und eifersüchtig.

TESSA: War ich nicht.

MULDER: Doch waren Sie. Als die beiden dort auftauchten, töteten Sie zuerst Ihren Ex-Freund, nicht wahr?

TESSA: Nein.

MULDER: Sie schlichen sich aus dem Wald an und schossen ihm in den Rücken. Peng! (MULDER knallt mit der Hand auf den Tisch.) Und dann erschossen Sie Ruby. Peng! (wieder die Hand auf dem Tisch.) Was hat sie getan, bevor sie gestorben ist, Tessa? Hat sie um ihr Leben gefleht? Ist sie weggelaufen?

TESSA: Ich habe sie nicht getötet.

MULDER: Wo ist sie begraben, Tessa?

TESSA: Ich weiß es nicht.

MULDER: Sie wissen nicht, wo Sie sie begraben haben?

TESSA: Ich hab sie nicht getötet!

MULDER: Ach, wirklich?

TESSA: Sie ist in dieser Nacht nicht mal dort gewesen.

MULDER: Und woher wissen Sie das, Tessa, wenn Sie selbst nicht dort waren?


Draußen im Gang.

SCULLY: Mulder, Sie scheinen nicht ganz im Bilde zu sein.

MULDER: Wieso nicht?

SCULLY: Weil aller Wahrscheinlichkeit nach Ruby tot ist.

MULDER: Ist das Ihre Schlußfolgerung oder die des Sioux City Sheriff Departments?

SCULLY: Sie durchsuchen den Nationalpark und haben aus Des Moines ein paar Taucher angefordert.

MULDER: Die verschwenden ihre Zeit.

SCULLY: Sie glauben also, daß Tessa die Wahrheit gesagt hat.

MULDER: Wieso nicht? Was ist, wenn Ruby wirklich nicht da aufgekreuzt ist?

SCULLY: Sie hat uns über ihre Schwangerschaft und über Greg belogen. Warum sollte sie uns über den Mord an Ruby nicht auch belügen?

MULDER: Weil ich glaube, daß etwas da draußen in diesem Wald war.

SCULLY: Wir haben schon eine Verdächtige, die einsitzt. Wir haben ihr Geständnis für einen Mord und wir haben genügend Hinweise, daß sie einen weiteren geplant hatte. Es ist vorbei, Mulder. Es wird Zeit nach Hause zu fahren, und dem Sheriff die Lösung dieses Falls zu überlassen.

MULDER: Ich denke nicht daran.


Draußen vor dem Gebäude. MULDER läuft vor SCULLY her.

SCULLY: Mulder, wo wollen Sie hin?

MULDER: Ich rede mit dem Jungen.

SCULLY: Darlene wird Sie nicht mal durch die Tür lassen.

MULDER: Ich versuch es trotzdem.

SCULLY: Sie wissen, doch genau, was sie jetzt von uns hält. Mulder, hören Sie auf damit! Hören Sie auf, Ihrer Schwester nachzujagen.

MULDER hält an und dreht sich zu ihr um.

Das bringt sie nicht wieder zurück.

MULDER: Sie können mitkommen oder auch nicht mitkommen, aber ich gebe nicht auf, bevor ihre Leiche gefunden wurde.


DARLENE MORRIS' HAUS


MULDER und SCULLY klopfen an, doch als niemand öffnet und die Tür offen steht, gehen die Agenten hinein.

MULDER: Hallo? Mrs. Morris?

SCULLY: Kevin?

MULDER schaltet den Fernseher aus, der Schnee zeigt, und SCULLY nimmt den pfeifenden Kessel vom Herd. Dann geht sie zu MULDER ins Wohnzimmer, der vor vielen auf dem Boden liegenden Blättern sitzt, auf denen Einsen und Nullen geschrieben sind.

SCULLY: Mulder? Was bedeutet das?

MULDER: Keine Ahnung.

SCULLY: Ich werde oben nachsehen.

Als SCULLY die Treppe hoch gegangen ist und von oben auf die Blätter sieht...

SCULLY: Du meine Güte.

MULDER: Was ist denn?

SCULLY: Kommen Sie mal her.

MULDER geht hoch zu ihr.

SCULLY: Sehen Sie. Sie ist es.

Sie Blätter unten auf dem Boden formieren ein Bild von Ruby, das man von der Höhe, auf der die Agenten stehen, besser erkennen kann, als von unten.

SCULLY: Es ist Ruby.


AUF DER STRASSE ZUM OKOBOGEE SEE --- Nacht.

SCULLY: Das ist doch ein Schuß ins Blaue. Sie können ebensogut woanders sein.

MULDER: Wissen Sie, als ich ein Jung war, da hatte ich so ein Ritual. Ich ging immer mit geschlossenen Augen in mein Zimmer, weil ich dachte, daß meine Schwester da wäre, wenn ich sie wieder öffne. Daß sie einfach im Bett liegen würde als sei nie etwas geschehen. Ich gehe immer noch in dieses Zimmer. Jeden Tag meines Lebens. (lange Pause) Scully!

Man sieht, daß sie genau auf einen Wohnwagen zu fahren. Sie halten an und steigen aus.

MULDER: Darlene!

SCULLY: Sehen Sie mal, da ist ein Weg.

Da ertönt ein gequälter Schrei und die Agenten laufen in den Wald. Sie finden DARLENE am Boden.

MULDER: Was ist denn los?

DARLENE: Es ist hier. Ich habe es gesehen.

MULDER: Wo ist Kevin?

DARLENE: Ich konnte nicht mit ihm Schritt halten.

SCULLY: (zu MULDER) Gehen Sie schon.

MULDER läuft in die Richtung, in die DARLENE gezeigt hat.

SCULLY: Wo ist er hin?

DARLENE: Da hin.

MULDER sieht KEVIN auf ein rötliches Licht tiefer im Wald zugehen.

MULDER: Kevin!

KEVIN dreht sich zwar um, geht aber weiter auf das heller werdende Licht zu. MULDER sprintet auf den Jungen zu und kann ihn gerade noch rechtzeitig aus dem Weg reißen, bevor eine Horde Motorradfahrer grölend und brüllend passiert.

SCULLY: Alles in Ordnung?

KEVIN: Sie ist wieder hier.

MULDER: Kevin, es tut mir leid aber ich...?

KEVIN: Sie ist hier! Ich weiß es!

MULDER: Kevin, ich glaube nicht, daß sie hier ist. Ich weiß genau, wie sehr du dir das gewünscht hast, und ich auch....

SCULLY: (ruft ihn) Mulder!

MULDER: (läuft zu ihr zurück) Scully!

KEVIN: Ruby!

SCULLY leistet gerade einer am Boden liegenden RUBY erste Hilfe.

SCULLY: Sie ist zwar bewußtlos, aber sie lebt.

MULDER: Ich hole Hilfe.


SIOUX CITY KRANKENHAUS


SCULLY und MULDER sind auf ihrem Weg durch den Gang zu RUBYS Zimmer. SCULLY hat ihre Krankenakte in der Hand.

SCULLY: Sie ist seit fast einer Stunde wieder bei Bewußtsein.

MULDER: Und was war die Ursache für das Koma?

SCULLY: Ähh... keine Anzeichen für ein Schleudertrauma, Drogen oder sonst welche Abnormitäten. Aber die Anzahl ihrer weißen Blutkörperchen ist riesig.

MULDER: Gab es zufällig eine Reduktion der Lymphozytenpopulation oder einen Anstieg von Glycocorticuiden?

SCULLY: (liest nach) Ähm... sogar beides. Woher wußten Sie das?

MULDER: Das sind Symptome bei längerer Schwerelosigkeit. Bei Shuttleastronauten zeigen sich oft solche Schwankungen.

Sie stehen vor RUBYS Krankenzimmer. SCULLY klopft an und KEVIN, der am Bett seiner Schwester gesessen hat, steht auf und macht ihnen auf.

SCULLY: Hallo. Guten Tag, Ruby.

RUBY: Wer sind Sie?

SCULLY: Wir sind vom FBI. Ich bin Special Agent Dana Scully und das ist Fox Mulder.

RUBY: Meine Mom sagte, daß Sie vielleicht kommen wollten.

SCULLY: Wie fühlen Sie sich?

RUBY: Schon wieder recht gut.

MULDER: Wo waren Sie, Ruby? Können Sie uns das sagen?

RUBY zögert.

KEVIN: Erzähl's ruhig, Ruby. Er weiß es.

RUBY: Ich darf es aber nicht erzählen. Sie sagten mir, ich soll nichts sagen.

RUBY antwortet nicht. Sie hat Angst.

MULDER: Ruby, wer hat Ihnen das gesagt?

DARLENE: (sie steht plötzlich hinter SCULLY an der Tür) Mein Schatz, du brauchst diesen Leuten gar nichts zu erzählen.

SCULLY: Sie haben Recht. Wir sollten warten, bis Ruby etwas kräftiger ist.

DARLENE: Kann ich Sie mal kurz draußen sprechen?

MULDER, SCULLY und DARLENE verlassen das Zimmer. Im Gang...

DARLENE: Ich glaube, es ist am Besten, wenn wir das alles hinter uns lassen. Ich meine, hat Ruby nicht schon genug durchgemacht?

MULDER: Ich weiß, wie desorientiert sie im Augenblick zu sein scheint, aber in ein paar Wochen oder sogar in wenigen Tagen könnten wir...

DARLENE: (fällt ihm ins Wort) Ich habe nicht vor, Ihnen zu erlauben, mit ihr zu sprechen.

MULDER: Ermutigen sollten Sie sie, die Geschichte zu erzählen statt zu verheimlichen. Es ist äußerst wichtig, daß sie redet.

DARLENE: Und für wen ist das äußerst wichtig? Ich habe meine Tochter wieder. Ich will nicht noch mehr Schwierigkeiten. Abgesehen davon kann sie sich kaum erinnern.

MULDER: Aber eines Tages wird sie sich wieder an alles erinnern, auch wenn sie nur davon träumt, und dann wird sie das Gefühl haben, reden zu müssen, weil sie es rauslassen muß.

DARLENE: So wie ich, denken Sie. Jetzt hören Sie mal zu. Ich wurde mein ganzes Leben lang ausgelacht, weil ich darüber geredet habe.

MULDER: Aber es war die Wahrheit, Darlene.

DARLENE: Diese Wahrheit brachte mich nur in Schwierigkeiten und wenn es irgendwie geht, erspare ich ihr das.

MULDER: Es ist nicht gesagt, daß es für Ruby so läuft wie für Sie.

DARLENE: Also, wenn sie mich fragen, verbrachte sie die letzten Monate auf einer Harley Davidson.

MULDER: Und das erzählen Sie auch Kevin?

DARLENE: Es tut mir leid.

Als sie sich abwendet und zurück zu ihrer Tochter geht, will MULDER ihr folgen. Doch SCULLY legt ihre Hand auf seine Schulter und er bleibt stehen. DARLENE führt KEVIN wieder zurück ins Zimmer und schließt die Tür. MULDER geht hastig fort.

SCULLY ist allein in einem Raum und hört sich in einem Kassettenrecorder ein Band von MULDERS Regressions Hypnose mit DR. WERBER an. Wir hören das Band mit den Stimmen von DR. WERBER und MULDER.

DR. WERBER: Aber Ihre Augen sind offen?

MULDER: Ja, aber es ist so, als würde nichts geschehen.

sie schlägt die Akte von MULDERS Schwester Samantha auf.

DR. WERBER: Versuchen Sie, Ihren Kopf zu drehen.

MULDER: Ich kann nicht.

DR. WERBER: Warum nicht?

MULDER: Ich weiß es nicht. Ich kann mich nicht bewegen, also versuche ich es auch nicht. Ich liege einfach nur so im Bett.

Die Kamera zeigt eine Nahaufnahmen von der Kassette, die gespielt wird. Darauf steht: F. MULDER Hypnotic Regression Tape Session Number 2B: June 16

DR. WERBER: Können Sie Ihre Schwester sehen?

MULDER: Nein. Aber ich kann sie hören.

DR. WERBER: Und was sagt sie?

Wir sehen ein Bild von MULDER und Samantha als Kinder. MULDER hält dieses Foto. Als die Kamera von dem Foto auf ihn schwenkt und langsam weg, sehen wir, daß er in einer Kirche sitzt.

MULDER: Sie ruft meinen Namen. Immer und immer wieder. Sie schreit um Hilfe, aber ich kann ihr nicht helfen. Ich kann mich nicht bewegen.

MULDER beginnt zu weinen und nimmt das Bild herunter.

DR. WERBER: Haben Sie Angst?

MULDER: Nein, obwohl ich eigentlich Angst haben sollte.

DR. WERBER: Und warum haben Sie keine Angst?

MULDER: Wegen der Stimme.

DR.

WERBER: Der Stimme?

MULDER: Der Stimme in meinem Kopf.

Er kniet in einer betenden Haltung.

DR. WERBER: Was sagst sie Ihnen?

MULDER: Daß ich keine Angst haben soll. Sie sagt mir auch, daß ihr nichts zustoßen wird, und daß sie eines Tages zurückkehrt.

DR. WERBER: Glauben Sie dieser Stimme.

Die Szene wird ausgeblendet.

MULDER: Ich möchte ihr glauben.


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